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Wie wird ein Mensch zum Mörder?

Psychologie der Täter im Genozid

Titel: Wie wird ein Mensch zum Mörder?

Seminararbeit , 2012 , 17 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Katrin Hillenbrand (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Besonders nach den Schrecken des zweiten Weltkriegs und den grausamen Taten, die sich indessen vor den Augen der Welt abgespielt hatten, stellt sich in den Wissenschaften, vor allem in der Sozialpsychologie immer mehr die Frage, wie durchschnittliche Menschen zu Tätern werden konnten, die teils unglaubliche Verbrechen an ihren Mitmenschen begehen, auch ohne vorher je negativ aufgefallen zu sein. Es ist kein Zufall, das gerade in der Nachkriegszeit eine Vielzahl an psychologischen Forschungen und Experimenten durchgeführt werden – das Milgram-Experiment findet nur kurz nach dem Eichmann-Prozess statt - um die Frage zu beantworten, die die Welt im Angesicht einer solchen Katastrophe von phänomenalem Ausmaß stellt: wie wird ein Mensch zum Täter? Viele Annahmen über die menschliche Natur sind seither gemacht worden, besonders darüber, wie unzählige, bis dato unauffällige Durchschnittsbürger innerhalb kurzer Zeit gezeigt haben, zu welchen grauenhaften Taten sie offenbar fähig waren.
Daraus ergibt sich zuerst die Frage: was ist eigentlich Gewalt und wie wird aggressives Verhalten ausgelöst?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Gewalt liegt im Auge des Betrachters – ein anthropologischer Erklärungsversuch

2. Von Gewalt zu Genozid

3. „Ich habe nur getan, was mir gesagt wurde“ – Die Rolle des Sozialen Einflusses

3.1 Konformität

3.2 Gehorsam

4. Der Mensch in der Gruppe

4.1 Normen

4.2 Rollen

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe und sozialen Mechanismen, die durchschnittliche Menschen dazu bringen können, unter bestimmten situativen Bedingungen zu Tätern bei Genoziden und Massenmorden zu werden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen Einfluss die Gruppe, soziale Normen, Rollenverteilungen sowie der Gehorsam gegenüber Autoritäten auf die Ausübung von Gewalt gegenüber Mitmenschen haben.

  • Analyse der Definition und Wahrnehmung von Gewalt aus anthropologischer Perspektive
  • Untersuchung von sozialpsychologischen Einflussfaktoren wie Konformität und Gehorsam
  • Darstellung klassischer Experimente (Milgram, Asch, Stanford-Prison) als Erklärungsmodelle
  • Erörterung der Bedeutung von Gruppenidentität, Normen und Rollenzuweisungen
  • Beleuchtung der Dynamiken bei Genoziden anhand des historischen Beispiels des Holocaust

Auszug aus dem Buch

3.1 Konformität

Solomon Asch führte in den 50er Jahren eine Reihe von Experimenten zur Konformität durch, die in der Sozialpsychologie zu unerwarteten Ergebnissen führten und hier nicht unachtet bleiben sollen.

Die Versuchspersonen waren aufgefordert, 18 Aufgaben zu lösen, wie die, die in Abbildung 1 dargestellt ist, sie sollten jeweils angegeben, welche der rechts dargestellten Linien am ehesten der links dargestellten in ihrer Länge entspricht. Die Aufgabe wurde entweder alleine oder in einer Gruppe von 8 Teilnehmern öffentlich gelöst. Die weiteren vermeintlichen Versuchspersonen im Raum waren jedoch Eingeweihte, deren Aufgabe darin bestand, in der Mehrheit der Fälle alle die gleiche offensichtlich falsche Linie zu wählen und ihre Wahl laut auszusprechen. Die Versuchsperson wurde im Raum zudem so platziert, dass sie ihr Urteil stets als eine der Letzten abgeben musste. Die Versuchsperson war somit in den Druck der Konformität geraten und fühlte sich genötigt, ebenfalls die falsche Antwort der Gruppe zu benennen, was bei 74% aller Versuchspersonen mindestens einmal der Fall war. In den Untersuchungen, in denen der Proband alleine seine Meinung abgab, lag die Quote nur bei 5%11. In Folgeexperimenten nahm eines der Gruppenmitglieder die Meinung der Versuchsperson an, was diese darin bestärkt, seine eigene Meinung beizubehalten. Diese Folge legt nahe, dass die Einstimmigkeit der Gruppe entscheidend ist, ist diese einmal gebrochen, wird es deutlich leichter für den Probanden, sich von dem Gruppenzwang zu lösen.12

Wie kommt es zu dieser hohen Quote, obwohl wie im Fall von Aschs‘ Studien, das Urteil der Gruppe ganz offensichtlich falsch war? Dieses Verhalten wird in der Psychologie normativer Einfluss genannt: Mit dem eigenen Handeln soll Akzeptanz und Bestätigung in der sozialen Gruppe erreicht werden, auch wenn es sich ausschließlich um eine öffentliche Konformität handelt, meist jedoch ohne

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Einleitung in die Thematik der Täterpsychologie nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und Darlegung der zentralen Forschungsabsicht.

1. Gewalt liegt im Auge des Betrachters – ein anthropologischer Erklärungsversuch: Diskussion der Schwierigkeit einer allgemeinen Definition von Gewalt und die Rolle soziokultureller Prägung.

2. Von Gewalt zu Genozid: Erläuterung der Eskalationsstufen von Gewalt hin zu ideologisch motivierten Massenverbrechen am Beispiel des Holocaust.

3. „Ich habe nur getan, was mir gesagt wurde“ – Die Rolle des Sozialen Einflusses: Einführung in die Macht des sozialen Einflusses auf das individuelle Handeln.

3.1 Konformität: Analyse des Konformitätsdrucks in Gruppen anhand der Experimente von Solomon Asch.

3.2 Gehorsam: Untersuchung der Auswirkungen blinden Gehorsams gegenüber Autoritäten mittels der Milgram-Experimente.

4. Der Mensch in der Gruppe: Einführung in die Bedeutung von Strukturmerkmalen wie Normen und Rollen für das menschliche Verhalten.

4.1 Normen: Analyse, wie anerkannte soziale Regeln und Gruppenzwang das Verhalten des Einzelnen steuern.

4.2 Rollen: Untersuchung der Auswirkungen von Rollenkonformität und Deindividuation, illustriert durch das Stanford-Prison Experiment.

Schlusswort: Fazit über die Komplexität menschlichen Handelns und das Potenzial zur Gewalt unter bestimmten sozialen Bedingungen.

Schlüsselwörter

Sozialpsychologie, Gewalt, Genozid, Holocaust, Milgram-Experiment, Asch-Experiment, Stanford-Prison Experiment, Konformität, Gehorsam, Gruppenidentität, Normen, Rollenverhalten, Deindividuation, Täterpsychologie, Autorität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sozialpsychologischen Faktoren, die dazu führen, dass durchschnittliche Menschen im Kontext von Gruppen oder unter dem Druck von Autoritäten zu gewalttätigem Handeln oder gar zu Genoziden fähig werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Arbeit behandelt die Einflussfaktoren Konformität, Gehorsam gegenüber Autorität, soziale Normen und die Auswirkung von Rollenkonformität auf das Verhalten innerhalb von Gruppen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die sozialen Prozesse und psychologischen Hintergründe zu identifizieren, die als Auslöser für Gewalt dienen können, um ein besseres Verständnis für das Entstehen von Täterverhalten zu entwickeln.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse klassischer sozialpsychologischer Experimente (wie die von Milgram, Asch und Zimbardo) und verknüpft diese mit anthropologischen sowie historischen Ansätzen zum Verständnis von Genoziden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von individuellem Verhalten unter sozialem Druck (Konformität und Gehorsam) sowie das Verhalten innerhalb von Gruppenstrukturen (Normen und Rollen), jeweils illustriert durch historische Ereignisse wie den Holocaust.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialpsychologie, Gehorsam, Konformität, Genozid, Deindividuation und Gruppenidentität charakterisieren.

Warum reicht der Gehorsam allein nicht aus, um Massenmorde vollständig zu erklären?

Obwohl Gehorsam ein wesentlicher Faktor ist, erklärt er laut Autorin nicht die intensive Brutalität, die über Befehle hinausgeht, sowie die variierenden persönlichen Motive der Täter.

Welche Rolle spielt die "Isolationsfurcht" nach Noelle-Neumann?

Sie beschreibt die menschliche Tendenz, sich der Mehrheit anzuschließen, um nicht aus der Gruppe herauszustechen oder isoliert zu werden, was den Konformitätsdruck in Experimenten erklärt.

Was ist das Hauptergebnis des Stanford-Prison Experiments in Bezug auf die Arbeit?

Es verdeutlicht, wie Rollenkonformität zur Deindividuation führen kann, wodurch Teilnehmer selbst in einer experimentellen, nicht realen Situation zu gewalttätigem Verhalten neigten.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wie wird ein Mensch zum Mörder?
Untertitel
Psychologie der Täter im Genozid
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Kultur- und Sozialanthropologie)
Veranstaltung
Dealing with Violence - Vom Umgang mit Gewalt: Praktiken, Repräsentationen, Spuren und Konzepte
Note
2,0
Autor
Katrin Hillenbrand (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V213152
ISBN (eBook)
9783656410997
ISBN (Buch)
9783656411918
Sprache
Deutsch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katrin Hillenbrand (Autor:in), 2012, Wie wird ein Mensch zum Mörder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213152
Blick ins Buch
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