Neuassyrische Siegel. Siegelpraxis, Herstellung, Material und ihre Bedeutung


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Siegelformen im neuassyrischen Reich
Stempelsiegel
Rollsiegel

Siegelpraxis im neuassyrischen Reich
Siegel von offizieller
Siegel von privater

Herstellung von Siegeln

Das Material der Siegel

Statistische Auswertung von Siegeln in Sammlungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Assyrische Siegel wurden in großer Zahl bei verschiedenen Ausgrabungen gefunden. Aus diesem Grund gibt es viele wissenschaftliche Publikationen, die sich mit diesen Artefakten beschäftigen. Neben dem reinen Katalogisieren der Objekte liegt bei einer großen Zahl dieser Arbeiten ein Hauptaugenmerk auf der stilistischen Analyse der Sieglungen. Das Siegel an sich wird dabei stets im Zusammenhang mit den Siegelungen gesehen, als Träger eines Bildes. Bei dieser Art der Betrachtung wird aber die Bedeutung des Siegels an sich ausgeklammert.

In dieser Arbeit soll daher genauer die Bedeutung des Siegels an sich untersucht werden. Dazu wird zunächst auf die Siegelpraxis eingegangen. Es soll geklärt werden, welchen Zweck das Siegeln erfüllte. Das bedeutet sowohl die Frage nach den konkreten Anlässen für das Siegeln, als auch die Frage nach den siegelnden Personen, also den Siegelinhabern. An dieser Stelle soll ein Zwischenresümee gezogen werden, in wie fern die Siegelpraxis auf die soziale Stellung des Siegelinhabers hindeutet.

Anschließend soll die Herstellung der Siegel beleuchtet werden. Dazu zählen die verschiedenen Materialien, ihre Verfügbarkeit, der tatsächliche Herstellungsprozess und die Siegelschneider. Auch hier soll ein Zwischenresümee gezogen werden, in wie weit die Herstellung der Siegel auf die soziale Stellung des Siegelinhabers hindeutet.

Auf diesen Erkenntnissen aufbauend folgt eine statistische Auswertung, aus welchen Materialien ausgegrabene neuassyrische Siegel bestehen. Als Basis dazu dienen der Ausstellungskatalog des British Museums1, die Publikation von Anton Moortgart2, der von Evelyn Klengel-Brandt herausgegebene Sammelband3 sowie ein Katalog von Siegeln in australischen Sammlungen.4

Zum Schluss sollen die statistische Auswertung und die theoretischen Erkenntnisse zusammengeführt werden. Ziel ist es, durch die statistische Auswertung die These zu untermauern, dass nicht die Siegelpraxis an sich auf die soziale Stellung des Siegelinhabers hindeutet, sondern das Material, aus dem das Siegel gefertigt ist.

Siegelformen im neuassyrischen Reich

Siegel wurden zur neuassyrischen Zeit zu verschiedenen Zwecken genutzt. Die ausgegrabenen Siegel lassen sich dabei nicht nur zeitlich in eine Epoche einordnen, sondern auch in zwei verschiedene Kategorien einteilen: Zum einen hat man Stempelsiegel gefunden, zum anderen aber auch Rollsiegel. Im folgenden Abschnitt soll es kurz um die Entstehung der jeweiligen Arten gehen und worin sich diese beiden unterschieden.

Stempelsiegel

Stempelsiegel werden, wie der Name schon sagt, auf eine zu siegelnde Unterlage gedrückt. Stempelsiegel stellen die älteste bekannte Form der Siegel dar, sie sind schon aus dem Neolithikum überliefert.5 Vermutlich dienten sie zuerst zur Verzierung von Textilien und Keramik. Außerdem dienten sie wohl auch als Schmuck oder Amulette.6

Die ersten Siegel hatten also vermutlich keine wirtschaftliche Funktion. Vielmehr hatten sie eine spirituelle oder ästhetische Funktion. Erst als der Mensch begann, im größeren Umfang Güter zu produzieren, spielten die Siegel auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Rolle: Durch die Bildung größere Siedlungen und der Einführung von Arbeitsteilung gelang es, mehr Waren zu produzieren, als benötigt wurden. Der Überschuss an Güter musste gelagert werden, und diese gelagerten Güter mussten geschützt werden. Mit Hilfe von Siegelabdrücken konnte man kontrollieren, ob die eingelagerten und verschlossenen Waren unversehrt waren: Als Verschluss benutzte man Ton, in den man ein Stempelsiegel drückte. Wenn das Siegelbild noch intakt war, so wurde das versiegelte Behältnis nicht unbefugt geöffnet. Das Siegel wurde nun also benutzt, um etwas zu „versiegeln“. Die wirtschaftliche Funktion der Siegel entwickelte sich also aus dem Bedürfnis heraus, Eigentum zu kennzeichnen und dieses zu schützen.7

Die Verwendung von Siegeln hatte auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Schrift. Über den Umweg von Zählsteinen, den sogenannten Tokens,8 entwickelte sich ein abstraktes Zeichensystem, das zur Verwaltung von wirtschaftlichen Prozessen und zur Kommunikation geeignet war: Die erste Schrift entstand.

Rollsiegel

Mit dem Entstehen der ersten Schrift tauchte auch eine neue Siegelform auf, welche die bisher vorherrschenden Stempelsiegel für nahezu zwei Jahrtausende von ihrer Vormachtstellung verdrängen sollte: das Rollsiegel. Im Gegensatz zum Stempelsiegel, das eine waagerechte Siegelfläche besitzt, welche auf den zu siegelnden Gegenstand gedrückt wird, verfügt das Rollsiegel, wie ein Zylinder geformt, über eine gerundete Siegelfläche, welche auf dem zu siegelnden Gegenstand abgerollt werden muss.9 Diese Form hat gegenüber dem Stempelsiegel mehrere Vorteile: Zum ersten ist die Siegelfläche deutlicher größer. Es lassen sich also größere Darstellungen als Siegel abbilden. Zweitens kann dieses Bild beliebig oft hintereinander abgerollt werden. Dadurch lassen sich große Flächen deutlich leichter mit einem Rollsiegel siegeln als mit einem Stempelsiegel. Außerdem haftet Ton, das Material, auf dem gesiegelt wurde, auf einer runden Fläche nicht so leicht an wie auf einer geraden Fläche.10

Die Notwendigkeit, größere Flächen als bisher zu siegeln, ergab sich aus dem Gebrauch von Urkunden, auf denen ein Text geschrieben wurde. Der Inhalt dieser Urkunden, nicht auch zuletzt wirtschaftlichen Wandeln unterworfen,11 konnte zwar verschieden sein, doch war es stets notwendig, die Personen zu kennzeichnen, die von diesen Urkunden betroffen wurden. Zu diesem Zwecke wurden Rollsiegel eingesetzt; die Siegel dienten nun nicht nur zum „Versiegeln“, sondern auch zum „Besiegeln“.

Als im Laufe der Zeit die umständliche Keilschrift durch eine einfachere Silbenschrift bzw. Lautschrift ersetzt wurde und andere Schreibmaterialien, wie zum Beispiel Papyrus und Pergament, gebräuchlich wurden, verlor das Rollsiegel seine Vorteile gegenüber dem Stempelsiegel wieder. Der erneute Aufstieg des Stempelsiegels setzte ein, und damit wurde das Rollsiegel verdrängt. Zur neuassyrischen Zeit fand gerade der erneute Aufstieg des Stempelsiegels statt: Wichtige Siegel, wie zum Beispiel das Königssiegel, waren als Stempelsiegel gefertigt, doch noch immer waren Rollsiegel in großer Zahl im Gebrauch. Die neuassyrische Phase kann also als eine Art Übergangsphase zwischen der Vormachtstellung des Roll- und des Stempelsiegels betrachtet werden.

Siegelpraxis im neuassyrischen Reich

Nachdem geklärt wurde, welche beiden Arten von Siegeln es gab, soll im Folgenden erklärt werden, zu welchen Anlässen Siegel benutzt wurden. Es geht dabei nicht nur um die Frage, wann gesiegelt wurde, sondern auch wer gesiegelt hat. Dabei ist es sinnvoll, eine Unterscheidung zu machen zwischen einer offiziellen bzw. öffentlichen und einer privaten Verwendung von Siegeln. Bereits im vorigen Kapitel ist angeklungen, dass Siegel sowohl zum „Versiegeln“ als auch „Besiegeln“ benutzt wurden, aber auch als Schmuck und Amulette Verwendung fanden. Zu überprüfen bleibt, wie dies konkret zur neuassyrischen Zeit stattfand.

Siegel von offizieller Seite

An der Spitze des neuassyrischen Staates stand der König. Diese Machtstellung lässt sich unter anderem auch durch ein spezielles Siegel, dem sogenannten Königssiegel, festhalten. Damit wurden königliche Dekrete und Erlasse12 ebenso gesiegelt wie auch königlicher Besitz kenntlich gemacht.13 Benutzt wurde das Königssiegel, anders als man anhand des Namens vermuten könnte, nicht nur vom König selbst; vielmehr wurde es im Namen des Königs verwendet.

Das legt nahe, dass mehr als nur ein Königssiegel zur gleichen Zeit benutzt wurde. Durch die Größe des Neuassyrischen Reiches war es notwendig, dass an verschiedenen Orten königliche Ansprüche geltend gemacht wurden.

Neben den Königssiegeln existierten noch weitere Formen von „Amtssiegeln“. So besaßen auch die „Stadtvorsteher“ von Assur ein eigenes Siegel, das anscheinend an den jeweiligen Amtsnachfolger weitergegeben wurde.14

Neben diesen Siegeln, die für weltliche Vertreter standen, gab es auch die Gruppe der „Gottessiegel“. Die Gottessiegel wurden zur Beglaubigung von wichtigen Staatsverträgen benutzt; die einzigen, die heutzutage bekannt sind, werden „Vasallenverträge von Asarhaddon“ genannt. Hierbei wurde dreimal im Namen des Gottes Assur gesiegelt. Interessant dabei ist, dass die drei Siegel aus verschiedenen Jahrhunderten stammen.

[...]


1 Collon, Dominique (Hg.): Catalouge of the Western Asiatic Seals in the British Museum. Cylinder Seals V, NeoAssyrian and Neo-Babylonian Periods, London 2001.

2 Moortgart, Anton: Vorderasiatische Rollsiegel. Ein Beitrag zur Geschichte der Steinschneidekunst, Berlin 1966.

3 Klengel-Brandt, Evelyn (Hg.): Mit sieben Siegel versehen. Das Siegel in Wirtschaft und Kultur des Alten Orients, Mainz 1997.

4 Merrillees, Parvine H.: Cylinder and stamp seals in Australian collections. Burwood, Victoria 1990.

5 Vgl. Klengel-Brandt, Evelyn: Siegel und Siegeln im Alten Orient- Eine Einführung, in: Klengel-Brandt, Evelyn (Hg.): Mit sieben Siegel versehen. Das Siegel in Wirtschaft und Kultur des Alten Orients, Mainz 1997. S. 1.

6 Vgl. ebda.

7 Collon, Dominique: Introduction to: Collon, Dominique (Hg.): 7000 Years of Sealings. London 1997, S. 8.

8 Vgl. Klengel-Brandt, Evelyn: Siegel und Siegeln im Alten Orient, S. 3.

9 Vgl. Ebda.

10 Vgl. Ebda.

11 Vgl. Nissen, Hans J.: Aspects of the Development of Early Cylinder Seals. In: Biggs, Robert D./ Gibson, McGuire (Hgg.): Seals and Sealing in the Ancient Near East. Malibu 1977, S. 15.

12 Vgl. Herbordt, Suzanne: Neuassyrische Glyptik des 8.-7. Jh. v. Chr. (SAAS 1), Helsinki 1992, S.52.

13 Vgl. Bleibtreu, Erika: Die Siegelinhaber. In: Klengel-Brandt, Evelyn (Hg.): Mit sieben Siegel versehen. Das Siegel in Wirtschaft und Kultur des Alten Orients, Mainz 1997, S. 95.

14 Vgl. Ebda, S. 98.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Neuassyrische Siegel. Siegelpraxis, Herstellung, Material und ihre Bedeutung
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Geschichte und Soziologie )
Veranstaltung
Assur- Geschichte einer altorientalischen Stadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V213434
ISBN (eBook)
9783656415954
ISBN (Buch)
9783656416555
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siegel, Assur, Assyrien, Alter Orient, Archäologie
Arbeit zitieren
Florian Raupach (Autor), 2012, Neuassyrische Siegel. Siegelpraxis, Herstellung, Material und ihre Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213434

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