Der Mensch als vulnerabler Faktor im narrativen Interview


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Wissenschaftstheoretische Basis qualitativer Interviews
2.2 Allgemeines zum qualitativen Interview
2.2.1 Problemzentriertes Interview
2.2.2 Fokussiertes Interview
2.2.3 Tiefen- oder Intensivinterview
2.2.4 Rezeptives Interview

3. Das narrative Interview
3.1 Abgrenzung des narrativen Interviews von anderen Methoden
3.2 Auswertung des narrativen Interviews nach Schütze

4. Das Führen eines Interviews
4.1 Zugang in ein Forschungsfeld
4.2 Interviewereinflüsse durch sichtbare Merkmale
4.2.1 Geschlecht des Interviewers
4.2.2 Alter des Interviewers
4.2.3 Ethnische Zugehörigkeit
4.2.4 Status des Interviewers und Statusdifferenz zum Befragten
4.2.5 Erfahrung des Interviewers
4.3 Interviewereinflüsse durch nicht sichtbare Merkmale

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Das narrative Interview gehört zu einer der wichtigsten Methoden der Sozialforschung zur Erfassung biografischer Informationen ( vgl. Girtler 1984, S. 9 ). Diese können in Zukunft immer mehr in den Mittelpunkt der Forschung rücken. Viele Fragen über Herkunft und Kindheitserlebnisse und deren Folgen für die Gegenwart der betreffenden Person lassen sich am effektivsten mit einem narrativen Interview erforschen. Da unsere heutige Gesellschaft immer verschiedener wird, häufen sich neue gesellschaftliche Ereignisse, welche unerforscht sind. Laut Girtler „… reichen systemorientierte Ansätze nicht aus um Handeln zu erklären.“ ( Girtler 1984, S. 199 ) es müsse somit wieder in der Praxis geforscht werden um neue, den Forschern unbekannte, Hypothesen zu generieren. Einen großen Einflussfaktor auf den Datengewinnungsprozess im narrativen Interview hat der Mensch. Ich fokussiere mich in dieser Auseinandersetzung mit dem Menschen und seinen vulnerablen Anteil innerhalb des narrativen Interviews. Zuerst jedoch ist es wichtig die wissenschaftstheoretische Basis von qualitativen Interviews kennenzulernen, um die Schritte des im daran folgenden narrativen Interviews zu verstehen.

2.1 Wissenschaftstheoretische Basis qualitativer Interviews

Um ein Verständnis für qualitative Methoden innerhalb der Sozialwissenschaften zu erlangen, ist es zielfördernd deren wissenschaftstheoretische Basis kennenzulernen. Diese befolgt zentrale Prinzipien qualitativer Sozialforschung, welche interdisziplinär allgemeingültig sind. Das Prinzip der Offenheit ist zentraler Bestandteil der qualitativen Sozialforschung und stellt eine ablehnende Haltung gegenüber standardisierten Erhebungsverfahren dar. Begründet wird dies mit einer Einschränkung des Erkenntnishorizonts bedingt durch vorgefertigte Erhebungsinstrumente, wie z. B. Fragebögen. Innerhalb dieser vorgefertigten Instrumente entfallen Antwortmöglichkeiten für die Untersuchungspersonen, somit entfallen für den Wissenschaftler unerwartete Antwortoptionen. Die qualitative Sozialforschung nimmt sich somit als Hypothesen generierend wahr und nicht als Hypothesen prüfend, wie die quantitative Sozialforschung ( vgl. Lamnek 2005, S. 21 ). Des Weiteren wird die Kommunikation im Forschungsprozess als weiterer beeinflussender Faktor gesehen. Als Grundlage hiefür lässt sich das metakommunikative Axiom von Paul Watzlawick der fünf pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie entnehmen. Dieses Axiom besagt, dass sobald sich zwei Personen wahrnehmen können, sie miteinander kommunizieren, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Da Verhalten gegenteilslos ist, lässt sich Verhalten nicht nicht Verhalten. Daraus resultierend schlussendlich, dass auch nicht nicht kommuniziert werden kann ( vgl. Watzlawick 2007, S. 63 ff. ). Innerhalb der Kommunikation zwischen dem Forscher und dem Untersuchungsgegenstand kann es somit zu Störungen kommen, welche das Forschungsergebnis beeinflussen. Ziel ist es eine Wirklichkeitsdimension zwischen den beiden Kommunikationspartnern auszuhandeln, dabei sollten die kommunikativen Regeln des alltagsweltlichen Handelns einbezogen werden. Dieses Verständnis des Forschungsprozesses als Kommunikationsprozess impliziert eine Prozesshaftigkeit von sozialen Phänomenen. Diese soll ermöglichen den Entstehungszusammenhang dieser Phänomene zu reproduzieren. Innerhalb des Prozesscharakters der qualitativen Sozialforschung bildet die Reflexivität von Gegenstand und Analyse einen bedeutenden Faktor für die Interpretation von Verhalten. Diese postuliert, dass menschliche Verhaltensprodukte einer prinzipiellen Reflexivität unterstehen. Diese Verhaltensprodukte können verbaler als auch non-verbaler Natur sein und müssen im Kontext des Untersuchungsgegenstandes betrachtet werden. Um die Intersubjektivität der Forschungsergebnisse zu steigern, dient die Explikation als Erfolg bringendes Mittel. Da bei Interpretationen häufig das implizite Wissen des Interpretierenden Anwendung findet, bleiben Rückschlüsse im Interpretationsprozess einem Außen stehenden häufig verwehrt. Bei der Explikation werden die Vorgehensweisen bei der Interpretation eines Interviews so weit wie möglich offen gelegt und so die Nachvollziehbarkeit gesteigert. Das letzte der sechs hier aufgeführten Prinzipien qualitativer Sozialforschung bildet die Flexibilität. Bei einer explorativen Forschung benötigt der Forschende eine hohes Maß an Flexibilität. Diese sollte sich sowohl als Charaktereigenschaft des Forschers als auch in seinen Forschungsinstrumenten widerspiegeln. Der Forscher passt sich somit an sein zu erforschendes Feld an und erzielt so wissenschaftlich fundiertere Ergebnisse. Eine Einschränkung durch starre Verfahren, welche das Herausbilden differenzierter Erkenntnisse verhindern, sollten vermieden werden ( vgl. Lamnek 2005, S. 22 ff. ).

Als Ziel haben alle Wissenschaften begründete Aussagen über ihren Objektbereich zu generieren. Die Erkenntnistheorie ist die erste Ebene der Theorien der Sozialforschung. In dieser wird definiert, wie menschliche Erkenntnis aufgenommen werden kann. Welche Erkenntnisse als wissenschaftlich gelten, wird in Wissenschaftstheorien definiert, sie geben den Weg zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn vor. Wissenschaftstheorien müssen so allgemein gehalten werden, dass sie sowohl für Naturwissenschaften als auch Sozialwissenschaften gelten, jedoch müssen sich Handlungsanweisungen für den eigenen Forschungsbereich ableiten lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ebenen von Theorien in der Sozialforschung, Eigene Darstellung nach Lambert Abb. 3.1

Die Methodologie wird als Anwendungsfall der Wissenschaftstheorie gesehen und ist somit von dieser abzugrenzen. Die Methodologie umfasst die Frage, unter welchen Bedingungen wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung auf bestimmte Disziplinen bezogen möglich ist. Die Methoden und Techniken beziehen sich auf anwendbaren Möglichkeiten der Datengewinnung und Datenverarbeitung ( vgl. Lamnek 2005, S. 47 ff. ). Nachdem nun die Grundprinzipien der qualitativen Sozialforschung aufgezeigt wurden, welche alle in qualitativen Interviews Anwendung finden, findet jetzt eine Verortung des qualitativen Interviews in der qualitativen Sozialforschung statt. Eine Übersicht über die Ebenen der Theorien lassen sich aus Abbildung eins entnehmen. Das qualitative Interview lässt sich somit in die Ebene der Techniken eingliedern, wovon das narrative Interview wiederum eine Sonderform innerhalb dieses Zweiges bildet.

2.2 Allgemeines zum qualitativen Interview

Wie bereits bei 2.1 erwähnt, stellt das narrative Interview eine Sonderform des qualitativen Interviews dar. Im Folgenden wird nun auf weitere Interviewtechniken und Auswertungsverfahren eingegangen. Diese gehen spezifischer auf bestimmte Fragestellungen innerhalb einer Interviewsituation ein. Somit wird weniger, das bibliografische des Menschens beleuchtet, sondern nur ein, für den Forschenden relevanter, Teilaspekt seiner Person. Laut Lamnek haben jedoch alle qualitativen Interviewformen eine mündlich-persönliche Position des Interviewers gemeinsam. Des Weiteren handelt es sich um nicht-standardisierte Interviews, in denen offene Fragen gestellt werden, da eine situative Anpassung der Fragen nicht möglich ist. Der Interviewstil wird als neutral bis weich tituliert, die Intention des Interviewers kann sowohl ein vermittelndes oder ermittelndes Interview sein. Als personelle Vorgabe wird ein qualitatives Interview als eine Einzelbefragung durchgeführt, da häufig persönliche Informationen des zu Interviewenden preisgegeben werden. Bei allen Interviewformen steht der zu Interviewende im Mittelpunkt des Interviews um so ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und an Informationen zu kommen, die er nicht beabsichtigt hatte preiszugeben. Diese Informationen bilden Themenfelder, die im weiteren Verlauf der Forschung untersucht werden. Die dabei gewählte Interviewmethode unterscheidet sich dabei von der Intention des Forschers und des daraus resultierenden Forschungsinteresses ( vgl. Scheer 1996, S.17 ff. ). Im Folgenden werden vier weitere qualitative Interviewtechniken neben dem narrativen Interview aufgezeigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Mensch als vulnerabler Faktor im narrativen Interview
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Erziehungswissenschaft, insbesondere systematische Pädagogik)
Veranstaltung
Wissenschaftstheorie und Methodologie: Grundlagen und Anwendung der dokumentarischen Methode
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V213602
ISBN (eBook)
9783656420064
ISBN (Buch)
9783656421344
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Narrative Interview, Narrative, Interviewer, Interview, Interviewereinflüsse, qualitatives Interview, qualitativ, Wissenschaftstheoretische Basis, Forschungsfeld, Problemzentriertes Interview, Fokussiertes Interview, Tiefen- oder Intensivinterview, Rezeptives Interview, Fritz Schütze
Arbeit zitieren
Nilo Gora (Autor), 2013, Der Mensch als vulnerabler Faktor im narrativen Interview, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213602

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Mensch als vulnerabler Faktor im narrativen Interview



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden