Seit Beginn der 80er Jahre steigt die Zahl der Studien zum Thema Jugendsprachforschung international stetig an. Es stellt sich nunmehr die Frage, was genau die Begriffe youngspeak, Jugendsprache, langue des jeunes etc. eigentlich beschreiben, welche Funktionen der Gebrauch von Jugendsprache hat und ob sie bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterzuordnen ist. Um dies beantworten zu können, wird in der folgenden Arbeit ein deutsch-französischer Vergleich aufgestellt, der Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigen soll, aber auch den soziokulturellen Kontext sowie das Thema Integration berücksichtigt. Zunächst werden jedoch für das Verständnis wichtige Definitionen und weitere Informationen gegeben, um anschließend auf die Besonderheiten der Jugendsprache beider Nationen einzugehen sowie die sprachpolitischen Ansätze beider Staaten wiederzugeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines zur Jugendsprache
2.1 Begriffe
2.2 Merkmale
2.3 Funktionen
3 Jugendsprache in Deutschland
3.1 Spezifisches
3.2 Sprachpolitisches
4 Jugendsprache in Frankreich
4.1 Das Sprachspiel Verlan
4.2 Sprachpolitik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendsprache und führt einen kontrastiven Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich durch, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie soziokulturelle Kontexte und sprachpolitische Ansätze aufzuzeigen.
- Grundlagen der Jugendsprachforschung und Definitionen
- Gemeinsame Merkmale und Funktionen jugendsprachlicher Varietäten
- Spezifische sprachliche Phänomene im deutschen Sprachraum
- Sprachpolitische Rahmenbedingungen und Debatten in beiden Ländern
- Analyse des französischen Sprachspiels "Verlan"
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Sprachspiel Verlan
Beim Verlan (l’envers – versl’en – verlan) handelt es sich um ein Sprachspiel, dass sich der systemhaften Phonem- oder Silbenumstellung widmet. Es ist ein System der sprachlichen Verschlüsselung (Haltern, 1997), dass bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Pariser Vororten auftrat und kann als Code zur Kommunikation zwischen Personen einer bestimmten Gruppe gesehen werden, der sich stets weiterentwickelt. In den Anfängen wurde das Verlan als eine Art Gang-Sprache genutzt (McGlennen, 2007), da es von anderen (auch der Polizei) nicht verstanden werden konnte. Auch heute noch dient es dazu, Geheimnisse innerhalb der Gruppe zu wahren und das Unverständnis der Erwachsenen zu nutzen (Haltern, 1997). Das Verlan wird von den französischen Jugendlichen (vor allem in den Banlieues) auch als Sprache der Veränderung gesehen (vgl. Gsteiger, 1996), wirkt somit identitätsstiftend (vgl. Menon, 2002) und kann ebenso als sozialer Protest derer angesehen werden, die bislang nicht in die Arbeitswelt integriert wurden (vgl. McGlennen, 2007). Durch Rap und Film wurde dieses sprachliche Phänomen noch bekannter und unter Jugendlichen immer beliebter. Es wurde weiterentwickelt, sodass heute auch Silben bereits umgekehrter Begriffe erneut vertauscht werden und die so entstandenen Wörter werden wiederum abgekürzt und mit verdrehter Syntax zusammengefügt (vgl. Menon, 2002 und Haltern, 1997).
Auch das Abkürzen von Wörtern, indem der Anfang getilgt wird oder sogar die Umstellung ganzer Satzteile oder Sätze im Verlan-Stil sind heute keine Seltenheit mehr (vgl. Gsteiger, 1996). Dieses sprachliche System fördert die Kreativität der Jugendlichen einerseits und setzt außerdem gute Kenntnisse des „korrekten“ Französisch voraus (vgl. Haltern, 1997).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die internationale Jugendsprachforschung ein und umreißt die Zielsetzung des deutsch-französischen Vergleichs unter Berücksichtigung soziokultureller Faktoren.
2 Allgemeines zur Jugendsprache: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Jugendsprache und erläutert ihre wesentlichen Merkmale sowie deren identitätsstiftende Funktionen innerhalb von Jugendgruppen.
3 Jugendsprache in Deutschland: Hier werden spezifische deutsche Phänomene, wie syntaktische Besonderheiten, sowie die sprachpolitische Diskussion in Deutschland analysiert.
4 Jugendsprache in Frankreich: Der Fokus liegt auf den französischen Sprachstilen, dem Sprachspiel Verlan als identitätsstiftendes System sowie der französischen Sprachpolitik gegenüber neuen Varietäten.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Sprachwandel, Verlan, Soziolekt, Sprachpolitik, Identitätsbildung, Jugendsprachforschung, Deutsch, Französisch, Sprachspiel, Kontrastive Linguistik, Banlieues, Jugendkultur, Mehrsprachigkeit, Standardvarietät.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den linguistischen und soziokulturellen Aspekten der Jugendsprache und stellt dabei einen Vergleich zwischen den Gegebenheiten in Deutschland und Frankreich auf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Definitionen von Jugendsprache, ihre Merkmale und Funktionen, sprachliche Besonderheiten in beiden Ländern sowie die Einflüsse von Sprachpolitik auf den Sprachgebrauch der Jugend.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Jugendsprache in Deutschland und Frankreich aufzuzeigen und den soziokulturellen Kontext sowie die Integrationsrolle dieser Sprachformen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kontrastive linguistische Analyse und wertet bestehende soziolinguistische Studien aus, um die sprachlichen Phänomene und deren gesellschaftliche Einordnung zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen gelegt, gefolgt von der detaillierten Betrachtung deutscher und französischer Jugendsprachen inklusive spezifischer Fallbeispiele wie dem "Verlan".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendsprache, Sprachwandel, Verlan, Sprachpolitik, Identitätsbildung und Soziolekt charakterisiert.
Was genau ist das Sprachspiel "Verlan"?
Verlan ist ein System der sprachlichen Verschlüsselung durch Phonem- oder Silbenumstellung, das besonders unter Jugendlichen in französischen Banlieues verbreitet ist und als identitätsstiftend gilt.
Warum wird die Jugendsprache von Sprachaufsichtsorganen kritisiert?
Kritiker befürchten durch nicht-standardisierte Jugendsprachformen einen Sprachverfall und eine mangelnde Beherrschung der jeweiligen Standardsprache, besonders bei Kindern aus Migrantenfamilien.
- Arbeit zitieren
- Daniela Schneevogt (Autor:in), 2012, Jugendsprache. Ein deutsch-französischer Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213582