Materialistische Lösungsvorschläge zum Leib-Seele-Problem

Welche explanatorischen Vor- und Nachteile hat der Funktionalismus gegenüber der Identitätstheorie?


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identitätstheorie

3. Funktionalismus

4. Vorteile des Funktionalismus gegenüber der Identitätstheorie

5. Nachteile des Funktionalismus gegenüber der Identitätstheorie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Leib-Seele-Problem ist ein zentraler Aspekt der Philosophie des Geistes. Dabei geht es um die Frage, inwiefern mentale Ereignisse mit physischen Ereignissen verbunden sind bzw. ob überhaupt eine Verbindung zwischen ihnen besteht. Der Materialismus behauptet, dass das Mentale auf das Physische zurückgeführt werden kann, d.h. dass mentale Zustände nichts über die Materie hinausgehendes sind.

In dieser Hausarbeit untersuche ich zwei wichtige materialistische Lösungsvorschläge zum Leib-Seele-Problem, die Identitätstheorie und den Funktionalismus, auf ihre explanatorischen Vor- und Nachteile. Für die Identitätstheorie werde ich vor allem den Aufsatz „Empfindungen und Vorgänge im Gehirn“ von J.J.C. Smart heranziehen, für den Funktionalismus dagegen „Die Natur mentaler Zustände“ von Hilary Putnam.

Zuerst werde ich die Identitätstheorie erläutern und anschließend die Argumente des Funktionalismus dagegenhalten. Dabei werde ich versuchen, die Vor- und Nachteile des Funktionalismus gegenüber der Identitätstheorie herauszustellen. Im abschließenden Fazit werde ich dann die Vor- und Nachteile abwägen und eine persönliche Einschätzung zu den Theorien geben.

2. Die Identitätstheorie

Die Kernthese der Identitätstheorie ist folgende: Mentale Zustände sind identisch mit Gehirnzuständen. „Bewusstsein sei ein Vorgang im Gehirn“, formulierte Place diese These (Place, S. 94). Smart wiederum benutzte die Begriffe „Empfindungen“ und „Gehirnprozesse“ (Smart, S. 113). Ich werde allerdings den Begriff „mentaler Zustand“ gebrauchen, da er auch im Funktionalismus gebraucht wird und damit später keine Begriffsverwirrung entstehen kann.

Ein mentaler Zustand ist zum Beispiel das Empfinden von Schmerz oder das Wahrnehmen einer bestimmten Farbe. Es dürfte bekannt sein, dass mentale Zustände in der Regel mit physischen Zuständen korrelieren, das heißt sie treten gemeinsam auf. Wenn man sich an einem scharfen Gegenstand schneidet, hat man im Normalfall gleichzeitig auch eine Schmerzempfindung. Ob der mentale und der physische Zustand dabei kausal korrelieren, ist in diesem Fall unwichtig. Wichtig ist die Korrelation der beiden Zustände. Die Identitätstheorie nimmt nun an, dass es keine Korrelation gibt, sondern eine strikte Identität. Dass die Korrelation quasi wegfällt, ist plausibel, da man Dinge nicht mit sich selbst korrelieren kann. Smart gibt dazu ein Beispiel: „Man kann Fußabdrücke mit Einbrechern korrelieren, aber nicht Bill Sykes, den Einbrecher mit Bill Sykes, dem Einbrecher“ (Smart, S. 111). Die strikte Identität steht im Gegensatz zur strengen Identität. Bei der Aussage „ein Blitz [ist] eine elektrische Entladung“ (Smart, S. 114) handelt es sich um strikte Identität. Strenge Identität setzt lediglich voraus, dass etwas räumlich und zeitlich koexistiert (ebd.).

Bei der Aussage „Mentale Zustände sind identisch mit Gehirnzuständen“ handelt es sich um eine kontingente Aussage. Das heißt, sie ist nicht notwendig wahr, aber auch nicht notwendig falsch. Man kann sich also eine Welt denken, in der diese Aussage falsch ist, aber sie ist für unsere Welt zufälligerweise wahr (wenn sie denn wahr sein sollte) (Place, S.95f). Die Kontingenz dieser Aussage ist wichtig, um gewissen Einwänden entgehen zu können. So könnte man gegen sie einwenden, dass obwohl man mentale Zustände (also zum Beispiel eine bestimmte Farbempfindung) beschreiben kann, nichts über die eigenen Gehirnzustände wissen muss. Also können mentale Zustände nicht identisch mit Gehirnzuständen sein. Smart kontert diesen Einwand mit dem Blitz-Beispiel: Man kann wissen, dass etwas ein Blitz ist, ohne wissen zu müssen, dass es eine elektrische Entladung ist. Daraufhin zu behaupten, ein Blitz sei keine elektrische Entladung, wäre Unsinn, da ein Blitz nachweislich eine elektrische Entladung ist (Smart, S. 115).

Um diversen anderen Einwänden zu entgehen, macht Smart deutlich, dass er nicht sagt, dass die Begriffe „Empfindung“ (bzw. „mentaler Zustand“) und „Gehirnzustand“ derselben Sprachlogik zu folgen haben oder dasselbe bedeuten. Sie beziehen sich lediglich auf denselben Gegenstand, haben aber eine andere Logik und haben daher auch nicht dieselbe Bedeutung. „[…] die Tatsache, dass die Logik von A-Aussagen sich von der von B-Aussagen unterscheidet, garantiert nicht, das A’s etwas zusätzlich zu B’s oder über dieses Hinausgehendes sind“ (Smart, S. 114).

Die Identitätstheorie scheint sich so zumindest erfolgreich vom Dualismus abzusetzen und diesen zu schwächen. Doch wie sieht es im Vergleich mit dem Funktionalismus aus?

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Materialistische Lösungsvorschläge zum Leib-Seele-Problem
Untertitel
Welche explanatorischen Vor- und Nachteile hat der Funktionalismus gegenüber der Identitätstheorie?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Philosophie des Geistes
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V213638
ISBN (eBook)
9783656422051
ISBN (Buch)
9783656424369
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
materialistische, lösungsvorschläge, leib-seele-problem, welche, vor-, nachteile, funktionalismus, identitätstheorie
Arbeit zitieren
Christopher Jambor (Autor), 2011, Materialistische Lösungsvorschläge zum Leib-Seele-Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213638

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