„Gut konzipierte und präzise formulierte Arbeitsaufträge sind […] auch ein Schlüssel zum funktionierenden Selbststudium, denn sie befähigen zur selbstständigen Arbeit.“ (Universität Bielefeld 2010, S. 1) Dieses Zitat stammt aus einer Anleitung zum Formulieren von Arbeitsaufträgen für Dozenten von der Universität Bielefeld und wurde freundlicherweise von Prof. Dr. phil. habil. W. Melzer zur Verfügung gestellt. Auch wenn der Text besonders auf das Formulieren von Aufgaben und Arbeitsaufträgen für Dozenten1 an der Universität zielt, so können doch viele Parallelen gezogen und Analogien zu den Lehrern an allgemeinbildenden Schulen hergestellt werden, denn auf diese Schulform soll sich dieser Kommentar beziehen. Ziel der Anleitung (und dieses wird sich im fortlaufenden Text noch mehrfach wiederholen) ist besonders das „studere“ anzuregen. „Sich mühen“ oder im übertragenen Sinne: das Selbststudium, die Motivation, das Interesse bei den Lernenden zu wecken und sie für die jeweilige Thematik zu begeistern. Oftmals wird dies nicht erreicht, weil sich die Lehrenden beim Formulieren der Aufgaben diesen Kontext nicht vor Augen halten und es entsteht bei den Lernenden lediglich der Eindruck des „Abarbeitens“, jedoch sollte es das Ziel der Unterrichtenden sein, dass die Schüler ihre eigenen Interessen erforschen und entdecken, welche Stärken oder Schwächen sie besitzen, „was ihnen besonders liegt und was nicht“, denn es gehört zu den Pflichten des Lehrers, den jungen Menschen aufzuzeigen oder sie so zu leiten, dass sie selbst entdecken können, welche „Bestimmung“ die ihre ist. Meiner Meinung nach ist es also von immenser Bedeutung für die Schüler, herauszufinden, wohin deren Entwicklung gehen soll. Da die Schule den Grundstein bezüglich dieser Thematik legt und einen enormen Anteil an der Sozialisation und persönlichen Entwicklung der Heranwachsenden beeinflusst, ist dies eine Aufgabe, welche ein sehr hohes Maß an Verantwortung bedingt.
Inhaltsverzeichnis
I. Warum das Thema „Arbeitsaufträge formulieren“?
II. Aufgaben – Ziele, Arten und Kategorisierung
II.I Lernziele
II.II Kategorisierung von Arbeitsaufträgen
II.III Arbeitsaufträge: Drei ausgewählte Beispiele
III. Schluss/Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Gestaltung von Arbeitsaufträgen im schulischen Kontext auseinander. Das Hauptziel besteht darin, die didaktische Bedeutung präziser Aufgabenstellungen zu verdeutlichen, um Lernprozesse effektiv zu steuern und bei Schülern Interesse sowie Selbsttätigkeit zu fördern.
- Bedeutung der Lernzielorientierung für Lehrkräfte
- Kategorisierung und Funktionen von Arbeitsaufträgen
- Analyse der Gruppenarbeit als Sozialform und Lernauftrag
- Problematik und Einsatzmöglichkeiten von Arbeitsblättern
- Gestaltung des Schülerreferats als komplexe Aufgabenstellung
Auszug aus dem Buch
II.III Arbeitsaufträge: Drei ausgewählte Beispiele
Hilbert Meyer stellt in seinen Forschungen heraus, dass in heutigen „schwieriger werdenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen […] ein hohes Maß an Ich-Stärke oder Identität“ für Heranwachsende erforderlich ist (Meyer 2009, S. 240). Um diese zu erlangen und besonders, weil der Mensch in der Schule nicht nur einen Großteil seiner Jugend verbringt, sondern auch sozialisiert wird, soll er genau dort „Kommunikations-, Interaktions- und Handlungskompetenzen“ bezüglich seiner Mitmenschen und seiner Gesellschaft erwerben (ebd., S. 240). Einen großen Beitrag zu diesem Ziel kann der Arbeitsauftrag Gruppenarbeit leisten.
Die Gruppenarbeit wird als eine „Sozialform des Unterrichts“ (ebd., S. 136) bezeichnet. Meyer nennt an dieser Stelle noch andere, wie den Klassen- und Frontalunterricht, die Partner- oder die Einzelarbeit, jedoch soll der Fokus hier auf die Gruppenarbeit gerichtet sein, da diese teilweise sehr umstritten ist. Außerdem kann diese hier diskutiert werden, weil die Gruppenarbeit auch als Aufgabe verstanden werden kann, zum Beispiel werden Gruppenarbeiten häufig als Forschungs-, Diskussions- oder Rollenspielaufträge eingesetzt.
Der Gruppenunterricht regelt, nach Meyer, die „Beziehungsstruktur des Unterrichts“ (ebd., S. 136). Somit ist sie auch für das Lern- und Klassenklima besonders wichtig. Die Gruppenarbeit hat eine äußere und eine innere Seite. Mit der äußeren Seite ist eher die räumliche Dimension gemeint, nämlich die Sitzordnung und der Aufbau des Klassenraumes. Die innere Seite beschreibt vorwiegend die Kommunikations- und Interaktionsstruktur (ist der Unterricht mehr lehrerzentriert oder partnerschaftlich? Wie viel wird geredet, geschrieben, gelesen et cetera?) (vgl. ebd., S. 137f.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Warum das Thema „Arbeitsaufträge formulieren“?: Dieses Kapitel beleuchtet die Relevanz der präzisen Formulierung von Arbeitsaufträgen, um das Selbststudium der Schüler zu fördern und deren persönliche Entwicklung sowie Motivation gezielt zu unterstützen.
II. Aufgaben – Ziele, Arten und Kategorisierung: Hier werden die allgemeinen Anforderungen an Arbeitsaufträge sowie deren lernzielorientierte Funktion im Unterrichtsgeschehen thematisiert.
II.I Lernziele: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Bedeutung von Lernzielen für den Unterrichtsprozess und deren Einordnung in verschiedene Dimensionen und Ebenen der didaktischen Planung.
II.II Kategorisierung von Arbeitsaufträgen: Der Abschnitt klassifiziert Arbeitsaufträge in schriftliche, mündliche und experimentelle Formen und verknüpft diese mit den didaktischen Funktionen der Erarbeitung, Übung und Wiederholung.
II.III Arbeitsaufträge: Drei ausgewählte Beispiele: Dieses Kapitel analysiert spezifische Formen der Aufgabenstellung, wobei der Fokus insbesondere auf der Gruppenarbeit, der Arbeit mit Arbeitsblättern und dem Schülerreferat liegt.
III. Schluss/Reflexion: Die abschließende Reflexion fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung gut durchdachter Aufgabenstellungen für den Lehrerberuf und den Lernerfolg der Schüler.
Schlüsselwörter
Arbeitsaufträge, Didaktik, Lernziele, Unterrichtsgestaltung, Gruppenarbeit, Arbeitsblätter, Schülerreferat, Selbststudium, Kompetenzförderung, Lehrkraft, Unterrichtsphasen, Sozialform, Aufgabenstellung, Identitätsbildung, Schulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Gestaltung von Arbeitsaufträgen durch Lehrkräfte und deren Einfluss auf den Lernprozess der Schüler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Lernzielorientierung, die Kategorisierung von Aufgaben sowie die Analyse spezifischer Formate wie Gruppenarbeit, Arbeitsblätter und Referate.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch geschickte Formulierung und Strukturierung von Aufgabenstellungen Unterrichtssituationen bewusst gesteuert und Lernerfolge optimiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine analytische Auseinandersetzung mit fachdidaktischer Literatur, insbesondere unter Rückgriff auf die Werke von Hilbert Meyer, durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Lernzielen und Aufgabenkategorien sowie in die praktische Beleuchtung konkreter Anwendungsformen im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Arbeitsaufträge, didaktische Planung, Lernziele und schüleraktives Lernen charakterisiert.
Warum wird die Gruppenarbeit in dieser Arbeit kritisch diskutiert?
Obwohl die Gruppenarbeit als wertvoll für Sozialkompetenzen erachtet wird, weist der Autor auf den hohen Vorbereitungsaufwand und die problematische Implementierung im Schulalltag hin.
Welche Rolle spielen Arbeitsblätter nach Ansicht des Autors?
Arbeitsblätter werden als didaktisch strukturierte Aufträge definiert, bei denen jedoch eine Gefahr der „Überflutung“ besteht, sofern sie nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Klasse zugeschnitten sind.
Wie bewertet der Autor die Bedeutung von Schülerreferaten?
Referate werden als eine anspruchsvolle Aufgabenform angesehen, die für Schüler mit Druck verbunden ist, aber bei sorgfältiger Vorbereitung und Begleitung durch die Lehrkraft eine hohe pädagogische Chance bietet.
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- Robert Schich (Autor:in), 2011, Arbeitsaufträge formulieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213114