Innerhalb der logistischen Kette bildet die Kommissionierung die Schnittstelle
zwischen Lagerfunktion und Distribution. Die Kommissionierung stellt eine
große Herausforderung in der innerbetrieblichen Logistik dar, bietet dabei aber
auch Rationalisierungspotenzial für Unternehmen. Die Relevanz der
Kommissionierung spiegelt sich in Zahlen wieder: Bis zu 70% der Lagerkosten
entfallen auf die Kommissionierung. Dies geht zu einem Großteil aus dem
hohen Personaleinsatz in der Kommissionierung und den damit verbundenen
Lohnkosten hervor. Aus diesem Grund versteht sich die Optimierung der
Produktivität des Kommissionierers als ein wichtiges Ziel von
Kommissioniersystemen. Die Wahl des richtigen Kommissioniersystems
gestaltet sich allerdings als schwierig. Es existiert bereits eine Vielzahl
vorhandener Konzepte und mit dem Fortschritt der Technik kommen weitere
Lösungen mit einem immer höheren Automatisierungsgrad hinzu. Allerdings ist
ein hoher Automatisierungsgrad dank der damit verbundenen hohen
Investitionskosten nicht in jedem Fall sinnvoll. Das bedeutet, dass es aufgrund
der unterschiedlichen Anforderungen keine Musterlösung gibt und die Planung
eines Kommissioniersystems nur fallweise vonstattengehen kann. Eine weitere
Herausforderung welche aus der Kommissionierung hervorgeht, ist ihr Einfluss
auf die Lieferqualität. Kunden erwarten fehlerfreie und vollständige Lieferungen,
die Kommissionierung steht also in direkter Verbindung zur
Kundenzufriedenheit.
Die ständig steigenden Ansprüche an die Unternehmen kommen erschwerend
hinzu. Zum Beispiel resultiert die eingetretene Atomisierung der
Sendungsgröße darin, dass Endkunden eher dazu neigen, kleinteilige
Bestellungen mit reduzierter Auftragsgröße aufzugeben. Dieser Umstand führt
wiederum zu erhöhten Anforderungen an die Warendistribution bezüglich Lieferzeit, Flexibilität und Produktivität. Um diesen Anforderungen gerecht zu
werden ist ein funktionierendes Kommissioniersystem vonnöten.
Diese Arbeit wird zunächst die Grundlagen der Kommissionierung erörtern,
anschließend werden die Teilsysteme eines Kommissioniersystems und deren
innenliegende Subsysteme aufbereitet. Schließlich werden einige Verfahren zur
beleglosen Kommissioniererführung dargelegt.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Kommissionierung
3. Materialflusssystem
3.1 Bereitstellung
3.2 Fortbewegung
3.3 Entnahme
3.4 Abgabe
3.5 Anwendungsbeispiel
4. Organisationssystem
4.1 Aufbauorganisation
4.2 Ablauforganisation
4.3 Betriebsorganisation
5. Informationssystem
5.1 Erfassung der Kundenaufträge
5.2 Aufbereitung der Kundenaufträge
5.3 Weitergabe des Auftrags
5.4 Quittierung der Kommissionierung
6. Informationstechnische Kommissioniererführung
6.1 Gegenüberstellung von papiergebundener und belegloser Kommissionierung
6.2 Pick-by-Scan
6.3 Pick-by-Light
6.4 Pick-by-Voice
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Strukturen und Optimierungspotenziale von Kommissioniersystemen, wobei der Fokus auf dem Zusammenwirken von Materialfluss, Organisation und Information liegt, um effiziente und qualitätsorientierte Lösungen für moderne Lageranforderungen zu finden.
- Grundlagen und Definition der Kommissionierung
- Analyse der Teilsysteme: Materialfluss, Organisation und Information
- Vergleich zwischen papiergebundenen und beleglosen Verfahren
- Vertiefung aktueller IT-gestützter Führungssysteme (Pick-by-Scan, Light, Voice)
- Bewertung von Automatisierungsgraden und dem Faktor Mensch
Auszug aus dem Buch
6.4 Pick-by-Voice
Pick-by-Voice ist eine innovative Technik zur beleglosen Kommissioniererführung mittels Sprachübertragung und Spracherkennung. Wie auch bei der Pick-by-Light Technik wird hier großen Wert auf Ergonomie gelegt, da der Kommissionierer keine Hardware mit der Hand bedienen muss. Er trägt lediglich ein Headset (Kombination aus Kopfhörer und Mikrofon) auf dem Kopf und führt ein kompaktes Datenendgerät mit sich. Diese Datenendgeräte sind verfahrensunabhängig, es können also sowohl handelsübliche PDAs oder Pocket-PCs als auch speziell für diese Technik konzipierte Geräte verwendet werden. Nachdem eine Anwendersoftware die Auftragsdaten in Sprache umgewandelt hat, wird der Kommissionierauftrag vom WMS über WLAN an das Datenendgerät gesendet. Das Datenendgerät ist entweder mit einem Kabel oder kabellos über eine Bluetooth-Schnittstelle mit dem Headset verbunden ist. Die erste Information die der Kommissionierer über den Kopfhörer vernimmt ist der Bereitstellort aus dem die Entnahme erfolgen soll. Sollte es notwendig sein, kann der Mitarbeiter die Ansage jederzeit über einen Sprachbefehl wiederholen lassen. Ist der Kommissionierer am Bereitstellort angekommen findet zunächst eine Überprüfung statt. Dazu spricht er eine Prüfziffer welche sich an der Bereitstelleinheit befindet in sein Mikrofon. Ist die Überprüfung erfolgreich verlaufen, bekommt er vom System die Entnahmemenge mitgeteilt. Nach der erfolgten Entnahme findet die Quittierung statt indem der Kommissionierer die Entnahmemenge nochmals nachspricht, anschließend bekommt er den nächsten Bereitstellungsort mitgeteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hohe Relevanz und Kostenintensität der Kommissionierung innerhalb der Logistikkette sowie die Notwendigkeit, maßgeschneiderte Systeme für eine steigende Auftragsatomisierung zu entwickeln.
2. Grundlagen der Kommissionierung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Kommissionierung logistisch als das Zusammenstellen von Teilmengen und erläutert den Kernprozess des Greifens.
3. Materialflusssystem: Der Abschnitt analysiert die physischen Grundfunktionen wie Bereitstellung, Fortbewegung, Entnahme und Abgabe anhand konkreter Ausprägungen.
4. Organisationssystem: Hier werden Aufbau-, Ablauf- und Betriebsorganisation als strategische Stellhebel zur Strukturierung und Leistungsoptimierung von Kommissioniervorgängen behandelt.
5. Informationssystem: Das Kapitel betrachtet die notwendigen IT-Prozesse von der Auftragserfassung über die Aufbereitung bis zur digitalen Quittierung als Grundlage für einen funktionsfähigen Materialfluss.
6. Informationstechnische Kommissioniererführung: Dieses zentrale Kapitel vergleicht klassische papiergebundene Methoden mit modernen beleglosen Systemen wie Pick-by-Scan, Pick-by-Light und Pick-by-Voice.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz hochautomatisierter Technik der Faktor Mensch durch seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Kommissionierung unverzichtbar bleibt.
Schlüsselwörter
Kommissionierung, Materialfluss, Organisationssystem, Informationssystem, Lagerlogistik, Bereitstellprinzip, Pick-by-Scan, Pick-by-Light, Pick-by-Voice, Automatisierungsgrad, Prozessoptimierung, Supply Chain, Kommissionierer, Auftragsbearbeitung, Lagerverwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Kommissioniersystemen, wobei die technischen und organisatorischen Aspekte der innerbetrieblichen Logistik detailliert untersucht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind der Materialfluss, die Aufbau- und Ablauforganisation sowie die informationstechnische Führung des Kommissionierpersonals.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Zusammenhänge und Anforderungen an effiziente Kommissioniersysteme aufzuzeigen und Kriterien für die Auswahl geeigneter Verfahren bei variierenden Rahmenbedingungen zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturanalyse sowie die Aufbereitung und Gegenüberstellung bestehender logistischer Konzepte und technischer Realisierungsoptionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei Teilsysteme Materialfluss, Organisation und Information sowie eine detaillierte Erläuterung belegloser Kommissioniertechniken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Kommissionierung, Materialflusssystem, Prozessoptimierung und beleglose Kommissionierverfahren definieren.
Wie unterscheidet sich die statische von der dynamischen Bereitstellung?
Bei der statischen Bereitstellung bleibt die Entnahmeeinheit am Lagerort, während sie bei der dynamischen Bereitstellung zum Entnahmeort befördert wird.
Worin liegt der Hauptvorteil von Pick-by-Voice Systemen?
Der Hauptvorteil liegt in der Ergonomie, da der Kommissionierer durch die Sprachsteuerung beide Hände und den Blick frei hat, was insbesondere bei sperrigen Gütern vorteilhaft ist.
- Quote paper
- Daniel Rotti (Author), 2012, Analyse von Kommissioniersystemen unter besonderer Berücksichtigung der Teilbereiche Materialfluss, Organisation und Information sowie darin enthaltener Subsysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213648