Im ersten Schritt wird der interdependenztheoretischer Ansatz von Robert O. Keohane und Joseph S. Nye in überarbeiteter Form aus dem Jahr 2001 erläutert und um einige Anmerkungen durch andere Autoren ergänzt. Um die Relevanz der Fragestellung noch einmal abschließend zu verdeutlichen sollen auch die möglichen Folgen von Interdependenz, die von verschiedenen Autoren aufgezeigt und diskutiert wurden, dargelegt werden.
Im zweiten Schritt soll nun wie oben erwähnt eine empirische Analyse erfolgen. Als beispielhafte Mitglieder der Wirtschafts- und Währungsunion sind hier Frankreich, die Niederlande und Österreich gewählt worden. Die Wahl der Länderbeispiele begründet sich zum einen darin, dass für vollständige Daten vorhanden waren. Zum anderen konnten aus Platz- und auch aus Übersichtsgründen die anderen Mitglieder der Wirtschafts- und Währungsunion nicht mit eingebunden werden.
Die Interdependenz soll durch zwei ökonomische Indikatoren empirisch nachgewiesen werden. Die Export- und Importsummen der einzelnen Länder sowie die ausländisch gehaltenen Unternehmen in Deutschland sollen die Roller der Indikatoren übernehmen. Die Wahl der Indikatoren und deren Relevanz für die Messung von Interdependenz werden im empirischen Teil begründet und erklärt. Es soll nach der Aufarbeitung der beiden Indikatoren möglich sein, jeweils Aussagen treffen zu können, inwiefern Deutschland eine Interdependenzbeziehung mit den Beispielländern aufweist.
Abschließend sollen die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst werden und es soll eine Einschätzung abgeben werden, welche Ansatzpunkte man noch wählen könnte, um die Interdependenz Deutschlands mit seinen europäischen Nachbarn deutlicher zu charakterisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interdependenztheoretischer Ansatz
2.1 Grundlagen der Interdependenztheorie von Keohane und Nye
2.2 „Vulnerability“ und „sensitivity“
3. Empirische Analyse
3.1 Export- und Importsummen
3.2 Ausländisch gehaltene Unternehmen in Deutschland
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Bundesrepublik Deutschland in einer Interdependenzbeziehung mit ausgewählten Mitgliedern der Wirtschafts- und Währungsunion – konkret Frankreich, den Niederlanden und Österreich – steht. Ziel ist es, die theoretischen Annahmen der Interdependenztheorie nach Keohane und Nye empirisch an ökonomischen Daten zu prüfen.
- Interdependenztheorie im internationalen Staatensystem
- Differenzierung der Dimensionen "Vulnerability" und "Sensitivity"
- Analyse der Import- und Exportsummen als Indikator für Abhängigkeiten
- Untersuchung ausländisch kontrollierter Unternehmen in Deutschland
- Bewertung asymmetrischer Interdependenzen in der EU
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der politischen Diskussion um die Eurokrise bzw. um die weitere Vertiefung der europäischen Integration gibt es in Deutschland immer wieder ein Statement, das die Bedeutsamkeit des europäischen Projekts aufzeigen soll: „Die Bundesrepublik Deutschland ist wirtschaftlich und politisch auf seine europäischen Nachbarn angewiesen.“ Dass soll bedeuten, dass die herausragende wirtschaftliche Situation Deutschlands, durch die engen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Beziehungen zu den europäischen Nachbarn ermöglicht wurde. Im Mittelpunkt dieser Sichtweise stehen vor allem die europäischen Länder, die mit Deutschland zusammen die europäische Währungs- und Wirtschaftsunion bilden. Grund dafür ist, dass durch einen gemeinsamen Wirtschaftsraum und eine gemeinsamen Währung, so die Verfechter dieser Aussage, die gegenseitige Abhängigkeit stark steigt. Wollen wir diesem Argument glauben, stellt sich natürlich die Frage, ob Deutschlands Lage wirklich derart abhängig ist von der Situation und dem Verhalten seiner europäischen Nachbarn.
Exakt an diesem Punkt möchte diese Arbeit ansetzten. Es soll überprüft werden, ob und inwieweit Deutschland in einer Abhängigkeitsbeziehung mit Europa steht. Um diese Abhängigkeitsbeziehung darzustellen und zu analysieren wird hier der interdependenzanalytische Ansatz im internationalen Staatensystem genutzt, um einen theoretischen Zugang zur Thematik herzustellen. Das heißt genauer, dass die Abhängigkeitsbeziehung unter dem Begriff der „Interdependenz“, der im späteren Verlauf definiert und erklärt werden soll, spezifiziert und erweitert wird. Daraus ergibt sich dann auch die konkrete Fragestellung für diese Arbeit: „Inwiefern besitzt die Bundesrepublik Deutschland mit den Mitgliedern der Wirtschafts- und Währungsunion Frankreich, den Niederlanden und Österreich eine Interdependenzbeziehung?“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der europäischen Integration ein und stellt die Forschungsfrage nach der Interdependenz Deutschlands gegenüber ausgewählten Nachbarländern.
2. Interdependenztheoretischer Ansatz: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Interdependenz nach Keohane und Nye dargelegt, insbesondere die Unterscheidung zwischen "Vulnerability" und "Sensitivity".
3. Empirische Analyse: Dieser Teil operationalisiert die Theorie durch die Analyse von Außenhandelsdaten sowie der Präsenz ausländischer Unternehmen, um die Abhängigkeitsverhältnisse messbar zu machen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Deutschland in asymmetrischen Interdependenzbeziehungen steht, wobei die Abhängigkeit primär von den Partnerländern gegenüber Deutschland ausgeht.
Schlüsselwörter
Interdependenz, Deutschland, Europäische Union, Vulnerability, Sensitivity, Außenhandel, Wirtschafts- und Währungsunion, Keohane, Nye, Abhängigkeit, Asymmetrische Interdependenz, Empirische Analyse, Wirtschaft, Export, Import
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von ausgewählten europäischen Partnerländern im Rahmen der Interdependenztheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretische Fundierung von Interdependenz sowie deren empirische Überprüfung anhand ökonomischer Kennzahlen innerhalb der Eurozone.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, inwiefern die Bundesrepublik Deutschland mit Frankreich, den Niederlanden und Österreich Interdependenzbeziehungen unterhält.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine empirische Analyse durchgeführt, die ökonomische Indikatoren – namentlich Export-/Importsummen und die Anzahl ausländisch kontrollierter Unternehmen – nutzt, um theoretische Konzepte messbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung nach Keohane und Nye sowie einen empirischen Teil, in dem die genannten Indikatoren auf die drei Beispielstaaten angewendet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interdependenz, Vulnerability, Sensitivity und asymmetrische Machtbeziehungen im europäischen Kontext charakterisiert.
Welches Ergebnis liefert die Analyse bezüglich Österreich?
Die Analyse zeigt, dass Österreich in einer extrem asymmetrischen Interdependenzbeziehung zu Deutschland steht, wobei die Abhängigkeit deutlich von Österreich in Richtung Deutschland ausgeht.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Vulnerability" und "Sensitivity" eine wichtige Rolle?
Die Unterscheidung ist zentral, da "Vulnerability" (Verwundbarkeit) als Hauptquelle für Macht innerhalb einer asymmetrischen Interdependenz identifiziert wird, während "Sensitivity" die kurzfristige Empfänglichkeit beschreibt.
- Quote paper
- Michael Cattarius (Author), 2013, Die Interdependenztheorie in empirischer Anwendung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213508