Risikomanagement und Compliance Anforderungen für Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals in Deutschland

Richtlinien an den Eventmanager für effiziente und nachhaltige Open-Air-Musikfestivals


Bachelorarbeit, 2013
109 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Open-Air-Musikfestival
1.1 Definition Begriff Open-Air-Musikfestival
1.2 Geschichte von Open-Air-Musikfestivals

2 Risikomanagement
2.1 Definition Begriff Risiko
2.2 Definition Begriff Risikomanagement
2.3 Ziele des Risikomanagements
2.4 Risikomanagementprozess
2.4.1 Risikoanalyse
2.4.2 Risikobewältigung
2.4.3 Risikocontrolling
2.5 Risikoarten für einen Open-Air-Musikfestivalveranstalter
2.5.1 Externe Risiken
2.5.2 Interne Risiken

3 Compliance Management
3.1 Definition Begriff Compliance
3.2 Ziele des Compliance Managements
3.3 Compliance Management Prozess
3.4 Folgen von Rechtsverstößen
3.5 Praxisbeispiele aus der Open-Air-Musikfestival-Branche
3.5.1 Loveparade-Fall
3.5.2 Pukkelpop-Fall
3.5.3 Roskilde-Festival-Fall

5. Vertragsrecht
5.1 Grundlagen des Vertragsrecht
5.2 Vertragsbeziehungen
5.2.1 Aufführungsvertrag
5.2.2 Besuchervertrag
5.2.3 Agenturvertrag
5.2.4 Sponsorvertrag
5.2.5 Subunternehmervertrag

6 Arbeitsrecht
6.1 Rechtsquellen des Arbeitsrecht
6.1.1 EU-Recht
6.1.2 Verfassungsrecht
6.1.3 gesetzliche Regelungen
6.1.4 Tarifvertrag
6.1.5 Betriebsvereinbarungen
6.1.6 Weisungsrecht / Direktionsrecht
6.2 Der Arbeitsvertrag
6.2.1Erläuterung Begriff Arbeitsvertrag
6.2.2 Vertragsabschluss
6.2.3 Pflichten des Arbeitgebers
6.3 Beschäftigungsverhältnisse
6.3.1 Teilzeitbeschäftigung
6.3.2 geringfügige Beschäftigung
6.3.3 Arbeitnehmerüberlassung
6.3.4 Aushilfsarbeit
6.3.5 Freie Mitarbeit
6.3.6 Scheinselbstständigkeit

7 Rechtsform
7.1 Einzelunternehmen
7.2 Gesellschaftsunternehmen
7.2.1 Personengesellschaft
7.2.2 Kapitalgesellschaften
7.2.3 Eingetragener Verein

8 Urheberrecht
8.1 Pflichten des Veranstalters
8.2 Rechte des Veranstalters
8.3 Recht am eigenen Bild

9 Wettbewerbsrecht
9.1 Irreführende Werbung
9.2 Vergleichende Werbung
9.3 Unzumutbare Belästigung
9.4 Rufschädigung
9.5 Ausbeutung fremder Leistungen
9.6 Behinderungswettbewerb

10 Markenrecht

11 Medienrecht
11.1 Presserecht
11.2 Rundfunkrecht
11.3 Internetrecht

12 Recht der GEMA

13 Künstlersozialversicherung

14 Versicherungsrecht
14.1 Grundlagen des Versicherungsrechts
14.2 Versicherungen im Eventbereich
14.2.1 Haftpflichtversicherung
14.2.2 Veranstalter-Haftpflicht-Versicherung
14.2.3 Elektronikversicherung
14.2.4 Veranstaltungsausfallversicherung
14.2.5 Shortfall-Guarantee-Versicherung
14.2.6 Sonstige Versicherungen

15 Öffentliches Recht
15.1 Versammlungsrechtliche Vorgaben
15.2 Gewerberechtliche Vorgaben
15.3 Schankerlaubnis
15.4 Belehrungsbescheinigung gemäß § 42 IfSG
15.5 Jugendschutzgesetz
15.6 Umweltrechtliche Vorgaben
15.6.1 Naturschutz
15.6.2 Drittschutz
15.7 Sondernutzungsgenehmigungen
15.8 Straßenverkehrsrechtliche Erlaubnis
15.9 Zusammenarbeit mit Behörden
15.9.1 Polizei
15.9.2 Sanitätsdienste
15.9.3 Verkehrsbetriebe
15.10 Baurechtliche Vorgaben
15.10.1 Baugenehmigung
15.10.2 Nutzungsänderungsgenehmigung
15.10.3 Genehmigungen bei fliegenden Bauten

16 Steuerrecht
16.1 Steuerrechtliche Behandlung von Künstlern
16.2 Umsatzsteuer
16.3 Vergnügungssteuer
16.4 Sponsoring

Fazit

Anhang
Vertragsrecht
Arbeitsrecht
Rechtsform
Urheberrecht
Wettbewerbsrecht
Markenrecht
Medienrecht
Recht der GEMA
Künstlersozialversicherung
Versicherungsrecht
Öffentliches Recht

Literaturverzeichnis

Weiterführende Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Risikobewertung

Abbildung 2: Force-Majeure-Risiken

Abbildung 3: Politisch - / rechtliche Risiken

Abbildung 4: Technologische Risiken

Abbildung 5: Makroökonomische Risiken

Abbildung 6: Sozi-kulturelle Risiken

Abbildung 7: Leistungswirtschaftliche Risiken

Abbildung 8: Finanzwirtschaftliche Risiken

Abbildung 9: Organisations- und Managementrisiken

Abbildung 10: Folgen unzureichendem Compliance Managements

Abbildung 11: Rechtsquellen des Arbeitsrechts

Abbildung 12: Internetrecht – Einschlägige Gesetze

Abbildung 13: Checkliste: Vertragsrecht – Allgemein

Abbildung 14: Checkliste: Vertragsrecht – Aufführungsvertrag

Abbildung 15: Checkliste: Vertragsrecht – Besuchervertrag

Abbildung 16: Checkliste: Vertragsrecht - Agenturvertrag

Abbildung 17: Checkliste: Vertragsrecht - Sponsorvertrag

Abbildung 18: Checkliste: Vertragsrecht - Subunternehmervertrag

Abbildung 19: Checkliste: Arbeitsrecht - Arbeitsbedingungen

Abbildung 20: Checkliste: Arbeitsrecht - Beschäftigungsverhältnisse

Abbildung 21: Checkliste: Arbeitsrecht - Pflichten des Arbeitgebers

Abbildung 22: Rechtsform - Überblick der Personengesellschaften

Abbildung 23: Rechtsform - Übersicht der Kapitalgesellschaften

Abbildung 24: Rechtsform - Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmens

Abbildung 25: Checkliste: Urheberrecht

Abbildung 26: Checkliste: Recht am eigenen Bild

Abbildung 27: Checkliste: Wettbewerbsrecht

Abbildung 28: Checkliste: Markenrecht

Abbildung 29: Checkliste: Medienrecht - Presserecht

Abbildung 30: Checkliste: Medienrecht - Rundfunkrecht

Abbildung 31: Checkliste: Recht der GEMA

Abbildung 32: Recht der GEMA - Tarif für Unterhaltungsmusikkonzert-veranstaltungen

Abbildung 33: Recht der GEMA - Tarif für Veranstaltungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik (Live-Musik)

Abbildung 34: Recht der GEMA - Tarif für Veranstaltungen mit Tonträger-wiedergaben

Abbildung 35: Checkliste: Künstlersozialversicherung

Abbildung 36: Künstlersozialversicherung - Berufsgruppenkatalog Teil 1

Abbildung 37: Künstlersozialversicherung - Berufsgruppenkatalog Teil 2

Abbildung 38: Checkliste: Versicherungsrecht

Abbildung 39: Checkliste: Öffentliches Recht

Abbildung 40: Öffentliches Recht - Aushang Jugendschutzgesetz

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Das Angebot an Open-Air-Musikfestivals in Deutschland ist enorm und unterliegt dank steigender Nachfrage einer ständigen Erweiterung. Was für Besucher häufig einen mehrtägigen pausenlosen Spaß bedeutet, ist für einen Veranstalter eine organisatorische Herausforderung verbunden mit zahlreichen Risiken und Gefahren. Damit Risiken vermieden oder vermindert werden können, müssen diese ge- und erkannt werden. Genau hier soll die vorliegende Arbeit ansetzen und aufzeigen, welche Risiken für Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals hervorgehen können. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf Risiken aus gesetzlichen Vorschriften für Open-Air-Musikfestivals gelegt, da bis heute eine kompakte und praxisbezogene Darstellung fehlt. Das Ziel dieser Arbeit ist demnach dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich einen schnellen Überblick über die komplexe Rechtsmaterie zu verschaffen und einen Richtlinienkatalog zu entwickeln, der bei zukünftiger Rechtsaufgabenlösung helfen soll. Zudem werden im Anhang diverse Checklisten zu den jeweiligen Rechtsgebieten angefügt, die eine Implementierung in die Praxis oder eine einfache Zusammenfassung der jeweiligen Bereiche, ermöglichen sollen. Aufgrund der Komplexität der Thematik ist es jedoch nicht möglich jeden Sonder- bzw. Einzelfall zu betrachten und zu erläutern. Einzelheiten müssen demzufolge unbedingt mit Behörden, Rechtsanwälten und Steuerberatern besprochen werden.

1. Open-Air-Musikfestival

1.1 Definition Begriff Open-Air-Musikfestival

Im weitesten Sinne versteht man unter einem Open-Air-Musikfestival eine unter freiem Himmel stattfindende Veranstaltung, auf der mindestens zwei Künstler auftreten und ihre Musik präsentieren. In Deutschland liegt der Durchschnitt der auftretenden Künstler, welche meist der gleichen oder ähnlichen Musikrichtung angehören, zwischen 5 bis 20. Musikfestivals können eine Dauer von einem Tag bis zu mehreren Tagen aufweisen. Wichtig ist lediglich, dass das Programm bei mehrtägigen Festivals an aufeinander folgenden Tagen angeboten wird. Oftmals wird irrtümlich von Musikfestivals gesprochen, wenn mehrere Künstler in bestimmten zeitlichen Abständen auftreten. Ist das der Fall, so handelt es sich nicht um ein Musikfestival, sondern um eine Konzertreihe einer bestimmten Musikrichtung.[1] Außerdem betont der deutsche Musikrat in seinem veröffentlichtem Buch „Musik Almanach“: „Allen Festivals und Festspielen ist gemein, dass sie – meist in der Sommerzeit – befristet zu einer zusätzlichen Attraktivität für Einwohner eines oder mehrerer Bundesländer, von Regionen und Städten beitragen und damit ein echter Wirtschaftsfaktor geworden sind“.[2]

1.2 Geschichte von Open-Air-Musikfestivals

Heute lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wann die ersten Festspiele veranstaltet wurden. Sicher ist, dass im antiken Griechenland durchgeführte Theateraufführungen im Rahmen von Festspielen stattfanden. Für ihre Fest- und Opernspiele waren vor allem die vielen europäischen Fürsten- und Königshäuser bekannt. 1665 fand das erste Schlossfestspiel am Hof der Heidecksburg in Rudolstadt statt. Meist waren die Gründe für solche Veranstaltungen politisch oder religiös motiviert. Ein Festspiel sollte die Macht und den Einfluss demonstrieren. Mit fortlaufender Zeit dienten diese Veranstaltungen der Demonstration des wachsenden Einflusses des Bürgertums und der Anerkennung großer Komponisten und Musiker aus vorangegangenen Zeiten. Beispiele für diese Zeit sind das Beethovenfest in Bonn (1845), das Mozartfest in Wien (1856) oder die Bayreuther Festspiele (1876). Die Veranstalter der Mozartfestspiele öffneten sich auch anderen Künstlern und kulturellen Aufführungen, so dass die ganze Stadt als Bühne genutzt wurde. In der Zeit des zweiten Weltkriegs wurden Festspiele wieder überwiegend für politische Motivation eingesetzt (Reichsfestspiele in Heidelberg (1934 – 1939)). Mit der Beendigung des zweiten Weltkriegs entwickelte sich eine enorm und rasch wachsende Festspielbranche. In den 60er Jahren bürgerte sich immer mehr der englische Begriff „Festival“ ein. Die Entwicklung der Branche prägte das Festival „Woodstock“ (1968). Hier fanden zum ersten Mal ökonomische Prinzipien und Methoden Beachtung. Seit den 80ern etablierten sich zahlreiche Musikfestival im Bereich der Unterhaltungsmusik.[3] Deutschland gehört heute zu den führenden Ländern im Bereich der europäischen Festivalkultur. Zu den Veranstaltungen mit den meisten Besuchern gehören:

- „Bochum Total“ in Bochum mit ca. 1.000.000 Besuchern
- „Schlagermove“ in Hamburg mit ca. 450.000 Besuchern
- „Das Fest“ in Karlsruhe mit ca. 400.000 Besuchern
- „Rheinkultur“ in Bonn mit ca. 170.000 Besuchern
- „Rock am Ring“ in Nürburg & „Rock im Park“ in Nürnberg mit insgesamt ca. 140.000 Besucher[4]

2 Risikomanagement

Dem Begriff des Risikomanagements begegnet man heutzutage immer häufiger in unternehmerischen Angelegenheiten. Der Druck durch Gesetze oder andere Vorschriften, aber auch durch negative Erfahrungen, sollen mit Hilfe dieser Managementform in der Zukunft vermieden werden. Auch ein Veranstalter von Musikfestivals muss sich mit einer Unmenge an Risiken beschäftigen. Eventuell auftretende Risiken für Musikfestivals sollen im Anschluss dargestellt werden. Um die Thematik jedoch besser zu verstehen, wird zuvor auf die Grundlagen des Risikomanagements eingegangen.

2.1 Definition Begriff Risiko

Der Begriff des Risikos stammt aus der frühitalienischen „risicare“ und bedeutet soviel wie „Wagnis“ oder „Gefahr“. Ziegenbein definiert den Begriff Risiko als die „Gefahr der Verfehlung geplanter Ziele, d.h. der mit der Unsicherheit der Zukunft begründete und durch Störeinflüsse oder Fehlentscheidungen des Managements nicht auszuschließende Eintritt ungünstiger Ereignisse als vorgesehen“.[5] Bei dieser Definition ist allerdings zu beachten, dass der genaue Zeitpunkt, der Ort und das Ausmaß der Gefahr offen ist. Im Gegensatz zur Krise ist das Unternehmen noch nicht direkt betroffen. Beispiele für mögliche Risiken in der Musikfestivalbranche können Ausfall der Veranstaltung durch schlechtes Wetter oder Verkehrsunglück des Künstlers bei Anreise sein.

2.2 Definition Begriff Risikomanagement

Ähnlich wie beim Begriff „Risiko“ gibt es auch bei der Definition von Risikomanagement etliche Varianten. Eine möglich Definition lautet: „Risikomanagement heißt, mit unvorhersehbaren Ereignissen mental zu experimentieren und sich nicht im Bestehenden einschließen; es bedeutet auch, liebgewordene Gewohnheiten kritisch zu überdenken und sich auf andere als die gewohnten Handlungen einzustellen“[6]. Neben der oben genannten Definition, wäre auch Folgende von Brühwiller möglich: „Risiko Management umfasst die gesamte Unternehmenspolitik unter besonderer Berücksichtigung der ihr innenwohnenden Chancen und Risiken“[7]. Risikomanagement ist also die Gesamtheit aller organisatorischen Regelungen und Maßnahmen zur Risikoerkennung und zum Umgang mit den Risiken aus unternehmerischer Betätigung. Mit Hilfe des Risikomanagements sollen also vor allem bestandsgefährdende Gefahren erkannt und durch gezielte Steuerung kontrolliert und möglichst verhindert werden. Es ist daher ein wichtiges Element zur Verhinderung bzw. Minimierung der Krisengefahr.[8]

2.3 Ziele des Risikomanagements

Risikomanagementziele bilden die Basis für den Aufbau eines Risikomanagement-Systems. Die Hauptziele bestehen dabei aus:

- Sicherung der Unternehmensexistenz
- Sicherung des zukünftigen Erfolgs
- Marktwertsteigerung des Unternehmens
- Sicherung der Unternehmensziele
- Vermeidung oder Senkung der Risikokosten[9]

2.4 Risikomanagementprozess

Damit das Risikomanagement funktionieren kann, sind zahlreiche Prozessschritte nötig, die nun im Folgenden erläutert werden sollen.

2.4.1 Risikoanalyse

Die Risikoanalyse ist die erste eigentliche Hauptphase des Risikomanagement-prozesses und beschäftigt sich mit der Identifizierung, Bewertung und der Aggregation von Risiken.[10]

2.4.1.1 Risikoidentifikation

Wie der Begriff Identifikation schon vermuten lässt beschäftigt sich diese Phase mit der Erkennung der Risiken, die zu einer ungünstigen und bestandsgefährdenden Unternehmensentwicklung führen können. Es sollen hier also Störfaktoren erkannt und analysiert und Aktivitäten des Unternehmens auf Fehlentwicklung geprüft werden. Dabei erstreckt sich die Identifikationsphase auf die Gegenwart und die Zukunft. Häufig benutzte Instrumente der Risikoidentifizierung sind unter anderem Risiko-Checklisten, Interviews, Unternehmensbesichtigungen, Anforderungsanalysen, Organisationsanalysen, Brainstorming und Fragenkataloge.[11]

2.4.1.2 Risikobewertung

Nach der erfolgreichen durchgeführten Risikoidentifikation von internen und externen Risiken folgt die Risikobewertung. Bei der Bewertung geht es dabei meist um die Eintrittswahrscheinlichkeit, den Zeitpunkt und die mögliche Schadenshöhe des Risikos. Es werden also die Bedeutung und die Auswirkungen der Risiken auf das Unternehmen herausgearbeitet und anschließend quantitativ bzw. qualitativ gewichtet. Außerdem sollten die Wechselwirkungen zwischen den identifizierten Risiken beachtet werden. Bewertungsverfahren bei der Risikobewertung sind die primär qualitativen Erhebungen und die quantitativen Verfahren. Bei qualitativen Erhebungen versucht man aus qualitativen Aussagen und Erfahrungen, quantitative Ergebnisse zu erhalten. Beispielsweise lässt sich folgende Frage stellen:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Open-Air-Veranstaltungsausfalls durch schlechtes Wetter?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Risikobewertung[12]

Die Skalierung durch das Schulnotensystem bietet sich dabei sehr gut an. Zum einen erleichtert dieses System ungemein die Bildung von Risikokategorien, zum anderen ist es jedem Mitarbeiter im Unternehmen bekannt. Zu den quantitativen Methoden gehören unter anderem „Value at Risk“, „Risikoportfolio“, „Korrekturverfahren“, „Sensitivitätsanalyse“ und „Simulationstechnik“.[13]

2.4.1.3 Risikoaggregation

Nach Ehrmann bedeutet Risikoaggregation „[...] die Bestimmung der Gesamtrisikoposition eines Unternehmens. Man fasst die bewertenden Einzelrisiken zu einem Gesamtrisiko des Unternehmens zusammen“. Das heißt also, dass ein Unternehmen aus den vorerst betrachteten Einzelrisiken eine Gesamtrisikoposition aufstellen solle. Eine Möglichkeit diese Gesamtrisiken festzustellen ist die „Monte-Carlo-Simulation“.[14] Diese Technik ermöglicht das Risiko in einer quantitativen Analyse und Entscheidungsfindung nachzuweisen. Diese Simulation zeigt extreme Möglichkeiten, was passieren könnte, wenn eine riskante Entscheidung getroffen wird.[15]

2.4.2 Risikobewältigung

Hat ein Unternehmen die Risiken identifiziert, sie bewertet und anschließend klassifiziert folgt der Schritt der Risikobewältigung. Spricht man von solch einer Bewältigung kann zwischen aktiver und passiver Risikobewältigung unterschieden werden. Die aktive Vorgehensweise zielt dabei auf die Veränderung der Risikostrukturen ab, wobei die passive Methode diese Strukturen unverändert lässt und darauf ausgerichtet ist die Risiken selbst zu tragen oder eine angemessene Risikovorsorge zu betreiben, um eventuelle anstehende Konsequenzen zu mildern. Es ist also das Ziel der Risikobewältigung, die Risikosituation so zu verändern, dass ein harmonisches Verhältnis zwischen Chancen und Risiken entsteht. Kategorisieren lässt sich die Bewältigung von Risiken in die Risikovermeidung, Risikoverminderung und Risikoverknüpfung, Risikoüberwälzung und Risikoübernahme.[16] Diese Instrumentarien sollen im Folgenden genauer erläutert werden.

2.4.2.1 Risikovermeidung

Risikovermeidung bedeutet, nach einfacher Begriffsableitung, dass das Unternehmen risikobehaftete Geschäfte nicht eingeht und präventive Entscheidungen trifft. Daraus resultiert, dass Risiken ausgeschlossen werden und so nicht entstehen können. (z.B. Verzicht auf Veranstaltungen in Regionen mit einer hohen Eventdichte). Durch den Einsatz dieser Methode werden einerseits Einzelrisiken vermieden, senken aber zugleich auch die Gewinnchancen.[17] Diese Strategie ist also nur dann sinnvoll, wenn es sich um extreme Schadenshöhen handelt, welche das Unternehmen existenziell belasten könnten.

2.4.2.2 Risikoverminderung

Bei der Risikoverminderung geht es darum, Risiken nicht von vornherein auszuschließen, sondern sie auf ein angemessenes Maß zu reduzieren. Diese Methode soll durch unternehmenseigene Richtlinien die Schadenshöhe und die Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens, reduzieren. Neben diesen Richtlinien lassen sich Risiken auch durch den Einsatz von qualifiziertem Personal, Verwendung sicherer Materialien und Einsetzen von Schutzmaßnahmen vermindern.[18]

2.4.2.3 Risikoüberwälzung

Unter dem Begriff Risikoüberwälzung ist die Risikoweitergabe an einen anderen (z.B. Versicherungen) zu verstehen. Zu beachten ist allerdings, dass das Risiko somit nicht eliminiert wird, sondern nur den Träger wechselt. Bekannte Beispiele der Risikoüberwälzung sind das Leasing, Factoring, Outsourcing, Versicherungen und auch Franchising. Bevor ein Unternehmen sich für die Risikoüberwälzung entscheidet, sollte geprüft werden, ob interne Maßnahmen zur Risikovermeidung oder Risikoverminderung nicht preiswerter sind. Außerdem gehören zur Strategie der Risikoüberwälzung die Geschäftsbedingungen in Verträgen.[19]

2.4.2.4 Risikoübernahme

Bei der Risikoübernahme trägt das Unternehmen selbst die Risiken. Diese Strategie wird bei Unternehmen freiwillig aber auch unfreiwillig angewendet. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht scheint es nicht logisch alle Risiken auszuschließen und durch gewisse Strategien zu bekämpfen. Was bleibt ist immer ein Restrisiko, was im Endeffekt vom Unternehmen übernommen werden muss. Dennoch gibt es einige Gründe die für eine freiwillige Anwendung der Strategie sprechen:

- gering eingeschätzte Risiken
- Risikoabsicherung zu teuer
- Keine Lösungen am Markt vorhanden
- mit Risikoübernahme bleiben Gewinnchancen

Spricht man also von Risikoübernahme, so kann gesagt werden, dass das Unternehmen auf Steuerungsmaßnahmen verzichtet und bei Risikoeintritt auf eine bestehende Risikovorsorge (Rücklagen, Reserven) zurückgreifen kann. Es ist also wichtig schon im Vorfeld eine Risikodeckung vorzuhalten, damit im Fall der Fälle die Unternehmensaktivität nicht beeinträchtigt wird.[20]

2.4.3 Risikocontrolling

Das Risikocontrolling ist ein Bestandteil des Controllings und dient zur Überwachung und Steuerung der Risiken. Wichtig dabei ist, dass es nicht am Ende des Risikomanagement-Prozesses stattfindet, sondern ein permanenter Vorgang ist, der sich auf das gesamte Unternehmen erstreckt. Ziel des Risikocontrollings ist die Informationslieferung der Unternehmensrisiken und die anschließende Planung, Steuerung und Kontrolle der Risiken durch das Management. Um diese Ziele zu erreichen sind bestimmte Aufgaben notwendig. So sollten beispielsweise Erhebungen, Analysen, Auswertungen, Dokumentationen und Bereitstellung risikorelevanter Informationen durchgeführt bzw. bereitgestellt werden. Außerdem liegen weitere Aufgaben in der Entwicklung und Bereitstellung geeigneter Instrumente zur Erkennung, Beurteilung und Steuerung von Risiken.[21]

2.5 Risikoarten für einen Open-Air-Musikfestivalveranstalter

Im Folgenden soll das Risikomanagement, welches vorher skizziert wurde, an Beispielen veranschaulicht werden. Dafür sollen zunächst mögliche externe und interne Risiken allgemein beschrieben und anschließend mit konkreten Beispielen aus der Musikfestivalveranstalter-Branche beziffert werden.

2.5.1 Externe Risiken

Externe Risiken sind weitestgehend nicht beeinflussbar und entstehen im Unternehmensumfeld. Durch sie wird der Handlungsspielraum erheblich bestimmt. Externe Risiken lassen sich unterteilen in Force Majeure-, politisch-rechtliche-, technologische-, makroökonomische- und sozio-kulturelle-Risiken. Diese sollen im Anschluss genauer definiert und mit branchenspezifischen Beispielen veranschaulicht werden.[22]

2.5.1.1 Force-Majeure-Risiken

Force-Majeure-Risiken sind unabwendbare Ereignisse und Gefahren, die sich aus Naturereignissen oder klimatischen Veränderungen ergeben.[23] Nachfolgende Abbildung zeigt mögliche Force-Majeure-Risiken für den Open-Air-Veranstaltungssektor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Force-Majeure-Risiken[24]

Vor allem die Naturrisiken, wie Stürme oder Überschwemmungen sind in der deutschen Veranstaltungslandschaft sehr zu berücksichtigen. Eine Absicherung kann allerdings durch verschiedene Versicherungen erfolgen, welche allerdings sehr kostspielig sein können. Als Beispiel wäre hier die Firma „Event insurance consultants“ zu nennen, mit einem Versicherungsschutz der Kategorie „Veranstaltungsausfall aufgrund schlechten Wetters“.[25] Oft bieten auch solche Event-Versicherer an, andere Force- Majeure-Risiken zu versichern, welche je nach Eintrittswahrscheinlichkeit sehr preisintensiv werden können. Gerade bei Open-Air-Musikfestivals wird mit mehreren Millionen agiert, was eine Komplettausfallversicherung demzufolge zu einem sehr kostspieligen Faktor machen kann.

2.5.1.2 politisch- / rechtliche Risiken

Politisch- / rechtliche Risiken spielen in der Eventlandschaft eine herausragende Rolle. Wie der Begriff schon sagt, bestimmen hier der Staat sowie Staatsgemeinschaften den unternehmerischen Entscheidungsspielraum.[26] Dieses umfassende Thema soll an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, da eine intensive Auseinandersetzung im Kapitel 4 ff. erfolgt. Vollständigkeitshalber soll die nachstehende Grafik dennoch betroffene Rechtsbereiche in der Open-Air-Musikfestivalbranche darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Politisch - / rechtliche Risiken[27]

Die Schwierigkeit bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist die ständig steigende Anzahl und Reichweite der Normen. Zur Vereinfachung wurden hier die wichtigsten Rechtsgebiete für einen Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals herausgearbeitet.

2.5.1.3 technologische Risiken

Vor allem bei Veranstaltungen mit Live-Musik und tausenden Leuten sollte ein hohes technologisches Niveau angestrebt werden. Der Erfolg einer solchen Veranstaltung hängt nicht zuletzt von einer Etablierung neuster Technik ab. Zudem werden berühmte Künstler nur unter der Voraussetzung „Einsatz bester Technik“ die Bühne betreten, da veraltete Technik oftmals moderne Bühnenshows nicht bewältigen kann. Tritt der berühmte Künstler nicht auf, wird auch die Zahl an Besuchern zurückgehen. Beispiele für technologische Risiken stellt nachfolgende Grafik dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Technologische Risiken[28]

Ein großes technologisches Risiko bei Open-Air-Musikfestivals sind die Auf- und Abbauzeiten von Bühnen oder Zelten. Im weitestem Sinne sind das die Stillstandzeiten einer Maschine. Der Veranstalter zahlt also Leihgebühr für die Technik, obwohl sie nicht in Betrieb ist. Deswegen sollte bei Auswahl der Technik stets auf Auf- und Abbauzeiten geachtet werden. Ein Risiko stellt auch die Marktgängigkeit der Technik dar. Oftmals wird nicht nur ein Unternehmen beauftragt notwendige Technik zu stellen, sondern unterschiedliche Firmen. Verwendet nur ein Unternehmen nicht marktgängige Technik kann es zu Kompatibilitätsproblemen kommen. Auch sollten Systemausfälle in die Risikoanalyse mit einbezogen werden. Wo viel Technik verwendet wird, kann es oft zu Problemen kommen. Bühnentechnische Probleme wären beispielsweise schlecht für den Künstler und dessen Ruf, als auch für die Veranstaltung selbst. Der Gast bezahlt oft viel Geld um ein solches Fest besuchen zu können und erwartet deshalb auch eine einwandfreie Durchführung.

2.5.1.4 makroökonomische Risiken

Die makroökonomischen Risiken geben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ein Unternehmen vor. Diese werden durch nationale und internationale Entwicklungen sowie durch die Dynamik der jeweiligen Branchen hervorgerufen.[29] Beispiele für makroökonomische Risiken zeigt nachstehende Grafik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Makroökonomische Risiken[30]

Die makroökonomischen Risiken spielen in der Veranstaltungsbranche, vor allem im Bereich der Großveranstaltungen, eine große Rolle. Findet ein Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals keine geeigneten Sponsoren, so ist das Event nicht finanzierbar. Die Existenz der Veranstaltung und somit des Unternehmens hängt also an solchen Punkten. Auch Zulieferer spielen eine wichtige Rolle, da ein Großevent in der Regel auf zahlreiche Belieferungen angewiesen ist. Der Veranstalter selbst übernimmt meist nur die organisatorischen Aufgaben. Bricht ein Zulieferer aus der geplanten Kette heraus und kann somit das Event nicht bedienen, können erhebliche Risiken für den Veranstalter entstehen. Ein wichtiger Aspekt ist auch der des Wettbewerbs. Vor allem im Open-Air-Musikfestivalsektor ist die Konkurrenz riesig. Nur wer einen perfekten Standort und ein ausgeklügeltes Konzept besitzt, kann sich an diesem Markt durchsetzen. Eine Wettbewerberanalyse ist deshalb unumgänglich. Ein ebenso wichtiger Anteil am Gelingen eines Festivals beruht auf Gästen. Sie bilden in den meisten Fällen das Kerneinnahmegeschäft. Besteht also keine Nachfrage am Markt, ist auch keine Veranstaltung möglich. Es sollte deshalb genauestens darauf geachtet werden, ob ein Musik-Festival auf Interesse stößt.

2.5.1.5 Sozio–kulturelle Risiken

Unter Sozio–kulturellen Risiken versteht man Risiken, die aus gesellschaftlichen Normen und Werten, Einstellungen, Verhaltensmuster und Ansprüchen entstehen. Auch diese spielen in der Veranstaltungsbranche, vor allem bei Musik-Festivals mit internationalen Künstlern, Unternehmen und Besuchern eine Rolle. Die folgende Grafik zeigt einige Beispiele.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Sozi-kulturelle Risiken[31]

Das Bildungsniveau ist ein Punkt, der bei der Veranstaltungsplanung definitiv beachtet werden sollte. Ist das Bildungsniveau im Durchschnitt gleichbleibend kann eine gewohnte Veranstaltung so fortgeführt werden, wie sie immer existierte. Gibt es mit der Zeit allerdings erhebliche Abweichungen des Bildungsniveaus, so sollte die Veranstaltung entsprechend angepasst werden. Eine Personenschicht mit unterem Bildungsniveau würde höchstwahrscheinlich keine tiefsinnigen Musikveranstaltungen besuchen. Auch Modeerscheinungen sind zu berücksichtigen. Wird eine kommerzielle oder massentaugliche Veranstaltung durchgeführt, so sollte der Veranstalter stets die aktuellen Trends beachten und mit einfließen lassen. Religion und Tradition stellen ebenso ein Risiko dar. Gerade bei Veranstaltungen mit internationalen Gästen, kann es hier zu Konflikten kommen. Dies muss nicht in jedem Fall beabsichtigt sein. Beispielsweise hat ein Besucher aus Bosnien eine andere Religion, als die Mehrheit in Deutschland. Ohne bösen Willen könnte sein muslimischer Glauben mit dem hiesigen in Konflikt geraden. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist auch der Fremdenhass. Bei Veranstaltungen in Deutschland mit internationalem Publikum kann es hier durchaus zu Übergriffen und Vorfällen kommen, die einen enormen Image-Verlust mit sich führen können. Auch das Diebstahlrisiko auf Open-Air-Musikfestivals ist nicht zu missachten. Die enorm großen Veranstaltungsflächen machen das Gelände nur schwer kontrollierbar. Dadurch kann es zu Diebstählen mit enormen Geldschäden kommen. Mittlerweile gibt es organisierte Banden, die sich mit dem Erwerb des Tickets, „Zutritt zum klauen“ verschaffen.

2.5.2 Interne Risiken

„Interne Risiken betreffen die operative Geschäftstätigkeit und wirken sich bei Eintritt negativ auf bestehende Strukturen, Funktionen und Prozesse aus.“[32] Meist resultieren interne Risiken aus Unterlassungen, Handlungen und Entscheidungen. Die Liste solcher Risiken ist sehr lang und erstreckt sich auf fast alle Unternehmensbereiche.[33] Im Folgenden sollen häufig anzutreffende herausgegriffen werden.

2.5.2.1 Leistungswirtschaftliche Risiken

Unter leistungswirtschaftlichen Risiken versteht man die Beeinflussung der Hauptfunktion, den dahinter liegenden Prozessabläufen und den damit verbundenen Aktivitäten. Damit enthalten sie quantitative oder qualitative Verschlechterung der Leistungserbringung. Nachstehende Abbildung soll hierzu einige Beispiele in Hinsicht auf einen Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Leistungswirtschaftliche Risiken[34]

Fehler im Controlling bilden einen Punkt der leistungswirtschaftlichen Risiken. Häufig verzichten Veranstalter von Großevents auf die schriftliche Niederschrift von Planzahlen (z.B. Besucherzahl, Veranstaltungsortgröße, gesamte Organisationszeit in Stunden usw.). Genau diese Zahlen werden aber für ein erfolgreiches Controlling benötigt. Kein Veranstalter sollte dabei denken, Controlling benötigt er nicht. Controlling betrifft jeden, egal ob es sich um einen Ein-Mann-Betrieb oder um einen Konzern handelt. Der Vergleich von Soll-und Ist-Zustand ist wichtig, um wirtschaftlich erfolgreich handeln zu können. In der Veranstaltungsbranche spielt die Logistik eine wichtige Rolle. Auch dieser Bereich ist mit einigen Risiken verbunden. So kommt es nicht selten zu Transportschäden. Solche Schäden können vor allem im Bereich der Technik schnell in die Tausende ragen. Auch fehlende Wareneingangsprüfungen stellen ein Risiko dar. Wird z.B. eine Techniklieferung nicht überprüft, kann es passieren, dass schnell mehr bezahlt werden muss als im Endeffekt im Einsatz war. Ein Risiko stellt auch die Besucherunzufriedenheit dar. Beschweren sich die Gäste über die Veranstaltung, entsteht schnell ein schlechtes Image. Diese Situation ist für kommende Events nicht gerade förderlich. Eng verbunden mit der Kundenunzufriedenheit ist das Risiko einer qualitativ schlechten Produktion. War ein Musik-Festival nicht gut organisiert und wies zahlreiche Fehler auf, so könnte dies das Ende für die Veranstaltung bedeuten. Ein weiteres Risiko stellen Fehler in der Abteilung Rechnungswesen dar. Hier kann beispielsweise eine fehlende Kostenrechnung enorme Folgen haben. Die fehlende Kostenrechnung hat ebenso Folgen auf die Kalkulation. So kann hier das Risiko bestehen, dass mit zu niedrigen Projektkosten kalkuliert worden ist. In der Eventbranche ist auch der Bereich der Forschung und Entwicklung zu berücksichtigen. Neue Veranstaltungen verlangen immer ein gewisses Maß an Innovation. Die Gefahr dabei besteht, dass die Kosten für eine solche Entwicklung explodieren. Auch Lieferantenabhängigkeiten stellen ein Risiko dar. Auf diese soll hier nicht weiter eingegangen werden, da diese Thematik bereits in Kapitel 2.5.1.4 behandelt wurde.

2.5.2.2 Finanzwirtschaftliche Risiken

Eine der wichtigsten Kategorien bei den internen Risiken ist der finanzwirtschaftliche Bereich. Eine ausreichende Liquidität ist eben eine Grundvoraussetzung für die Existenz eines Unternehmens.[35] In folgender Grafik sollen wichtige finanzwirtschaftliche Risiken für einen Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Finanzwirtschaftliche Risiken[36]

Das größte Risiko, egal ob für Veranstalter oder Unternehmer im Allgemeinen besteht aus einer unzureichenden Finanzplanung oder fehlerhaften Kontroll- und Abwicklungsmängeln in einem Liquiditätsengpass. Dies kann schnell zu Zahlungsengpässen führen und endet nicht selten in der Überschuldung. Außerdem kann dies ein herabgesetztes Bonitätsrating mit sich bringen, was zur Folge hat, dass Kredite nicht, oder nur mit hohem Zinssatz vergeben werden. Da Veranstalter von Großevents häufig von Krediten abhängig sind, um die zahlreichen, im Vorfeld anfallenden Kosten bezahlen zu können, ist eine genaue Finanzplanung sehr wichtig. Ein weiteres finanzwirtschaftliches Risiko ist der Kartenvorverkauf. Der Idealfall für den Organisator ist der totale Ausverkauf vor Veranstaltungsbeginn. Dadurch können die zahlreichen Kosten im Vorfeld (z.B. Künstleranzahlungen, Technikanzahlungen, Versicherungen, Behördengebühren, Mieten, Personal- und Organisationskosten, Werbekosten usw.) größtenteils getilgt werden. Das mindert die Kredithöhe und spart somit teure Zinsen. Auch der Lizenzverkauf stellt ein Risiko für den Veranstalter dar. In der Regel verkauft der Organisator Lizenzen an Caterer, Händler und Promotionstände. Wird der kalkulierte Lizenzbetrag aber nicht von den Unternehmen bezahlt, hat der Veranstalter ausschließlich die Möglichkeit mit den Gebühren herunterzugehen. Dies bringt Einbußen, die nicht zu unterschätzen sind. Caterer bezahlen bei Topveranstaltungen bis zu 0,10 € pro Gast. Geht man von einer Veranstaltung mit 100.000 Besuchern (z.B. Rock am Ring) aus, kommen hier schnell tausende Euro zusammen. Ein weiteres Risiko entsteht auch durch Sponsoren. Ohne Sponsoring wäre ein Musikfestival nicht möglich. Findet der Veranstalter keine passenden und zahlungskräftigen Sponsoren, kann das rasch das „Aus“ für eine Veranstaltung sein. Beim „Hurricane“ Festival 2012 bezahlten beispielsweise die vier Hauptsponsoren je 260.000 €. Dazu kamen etliche kleine Engagements (mindestens 60.000 €). Sponsoring geht also in die Millionenbeträge und macht nicht selten über 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus.[37]

2.5.2.3 Organisations- und Managementrisiken

„Risiken aus Management und Organisation beschreiben die Gefahren, die aus einer instabilen Unternehmensstruktur, einer unzureichenden Führungskultur sowie der Nichteinhaltung interner und externer Gesetze und Regeln resultieren können.“[38] In folgender Grafik sollen konkrete Beispiele für einen Open-Air-Musikfestivalveranstalter dargestellt werden.

[...]


[1] Vgl. Bellinghausen, Raimund: Die ökonomischen und touristischen Effekte von Musikfestivals. 2007, S. 8

[2] Vgl. Deutscher Musikrat: Musik Almanach 2003/2004 Daten und Fakten zum Musikleben in Deutschland, 6. Ausgabe, Kassel 2002 S.45

[3] Vgl. Willnauer, Franz: Festspiele und Festivals in Deutschland, Deutscher Musikrat, Bonn 2005, 2. 3ff.

[4] Vgl. http://www.eventspion.de/news/die-groessten-festivals-in-deutschland/ , abgerufen am 09.01.2013

[5] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 22 - 23

[6] Vgl. Hinterhuber, Hans und Ortner Stefan: Risikomanagement als nicht-delegierbare Führungsaufgabe, Pechlauer/Glaeßer (Hrsg.), Risiko und Gefahr im Tourismus, Berlin 2005, S. 193

[7] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 28 - 29

[8] Institut der Wirtschaftsprüfer

[9] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 12

[10] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 79

[11] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 79

[12] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 128

[13] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 130 ff.

[14] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 133

[15] Vgl. http://www.palisade.com/risk/de/monte_carlo_simulation.asp , abgerufen am 09.01.2013

[16] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 124

[17] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 137

[18] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 125

[19] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 138 ff.

[20] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 127 – 128

[21] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 205 - 208

[22] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 57

[23] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 58

[24] Eigene Darstellung

[25] Vgl. http://eventassec.de/html/event/ausfall.html, abgerufen am 11.01.2013

[26] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 58

[27] Eigene Darstellung

[28] Eigene Darstellung

[29] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 57

[30] Eigene Darstellung

[31] Eigene Darstellung

[32] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 56

[33] Vgl. Ehrmann, Harald: Risikomanagement in Unternehmen, 2. Ausgabe, NWB Verlag 2005 S. 25

[34] Eigene Darstellung

[35] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 57

[36] Eigene Darstellung

[37] Vgl. http://www.festivalisten.de/45021-mit-260-000-euro-zum-hurricane-hauptsponsor , abgerufen am 11.01.2013

[38] Vgl. Diedrichs, Marc: Risikomanagement und Risikocontrolling, 3. Auflage, Franz Vahlen Verlag, München 2012 S. 56

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Risikomanagement und Compliance Anforderungen für Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals in Deutschland
Untertitel
Richtlinien an den Eventmanager für effiziente und nachhaltige Open-Air-Musikfestivals
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
109
Katalognummer
V213594
ISBN (eBook)
9783656417996
ISBN (Buch)
9783656419129
Dateigröße
7075 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
risikomanagement, compliance, anforderungen, veranstalter, open-air-musikfestivals, deutschland, richtlinien, eventmanager
Arbeit zitieren
B.A. Dirk Zeymer (Autor), 2013, Risikomanagement und Compliance Anforderungen für Veranstalter von Open-Air-Musikfestivals in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213594

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