Der in dieser Arbeit behandelte Aspekt des Themenfeldes Kulturkampf ist im Geschichtsunterricht in der Schule – egal ob in der Sekundarstufe I oder II – oftmals unterrepräsentiert. […] Dennoch bietet der Konflikt Preußens und damit des Deutschen Reichs, und für diese stellvertretend Bismarcks, mit der ka-tholischen Kirche bzw. dem Papst viele Anknüpfungspunkte, um im Geschichtsunterricht behandelt zu werden.
Diese Arbeit soll das Thema fachdidaktisch zugänglich machen und ist deshalb in die folgenden zwei Teile gegliedert: Zuerst wird die Rede Bismarcks in ihren historischen Kontext eingeordnet, was allerdings aufgrund des Kontextes dieser Arbeit nur in gebotener Kürze und überblickshaft geschehen kann – was auch dazu führt, dass ein geringeres Maß an wissenschaftliche Fachliteratur verwendet und auf Überblicksdarstellungen zurückgegriffen wird. Der zweite Teil ist der Hauptteil der Arbeit. Er befasst sich mit der „Nutzbarmachung“ der Rede für den Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II. Dabei soll die Rede nicht als Hauptanalysegegenstand verwendet werden, sondern als Hintergrund und Begründung dienen, anhand derer die folgenden fachdidaktischen und unterrichtsbezogenen Aspekte er- bzw. abgearbeitet werden: die Rede nach dem Interpretationsmodell von Tischner einordnen und erschließen, das didaktische Potenzial der Rede aufzeigen, das Aufzeigen der Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler anhand der Rede erlernen und trainieren (ggf. wiederholen) können. Zum Schluss soll noch kurz etwas über das Thema des Kulturkampfes in Schulbüchern gesagt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Einordnung der Bismarck-Rede „Königthum und Priesterthum“ in den historischen Kontext
a) Zur Person Bismarcks
b) Papst Pius IX und die "Radikalisierung" der Katholischen Kirche
c) Der Kampf Bismarcks gegen den Ultramontanismus
III. Einordnung des Lerngegenstands in den Lehrplan Sek. II für NRW
IV. Didaktisches Potenzial der Rede
a) Zu erlernende Kompetenzen
b) Methoden- und Sachkompetenz nach Tischner
c) Zusätzlich zu erlernende Kompetenzen
d) Weiteres didaktisches Potenzial
V. Verwendung im Unterricht und Beispielaufgaben
VI. Das Thema „Kulturkampf“ in Schulbüchern
VII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Bismarck-Rede „Königthum und Priesterthum“ fachdidaktisch für den Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II aufzubereiten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Quelle genutzt werden kann, um Schülern historische Kompetenzen zu vermitteln und den historischen Kontext des Kulturkampfes sowie Bismarcks politisches Handeln verständlich zu machen.
- Historische Kontextualisierung des Kulturkampfes und der Rolle Bismarcks
- Anwendung fachdidaktischer Analysemodelle für historische Reden
- Förderung von Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz im Unterricht
- Untersuchung des didaktischen Potenzials der Bismarck-Rede
- Reflexion über die Darstellung des Kulturkampfes in modernen Schulbüchern
Auszug aus dem Buch
Königthum und Priesterthum.
[...]Es handelt sich nicht um den Kampf, wie unsern katholischen Mitbürgern eingeredet wird, einer evangelischen Dynastie gegen die katholische Kirche, es handelt sich nicht um den Kampf um Glauben und Unglauben, es handelt sich um den uralten Machtstreit, der so alt ist wie das Menschengeschlecht, um den Machtstreit zwischen Königthum und Priesterthum, den Machtstreit, der viel älter ist, als die Erscheinung unseres Erlösers in dieser Welt, den Machtstreit, erfüllt hat unter dem Namen der Kämpfe der Päpste mit den Kaisern, der im Mittelalter seinen Abschluß damit fand, daß der letzte Vertreter des erlauchten schwäbischen Kaiserstammes unter dem Beile eines französischen Eroberers auf dem Schaffot starb, und daß dieser französische Eroberer im Bündniß mit dem damaligen Papste stand.[...]
Der Kampf des Priesterthums mit dem Königthum, der Kampf in diesem Falle des Papstes mit dem Deutschen Kaiser, wie wir ihn schon im Mittelalter gesehen haben, ist zu beurtheilen, wie jeder andere Kampf; er hat seine Bündnisse, er hat seine Friedensschlüsse, er hat seine Haltepunkte, er hat seine Waffenstillstände. Es hat friedliche Päpste gegeben. Es ist nicht immer der Fall gewesen, daß gerade katholische Mächte die Bundesgenossen ausschließlich des Papstes gewesen wären; auch haben die Priester nicht immer auf Seiten des Papstes gestanden.[...] Also dieser Machtstreit unterliegt denselben Bedingungen, wie jeder andere politische Kampf, und es ist eine Verschiebung der Frage, die auf den Eindruck auf urtheilslose Leute berechnet ist, wenn man sie darstellt, als ob es sich um Bedrückung der Kirche handelte. Es handelt sich um Vertheidigung des Staates, es handelt sich um die Abgrenzung, wie weit soll die Priesterherrschaft, und wie weit die Königsherrschaft gehen soll, und diese Abgrenzung muß so gefunden werden, daß der Staat seinerseits dabei bestehen kann. Denn in dem Reiche dieser Welt hat er das Regiment und den Vortritt. –
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Unterrepräsentation des Kulturkampfes im Geschichtsunterricht und skizziert das Vorhaben, die Bismarck-Rede als didaktisches Werkzeug nutzbar zu machen.
II. Die Einordnung der Bismarck-Rede „Königthum und Priesterthum“ in den historischen Kontext: Dieses Kapitel liefert die notwendigen historischen Hintergründe über Bismarck, die Entwicklung der katholischen Kirche unter Pius IX. und die Entstehung des Kulturkampfes.
III. Einordnung des Lerngegenstands in den Lehrplan Sek. II für NRW: Hier erfolgt eine Verortung des Themas innerhalb der gültigen Lehrplanvorgaben für die gymnasiale Oberstufe in Nordrhein-Westfalen.
IV. Didaktisches Potenzial der Rede: Es wird analysiert, welche Kompetenzen Schüler durch die Arbeit mit der Rede erwerben können und wie diese nach fachdidaktischen Modellen, etwa nach Tischner, erschlossen werden.
V. Verwendung im Unterricht und Beispielaufgaben: Dieser Abschnitt bietet praktische Handreichungen und beispielhafte Aufgabenformulierungen für den Einsatz der Rede im Unterricht.
VI. Das Thema „Kulturkampf“ in Schulbüchern: Die Untersuchung aktueller Schulbücher zeigt eine auffällige Vernachlässigung des Themas, was den Bedarf für die in dieser Arbeit vorgestellte Aufbereitung unterstreicht.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Rede trotz ihrer Komplexität ein vielfältiges didaktisches Potenzial bietet, welches jedoch meist in Eigenregie durch Lehrkräfte erschlossen werden muss.
Schlüsselwörter
Bismarck, Kulturkampf, Königthum, Priesterthum, Preußen, katholische Kirche, Ultramontanismus, Zentrumspartei, Geschichtsunterricht, Fachdidaktik, historische Rede, Reichsgründung, Sekundarstufe II, politische Macht, Staat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der fachdidaktischen Aufbereitung einer historischen Rede Otto von Bismarcks aus dem Jahr 1873, um den oft im Unterricht unterrepräsentierten "Kulturkampf" zugänglich zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Person Bismarcks, das Spannungsfeld zwischen Staat und katholischer Kirche im Deutschen Kaiserreich, die Rolle der Zentrumspartei sowie die Vermittlung dieser komplexen historischen Zusammenhänge im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften Wege aufzuzeigen, wie sie die Bismarck-Rede „Königthum und Priesterthum“ anhand didaktischer Modelle nutzen können, um historisches Lernen und Kompetenzentwicklung in der Sekundarstufe II zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Kontextualisierung anhand relevanter Fachliteratur (u.a. Wehler, Nipperdey) und eine fachdidaktische Analyse nach dem Modell von Christian Tischner.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der „Nutzbarmachung“ der Rede für den Unterricht, der Erläuterung zu erlernender Kompetenzen sowie der Präsentation konkreter Beispielaufgaben für verschiedene Anforderungsbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Kulturkampf, Bismarck, historische Rede, Fachdidaktik und Kompetenzorientierung.
Warum ist die Untersuchung des "Kommunikativen Beziehungsgeflechts" wichtig?
Die Anwendung dieses Modells hilft Schülern, eine Rede nicht nur inhaltlich zu verstehen, sondern auch die Absichten des Redners, die Situation des Publikums und den Kontext der Entstehung kritisch zu hinterfragen.
Welche Rolle spielt die Frakturschrift in diesem didaktischen Konzept?
Die Einbeziehung des Originaldokuments in Frakturschrift dient dazu, die Authentizität des Quellenmaterials zu erhöhen und den Schülern eine zusätzliche methodische Fähigkeit zu vermitteln, sofern es der zeitliche Rahmen erlaubt.
- Arbeit zitieren
- Stefan Westkemper (Autor:in), 2013, Die Rede „Königthum und Priesterthum“ des Fürsten Otto von Bismarck vor dem preußischen Herrenhaus vom 10.03.1873 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213388