Der Status quo sozialer Ungleichheit

Mit Ausblick des Erfolgs einer politischen Reform


Essay, 2012

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Status quo sozialer Ungleichheit

Faktoren für Ungleichheiten

Lösungsvorschläge

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Bildung stellt heute eine der wichtigsten Voraussetzungen für beruflichen Erfolg und materiellen Wohlstand in modernen Gesellschaften dar. Sie dient nicht nur der Messung und Bestätigung individueller Leistungsfähigkeit und -bereitschaft, sondern weist jedem Mitglied der Gesellschaft auch seinen sozialen Status zu (vgl. Hradil 2005: 149/150).

Um so dramatischer ist es daher auch, dass sich an dem Problem der Chancenungleichheit im Bildungswesen, das schon seit den 60er Jahren bekannt ist, nur wenig geändert hat. Seit den 70er Jahren, wurden in der Politik immer wieder neue Reformen - wie die Stärkung des Elternrechts beim Übergang in weiterführende Schulen, Einrichtung von Orientierungsstufen und den Ausbau von integrierten oder kooperativen Gesamtschulen - erlassen um die soziale Auslese zu vermeiden. Auch bei der aktuellen Landesregierung von Baden-Württemberg, steht eine Reform für „mehr Chancengleichheit“ (Koalitionsvertrag, 2011: 6) auf der Agenda und zeigt, wie wichtig auch heute noch dieses Thema in der Politik ist (vgl. Hradil 2005: 155).

Doch inwieweit können politische Reformen überhaupt zu mehr Chancengleichheit im Bildungssektor führen?

Mit dieser Frage will sich der folgende Essay, anhand vorschulischer Kinderbetreuung und des Modells der Gemeinschaftsschule, näher befassen. Dafür soll zuerst einmal geklärt werden, wie die soziale Ungleichheit speziell im Bezug auf die Hauptschule aussieht, da sich das Thema besonders in dieser Schulform zeigt. Danach sollen die Faktoren, die die Differenzen bedingen näher erläutert und Lösungsansätze genauer beschrieben werden.

Status quo sozialer Ungleichheit

Soziale Ungleichheit war und ist schon seit längerer Zeit ein großes Thema in gesellschaftlichen Diskursen. Besonders durch Gespräche über geplante Gemeinschaftsschulen, wird auf den Missstand im deutschen Bildungssystem, der vor allem in den Hauptschulen vorliegt hingewiesen.

Wie lässt sich nun aber sagen, das Chancengleichheit besteht, oder eben nicht und wie manifestiert sie sich?

Hradil und Schiener sehen Chancengleichheit dann als gegeben, wenn

„Herkunft, Geschlecht, Wohnort, ethnische Zugehörigkeit etc. keinen meßbaren Einfluß auf Bildungsergebnisse haben, wenn also aus den Gruppen der Männer und Frauen, der Arbeiter, Angestellten, Beamten und Selbständigen, der Stadt- und Landbewohner, der In- und Ausländer jeweils so große Anteile z.B. das Abitur oder einen Hochschulabschluß erlangen, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht“ (Hradil und Schiener, 2005: 153).

Umgekehrt, besteht also keine Chancengleichheit wenn nur eines dieser Merkmale eingeschränkt ist. Ungleichheit in der Bildung kommt vor allem daher, dass sie im engen Zusammenhang mit Arbeitsmarkterfolg steht, und so als Leistungseinstufung den funktionalen Zweck erfüllt, den Gesellschaftsmitglieder Anreize für „individuelle Aufstiegshoffnungen und -bemühungen“ (Solga, 2009: 64) zu geben. Dadurch weist sie jedem individuell eine Berufsposition in der hierarchisch gegliederten Arbeitswelt zu und damit verbunden auch seinen sozialen Status in der Gesellschaft (vgl. Solga, 2009: 65-68).

Die Bildungsexpansion, die in den letzten Jahrzehnten stattfand, wird, auch auf Grund des engen Zusammenhangs von Bildungsniveau und beruflichem Erfolg, oft „als Erfolg durchgesetzter Chancengleichheit verstanden“ (Friedeburg, 1997:44). Jedoch konnte sie die Differenzen nur zum Teil beseitigen. Zwar wurde die soziale Selektion beim Zugang zu weiterführenden Schullaufbahnen gemindert, indem nun auch Mädchen und Teile der schwächeren Schichten die Möglichkeit bekamen Abitur zu machen oder eine Hochschule zu besuchen, jedoch bestehen die Unterschiede zwischen den Sozialschichten weiterhin (vgl. Bourdieu und Passeron, 1971).

Besonders auffallend ist, dass vor allem die Ressourcen der Eltern (Beruf, Bildung und Einkommen) einen wesentlichen Anteil am Bildungserfolg ihrer Kinder tragen, weshalb „die durch die soziale und ethnische Herkunft bedingten Differenzen“ (Jungbauer-Gans 2006: 75) erhalten blieben. Aber auch die Rolle der Lehrer hat sich verändert und damit auch ihr Anteil an dem Zustand der Ungleichheit. Wie der Einfluss der beiden Gruppen in die Bildungsungleichheit aussieht, soll im nächsten Kapitel näher gezeigt werden.

Zudem brachte die Bildungsexpansion auch eine Bedeutungsverschiebung der verschiedenen Schulformen mit sich. So schwand primär der Stellenwert von Hauptschulen als „»hauptsächliche« Schullaufbahn“ (Becker und Lauterbach 2004: 9), was auch einen Imagewechsel dieser Schulart mit sich zog. Seitdem wird die Hauptschule vermehrt mit Begriffen wie „bildungspolitisches Aus“ (Hiller, 1989: 59), „ethnisch dominierte Restschule“ (Bolder et al., 1996: 16) oder „Ghettoschule“ (Hansen und Rolff, 1990: 47) beschrieben. Da also überwiegend die Hauptschule von sozialen Differenzen betroffen ist, soll im Folgenden in erster Linie die Faktoren der Ungleichheit am Beispiel dieser Schulform betrachtet werden.

Faktoren für Ungleichheiten

Bereits in den 60er Jahren kamen bildungspolitische Diskussionen auf, die auf die Problematik von Bildungschancen in Abhängigkeit der sozialen Herkunft aufmerksam machten. Schon damals wurde in Studien sichtbar, das Kinder aus einkommensschwacheren Schichten deutlich seltener auf weiterführende Schulen gingen (vgl. Hradil, 2005: 164). Heute ist bekannt, das vor allem die primären und sekundären Effekte sozialer Herkunft dafür verantwortlich sind.

Primäre Effekte treten dann auf, wenn es bei Kindern aus Familien mit vorhanden Ressourcen dadurch zu einer besseren schulischen Leistung führt. Kinder aus unteren Schichten, können jedoch, aus Mangel an Ressourcen, diesen Vorteil nicht nutzen (vgl. Jungbauer-Gans, 2006: 75). Faktoren, die diese Vorteile bringen, sind unter anderem Beruf, Bildung und Einkommen der Eltern. Sind diese drei Bedingungen schwach ausgebildet, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder aus diesen Schichten aufs Gymnasium gehen. Das bedeutet, das wenn „vorteilhafte oder aber nachteilige Berufsstellungen, Bildungsgrade und Einkommensverhältnisse der Eltern zusammen [treffen] […] sich für die Kinder besonders gute oder aber besonders schlechte Bildungschancen“ (Hradil, 2005: 167) ergeben.

Sekundären Effekten sind dann gegeben, wenn elterliche Bildungsentscheidungen, die ja den weiteren Bildungsweg ihrer Kinder mitbestimmen, „in Abhängigkeit von den ökonomischen Ressourcen der Privathaushalte“ (Becker und Lauterbach 2004: 12), variieren. Viele der elterlichen Entscheidungen werden so vor dem Hintergrund von Investitionsrisiken getroffen, was bedeutet, dass für Eltern aus unteren Schichten nur so lange in die Bildung ihrer Kinder investiert wird, wie der Nutzen die Kosten deckt (vgl. Becker und Lauterbach 2004: 15). Da Bildung auch als Statuszuweisung dient und nach Boudon Eltern danach orientiert sind ihren erreichten Status auch für ihre Kinder zu erhalten bzw. diesen zu verbessern, sind vor allem Familien aus unteren Schichten nicht auf höhere Bildung angewiesen um dies zu erfüllen (vgl. Boudon, 1974).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Status quo sozialer Ungleichheit
Untertitel
Mit Ausblick des Erfolgs einer politischen Reform
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Sozialstruktur Deutschlands
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V213247
ISBN (eBook)
9783656413752
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
status, ungleichheit, ausblick, erfolgs, reform
Arbeit zitieren
Julia Knobelspies (Autor), 2012, Der Status quo sozialer Ungleichheit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213247

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