Aneta Grzeszykowskas Untitled Film Stills

Innovation oder Imitation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Einführung
2.1. Appropriation Artist „Cindy Sherman"
2.2. Re-Inszenierung„Aneta Grzeszykowska"

3. Untitled Film Stills
3.1. Beschreibung & Bedeutung
3.2 Vergleich

4. Vergleich an Fallbeispielen
4.1. Untitled Film Still(s) #6
4.2 Untitled Film Still(s) #27
4.3. Untitled Film Still(s) #12

5. Fazit

6. Literaturliste

1. EINLEITUNG

Die Kunst der Wiederholung, das Kopierwesen, die Reproduktion oder die Aneignung verschiedener künstlerischer Arbeiten ist kein neuartiges Phänomen des modernen Zeitalters, sie „ist so alt wie [die] Kunst selbst"1. Diese Tatsache soll sich dem Besucher der Ausstellung „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube"2 der Kunsthalle Karlsruhe erschließen. Neben der jahrhundertealten Praxis der Reproduktion, sollen auch die Ergebnisse dieser „Methode" in „ihrem ästhetischen und historischen Eigenwert"3 aufgewertet werden und sich als „Kopie" dennoch den Titel eines innovativen und für sich sprechenden „Originals" zukommen zulassen. „Was uns heute vielleicht nicht mehr so bewusst ist, dass während der ganzen Kunstgeschichte seit es Kunst gibt immer kopiert wurde in verschiedenen Zusammenhängen. [...] Im Zeitalter vor Erfindung der Fotografie war dies [nun einmal] nur mit Druckgrafischen oder gemalten Kopien möglich."4 Wie beispielsweise Peter Paul Rubens im Auftrag des Königs Philipp IV ein Tizian­Gemälde malerisch reproduzierte.5 Damals war es eine herausragende Ehre für den adaptierenden Künstler und für den maßgebenden Künstler, an dem man sich orientierte. Die Kopisten-Tätigkeit konnte sogar bestimmen, was „vervielfältigungswürdig"6 war und damit als „wertvoll" gekennzeichnet wurde, sodass der Künstler und sein exemplarisches Werk zu Ruhm und Anerkennung gelangen konnten.7

Das Ziel der Ausstellung „Déjà-vu?" soll eine Rechtfertigung für die „Aneignungs-Künstler" darstellen und in gewisser Weise auch eine Inschutznahme unserer zeitgenössischen Appropriationisten, die teilweise als „Fälscher" diffamiert werden. Ihnen soll ein eigener Stellenwert in der Geschichte der Kunst eröffnet oder - besser gesagt - wiedergegeben werden. Aushängeschild dieser Kunstausstellung ist Aneta Grzeszykowska8 mit ihrer Aufnahme Untitled Film Stills #22 [Abb. 2] aus ihrer Bilderserie: Untitled Film Stills.

Es ist eine Fotografie einer grazilen jungen Frau die einen Treppenaufgang herabsteigt, gekleidet in ein elegantes alt-rosafarbenes Business-Kostüm mit drei goldenen Knöpfen und einem breiten weißen Kragen. Die weibliche Protagonistin trägt dunkelrote Stöckelschuhe mit hohem Stilettoabsatz, ein kleines schwarzes Täschchen unter dem rechten Arm und in der linken Hand eine Sonnenbrille. Die Dame ist stark geschminkt, ihre Fußnägeln sind rot lackiert und sie hat eine weiße Kappe mit großer schwarzer Schleife auf, die ihre blonde Kurzhaarfrisur bedeckt. Eindeutig eine Frau, die ihr Aussehen von der damaligen Mode abhängig macht und sehr viel Wert auf ihr Äußeres legt. Sie ist sehr darauf bedacht, sich schicklich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, auch ihre Körpersprache ist von Eleganz geprägt. Es ist eine klassische und klischeehafte Darstellung einer im Berufsfeld der Sekretärin tätigen Frau.9

Auch das Werk Untitled Film Stills #3 - eine Darstellung einer hübschen Hausfrau in ihrer Küchenzeile stehend - wird als Umschlagabbildung des Buches „Re-inszenierte Fotografie"10 [Abb. 3] verwendet. Durch die Verbreitung und öffentliche Präsenz Grzeszykowskas Kunst wird sie infolgedessen zu einer „Repräsentantin" der heutigen Aneignungskunst erhoben.

Beide Fotografien rufen auf der einen Seite kunstinteressierten Menschen Cindy Sherman11 ins Gedächtnis, die selbst schon zu der Appropriation Art hinzugezählt wird, und auf der anderen Seite erinnern diese Bildaufnahmen an schon oft gesehene Szenen aus Film, Zeitschrift oder Werbung. Sie scheinen klassische Stereotypen der Frau darzustellen.

Für beide „Seiten“ soll die vorliegende Arbeit Beispiele liefern, an denen die Bedeutung und ihre Aussagen abgelesen werden können. Die Künstlerin Aneta Grzeszykowska soll ganz besonders herausgestellt werden, denn sie wird - im Hinblick auf das Thema der Appropriation Art - zum Schwerpunkt dieser Hausarbeit gemacht.

Im weiteren Verlauf der Seminararbeit widme ich mich den beiden Künstlerinnen Sherman und Grzeszykowska und werde anhand verschiedener Beispielfotografien diverse Gemeinsamkeiten aber vorwiegend Unterschiede herausarbeiten und diese zu deuten versuchen. Dieser Vergleich der Werke soll zu dem Fazit führen, inwiefern beide Künstlerinnen als „Appropriationisten"12 gelten und in welcher Hinsicht sie sich voneinander absetzen lassen können.

Das Ergebnis soll zur Klärung der Frage nach der Originalität, Authentizität und Intention führen.

2. ALLGEMEINE EINFÜHRUNG

2.1. Appropriation Artist ..Cindv Sherman"

Bevor ich zu dem Vergleich der Fotoserie „Untitled Film Stills" von Cindy Sherman und Aneta Grzeszykowska kommen werde, befasse ich mich eingehender mit der kunsthistorischen Bedeutung der Films Stills und mit dem Appropriation Artist Cindy Sherman selbst. Denn um den Unterschied zu begreifen, muss erst einmal das vorausgehende Original und deren „Urheber" einer Untersuchung unterzogen werden.

„Bekannt ist [...] [Cindy Sherman] vor allem für ihre Fotoserien, in denen sie sich konzeptuell mit Fragen der Identität, Rollenbildern, Körperlichkeit und Sexualität beschäftigt."13

Bei den Film Stills werden alle Ebenen gestreift, doch vorwiegend wird die Körperlichkeit und Identität in den Fokus gestellt.

Im Jahre 1977 zog Cindy Sherman als junge Künstlerin nach New York City.14 Im selben Jahr begann sie mit ihrem ersten Projekt, bei dem sie in verschiedenen Kostümen vor „wechselnden Settings"15 posiert und mit der Kamera ablichten lässt. Die dabei entstandene Fotoserie nannte sie „Untitled Film Stills", Untitled deshalb, um eine Identifizierung mit ihrer eigenen Person zu vermeiden und die dargestellten Figuren kontextlos zu lassen. In den Vordergrund werden die Unbekannte, der Ort, die Mimik und die Kostümierung gerückt. Denn es geht Sherman nicht darum, sich selbst und das eigene vielfältige Auftreten festzuhalten, sondern die Höhen und Tiefen der Lebensgeschichte einer Schauspielerin zu umreißen.16 Auf diese Weise diente die Künstlerin ihrem imaginären Charakter als Projektionsfläche, wodurch Sherman unwissentlich vielschichtigere Deutungsebenen streifte. „Damit gelingt ihr [...] die perfekte Maske, es gelingen ihr viele Bilder, die viel ansprechen, ohne sich selbst je zu verraten."17

Wie bereits erwähnt, wurden - trotz der Absicht, eine Schauspielerin in ihren Lebensperioden auf Siebzig schwarzweiß Fotografien zu verewigen - Shermans Film Stills eine weitreichendere Intention zugeschrieben, als von der Künstlerin zunächst beabsichtigt gewesen war.

Laien wie auch professionelle Kunsthistoriker wurden durch die Fotografien Shermans auf eine Art und Weise zum Nachdenken angeregt, wie die Künstlerin es selbst nicht für möglich hielt;18 durch die Film Stills angestoßen diskutierte man zentral über die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Woher kamen die Bilder, die jeder irgendwoher zu kennen schien? Orientierte sich Ci ndy Sherman an figurativen Vorbildern? Waren es nachgestellte Szenen aus Filmen oder aus der Werbung? Oder sind es tatsächlich nur die Frauen von nebenan, die die Gesellschaft, in der wir leben, ausmachen und damit aus unserem Erinnerungsvermögen abgerufen werden?

Die unbewusste Zuordnung dieser scheinbar bekannten Bilder erfolgt aus dem Kollekivgedächtnis der Populärkultur, wobei sich Sherman an Weiblichkeitsstereotypen der Fünfziger- und Sechzigerjahre orientierte.19

Sherman spielt mit Klischees und altbekannten Rollenbildern der Frau, weil sie sich in diesem Kontext selbst befindet und die Ideen für die Film Stills aus ihrem Leben geschöpft hat20:

„Obwohl ich mein Werk nie in einem aktiven Sinne für feministisch oder für ein politisches Statement gehalten habe, beruht natürlich alles darin auf meinen Beobachtungen als Frau in dieser Kultur.“21

Somit kann Cindy Sherman zu den Appropriationisten gezählt werden, da ihre Kunst und ihre Werke sich von konkreten dinghaften Vorbildern lenken lassen und auch immaterielle Bilder aus dem kulturellen Gedächtnis auf sie eingewirkt haben.22

2.2. Re-lnszenierung .. Aneta Grzeszvkowska"

Grzeszykowska wurde 1974 in Warschau geboren und nahm in den Jahren 1994-99 ihr Studium auf der Warschauer Akademie der Künste auf.23 Sie setzt sich in ihren Werken hauptsächlich mit fotografischer Inszenierung auseinander, wobei sie stets mit ontologischem Interesse an ihre Arbeiten herantritt.24 Die Frage nach der Identität und ihrer eigenen Identitätsfindung wird von ihr vordergründig beleuchtet. Meist werden von ihr die Möglichkeiten und Grenzen der Identität in einer „performativen (Selbst)erfahrung"25 untersucht. „Aneta Grzeszykowskas manipulierte Photographien untersuchen die Art und Weise, wie Photographien die Konstruktion persönlicher Erzählungen und, im größeren Maßstab, die Darstellung von „Wahrheit" und Wirklichkeit erleichtern aber auch behindern. Als die Künstlerin in Polen volljährig wurde, brach gerade die Sowjetunion zusammen, und der kulturelle Ruck, der durch das plötzliche Vakuum der Sowjetideologie und die rasche Konfrontation mit dem Lebensstil und den Werten des Westens entstand, ist in ihrem Werk, in dem Identitäten nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen, offenkundig."26

Ihre Werke und Grundgedanken können mühelos an einem augenscheinlichen Vorbild festgemacht werden, an dem sie sich orientiert und von dem sie sich vieles angeeignet hat. Cindy Sherman, selbst eine amerikanische Aneignungskünstlerin, inszenierte in den Siebzigerjahren vereinzelt Szenen - mit weiblichen Hauptdarstellerinnen aus der Filmbranche27 - vor der Fotokamera, deren Ergebnis sie mit 84 nummerierten Schwarzweißaufnahmen im Jahre 1981 präsentierte.28 Es sind insgesamt 70 Fotografien, bei denen man mit Frauen konfrontiert wird, die einem ganz bestimmten „Weiblichkeitsstereotypen der Fünfziger- und Sechzigerjahre"29 folgen.

Diese Bilderserie „Untitled Film Stills" wird von Aneta Grzeszykowska im Jahre 2006/7 in ihrer ganzen Form, Motivik und Aussagekraft übernommen, reinszeniert und „originell" neu codiert. "Während Sherman sich von dem durch ihre Bilder ausgelösten Diskurs um die mediale Vermittlung von Weiblichkeit distanziert, setzt sich Grzeszykowska bewusst mit den verschiedenen Deutungsmöglichkeiten ihrer Arbeit auseinander."30

Die neuen semantischen Ebenen werden nachfolgend gründlicher behandelt.

Der Begriff der Inszenierung sollte im Vorfeld geklärt werden, um das Werk Shermans und Grzeszykowskas in all seinem Facettenreichtum besser verstehen und einordnen zu können.

Der Soziologe Erving Goffman schrieb über die Selbstinszenierung: „Eine 'Darstellung' (performance) kann als die Gesamttätigkeit eines bestimmten Teilnehmers an einer bestimmten Situation definiert werden, die dazu dient, die anderen Teilnehmer in irgendeiner Weise zu beeinflussen."31 Neben der beabsichtigten Beeinflussung des Betrachters wird auch bewusst alles von Pose, Mimik über Kontrolle des ganzen Bildaufbaus präzise im Bild arrangiert. Dieser Vorgang der detaillierten und exakten Vorbereitung für die Aufnahme wäre vergleichbar mit einer Vorzeichnung für ein Gemälde. Bevor der Pinsel anfängt zu malen/der Abzug betätigt wird, muss alles bis ins kleinste Detail vorausgeplant worden sein. Neben der formalen Umsetzung und Bildgestaltung wird auch die Komposition vorab konzipiert, alles wird akribisch hergerichtet. Dieser „Bereich der Kunstfotografie [stellt] eine Abkehr von veristischen Bildkonzeptionen"32 dar und das Ergebnis kann als „ästhetisierte Wirklichkeit"33 beschrieben werden.

[...]


1 http://www.hfe-karlsruhe.de/features/deia-vu-die-kunst-der-wiederholune.html. Zugriff am 30-08-2012 um 14:37.

2 Im Rahmen des Seminars "underneath each picture there is always another picture" - künstlerische Strategien der Aneignung wurde eine Exkursion unternommen, die im Hinblick auf diese Seminararbeit wertvolle Anregungen geben konnte. Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube Ausstellungsort: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Hans-Thoma-Straße 2-6, 76133 Karlsruhe Dauer der Ausstellung: 21. April - 5. August 2012

3 http://www.hfg-karlsruhe.de/features/deia-vu-die-kunst-der-wiederholung.html, Zugriff am 30-08-2012 um 14:47.

4 http://www.hfg-karlsruhe.de/features/deia-vu-die-kunst-der-wiederholung.html 3:52 min. Zugriff am 30-08-2012 um 14:47.

5 Vgl. Wolfgang Ullrich: Gurskyesque: Das Web 2.0, das Ende des Originalitätszwangs und die Rückkehr des nachahmenden Künstlers. In: Kunst und Philosophie. Original und Fälschung, Julian Nida-Rümelin u.a. [Hrsg.], Ostfildern 2011, S. 100.

6 Vgl. Ullrich, S. 100.

7 Ebd., S. 100.

8 Alle Farbfotografien Aneta Grzeszykowskas werden in ihrer ursprünglichen Namensgebung im Abbildungsverzeichnis

9 Dies ist eine Behauptung, die ich als unbewiesene Aussage hinstellen muss, da es sich dabei um die Vorstellung einer Sekretärin handelt, welche aus meinem Gedächtnis abgerufen wird, weil es sich aus Filmen und Serien eingeprägt hat.

10 Klaus Krüger u. a. [Hrsg.]: Re-Inszenierte Fotografie. München 2011.

11 AlleSchwarzweißaufnahmen Cindy Shermans werden in ihrer ursprünglichen Namensgebung übernommen.

12 Katharina Sykora: Verrutschte Säume. Aneta Grzeszykowska re-inszeniert die Untitled Film Stills. In: Re-Inszenierte Fotografie. Klaus Krüger u. a. [Hrsg.], München 2011, S. 32.

13 http://de.wikipedia.ore/wiki/Cindv Sherman, Zugriff am 07-09-2012 um 14:43.

14 Vgl. http://www.cindvsherman.com/bioeraphv.shtml. Zugriff am 30-08-2012 um 17:04.

15 Birgit Käufer: Die Obsession der Puppe in der Fotografie. Hans Bellmer, Pierre Molinier, Cindy Sherman, Bielefeld 2006, S. 210.

16 Vgl. http://nvmag.com/anniversarv/40th/culture/45773/. Zugriff am 30-08-2012 um 16:19. "I took one roll of film, and I had about six different setups of characters that were all supposed to be this one actress at various points in her career. In some she's meant to look like the ingénue in herfirst role. In others she's a little bit more haggard, trying to play a younger part. I purposely developed thefilm in hotter chemicals to make it crackle because I wanted it to look kind of bad and grainy.”

17 Carla Schulz-Hoffmann: Cindy Sherman. Überall und nirgends. In: female trouble. Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen, Inka Graeve Ingelmann [Hrsg.], München 2008, S. 113.

18 „Critics like to discuss the male gaze and the objectification of women in relation to your work. Did you think about that stuff? I was totally unaware of that. In the late seventies, fresh out of college, I was trying to come to terms with my own ambivalence about liking to put makeup on but feeling, "Oh no, we have to be natural here, you're not supposed to try and enhance anything." Entnommen aus http://nvmag.com/anniversarv/40th/culture/45773/, Zugriff am 30-08-2012 um 17:40.

19 „There are also very few clues as to Sherman's personality in the photographs - each one is so unique and ambiguous that the viewer is left with more confusion than clarity over Sherman's true nature. Sherman completed the project three years later, in 1980, when she "ran out ofclichés" with which to work." Entnommen aus: http://www.cindvsherman.com/bioeraphv.shtml Zugriff am 30-08-2012 um 18:07.

20 „Cindy Sherman wächst in den 1950er-Jahren auf, der Zeit des Kalten Krieges, des Antikommunismus und der Prüderie. [...] Die Stellung der Frau ist auf die Rolle der dienenden Hausfrau, besorgten Mutter und liebenden Ehefrau reduziert.“ Entnommen aus: Gabriele Schor: Cindy Sherman. Das Frühwerk 1975-1977. Catalogue Raisonné. Wien 2012, S. 12.

21 Cindy Sherman, zitiert nach: Noriko Fuku: A Woman of Parts. In: Art in America, Nr.6, Juni 1997, S. 80. Entnommen aus: Schor, S. 12.

22 Vgl Sykora, S. 33, Fußnote 13. Anmerkung: Obwohl ich die Argumentation nachvollziehen kann und Frau Sykora zustimme was das Reinszenieren einzelner realer Filmvorbilder angeht, verstehe ich die Aussage nicht, dass Shermans Kunst „immer schon reinszeniert“ war. Denn dann müsste jede Kunst eine Reinszenierung des eigenen Gedächtnisses und des kulturellen Umfeldes sein. Kein Künstler erschafft etwas mit seinen eigenen Händen, ohne, dass Subjektivität im Spiel wäre, der eigene geschichtliche Hintergrund, das Leben, dass einen geformt und den Charakter geprägt hat. Somit wäre es meines Erachtens nach ein Fehler, Sherman eine „immer schon“ Reinszenierung zu unterstellen, da sich erst im Vorgang des Deutens und im Prozess des Interpretierens diese Schlussfolgerung ergeben hat (Reinszenierung „immaterielle^] Bilder [...] [aus] dem kollektiven Gedächtnis“), obwohl Sherman lediglich eine Idee inszeniert hatte. Sie ist Urheber und „Autor“ einer Geschichte, die sich in ihrer subjektiven Gedankenwelt abgespielt hat und die sie in die Realität hinüber gebracht und damit visualisiert hat. Ich würde die Aussage Frau Sykoras kritisch betrachten und eher zu der Ansicht tendieren, dass größtenteils in den Film Stills eine Inszenierung und keine Reinszenierung stattfindet.

23 Vgl. http://raster.art.pl/galeria/artvsci/erzeszvkowska/grzeszvkowska.htm. Zugriff am 07-09-2012 um 18:17.

24 Vgl. „The primary medium in which Aneta Grzeszykowska works is photography. However, she treats it instrumentally, as a tool for the realization of advanced, artistic and ontological exercises. The artist is interested in the role photography plays in creating and documenting a personal identity. [...]. One of her main topics of Grzeszykowska's works is her own identity, with which she plays on many levels: by erasing her own figure from a family collection of photographs (Album of 2005), or by impersonating Cindy Sherman in her classic cycle Untitled Film Stills (2006). Some projects by Grzeszykowska - like the cycle of illusionist portraits of non-existent people (Untitled 2006) - take advantage of possibilities offered by digital image manipulation, while others use photography and film in a classic way by emphasizing the performative dimension of the artist's activities. The motifs which she obsessively returns to in her works are absence, invisibility, disappearing, and the confrontation of body and thought with non-existence." Entnommen aus:. http://raster.art.pl/galeria/artysci/grzeszykowska/aneta grzeszykowska.pdf, S. 35.

25 http://www.art-port.cc/ausstellung/90-galerie-nachst-st-stephan/460-aneta-grzeszvkowska-birthdav/. Zugriff am 07-09-2012 um 17:41.

26 http://alt.berlinbiennale.de/pdf/Aneta%20Grzeszykowska.pdf, Zugriff am 30-08-2012 um 10:04.

27 „Für eine Handvoll weiterer Untitled Film Stills identifizierte Pauleit ebenfalls [filmische] Vorbilder, die allerdings nicht alle in gleicher Weise überzeugen wie das hier vorgestellte [Film Still #3]." Entnommen aus: Matthias Weiß: „...But then my voice would come across". In: Re-Inszenierte Fotografie. Klaus Krüger u. a. [Hrsg.], München 2011, S. 188, Fußnote 27.

28 Vgl. Sykora, S. 29.

29 Ebd.,S. 33.

30 Isabel Mehl: Neukodierung Re-Inszenierung. In: Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis You-Tube. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Ariane Mensger [Hrsg.], Bielefeld 2012, S. 288.

31 http://de.wikipedia.org/wiki/Inszenierung#Selbstinszenierung. Zugriffam 11-09-2012 um 15:09.

32 Matthias Weiß: Was ist inszenierte Fotografie<? Eine Begriffsbestimmung. In: Lars Blunck [Hrsg.] Die Fotografische Wirklichkeit. Inszenierung - Fiktion - Narration, Bielefeld 2010, S. 37.

33 Ebd., S. 40.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Aneta Grzeszykowskas Untitled Film Stills
Untertitel
Innovation oder Imitation
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V213186
ISBN (eBook)
9783656412908
ISBN (Buch)
9783656413660
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Grzeszykowskas oder Shermans Fotografien müssen selbstständig im Internet aufgerufen werden.
Schlagworte
Appropriation Art, Cindy Sherman, Künstler Warschau, Fotografie, Kopie, Imitation, Innovation, polnische Künstler, Nachahmung, ReInszenierung, Inszenierung, Untitled Film Still, Frau in der Kunst, Filmfotografie
Arbeit zitieren
Claudia Kusmierek (Autor), 2012, Aneta Grzeszykowskas Untitled Film Stills, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213186

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