Eine Interessengenese vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen und sozialer Einflüsse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

l. Einleitung

2. Interesse als persönliche Betroffenheit (Dewey)

3. Interesse als Ausdruck sozialer Verhältnisse (Bourdieu)

4. Interessengenese – Biografische Erfahrungen und soziale Einflüsse
4.l. Die Interessengenese durch biografische Erfahrungen
4.2. Der Interessengegenstand als Ausdruck sozialer Verhältnisse
4.3. Die „Kontinuität der Erfahrung“ und der Wandel von „ästhetischen Einstellungen“

5. Ausblickl

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Interessen können vielseitig und wandelbar sein; außerdem haftet ihnen immer der Wert des Bedeutungsvollen an. Diese Bedeutsamkeit ist individuell wie auch sozial bestimmt. Zum Einen ist das Interesse stets an eine Person gebunden. Die Person tritt mit einem Interessengegenstand 'ihrer Wahl' in Beziehung. Sie interagiert über längere Zeit mit ihm in einer (intensiven) Auseinandersetzung, weil er ihr wichtig ist, weil er sie tangiert und in ihr emotionale wie auch kognitive Prozesse freisetzt. Da die interessierte Person durch ihr Interessengebiet eine subjektive Befriedigung und Bereicherung erlebt, schreibt sie diesem eine Bedeutsamkeit zu.1 (vgl. Dewey l9l6/l948)

Das Individuum hat jedoch nicht von Geburt an eine natürliche oder angeborene Affinität dem Gegenstand gegenüber. Es kommt vielmehr erst im Laufe seines Lebens mit dem Interessenobjekt in Berührung, weil dieses ihm durch sein soziales Umfeld nahegelegt wird. Je nachdem in welchem sozialen Raum sich eine Person bewegt, kommt sie mit bestimmten – für dieses Milieu bedeutsamen – Gegenständen in Kontakt. Interessengegenstände sind damit nicht zuletzt Ausdruck sozialer Verhältnisse. (vgl. Bourdieu l997; Grotlüschen/ Kubsch 20l0)

Im Folgenden werde ich meine individuelle Interessengenese als „Kontinuität einer Erfahrung“ (Dewey) darstellen und zugleich aufzeigen, wie sich in Abhängigkeit der sozioökonomischen Lage die Bedeutung eines Interessengegenstandes verschieben kann (Bourdieu). Hierfür wird zunächst der Interessenbegriff von John Dewey als Definition herangezogen. Da Dewey sich vor allem mit der Wechselwirkung von Individuum und Interessengegenstand auseinandergesetzt hat, wird seine Perspektive darauffolgend um Pierre Bourdieus Konzepte ergänzt, welcher mit dem Habitus-, Lebensstil, Geschmacks- und Interessenkonzept vor allem die soziale Dimension von Wahrnehmungen, Praktiken und Bedeutungen betont.2

Hernach werde ich mich auf die eigene Jugendzeit zurückbesinnen und meine damalige Neigung zur Kunst aufzeigen. Die künstlerische Tätigkeit diente einerseits dem subjektiven Ausdruck eines inneren Selbst, doch wurde sie andererseits auch stark durch die Kunstvorstellungen des sozialen Umfeldes geprägt und fungierte somit als Komponente eines spezifischen Lebensstils. Mit dem Umzug in eine andere Stadt und der Veränderung der sozialen Umgebung wandelte sich der Kunstgeschmack und es bildete sich ein neues, eher wissenschaftlich orientiertes Interesse heraus. Mit dieser Bildung von Lebensinteressen sowie der Verschiebung von Bedeutungen werde ich mich in der folgenden Hausarbeit skizzenhaft auseinandersetzen.

2. Interesse als persönliche Betroffenheit

Wenn ein Individuum ein Interesse an etwas hat, so bedeutet das nach der pragmatistischen Auffassung Deweys, dass es mit dem Interessengegenstand – und mit den Möglichkeiten, die diesem innewohnen – verbunden ist. Die Person ist subjektiv von dem Objekt 'ihrer Wahl' betroffen (concern) wie auch berührt und hat ein aktives, emotionales Verlangen sich damit auseinanderzusetzen. Sie verliert sich in dem Gegenstand, ebenso wie sie sich darin wiederfindet. (vgl. Dewey l9l6/l948, S.l46ff.)

Dabei richtet sich das Individuum immer mit einer bestimmten Absicht an ihr jeweiliges Interessenobjekt. Es erhofft sich etwas von der Auseinandersetzung mit ebenjenem Gegenstand und strebt ein bestimmtes Resultat, bzw. ein erwünschtes Ziel an (vgl. ebd., S.l47).3 Das Interesse liegt dabei, etymologisch betrachtet, zwischen den anfänglichen Kräften und dem endgültigen Ziel des Individuums.4 Die jeweiligen Bedingungen, Schwierigkeiten und Hindernisse – welche das Subjekt überstehen muss, um an sein Ziel zu gelangen und welche überhaupt erst zu seinem Wachstum führen – verlangen seine ständige Aufmerksamkeit, Willenskraft und Disziplin (ebd., S.l50, S.l62).

Durch die Identifikation mit dem Objekt kann das Individuum jene inneren Kräfte mobilisieren, um kontinuierlich an der sich entwickelnden Situation zu wachsen und zu einer Vervollkommnung zu gelangen (growth). Dewey stellt sich damit gegen eine dualistische Sichtweise und betont das dialektische Verhältnis von Individuum und Gegenstand. Interesse stellt zudem, so Dewey, keinen statischen Zustand dar, sondern entfaltet sich innerhalb eines kontinuierlichen (Erfahrungs-) Prozesses, respektive „im Prozess der aufeinanderfolgenden Handlungen (pragma): Die vergangene Erfahrung hat Bedeutung für das Gegenwärtige. Auch die in der Zukunft antizipierte, angestrebte Handlung verleiht der gegenwärtigen Auswahl ihre Bedeutung.“ (Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.4) Dewey betrachtet die „Interessengenese als unabschließbaren Prozess“ (ebd.), „every experience lives on in further experiences“ (Dewey l938, S.27).

Die interessierte Person steht dabei eng mit den äußeren Gegebenheiten in Wechselbeziehung, sie wird durch sie beeinflusst. Jeder Wandel der äußeren Umstände kann auch zu einer Veränderung der Person, ihrer Interessen und Aktivitäten und führen.

„Life activities flourish and fail only in connection with changes of the environment. They are literally bound up with these changes.; our desires, emotions, and affections are but various ways in which our doings are tied up with the doings of things and persons about us. Instead of marking a purely personal or subjective realm, separated from the objective and impersonal, they indicate the non-existence of such a separate world. They afford convincing evidence that changes in things are not alien to the activities of a self, and that the career and welfare of the self are bound up with the movements of persons and things. Interest, concern, mean that self and world are engaged with each other in a developing situation.“ (Dewey l9l6/l948, S.l47)

John Dewey unterstreicht demnach die Abhängigkeit des Individuums von der äußeren Welt. Er legt er dabei seinen Fokus auf die temporären Entwicklungen der objektiven Gegebenheiten und betont ihre Einflüsse auf subjektive Lebensaktivitäten. Dabei geht er zwar auch auf soziale Einflüsse ein, jedoch nicht explizit darauf, dass objektive Unterschiede eben nicht nur zeitlich, sondern auch durch soziale Ungleichheit – und damit verbundene materielle Ungleichverteilungen – hervorgerufen und aufrecht gehalten werden (vgl. Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.4). Dewey betrachtet die Interessengenese demnach primär aus einer zeitlichen Längsschnittperspektive ohne jedoch einen Querschnitt durch die sozial ungleiche Gesellschaft zu ziehen.5

3. Interesse als Ausdruck sozialer Verhältnisse

Deweys Sichtweise – den Individuen aufgrund persönlicher Erfahrungen, zukünftiger Ziele und natürlicher Begabungen spezifische Fähigkeiten und Präferenzen zuzusprechen (vgl. Dewey l9l6/l948, S.l53) – trägt zwar einer subjektorientierten Perspektive Rechnung, vernachlässigt jedoch, dass nicht alle Menschen einer Gesellschaft Zugang zu gleichen materiellen Ressourcen haben (vgl. Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.4). Dieser eher individuellen Dimension von Interesse stellt der Soziologe Pierre Bourdieu die Bedeutung von sozialen Strukturen gegenüber.

Der Einbezug von materiellen Verteilungen innerhalb der Gesellschaft berücksichtigt zum Einen, dass die sozialen Schichten aufgrund ihrer ungleich verteilten Ressourcen mit differierenden Interessengegenständen in Berührung kommen. (vgl. Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.4) Zum Anderen berücksichtigt dieser Ansatz die soziale Konstruktion von Bedeutungen und Präferenzen in Abhängigkeit der jeweilig sozialen Lage. Die Interessenneigung eines Subjekts wird demnach nicht bloß auf dessen 'persönliche' Erfahrung, Neigung oder Bedeutung zurück gebunden, sondern berücksichtigt, dass innerhalb sozialer Schichten bestimmte Gegenstände und Aktivitäten strukturell als erstrebenswert oder minderwertig konstruiert, bzw. auf-, und abgewertet werden; nicht zuletzt um sich damit von anderen Personen oder Schichten zu distinguieren.

Die jeweilige soziale Lage der Menschen in einer Gesellschaft kommt, so Bourdieu, in einem für diese Schicht charakteristischem Lebensstil zum Ausdruck. Lebensstile repräsentieren symbolisch die soziale Welt (vgl. Bourdieu l997, S.278) und lassen – vereinfacht formuliert – Rückschlüsse darauf zu, ob ein Mensch Angehöriger einer sozial schwach situierten oder höher privilegierten Lage ist (vgl. Bourdieu l997, S.282) Als wesentliche Merkmale der Lebensstile führt Bourdieu „Alter, Geschlecht, Ausbildungsniveau, Beruf und Wohnort [auf], zum anderen verweist er auf die seiner Meinung nach weitaus bedeutenderen Aspekte eines Lebensstils; kulturelle und höher privilegierten machen. Diese „sozialen Umweltfaktoren“ haben seines Erachtens auch pädagogische Bedeutung, da sie hinderlich oder förderlich auf die Entwicklung der Kinder einwirken können. Er geht jedoch nicht weiter oder vertiefend auf die unterschiedliche soziale Situierung ein. (vgl. Dewey l938/ 2002, S.45)

'ästhetische Einstellungen' oder Praktiken wie die Wohnungseinrichtung, Freunde, Essensvorlieben, Musik und Kunstgeschmack und Kleidung.“ (Mulder 2009, S.9) Je höher die soziale Lage, desto mehr zeichnet sich der Lebensstil durch eine „'Stilisierung' des Lebens“ (Weber zit. nach Bourdieu l997, S.283) aus und wird damit zur

„Klassenschranke“ (Grotlüschen/ Krämer 2006, S.22), indem sich die oberen Schichten in einem zunehmend feineren Lebensstil von den unteren abgrenzen.

Die Lebensstile sind dabei systematische Produkte des Habitus.6 Mit diesem werden die unterschiedlichen Lebensstile wahrgenommen, eingeordnet und beurteilt (vgl. Bourdieu l997, S.279). Der Habitus bezeichnet die geistigen Wahrnehmungs- und praktischen Verhaltensdispositionen, die innerhalb einer sozialen Schicht Ähnlichkeiten aufweisen und die Angehörigen dieser Schicht – überspitzt formuliert – miteinander verbinden. Die Menschen erlernen die in ihrem sozialen Raum dominierenden und quasi typischen Einstellungen, Moralvorstellungen, Kleidungsvorstellungen, Umgangsweisen, Manieren, etc., welche sie in ihre Körper einverleiben und in ihren jeweiligen sozialen Raum praktisch zurückgeben. So kann der Habitus „als Ort der Verinnerlichung äußerer Ansprüche und gleichzeitig als Ort der Veräußerlichung innerer Ansprüche gelten.“ (Grotlüschen/ Krämer 2006, S.22) Hierbei fungiert der Habitus – primär vor allem unbewusst – als Distinktionsstrategie (vgl. Fröhlich l994, S.44).7 Nach Bourdieu zeichnet der Habitus sich durch zwei Leistungen aus: durch die Praxisformen, wie auch durch seinen Geschmack (vgl. Bourdieu l997, S.278).

Mit dem Geschmack werden Formen und Produkte bewertet, um sich dann entweder davon abzugrenzen oder sie als wertvoll anzuerkennen (vgl. ebd.). Er liegt dem Lebensstil – bspw. hinsichtlich dem Kauf von Möbeln oder Kleidung – als eine bestimmte „Ausdrucksintention“ zugrunde (vgl. Bourdieu l997, S.283) und wird von Bourdieu als „Gesamtkomplex distinktiver Präferenzen“ (Bourdieu l997, S.283) definiert; dabei differenziert Bourdieu bspw. zwischen dem für die Oberschicht charakteristischem „Luxusgeschmack“ und dem für die Unterschicht kennzeichnendem

„Notwendigkeitsgeschmack“ (Boudieu l997, S.285).8 „Der Geschmack ist amor fati, Wahl des Schicksals, freilich eine unfreiwillige Wahl, durch Lebensumstände geschaffen.“ (Bourdieu l997, S.290)

Die jeweiligen Lebensumstände bilden weiterhin die Grundlage für divergierende (Gruppen-) Interessen. Bourdieu definiert ein Interesse „nicht als individuelle Vorliebe für ein Thema, sondern als eine Angelegenheit, die im Interesse der handelnden Person beeinflussbar ist.“ (Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.5) Es geht dabei also weniger um ein 'persönlich gewähltes' und präferiertes Interessenobjekt – auch wenn dieses aus der individuellen Sichtweise so erscheinen mag – als vielmehr um (unbewusste) kollektive Gruppeninteressen, wie bspw. um „Distinktionsinteressen oder Durchsetzungsinteressen sozialer Schichten“ (Grotlüschen/ Kubsch 20l0, S.5).

Interesse ist, so Bourdieu, „das Gegenteil von Interessenfreiheit oder Willkür“, wie auch das Gegenteil von „Indifferenz“ (vgl. Bourdieu/ Wacquant l996, S.l48). Es bedeutet

„einem bestimmten sozialen Spiel zugestehen, daß das, was in ihm geschieht einen Sinn hat, und daß das, was bei ihm auf dem Spiel steht, wichtig und erstrebenswert ist“ (vgl. Bourdieu/ Wacquant l996, S.l48). In jedem Feld, sei es bspw. im Feld der Politik oder der Kunst, wird ein bestimmtes – für dieses Feld charakteristische – Interesse von denen vorausgesetzt, die daran teilnehmen (vgl. Barlösius 2006, S.l0l). Dies wird von Bourdieu auch bezeichnet als „spezifische illusio als stillschweigende Anerkennung des Wertes der Interessenobjekte, die in ihm auf dem Spiel stehen und als praktische Beherrschung der Spielregeln, die in ihm gelten.“ (Bourdieu/ Wacquant l996, S.l49)

„Das künstlerische Feld lebt von der 'illusio', dass nur ästhetische Kriterien über Erfolg und Anerkennung der Künstler entscheiden. Die Bedeutung von Rezeptionszirkeln, einflussreichen Verlagen und Marketing wird heruntergespielt. Die 'illusio' bewirkt, dass die sozialen Kämpfe auf den Feldern meist unerkannt bleiben. […] Auf diese Weise vollzieht sich die soziale Strukturierung des Felder [sic!] quasi hinter dem Rücken der Akteure, weil sie von der Wirklichkeitsillusion übertüncht sind.“ (Barlösius 2006, S.l0l)

Die Geschichte eines Feldes besteht in der Durchsetzung der 'illusio' als der einzig legitimen Wahrnehmungs- und Bewertungsweise, die auf dem Feld Geltung besitzt (vgl. RDK: 253) Weist ein Künstler auf die ökonomischen und die sozialen Voraussetzungen für den Erfolg im Feld der Kunst hin, wird sein Einwand feldintern als unberechtigt zurückgewiesen, weil er sich damit den Regeln des Feldes – der 'illusio' – widersetzt.“ (ebd. S.l02)

4. Die Interessengenese – biografische Erfahrungen und soziale Einflüsse

Von meiner kindlichen Entwicklung bis einschließlich zur Jugendzeit war ich regelmäßig künstlerisch9 aktiv. Dabei wurde die eigene künstlerische Tätigkeit immer auch durch soziale Einflüsse bestimmt. Die Einflussnahme der drei Instanzen Elternhaus, Schule und Freundeskreis auf den 'eigenen' künstlerischen Geschmack und das künstlerische Interesse soll im Folgenden ansatzweise anhand biografischer Erfahrungen nachvollzogen und auf die dargelegten Theoriestränge bezogen werden.

4.1. Die Interessengenese durch biografische Erfahrungen

Das Elternhaus. Meine Mutter hat mir schon früh den Wachsmalstift in die Hand gereicht und mich vielfältig zum malen, basteln und kreativ sein animiert. Kunst ist für sie – seit ich denken kann – ein wertvolles Ausdrucksmittel gewesen, dass gelebt, gelobt und durch künstlerische Freiheit gefördert werden musste. So habe ich mich über die kindliche Entwicklung hinweg intensiv, aktiv und sehr freiheitlich an künstlerischen Gegenständen versucht, Farb- und Formgebungen ausprobiert sowie mit Wasserfarben und Stiften experimentiert. Jegliche Art von kreativer Betätigung hat mich 'immer schon' emotional tangiert und wurde nicht zuletzt dadurch verstärkt, dass meinen

In der späteren, jugendlichen Lebensphase enthält Kunst dahingegen für mich eine Wertung. Sie ist nicht nur Erzeugungsprinzip und schöpferische Energie, sondern es geht zugleich um objektive Kriterien der Gestaltung, sowie um ein soziales, bzw. kulturelles und wertbehaftetes Verständnis von Kunst.

[...]


1 Andersherum kann auch danach gefragt werden, ob nicht die Bedeutungszuschreibung überhaupt erst dazu führt, dass das Individuum sich mit eben jenem Gegenstand auseinandersetzt (siehe unten)

2 Ich werde hierbei im Kern Anke Grotlüschen und Eva Kubsch (20l0) bei ihrer theoretischen Rahmung zur „Interesseträgheit in der kaufmännischen Ausbildung“ folgen.

3 Die objektiven Konsequenzen ihrer Handlung nimmt die Person in einer intellektuellen Leistung gedanklich vorweg, um dann mit den richtigen Handlungen zu dem erwünschten Ergebnis zu führen.

4 Bei Dewey ist es das vorgegebene oder angestrebte Ziel des Lehrers.

5 In einer Überarbeitung seiner Theorie von Erfahrung erwähnt Dewey siebzehn Jahre später (l933) auch die unterschiedlichen Erfahrungen, welche die Kinder in Elendsquartieren entgegen den Kindern aus

6 Wobei ich denke, dass der Habitus zugleich auch Produkt der Lebensstile sein kann. Denn formt nicht auch die uns jeweilig umgebende materielle, soziale und ästhetische Welt auch unsere Wahrnehmungen, Einstellungen, usw.?

7 Bspw. im Sinne der Aufrechterhaltung von Machtverhältnissen durch die herrschende Klasse. Die Praktiken mit denen letztere ihr Anderssein aufrecht halten und zum Ausdruck bringen finden sich z.B. im Sport, in kulturellen Veranstaltungen (Bourdieu l997, S.282).

8 „Entweder er wird kurzerhand negiert und entsprechendes Verhalten zu einem unmittelbaren Produkt des ökonomischen Zwangs verkürzt (die Arbeiter essen Bohnen, weil sie sich nichts anderes leisten können) […] Oder aber er wird zu einem aus freier Wahl geborenen Geschmack stilisiert, womit die Konditionierungen unterschlagen werden, deren Resultat er ist.“ (Bourdieu l997, S.290)

9 Wenn hier von 'Kunst', 'malen' oder 'zeichnen' während der kindlichen Entwicklung gesprochen wird, ist damit jegliche Form kreativer Ausübung und Versuchung gemeint, sei es mit Wasserfarben oder Stiften. Kunst ist für mich in dieser Lebensphase also noch nicht professionell und Werte bezogen konnotiert, sondern eine Art Synonym für Kreativität, gestalterische Energie und jegliches eigenständiges Erzeugen von Farben und Formen zur (subjektiven) Befriedigung.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Eine Interessengenese vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen und sozialer Einflüsse
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät für Erziehungs- und Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Theorien und Ansätze in der Erwachsenenbildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V213142
ISBN (eBook)
9783656411130
ISBN (Buch)
9783656412083
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
John Dewey, Pragmatismus, Pierre Bourdieu, Habitus, Lebensstil, Geschmack, Illusio, Interesse, Interessengenese, soziale Einflüsse, spezifische Lebensbedingungen, Graffiti, Hip Hop
Arbeit zitieren
Varinia Lindau (Autor), 2013, Eine Interessengenese vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen und sozialer Einflüsse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213142

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