In dieser Arbeit geht es darum, einen Zusammenhang zwischen dem neuassyrischen Siegel an sich und der sozialen Stellung des Siegelnden nachzuweisen. Dazu wird zuerst auf die unterschiedlichen Siegelarten, nämlich Roll- und Stempelsiegel, eingegangen, sowie auf die Siegelpraxis und die Herstellung der Siegel. Es folgt eine Analyse der Materialien, aus denen die Siegel gefertigt wurden; eine statistische Auswertung von Siegeln in neuzeitlichen Sammlungen sowie ihre Auswertung vollenden diese Arbeit. Ziel ist es, durch die statistische Auswertung die These zu untermauern, dass nicht die Siegelpraxis an sich auf die soziale Stellung des Siegelinhabers hindeutet, sondern das Material, aus dem das Siegel gefertigt ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Siegelformen im neuassyrischen Reich
Stempelsiegel
Rollsiegel
Siegelpraxis im neuassyrischen Reich
Siegel von offizieller Seite
Siegel von privater Seite
Herstellung von Siegeln
Das Material der Siegel
Statistische Auswertung von Siegeln in Sammlungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung neuassyrischer Siegel über ihre reine Funktion als Bildträger hinaus zu untersuchen. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwieweit die Siegelpraxis und insbesondere das verwendete Material Rückschlüsse auf die soziale Stellung des Siegelinhabers zulassen, statt lediglich den Akt des Siegelns zu betrachten.
- Analyse der verschiedenen Siegelformen (Stempel- und Rollsiegel) und ihrer historischen Entwicklung.
- Untersuchung der Siegelpraxis in offiziellen staatlichen sowie privaten Kontexten.
- Darstellung der komplexen Herstellungsprozesse von Siegeln und der Rolle der Siegelschneider.
- Evaluierung der Bedeutung von Siegelmaterialien hinsichtlich Verfügbarkeit, Härtegrad und zugeschriebenen Eigenschaften.
- Statistische Auswertung von Siegelmaterialien zur Untermauerung der These über den Zusammenhang von Materialwert und sozialem Status.
Auszug aus dem Buch
Das Material der Siegel
Ein Siegel lässt sich im Grunde genommen aus praktisch jedem Material herstellen, solange man es bearbeiten kann. Dennoch eignet sich nicht jedes Material dafür. Wie bereits im letzten Kapitel beschrieben, sind sehr harte Materialien schwer zu bearbeiten. Zu weiches Material hingegen ist nicht nur leicht zu bearbeiten, sondern auch leicht zu zerstören. Ein ideales Material für ein Siegel sollte also weich genug sein, um es noch gut bearbeiten zu können; gleichzeitig sollte es aber auch so hart sein, dass es nicht so leicht kaputt geht.
Die Härte eines Materials lässt sich mit der Mohs-Skala ausdrücken. Dabei werden die Materialien relativ zueinander eingeordnet: Eine Mohshärte von 1 steht für das weichste Material, welches von jedem anderen Material geritzt werden kann. Umgekehrt kann ein Material mit der Mohshärte von 10 von keinem Material geritzt werden. Materialien mit einer Mohshärte (=MH) von bis zu 5 gelten als weich, darüber werden Materialien als hart bezeichnet.27
Ebenso wichtig wie die passende Härte ist aber auch die Verfügbarkeit des Materials. In Assyrien gab es kaum Rohstoffe, außer Kalkstein und Lehm. Somit mussten geeignete Materialien von weiter weg nach Assyrien importiert werden.28
Neben solchen eher pragmatischen Faktoren spielte es auch eine Rolle, was für Eigenschaften einem Material zugeschrieben wurden. Lapislazuli soll etwa magische Kräfte gehabt haben.29 Deswegen wurden Gegenstände aus diesem Material, mit einer Härte von ca. 5, hochgeschätzt, wohl auch nicht zuletzt deswegen, weil es, sehr wahrscheinlich, im Gebiet des heutigen Afghanistan gewonnen wurde und daher kaum in größeren Mengen zur Verfügung stand.30
Im weitaus größeren Maßstab wurden hingegen andere Mineralien für die Siegelproduktion verwendet. Zum Beispiel wurden verschiedene Quarzarten abgebaut und zu Siegeln verarbeitet. Die Mohshärte von Quarz liegt, abhängig von der jeweiligen Struktur, bei
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der assyrischen Siegel ein und stellt die These auf, dass nicht die Siegelpraxis, sondern das Material des Siegels auf den sozialen Status des Inhabers hinweist.
Siegelformen im neuassyrischen Reich: Dieses Kapitel erläutert die technologischen und funktionalen Unterschiede sowie die Entwicklung der Stempel- und Rollsiegel.
Siegelpraxis im neuassyrischen Reich: Es wird analysiert, wie Siegel offiziell durch staatliche Akteure und privat durch verschiedene Bevölkerungsschichten zu diversen Zwecken eingesetzt wurden.
Herstellung von Siegeln: Die Ausführungen beleuchten die handwerklichen Anforderungen, Techniken und die Rolle der Siegelschneider bei der komplexen Produktion der Artefakte.
Das Material der Siegel: Hier werden die Kriterien für die Materialwahl, wie Härte, Verfügbarkeit und symbolische oder magische Zuschreibungen, detailliert erörtert.
Statistische Auswertung von Siegeln in Sammlungen: Abschließend werden die theoretischen Erkenntnisse mit einer quantitativen Untersuchung von 397 Siegeln verknüpft, um die zentrale These der Arbeit zu belegen.
Schlüsselwörter
Neuassyrisches Reich, Siegel, Rollsiegel, Stempelsiegel, Siegelpraxis, Siegelschneider, Mohshärte, Lapislazuli, Quarz, Fritte, Soziale Stellung, Siegelinhaber, Archäologie, Materialkunde, Glyptik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit neuassyrischen Siegeln, wobei der Fokus auf ihrer Herstellung, den verwendeten Materialien und ihrer soziokulturellen Bedeutung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die technologische Entwicklung von Siegelformen, die Siegelpraxis in offiziellen und privaten Kontexten sowie die Analyse der verwendeten Materialien nach ihrer Härte und Exklusivität.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die These zu untermauern, dass der soziale Status eines Siegelinhabers stärker durch das Material des Siegels repräsentiert wurde als durch den bloßen Akt des Siegelns.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor kombiniert theoretische Analysen der archäologischen und historischen Literatur mit einer statistischen Auswertung von 397 Siegeln aus verschiedenen Sammlungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Siegelformen, der Siegelpraxis, dem komplexen Herstellungsprozess sowie der Materialanalyse unter Berücksichtigung von Härtegraden und Verfügbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Neuassyrisches Reich, Siegel, Rollsiegel, Siegelschneider, Mohshärte, soziale Stellung und Siegelpraxis.
Warum spielt das Material bei der Untersuchung eine so entscheidende Rolle?
Das Material ist entscheidend, da es Rückschlüsse auf Handelsbeziehungen, den materiellen Wert und die soziale Exklusivität erlaubt, die über die rein funktionale Nutzung eines Siegels hinausgehen.
Was unterscheidet offizielle von privaten Siegeln laut der Arbeit?
Offizielle Siegel dienten der Beglaubigung von Staatsakten und Erlassen durch den König oder Amtsinhaber, während private Siegel für Verträge, Quittungen und als Verschlussmittel für Waren genutzt wurden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Lapislazuli?
Aufgrund des hohen Aufwands bei der Verarbeitung und der Seltenheit des Materials weist Lapislazuli auf eine hohe Exklusivität und damit auf einen hohen sozialen Status der Inhaber hin.
Welche Bedeutung kommt der Fritte im untersuchten Kontext zu?
Fritte wird als einfach und kostengünstig herzustellende "Massenware" identifiziert, die trotz ihrer geringen Härte eine häufige Verwendung fand.
- Citation du texte
- Florian Raupach (Auteur), 2012, Neuassyrische Siegel. Siegelpraxis, Herstellung, Material und ihre Bedeutung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213434