Geschlechtsbezogene Gewalt und Menschenrechte. Der steinige Weg in die Verfassung


Essay, 2012

7 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Was hat „Geschlechtsbezogene Gewalt“ mit den Menschenrechten zu tun? Findet das Thema „Geschlechtsbezogene Gewalt“ überhaupt den Einzug in die Diskussion über die Menschenrechte? Ist in der Verfassung ein Artikel verankert, der diese Gewalt unterbindet? Oder der das Ziel vorsieht diese Thematik in die Menschenrechte einzubinden?

Diesen Fragen möchte ich in meinem Essay auf den Grund gehen. Doch zunächst werde ich die Menschenrechte definieren. Was sind Menschenrechte? Wann sind sie entstanden? Und für wen gelten sie?

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wurde am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Seitdem ist sie das Fundament und der Maßstab des Menschenrechtschutzes auf der Welt.

Die Erklärung besteht aus einer Präambel und 30 Artikeln. Am Anfang stehen die Präambel sowie die Artikel 1 & 2, sie bilden die wesentliche Grundlage der AEMR. Zudem sind in der AEMR Rechte verankert, die man unter einem Sammelbegriff zusammenfassen kann. So stellen Artikel 3 bis 20 die Freiheitsrechte oder die „bürgerlichen Rechte“ dar. Artikel 21 verbindet die Freiheitsrechte mit den Artikeln 22 bis 27. Diese werden auch wsk – Rechte (wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) genannt. Den Schlussteil repräsentieren die verschiedenen Artikel 28, 29, und 30.

Menschenrechte sind Rechte, die jedem einzelnen Menschen aufgrund des Mensch – Seins zustehen und dies unabhängig von möglichen Unterscheidungsmerkmalen, wie der Staatszugehörigkeit, Ethnie, des Geschlechts oder anderen Kriterien. Alle Menschen haben einen Anspruch auf die Achtung der Menschenrechte, durch die biologische Zugehörigkeit zur Gattung „Mensch“. Dies spiegelt sich in der Vorstellung der Gleichwertigkeit und dem Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde wieder. Der Anspruch richtet sich an Staaten und staatliche Einrichtungen, aber auch an andere „organisierte Kollektive“.

Nun werde ich zur nächsten Begriffsbestimmung übergehen. Dies ist der Terminus „Geschlechtsbezogene Gewalt“. Was verbirgt sich hinter diesen Worten?

Gewalt gegen Frauen, welche sich durch alle Gesellschaften, Kulturkreise und Klassen zieht, ist ein verbreitetes Muster geschlechtsbezogener Gewalt. Daher ist diese Gewalt ein weltweites, weitgreifendes Phänomen.

Dieses verbreitet auftretende Ereignis ist eine gesellschaftliche Abwertung einhergehend mit einer verbundenen Gewalt gegen Menschen, die nicht den strengen gesellschaftlich vorherrschenden Normen von Geschlechtlichkeit gehorchen.

Geschlechtsbezogen ist jede Gewalt, die in Zusammenhang mit der Geschlechtlichkeit des Gewaltopfers steht. Das Verständnis von Geschlecht bewegt sich in vielen Gesellschaften und auch in vielen Disziplinen unhinterfragt in dem engen Rahmen der heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit – also Mann und Frau. Es scheint völlig klar, was Männer und Frauen sind, was sie ausmacht, wie sie fühlen und welche Sexualität sie leben. Nicht hinterfragt wird allerdings, aufgrund welcher Strukturen und Verhältnisse dieses Verständnis von Geschlecht und die Konzeption von Mann und Frau entstanden sind. Somit fallen Sachverhalte, die im Kontext der Geschlechtlichkeit von Menschen stehen, die aber nicht unter das Verhältnis „Mann“ – „Frau“ zu subsumieren sind, nicht unter das (rechtliche) Konzept „Geschlecht“. Nun gilt es den Schutz von Gleichheitsgeboten und vor allem Diskriminierungsverboten über einen heteronormativen Rahmen hinaus auszuweiten, so dass geschlechtsbezogene Gewalt in all ihren Facetten vom menschenrechtlichen Schutz umfasst wird.

Gewalt umschließt nicht nur das enge Konzept von physischer Gewalt, sondern wird in einem weiteren Rahmen positioniert, der in Strukturalität und Kontextualität auch psychische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte einbezieht. In Betracht kommt nicht nur Gewalt gegen Frauen, wie geschlechtsbezogene Gewalt menschenrechtlich bislang primär behandelt wird. Vielmehr geht es darum, das rechtliche Schutzsystem einer Vielzahl von Menschen zugänglich zu machen, d.h. eine Vielzahl von unterschiedlicher Gewalt- und Unterdrückungssachverhalten, die im Kontext von Geschlechtlichkeit stehen, in den menschenrechtlichen Schutz einzuschließen.

Doch trotz Verbreitung und Systematik findet geschlechtsbezogene Gewalt erstaunlich wenig bis gar keine Beachtung im System der Menschenrechte. Ein wesentliches Problem für die Inklusion von geschlechtsbezogener Gewalt in das System internationaler Menschenrechte ist die rechtliche Anerkennung und Übernahme der Trennung in einerseits öffentliche und andererseits private Bereiche. Diese Unterscheidung hat große Auswirkungen auf die menschenrechtliche Beachtung. Die Dichotomie erschwert somit die Einbeziehung und Formulierung solcher Menschenrechtsverletzungen, da diese oft eine Zuordnung in den als traditionell privat/familiär markierten Bereich erfahren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsbezogene Gewalt und Menschenrechte. Der steinige Weg in die Verfassung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Menschenrechtsbildung als Grundlage eines interkulturellen Dialogs
Note
bestanden
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V213507
ISBN (eBook)
9783656416159
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlecht, Gewalt, Menschenrechte, Verfassung, Geschlechtlichkeit, Diskriminierung
Arbeit zitieren
Sarah Christ (Autor), 2012, Geschlechtsbezogene Gewalt und Menschenrechte. Der steinige Weg in die Verfassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213507

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Geschlechtsbezogene Gewalt und Menschenrechte. Der steinige Weg in die Verfassung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden