Die Idee, sich mit den Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung der Mutter auf die kindliche Entwicklung zu beschäftigen, kam mir während der Vorlesung zu den Entwicklungsanforderungen über die Lebensspanne. Während der Einführung in die emotionale Entwicklung erhielten wir einen Text über die Auswirkungen einer depressiven Erkrankung der Mutter auf die emotionale Entwicklung ihres Säuglings. Dieser Text regte mich zum Nachdenken an. Wenn eine solch alltägliche und schon seit vielen Jahren bekannte und gut behandelbare Erkrankung schon so massive Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hat, wie ist es dann mit viel tiefergehenden psychischen Erkrankungen?
Diese Gedanken beschäftigten mich so hartnäckig, dass ich über andere psychische Erkrankungen nachdachte, welche einen Einfluss auf die emotionale Entwicklung von Kindern haben können. Schließlich manifestierte sich mein Interesse an den Borderline-Persönlichkeitsstörungen, weil eine Freundin von mir diese Diagnose erhielt und der Umgang für mich und ihren Lebenspartner schon immer schwierig war, obwohl wir beide auf Grund unserer Ausbildung gut informiert waren. So war es für mich schon immer eine Herausforderung mit ihren wechselnden Ansprüchen an unsere Beziehung und ihre stetig wieder aufkommenden selbstverletzenden Tendenzen umzugehen. Wie schwierig mag das, wohl für ein Kind sein, welches ja nicht nur diese sehr auffälligen Auswirkung der Borderline-Persönlichkeit erlebt, sondern auch die kleinen Höhen und Tiefen, welche dem Freundeskreis verborgen bleiben.
So wollte ich mich in dieser Hausarbeit mit den Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bei einem Elternteil auf die emotionale Entwicklung eines Kindes auseinander setzen, wobei sich hinter der emotionalen Entwicklung nicht nur die Entwicklung von Gefühlen, sondern auch die Entwicklung von Bindungen und eines ICH-Bewusstseins verbergen. Des Weiteren wird es einen Einblick in die Borderline-Persönlichkeit geben und die Verknüpfung von Erkrankung der Mutter und Entwicklung des Kindes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Emotionale Entwicklung
2.1.1 Entwicklung von Emotionen
2.1.2 Bindungsentwicklung
2.1.3 Entwicklung des ICH-Bewusstsein
2.2 Borderline-Persönlichkeitsstörung
3. Besonderheiten von Borderline Beziehungen
3.1 Paarbeziehungen
3.2 Eltern-Kind-Beziehungen
4. Auswirkungen einer Borderline-Störung eines Elternteils auf die kindliche Entwicklung
4.1 Auswirkungen der emotionalen Misshandlung
4.2 Resilienz als Chance für betroffene Kinder
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bei einem Elternteil auf die emotionale Entwicklung von Kindern. Dabei wird beleuchtet, wie sich die psychische Symptomatik der Eltern – geprägt durch Instabilität, Idealisierung und Abwertung – auf die Bindungsfähigkeit, das Selbstbild und das psychische Wohlbefinden der Kinder auswirkt und welche Rolle Resilienzfaktoren in diesem Kontext spielen.
- Grundlagen der emotionalen Entwicklung und Bindungsaufbau bei Kleinkindern.
- Symptomatologie und Dynamik der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Strukturen und Besonderheiten von Borderline-Eltern-Kind-Beziehungen.
- Psychologische Folgen emotionaler Misshandlung und mangelnder emotionaler Sicherheit.
- Resilienz als protektiver Faktor für betroffene Kinder.
Auszug aus dem Buch
3.2 Eltern-Kind-Beziehungen
Personen mit einer Borderline-Störung erhalten sich ein, für die kindliche Persönlichkeitsstruktur typisches Schwarz-Weiß-Denken. Sie können immer nur eine Seite sehen. So kann ein Kind immer nur böse oder gut sein, nie beides zusammen. Bei Mehrfacheltern kann auch ein Kind permanent „nur böse“ und das andere „nur gut“ sein. Kinder sind in diesem System auf Grund ihrer Abhängigkeit von ihrer Bezugsperson gefangen. Sie wachsen in einem „Grenzland“, einer „Als-ob-Welt“ auf, welche eine sehr emotionale Welt ist und durch Widersprüche, emotionale Stürme und Gefahren, die andere Menschen weder sehen, noch spüren oder verstehen, geprägt ist.
„Das Kind wird emotional gefangen gehalten.“ (Lawson 2006:15) Das Borderline-Elternteil strebt nach emotionaler Kontrolle über das Kind. Dazu ist fast jedes Mittel recht. Auch Drohungen des Verlassens oder von selbstverletzenden bzw. suizidalen Handlungen sind keine Seltenheit. Dadurch soll die Zuwendung durch das Kind sichergestellt und ein Abhängigkeitsverhältnis aufrechterhalten werden. Auch wenn Personen mit einer Borderline-Störung das selbst nie so erleben würden, denn das Kind ist schuldig daran, dass sie sich jetzt so verhalten müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin motiviert ihr Interesse am Thema durch persönliche Erfahrungen mit dem Umfeld Borderline-erkrankter Personen und skizziert das Ziel der Arbeit, die Verbindung zwischen mütterlicher Erkrankung und kindlicher Entwicklung zu untersuchen.
2. Grundlagen: Dieser Teil definiert die Meilensteine der emotionalen Entwicklung, inklusive Bindungstheorie und ICH-Entwicklung, sowie das klinische Störungsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
3. Besonderheiten von Borderline Beziehungen: Hier wird analysiert, wie sich die Borderline-Störung auf die Beziehungsdynamik in Partnerschaften und spezifisch in Eltern-Kind-Konstellationen auswirkt.
4. Auswirkungen einer Borderline-Störung eines Elternteils auf die kindliche Entwicklung: Das Kapitel diskutiert die negativen Folgen emotionaler Misshandlung und die Bedeutung von Resilienz für das betroffene Kind.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz der erheblichen Risiken durch ein Borderline-Elternteil eine gesunde kindliche Entwicklung möglich ist, sofern protektive Faktoren wie ein stabiler Partner oder externe Unterstützung vorhanden sind.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, emotionale Entwicklung, Bindung, Eltern-Kind-Beziehung, psychische Gesundheit, Kindeswohl, emotionale Misshandlung, Resilienz, ICH-Bewusstsein, Kindheit, psychische Störungen, Abhängigkeit, Schutzfaktoren, Traumata, Familienkontext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich die psychische Erkrankung Borderline bei einem Elternteil auf die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die frühkindliche Bindungsentwicklung, das klinische Profil der Borderline-Störung, die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen und die Möglichkeiten der Resilienzbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die emotionalen Herausforderungen der Kinder zu schaffen, die in einem von Borderline-Symptomen geprägten Familiensystem aufwachsen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis psychologischer Fachliteratur, aktueller Diagnosestandards und Berichten von Experten sowie Betroffenen fundiert ist.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der emotionalen Kontrolle, wie die sogenannte Double-Bind-Kommunikation, und deren langfristige Folgen für die kindliche Wahrnehmung und das Selbstwertgefühl.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Borderline-Störung, Bindung, emotionale Misshandlung und Resilienz zusammenfassen.
Was versteht man in der Arbeit unter dem „Schwarz-Weiß-Denken“ des Borderline-Elternteils?
Es bezeichnet die Unfähigkeit, ambivalente Gefühle zuzulassen. Ein Kind wird in diesem System entweder als „nur gut“ oder „nur böse“ wahrgenommen, was eine enorme psychische Belastung darstellt.
Welche Rolle spielt die Resilienz für die betroffenen Kinder?
Resilienz fungiert als Schutzfaktor. Die Autorin zeigt auf, dass Kinder durch Ressourcenorientierung, wie Fantasiewelten oder externe Bindungspersonen, Strategien entwickeln können, um trotz der schwierigen häuslichen Situation eine gesunde Entwicklung zu nehmen.
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- Nina Schwitzky (Author), 2012, Auswirkungen einer Borderline-Störung eines Elternteils auf die emotinale Entwicklung des Kindes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213067