Der Demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Erwerbstätigenquote von Frauen und Migranten

Am Beispiel Deutschland


Hausarbeit, 2013
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demografischer Wandel in Deutschland
2.1 Faktoren des Wandels
2.2 Auswirkungen des Wandels
2.2.1 Veränderung der Gesellschaftsstruktur
2.2.2 Belastung der Sozialsysteme
2.2.3 Arbeitsmarkt

3. Anforderungen an den Arbeitsmarkt
3.1 Optimierung des Bildungssystems
3.2 Personalpolitik
3.3 Familienpolitik
3.4 Einwanderungspolitik

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn nicht alles täuscht, werden Rückgang und Alterung der Bevölkerung in Zukunft zur wohl wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Herausforderung“ (Steinmeier 2001: 1). Zu dieser Ansicht kam Frank- Walter Steinmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD, bereits vor 12 Jahren, damals noch als Kanzleramtschef. Er sollte Recht behalten, denn aktuell sind sowohl Zeitungen, als auch Talkshows im TV voll mit den Auswirkungen des Demografischen Wandels. Es wird diskutiert über das Renteneintrittsalter, den Fachkräftemangel und nicht zuletzt über Zuwanderung und Integration in Deutschland. Im Rahmen der aktuellen Berichterstattung und des Seminars bin ich daraufhin zu der Frage gekommen, inwieweit der Demografische Wandel den Einbezug von Gruppen in den Arbeitsmarkt erfordert, die bisher eher unterrepräsentiert sind. Konzentrieren möchte ich mich dabei auf die Gruppe der Frauen und Zuwanderer und die damit verbundenen Anforderungen an den Arbeitsmarkt in Deutschland. Thematisiert werden sollen dafür zunächst sowohl die Faktoren, als auch die Auswirkungen des Wandels, beispielsweise auf die Sozialsysteme dieses Landes. Stützen möchte ich mir dabei vor allem auf aktuelle Zeitungsartikel, Statistiken und den jüngsten Demografiebericht der Bundesregierung. Um sowohl Zahlen und Ergebnisse besser einordnen zu können und Ideen für die Anforderungen an die verschiedenen Systeme und die Politik zu erhalten, möchte ich zum Ende der Arbeit einzelne Bereiche mit so genannten Vorbildländern vergleichen.

2. Demografischer Wandel in Deutschland

Der Demo grafische Wandel gilt gegenwärtig als die zentrale Herausforderung für Gesellschaft und Politik in Deutschland. In den nächsten Jahren wird sich die Bevölkerungsstruktur so grundlegend verändern, dass einige Probleme entstehen werden. Stellenweise wird der Wandel daher sogar als eine Art Bedrohung angesehen, da er elementare Strukturelemente unserer Gesellschaft in ihrer Existenz gefährde (Vgl. Lompe/Weis 2004: 5). Wie unter anderem aus dem aktuellen Demographie Bericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 hervorgeht, ist die Bevölkerungszahl Deutschlands bereits seit 2003 rückläufig und wird sich voraussichtlich im Jahr 2060 von heute etwa 81,7 Millionen auf 65 bis 70 Millionen Menschen verringern (Vgl. BMI 2011: 30). Der Hauptgrund dafür liegt in der sinkenden Geburtenentwicklung, die in Abschnitt 2.1 detaillierte erläutert wird. Doch die Gesellschaft schrumpft nicht nur immer weiter, sie wird zudem immer älter. Beide Entwicklungen führen zu erheblichen Problemen in diversen gesellschaftlichen Bereichen (weiterführendes dazu in 2.2).

Zusammenfassend bezeichnet der Demo grafische Wandel also „Veränderungen in der Zusammensetzung von Gesellschaften, insbesondere der sogenannten Altersstruktur. So zeichnen sich beispielsweise moderne Gesellschaften dadurch aus, dass einerseits die Geburtenrate (Fertilität) niedrig ist und die Sterberate (Mortalität) seit einigen Jahrzehnten höher ist, als die Geburtenrate. Gleichzeitig steigt aber die Lebenserwartung der Bevölkerung, wodurch der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren Menschen zunimmt. In vielen (z.B. Entwicklungs-) Ländern verhält es sich gerade umgekehrt. Der Anteil der jüngeren Bevölkerung übersteigt den der älteren Bevölkerung“ (Klein/Schubert 2011).

2.1 Faktoren des Wandels

Als Ursache für den Demografischen Wandel in Deutschland sind drei zentrale Faktoren verantwortlich: Fertilität, Mortalität und Migration. Alle drei beeinflussen die Gesellschaftsstruktur so stark, dass sie sich über Jahre hinweg grundlegend verändert.

Die Fertilität gilt gemeinhin als treibende Kraft des demo grafischen Wandels. Die Fertilitätsrate gibt Auskunft darüber, ob und wie viele neue Kinder in die Gesellschaft geboren werden. Die Fertilität „bezeichnet in der demografischen Analyse [jedoch] nicht die biologische Fortpflanzungsfähigkeit, sondern die Zahl der Lebendgeburten, die eine Frau bis zu einem bestimmten Zeitpunkt hat“ (Joas 2001: 596).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2012

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Fertilitätsrate in Deutschland von 1990 bis 2011, im Vergleich zwischen Ost-, West- und Gesamtdeutschland.

Im Jahr 1990 lag die Rate Gesamtdeutschlands noch bei 1,45, bis zum Jahr 1995 ist sie auf 1,25 abgesunken. Nach diesem Tiefpunkt haben sich An- und Abstiege über die Jahre abgewechselt, sodass sie 2011 schließlich bei 1,36 lag (in anderen Statistiken wird sie oft mit 1,4 geführt). Das Bestanderhaltungsniveau, durch das die Elterngeneration durch die Kindergeneration gesichert ist, liegt jedoch bei 2,08 und damit weit entfernt von der jetzigen Rate (Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2012).

Um einmal die Zahl 1,36 (oder auch 1,4) in Relation zu setzen, können Länder mit einer sehr hohen Fertilitätsrate zum Vergleich herangezogen werden. Im Jahr 2012 hatte Niger, ein Staat in Westafrika, mit 7,16 die höchste Fertilitätsrate weltweit, gefolgt von Mali mit 6,35 und Somalia mit 6,26 (Vgl. CIA 2012). Betrachtet man den großen Unterschied zwischen der Fertilitätsrate in Deutschland und Niger, so könnte man meinen ein Paradoxon zu erkennen- Baade spricht von einem demographisch- ökonomischen Paradoxon (Vgl. Baade 2005: 27). Da die Erziehung von Kindern erhebliche Kosten mit sich bringt, könnte davon ausgegangen werden, dass eigentlich eher wohlhabende Länder eine höhere Fertilitätsrate haben, da sie auch über viel mehr finanzielle Mittel verfügen.

Augenscheinlich ist das aber nicht so und das liegt an diversen Faktoren. Einige zu nennende Beispiele sind neben diversen persönlichen Gründen, die ausgereifte Empfängnisverhütung und die fortschreitende Emanzipation der Frau, einhergehend mit verbesserten Erwerbs- und Einkommenschancen für Frauen. Zudem hat sich der reine Nutzen eigener Kinder im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten verringert, da soziale Pflichten der Absicherung für Not, Krankheit und Ruhestand von der Familie auf den Staat übertragen wurden (Vgl. Baade 2005: 27).

Doch nicht nur im Vergleich mit deutlich ärmeren Ländern schneidet Deutschland sehr schlecht ab. Auch in Konkurrenz zu der Weltmacht Amerika und anderen europäischen Ländern belegt Deutschland eher einen der hinteren Plätze. Die USA haben mit 2,12 die höchste Fertilitätsrate der westlichen Länder, gefolgt von Frankreich mit 2,0 und Großbritannien mit 1,96 (Stand 2008). Erst nach Ländern wie Schweden (1,91), Russland (1,51) und der Schweiz (1,48) kommt Deutschland. Lediglich Portugal (1,37) und Japan (1,37) haben noch niedrigere Raten.

Der zweite zentrale Faktor ist die Mortalitätsrate oder auch Sterberate genannt. Diese ist ein „statistisches Maß zur Beschreibung der Bevölkerungsveränderung durch Sterbefälle. Die rohe Sterberate ist definiert als Zahl der Sterbefälle in einem bestimmten Jahr je 1000 Einwohner“ (Joas 2001: 596). Seit einigen Jahren übersteigt die Sterberate jedoch die Geburtenrate, was auf Dauer zu einer Reduzierung der Bevölkerungsanzahl führt. Parallel zu dieser Entwicklung steigt die Lebenserwartung immer weiter an und lässt den Bevölkerungsdurchschnitt altern. Ein heute geborenes Kind wird in etwa doppelt so alt wie seine Vorfahren vor 100 Jahren (Vgl. Baade 2005: 34f). Als Ursache dafür galt zunächst die verringerte Säuglings- und Kindersterblichkeit, heute aber vor allem eine bessere medizinische Versorgung und eine Verbesserung individueller Lebensverhältnisse und - gewohnheiten (Vgl. ebd.).

Der letzte entscheidende Faktor ist die Migration. Dieser Oberbegriff steht für alle „Ein- und Auswanderungen eines bestimmten Landes bzw. einer bestimmten Region“ (Joas 2001: 596). Anstelle von Migration kann auch der Begriff Wanderung genutzt werden, der nochmal in Binnen- und Außenwanderungen unterteilt wird. Binnenwanderungen fanden in Deutschland verstärkt nach der Maueröffnung statt. Für die gesamtdeutsche Bevölkerungsentwicklung sind jedoch nur die Außenwanderungen entscheidend (Vgl. Baade 2005: 37).

Die Zahl der Ausländer in Deutschland stieg von den 1960er Jahren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts von ehemals 2 Millionen auf über 7 Millionen Menschen an. Berechnungen gehen davon aus, dass ohne die Zuwanderung die Bevölkerungszahl Deutschlands bis Ende des 21. Jahrhunderts von 82 Millionen auf ca. 24 bis 30 Millionen Menschen sinkt. Eine Verjüngung der Bevölkerung findet so dennoch nicht statt, da die meisten Einwanderer bereits im Alter von 20 bis 35 sind und eine erhebliche höhere Fertilitätsrate haben müssten, als bereits hier geborenen Personen (Vgl. Birg 2011: 4).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Fertilitätsniveau (~1,4) seit einigen Jahren deutlich unterhalb des Bestanderhaltungsniveaus (~2,1) liegt. Dazu ist die Lebenserwartung kontinuierlich gestiegen und wird sich auch weiterhin durch verbesserte medizinische Versorgung steigern. Die Bevölkerungszahl wird 2060 zwischen 65 und 70 Millionen Menschen liegen

2.2 Auswirkungen des Wandels

Bedingt durch den demografischen Wandel sind mit einigen gravierenden Einschnitten in die bisherige Gesellschaftsstruktur und ihr Versorgungssystem zu rechnen. Im Folgenden sollen drei Bereiche aufgezeigt werden, die besonders vom dem Wandel beeinflusst werden.

2.2.1 Gesellschaftsstruktur

Im bisherigen Verlauf der Arbeit wurden bereits einige (bevorstehende) Veränderungen der Gesellschaftsstruktur aufgezeigt. Nachfolgend sollen diese nochmals aufgegriffen und präzisiert werden.

Durch die Fertilitätsrate, die Sterberate und die verlängerte Lebensdauer wird sich die Bevölkerung in Deutschland in den kommenden Jahren dahingehend verändern, dass sie kleiner und älter wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Quelle: GfK 2010

Wie in Abbildung 2 zu erkennen ist, war der Anteil der Personen über 65 Jahre im Jahr 2010 noch der geringste (12,7 Millionen) und wird sich voraussichtlich bis zum Jahr 2050 fast verdoppelt (22,9 Millionen). Zudem wird er dann den größten Anteil in der Gesellschaft ausmachen. Der Anteil der unter 20- jährigen betrug im Jahr 2000 mit 17,4 Millionen Menschen ebenfalls fast doppelt so viel wie in 2050 (10,4 Millionen) und hat den zweitgrößten Anteil in der Gesellschaft ausgemacht. Die Menschen im mittleren Alter und somit der Großteil der Erwerbstätigen, hat schon immer den größten Anteil in der Gesellschaft ausgemacht, schrumpft jedoch auch von 35,6 auf 21,8 Millionen Menschen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Erwerbstätigenquote von Frauen und Migranten
Untertitel
Am Beispiel Deutschland
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Bildung,Familie,Fertilität
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V213596
ISBN (eBook)
9783656419594
ISBN (Buch)
9783656420217
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
demografische, wandel, auswirkungen, erwerbstätigenquote, frauen, migranten, beispiel, deutschland
Arbeit zitieren
Nadine Elsner (Autor), 2013, Der Demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Erwerbstätigenquote von Frauen und Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213596

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