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Begutachtungsgespräch im juristischen Betreuungsverfahren

Titel: Begutachtungsgespräch im juristischen Betreuungsverfahren

Hausarbeit , 2002 , 31 Seiten , Note: 1

Autor:in: Arkadius Neumann (Autor:in)

Psychologie - Beratung und Therapie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Begutachtung im Rahmen des juristischen
Verfahrens. Neben einer allgemeinen Darstellung der zahlreichen Möglichkeiten einer
Begutachtung, die das Gesetz vorsieht, liegt der Schwerpunkt auf dem psychosozialen
Begutachtungsgespräch im Betreuungsverfahren.
Um das Betreuungsverfahren von anderen gesetzlich fixierten Maßnahmen zu
unterscheiden, werden diese kurz erläutert. Dabei wird grob zwischen der zivilrechtlichen
und der strafrechtlichen Seite unterschieden und danach die jeweilige rechtliche Zielsetzung
dargestellt, bevor ausführlich auf das Betreuungsverfahren eingegangen wird. Hierbei wird
die historische, rechtliche, ethische und psychologische Dimension erörtert. Die Betrachtung
erfolgt aus der Sicht des Gutachters als auch des Begutachteten, um eventuell auftretende
Schwierigkeiten zwischen beiden besser skizzieren zu können.
Das Betreuungsverfahren ist ein rechtlich-soziales Instrument, mit dem Personen, die
aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen oder seelischen Behinderung
nicht in der Lage sind, sich um ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise zu kümmern,
geholfen werden soll. Es handelt sich um eine Maßnahme der Fürsorge, die staatlich
verordnet werden kann. Das Betreuungsverfahren weist aufgrund seiner Charakteristik
starke Einschnitte in die von der Verfassung garantierten Grundrechte eines jeden
Menschen auf: eine Problematik, der Gerichte und Rechtsanwälte eine verständlicherweise
hohe Bedeutung beimessen und bei ihrer Prüfung durch Kommentierungen und
Rechtssprechung an hohe Hürden gebunden sind. Die zu diesem Thema erhältliche Literatur
beschäftigt sich daher größtenteils mit juristischen Details, wohingegen mein Anliegen die
übergreifende Darstellung und Verknüpfung der rechtlichen, ethischen und vor allem
sozialwissenschaftlichen Facetten dieses Vorgangs ist. Das besondere Interesse liegt hierbei
auf der Präsentation des psychosozialen Gespräches, da diesem die zentrale Bedeutung bei
der Entscheidung über die Notwendigkeit einer Betreuung zukommt. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

1. Überblick über die juristischen Möglichkeiten 4

1.1. Strafrechtliche Seite 4

1.1.1. Die Frage der Schuldfähigkeit bei volljährigen Personen 5

1.1.1.1. § 20 StGB 6

1.1.1.2. § 21 StGB 6

1.1.1.3. § 126a StPO als vorbereitende Maßnahme 6

1.1.1.4. § 81 StPO als vorbereitende Maßnahme 6

1.1.2. Die Frage der Schuldfähigkeit bei minderjährigen und heranwachsenden Personen 7

1.1.2.1. § 3 JGG 7

1.1.2.2. § 73 JGG als vorbereitende Maßnahmen 8

1.2. Zivilrechtliche Seite 8

1.2.1. § 1773 BGB 9

1.2.2. § 1896 BGB 10

2. Das Betreuungsverfahren – historischer, ethischer, politischer und juristischer Überblick 10

2.1. Historischer Hintergrund 10

2.2. Ethischer Hintergrund – eine geschichtliche Entwicklung des Menschenbildes 11

2.3. Politischer Hintergrund 12

2.4. Juristischer Hintergrund 13

2.4.1. Verfahrensablauf 14

2.4.2. Rechtliche Problematik 15

3. Das Gespräch im Betreuungsverfahren 16

3.1. Berater und Gutachter: Parallelen 16

3.2. Berater und Gutachter: Differenzen 18

3.3. Das Gespräch zwischen zwei Menschen 19

3.3.1. Kommunikation: zu der Problematik des Nichtgesagten 19

3.3.2. Wahrheit als Voraussetzung einer psychologischen Analyse? 20

3.3.3. Die Beziehung zwischen Gutachter und Klient 22

3.3.4. Die Gesprächsmethoden 24

3.4. Zur Problematik der Begutachtung 26

3.5. Das Gutachten – eine präjudizielle Entscheidung? 27

4. Fazit 28

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das psychosoziale Begutachtungsgespräch im Betreuungsverfahren als entscheidendes Instrument der juristischen Entscheidungsfindung. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die besondere Rolle des Gutachters, der zwischen seinem beratenden, psychologischen Ansatz und dem strengen, präjudiziellen Auftrag des Gerichts vermitteln muss.

  • Historische und ethische Grundlagen der rechtlichen Betreuung.
  • Differenzierung zwischen zivilrechtlicher und strafrechtlicher Begutachtung.
  • Kommunikationspsychologische Aspekte im Begutachtungsgespräch (Schweigeproblematik, Wahrheit).
  • Die Beziehung zwischen Sachverständigem und Klient unter Zwangsbedingungen.
  • Kritische Analyse des Einflusses von Gutachten auf richterliche Entscheidungen.

Auszug aus dem Buch

3.3.3. Die Beziehung zwischen Gutachter und Klient

Der Erfolg eines Gespräches hängt in erster Linie von der Beziehung des Gutachters zum Klienten, ähnlich wie es in „reinen“ Beratungsgesprächen der Fall ist (Sickendiek/Engel/Nestmann 1999: S. 113).

Fraglich ist, ob sich der Sachverständige und der Klient über den Ausgangspunkt ihrer Beziehung einig sind. Dies setzt zunächst voraus, dass der Klient über den rechtlichen Auftrag informiert wurde und ihm bewusst ist, welche Konsequenzen ein Gespräch im Rahmen eines Betreuungsverfahrens nach sich ziehen kann. Hier ist die Rede von einem Ausgangspunkt, da sich Beziehungen unter zeitlicher und menschlicher Mitwirkung verändern, so dass nicht von einer starren Einheit ausgegangen werden kann, die einmal in ihren Regeln zementiert für die Zukunft unveränderlich weiterbesteht.

Das Bewusstsein über die Bedeutung des gutachtlichen Gespräches beeinflusst zwangsläufig die Form der Kommunikation. Jede Kommunikation enthält eine Definition der Beziehung, die von jedem Kommunikationspartner unterschiedlich und vor allem nach seinem Geschmack gestaltet wird. „Auf jede Definition der Beziehung reagiert der andere mit seiner eigenen und bestätigt, verwirft oder entwertet damit die des Partners“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 1974: S. 127). Im Verlauf einer Beziehung entstehen daher zahlreiche Definitionen, die die Beziehung formen und die Art der Kommunikation beeinflussen. Da es sich in unserem Fall um eine kurzzeitige Beziehung handelt – in der Regel eine Sitzung –, ist die Wiederholung von Kommunikationsabläufen stark eingeschränkt; ein langfristiger Lerneffekt vor allem auf der Seite des Klienten ausgeschlossen. Der Sachverständige ist aufgrund seines Fachwissens und seiner Erfahrung mit ähnlichen Situationen möglicherweise in der Lage, in Gedanken ein kommunikatives Szenario zu entwerfen und bestimmte Abläufe teilweise vorauszusehen, die er in die Gesprächsgestaltung einbauen kann. Eine so kurze Begegnung, wie sie das Begutachtungsgespräch darstellt, wird die Entwicklung einer langfristigen Beziehung, in der beide Kommunikationspartner aus Erfahrungen profitieren, aber nicht zulassen. Der gesamte Gesprächsprozess ist zeitlich reglementiert und muss auf den stetigen Aufbau eines Vertrauensverhältnisses weitestgehend verzichten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Überblick über die juristischen Möglichkeiten: Unterscheidung zwischen straf- und zivilrechtlichen Begutachtungsformen und deren jeweiligen gesetzlichen Grundlagen.

2. Das Betreuungsverfahren – historischer, ethischer, politischer und juristischer Überblick: Analyse der gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen, die zur heutigen Form des Betreuungsrechts führten.

3. Das Gespräch im Betreuungsverfahren: Eingehende Betrachtung der psychosozialen Interaktion, der Kommunikationstechniken und der speziellen Beziehungsdynamik zwischen Gutachter und Betroffenen.

4. Fazit: Zusammenfassung der Problematik, dass das Begutachtungsgespräch trotz seiner notwendigen fachlichen Ausrichtung oft eine präjudizielle Rolle bei der gerichtlichen Entscheidung einnimmt.

Schlüsselwörter

Betreuungsverfahren, Begutachtung, psychosoziales Gespräch, Schuldfähigkeit, Sachverständiger, Kommunikation, juristische Entscheidung, psychologische Analyse, Patientenrechte, Fürsorge, Beziehung, Schweigen, Glaubwürdigkeit, Justiz, Rechtsstaat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das psychosoziale Begutachtungsgespräch im Rahmen von gesetzlichen Betreuungsverfahren und dessen Bedeutung für die richterliche Entscheidungsfindung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf den juristischen Rahmenbedingungen, den historischen und ethischen Entwicklungen sowie der komplexen Kommunikations- und Beziehungsdynamik zwischen Sachverständigen und Klienten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Rolle des Gutachters kritisch zu beleuchten und aufzuzeigen, wie das psychosoziale Gespräch trotz seines beratenden Charakters als indirekte Vorentscheidung fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine interdisziplinäre Analyse verwendet, die rechtliche, ethische, sozialwissenschaftliche und kommunikationspsychologische Perspektiven miteinander verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung zwischen Beratung und Begutachtung, der Problematik der Kommunikation (einschließlich Schweigen und Wahrheitsgehalt) sowie der Beziehungsebene im klinisch-juristischen Kontext.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den Kernbegriffen zählen Betreuungsrecht, psychosoziale Begutachtung, Sachverständigentätigkeit, richterliche Entscheidung und interpersonelle Kommunikation.

Inwieweit unterscheidet sich das Begutachtungsgespräch von einer klassischen Beratung?

Während eine klassische Beratung freiwillig erfolgt und auf Unterstützung ausgerichtet ist, findet das Begutachtungsgespräch im Rahmen einer Zwangsmaßnahme statt und dient primär der informatorischen Basis für eine richterliche Entscheidung.

Welche Gefahr sieht der Autor bei der Begutachtung?

Der Autor warnt vor der Gefahr einer Falschbeurteilung durch Routine oder fehlende Berücksichtigung individueller Details, was zu einer einseitigen und potenziell stigmatisierenden Vorentscheidung des Gerichts führen kann.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Begutachtungsgespräch im juristischen Betreuungsverfahren
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Sozialisationsforschung und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Theorie und Praxis psychotherapeutischer Beratung
Note
1
Autor
Arkadius Neumann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
31
Katalognummer
V21325
ISBN (eBook)
9783638249690
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begutachtungsgespräch Betreuungsverfahren Theorie Praxis Beratung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Arkadius Neumann (Autor:in), 2002, Begutachtungsgespräch im juristischen Betreuungsverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21325
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Leseprobe aus  31  Seiten
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