Theorie des ökonomischen Wählens in "The American Voter Revisited"


Rezension / Literaturbericht, 2013
11 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kausalitätstrichter
2.2 Parteiidenti kation

3 Kapitel 13
3.1 Motivation und Hypothesen
3.2 Angst vor Arbeitslosigkeit
3.3 Economic Outlook
3.4 Diskussion

4 Kritik

1 Einleitung

The American Voter Revisited [Lewis-Beck et al., 2008] untersucht das Wahlverhalten bei Präsidentschaftswahlen in den USA mit einem Fokus auf den Wahljahren 2000 und 2004. Die Autoren orientieren sich dabei sowohl inhaltlich als auch methodisch eng an einem Klassiker der amerikanischen Wahlforschung, The American Voter [Campbell et al., 1960]. Sie analysieren in 15 Kapiteln verschiedene Ein üsse auf die politische Einstellung und das Wahlverhalten der amerikanischen Wählerinnen und Wähler. In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt auf Kapitel 13 des Buches, welches sich dem Ein uss der Wirtschaftslage widmet.

Zuerst werde ich die dem Buch zugrunde liegende Theorie zusammenfassen und dabei einige zentrale Konzepte kurz erläutern. Im folgenden Abschnitt werde ich dann die Inhalte von Kapitel 13, Economic Antecedents of Political Behavior, vorstellen. Der abschlieÿende Teil dieser Arbeit wird eine kritische Auseindersetzung mit dem Thema des retrospektiven bzw. prospektiven Wählens darstellen.

2 Theoretische Grundlagen

Dieser Abschnitt orientiert sich hauptsächlich an Kapiteln 2 und 6 des Buches. Für das Verständnis der weiteren Inhalte ist es es nützlich, sich mit dem Modell des Kausalitätstrichters und dem Konzept der Parteiidenti kation vertraut zu machen.

2.1 Kausalitätstrichter

Der Begri des Kausalitätstrichters (Funnel of Causality ) wurde von Philip E. Converse, einem der Koautoren von [Campbell et al., 1960] geprägt. Motivation war die Annahme, dass das Wahlverhalten multikausal geprägt ist. Der Versuch, so verschiedene Faktoren wie Beruf, Einkommen, soziales Umfeld, Alter oder Religion einzubeziehen, führt not- wendigerweise zu einer Gewichtung und Sortierung. Diese lässt sich mit dem Bild eines Trichters veranschaulichen [Lewis-Beck et al., 2008, S. 22 .]. Am Eingang ieÿen diverse potentielle Gründe für einen spezi schen Wahlentscheid ein. Der Trichter verjüngt sich, je weiter man sich dem Zeitpunkt der Wahl nährt, und jede Ebene wirkt sich kausal auf die nächste aus. In diesem Prozess werden mit jedem Schritt Informationen komprimiert, und weniger relevante Ein üsse gehen verloren. Am Ende verlässt eine einzige Information, der Wahlentscheid, den Trichter.

Die Politikwissenschaft versucht nicht nur die relevanten Gröÿen zu identi zieren, sondern auch ihren kausalen Zusammenhang untereinander zu bestimmen dies entspricht der Einordnung an der richtigen Stelle im Trichter. Sobald die Kausalität geklärt ist, kann man versuchen den genauen Wirkmechanismen auf den Grund zu gehen. Ein mögliches Trichterschema ist in Abb. 1 illustriert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kausalitätstrichter. Abb. nach [Lewis-Beck et al., 2008, S. 23]

2.2 Parteiidenti kation

Die Autoren machen ausgiebigen Gebrauch vom Begri der Party Identi cation, also der Parteiiden kation. Gemeint ist die A nität eines Wählers oder einer Wählerin zu einer bestimmten Partei. Im Gegensatz zu einzelnen Wahlentscheiden und Sympathien für spezielle Kandidaten bleibt die Parteiidenti kation meist über lange Zeiträume stabil [Lewis-Beck et al., 2008, Kap. 6/7]. Die Theorie besagt, dass Menschen entsprechend ih- rer Parteiidenti kation wählen, sofern keine auÿerordentlichen Gründe (z.B. Kriege oder Wirtschaftskrisen) dagegen sprechen. Die Parteiidenti kation darf nicht mit der Mitglied- schaft in oder dem Engagement für eine Partei verwechselt werden, und sie determiniert in keinem Fall einen bestimmten Wahlentscheid. Trotzdem handelt es sich um ein nützliches Werkzeug, vor allem wegen der starken Korrelation mit o.g. Gröÿen und der erwähnten zeitlichen Konstanz.

Die Parteiidenti kation wird in Studien durch die Selbsteinschätzung der Befragten ermittelt, die gebeten werden, sich auf einer siebenpunktigen Skala im Spektrum Demo- kratisch-Republikanisch einzuordnen. Je nach Bedarf wird bei der Analyse dann zu fünf oder sogar nur drei Rubriken (Demokraten/Unabhängige/Republikaner) aggregiert.

Im Modell des Kausalitätstrichters wird die Parteiidenti kation relativ nah am Eingang eingeordnet. Man geht davon aus, dass sie vor allem durch soziale und demographische Faktoren geformt wird und ihrerseits kausal für die Einstellung zu politischen Sachfragen (Issues ) verantwortlich ist.

3 Kapitel 13

In diesem Kapitel mit dem Titel Economic Antecedents of Political Behavior 1 untersuchen die Autoren den wechselseitigen Ein uss zwischen der Wahrnehmung der Wirtschaftslage und der politischen Einstellung der Wählerinnen und Wähler.

3.1 Motivation und Hypothesen

In den vorhergehenden Kapiteln wurde der Ein uss von sozioökonomischem Hintergrund und der sozialen Klasse auf die politische Einstellung untersucht, mit uneinheitlichen Er- gebnissen [Lewis-Beck et al., 2008, Kap. 11/12]. Als Grund dafür wird angeführt, dass sich die meisten Amerikaner nicht (mehr) stark mit einer Klasse identi zieren. Im Gegen- satz dazu sind fast alle Wählerinnen und Wähler sehr an ihrer persönlichen Finanzlage interessiert und in Konsequenz auch an dem Zustand der nationalen Wirtschaft. Die Ver- mutung, dass Wirtschaftszahlen ein wichtiger Faktor beim Wahlentscheid sind, liegt nahe. Dabei lautet die Hypothese, dass eine gute Wirtschaftslage von Vorteil für den Amtsin- haber ist, während eine schwächelnde Wirtschaft oder gar eine Krise dem Herausforderer nutzt. Wenn sich eine solche Korrelation ergeben sollte, muss noch die Kausalität ge- klärt werden. Dazu muss übeprüft werden, wie die politische Grundeinstellung (d.h. die Parteiiden kation) die Wahrnehmung der Wirtschaftslage prägt.

Wichtige Variablen, die in den Umfragen2 2000 und 2004 betrachtet wurden, waren in diesem Zusammenhang die Angst vor Arbeitslosigkeit, die Beurteilung der eigenen bzw. familiären nanziellen Situation, die Bewertung der Wirtschaftspolitik des Präsidenten und der sogenannte economic outlook.

3.2 Angst vor Arbeitslosigkeit

Als Einstieg und ersten Beleg für ihre Hypothese untersuchen die Autoren die Konse- quenzen eines als schwierig empfundenen Arbeitsmarktes für das politische Denken und Handeln. Die Befragten, die sich besorgt äuÿerten3, stimmten 2000 zu 53% für die Repu- blikaner und 2004 zu 62% für die Demokraten. In beiden Fällen wünschten sich die von Arbeitslosigkeit Bedrohten also einen Machtwechsel. Auch bewerteten sie die Wirtschafts- politik des jeweils amtierenden Präsidenten mehrheitlich negativ [Lewis-Beck et al., 2008, S. 367 369].

[...]


1 dt.: Ökonomische Vorläufer von politischem Verhalten

2 Die Daten wurden in den National Election Studies erhoben, bei denen vor und nach den Wahlen eine groÿe Zahl persönlicher Interviews durchgeführt wurden.

3 Die Formulierung der Frage war, ob die Jobsuche bzw. die Arbeitslosigkeit sich in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Theorie des ökonomischen Wählens in "The American Voter Revisited"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1.3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V213440
ISBN (eBook)
9783656415923
ISBN (Buch)
9783656416074
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
political science, wahlforschung, economic voting, american voter
Arbeit zitieren
Christian Ziemann (Autor), 2013, Theorie des ökonomischen Wählens in "The American Voter Revisited", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213440

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