„Borderline: Grenzgänger zwischen Extremen" (Braunmiller, 2010), so titelt Focus online am 6. Oktober 2010. Bereits diese Überschrift verrät die Ernsthaftigkeit dieses Themas. Beim Borderline-Syndrom – kurz BPS – handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist durch die Unfähigkeit des Eingehens zwischenmenschlicher Beziehungen, das instabile emotionale Erleben, eine gestörte Affektregulation sowie das verzerrte Selbstbild des Betroffenen gekennzeichnet.
Was aber können Schulen, Jugendeinrichtungen, Peers und andere mit Jugendlichen in Beziehung stehende Personen und Einrichtungen tun, um psychisch kranke Jugendliche bestmöglich zu unterstützen?
Diese Arbeit klärt auf 69 Seiten (im Format DIN A4; Druckformat ggf. abweichend) kurz und informativ über die Borderline-Persönlichkeitsstörung und deren Therapie auf, gibt Lehrern, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen Tipps zum Umgang mit Borderline-Patienten und bietet ihnen eine Auswahl von Präventionsmöglichkeiten.
Auch das weitere soziale Umfeld erhält wertvolle Tipps, um besser mit dem Betroffenen umgehen zu können und gleichzeitig die Therapieerfolge des Betroffenen deutlich zu verbessern.
Somit bietet diese Arbeit sowohl einen Ratgeber für Angehörige, Bildungseinrichtungen / Lehrerinnen und Lehrer, sowie Peers, die mit dem betroffenen Jugendlichen in Beziehung stehen, als auch eine ausführliche Übersicht über das Störungsbild, die Ursachen, Diagnostik, Epidemiologie, Therapiemöglichkeiten sowie viele weitere Themen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort und persönliche Danksagung
2. Einleitung
3. Geschichte der BPS
4. Definitionen, Klassifikationen, Epidemiologie
4.1 Klassifikationssysteme im Überblick
4.1.1 ICD-10 (WHO)
4.1.2 DSM-IV-TR (APA)
4.2 Definition von Persönlichkeitsstörungen
4.2.1 Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10
4.2.2 Persönlichkeitsstörungen nach DSM-IV-TR
4.3 Definitionen der Borderline-Persönlichkeitsstörung
4.3.1 Definitionen der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach ICD-10
4.3.1.1 Definition emotional-instabiler Persönlichkeitsstörungen
4.3.1.2 Definition des impulsiven Typus (F.60.30) nach ICD-10
4.3.1.3 Diagnosefindung zum impulsiven Typus nach ICD-10 (F60.30)
4.3.1.4 Definition der Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31) nach ICD-10
4.3.1.5 Diagnosefindung zum Borderline-Typus (F60.31) nach ICD-10
4.3.2 Definition der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV
4.4 Epidemiologie der BPS im Kindes- und Jugendalter
4.5 Konzept von Persönlichkeitsstörungen
4.5.1 Terminologie
4.5.1.1 Das Temperament
4.5.1.2 Der Charakter
4.5.1.3 Persönlichkeitsstörung
4.5.1.4 Soziopathie
4.5.1.5 Fazit und Zusammenhänge
4.5.2 Dimensionale Konzepte
4.5.3 Psychodynamisch orientierte Konzepte
5. Symptomatik
6. Ätiologie
6.1 Genetik
6.2 Psychosoziale Bedingungen
6.3 Neurobiologie und radiologische Bildgebung
7. Diagnostik der BPS
7.1 Spezielle Anamnese
7.2 Komorbiditäten
7.3 Psychologische Diagnostik
7.3.1 Selbsteinschätzungsfragebögen
7.3.2 Interviewtechniken
7.3.2.1 Strukturiertes klinisches Interview für DSM-IV (SKID-II)
7.3.2.2 International Personality Disorder Examination (IPDE)
7.3.2.3 Vergleich SKID-II und IPDE
7.4 Dimensionale Diagnostik
7.4.1 Inventar klinischer Persönlichkeitsakzentuierungen (IKP)
7.4.2 Persönlichkeitsstil- und Störungsinventar (PSSI)
7.5 Klinische Untersuchung
7.6 Differentialdiagnostik
7.6.1 Adoleszentenkrise
7.6.2 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
7.6.3 Psychosen
8. Therapie
8.1 Dialektisch-behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A)
8.1.1 Die Rolle des Therapeuten
8.1.1.1 Förderung der Fertigkeiten des Patienten
8.1.1.2 Den Patienten motivieren, an der Therapie teilzunehmen
8.1.1.3 Telefonkontakt zum Patienten
8.1.1.4 Therapeutenaustausch
8.1.1.5 Betreuung des sozialen Umfeldes
8.1.2 Therapieablauf / -module
8.1.2.1 Gruppentherapie
8.1.2.2 Einzeltherapie
8.1.2.3 Supervisionsgruppe
8.1.2.4 Telefonberatung
8.1.3 Therapieziele
8.1.4 Therapieabschluss
8.1.5 Wirksamkeit der DBT-A im ambulanten Setting
9. Die therapiestützende Rolle des sozialen Umfeldes (empirischer Teil)
9.1 Vor der Therapie: Den Patienten zur Therapie motivieren
9.1.1 Fallbeispiel 9.1.1: Lehrer und Schule
9.1.2 Fallbeispiel 9.1.2: Der Betroffene wendet sich an das Umfeld
9.2 Während und nach der Therapie
9.2.1 Kooperatives Verhalten zur Therapieeinrichtung
9.2.2 Fallbeispiel 9.2.2: Der Jugendliche fühlt sich zuhause nicht wohl
9.2.3 Regelmäßiger Kontakt zum Betroffenen
9.2.4 Ruhe bewahren, Liebe zeigen und Regeln aufstellen
9.2.5 Informationen einholen
9.3 Fazit zur therapiestützenden Rolle des Umfeldes
10. Prognose
11. Fazit zu dieser Facharbeit
12. Anhang
12.1 Validierungsstrategien
12.2 Schema Verhaltensanalyse
12.3 Notfallkoffer
13. Sachwortregister
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des sozialen Umfeldes bei der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, insbesondere während der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT-A). Das zentrale Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Eltern, Lehrer und Freunde aktiv und fachgerecht in den Therapieprozess einbezogen werden können, um den Genesungsweg positiv zu beeinflussen.
- Grundlagen der Borderline-Persönlichkeitsstörung (Definition, Epidemiologie, Symptomatik)
- Methoden der Diagnostik (kategorial und dimensional)
- Konzept und Wirksamkeit der dialektisch-behavioralen Therapie für Adoleszente (DBT-A)
- Praktische Handlungsleitfäden für das soziale Umfeld (Fallbeispiele und Unterstützungsmöglichkeiten)
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Präventionsansätze für Jugendliche
Auszug aus dem Buch
9.1.1 Fallbeispiel 9.1.1: Lehrer und Schule
Situation: Lehrer I. vermutet, dass Schülerin S. sich selberverletzt. Er entdeckt auffällige Wunden an ihren Armen. Auch grenzt sich S. in den letzten Wochen massiv von ihren Freunden ab. Er ist ratlos, was er tun soll.
Lösungsansatz: Lehrer I. sollte zunächst das Verhalten beobachten und abwarten. Das einmalige Beobachten von Wunden bei Schülerin S. sollte keinesfalls sofort als Selbstverletzung gedeutet werden. Auch könnte die beschriebene Symptomatik zum Beispiel auf eine posttraumatische Belastungsstörung nach einem Unfall (daher die Wunden und die Abgrenzung von den Freunden) hinweisen. Sollten das massive Abgrenzungsverhalten und die Verletzungen andauern, beziehungsweise nicht wieder verschwinden, sollte der direkte Kontakt zu Schülerin S. gesucht werden. Besonders hier ist vorsichtig geboten. Wichtigster Grundsatz für Lehrer I. ist es, sich zu überlegen, inwiefern er sich die Situation zutraut und glaubt diese kontrollieren zu können.
Zunächst sollte er S. versichern, dass er den Inhalt ihrer Gespräche wertneutral und vertraulich behandelt und ihr aufmerksam und aktiv zuhört. Eine vollständige Vertraulichkeit sollte hier jedoch keinesfalls versichert werden, da im Falle massiver Selbstmordgedanken oder Selbstverletzungen auf jeden Fall sofort ein Sorgeberechtigter und gegebenenfalls auch das Jugendamt / der Rettungsdienst informiert werden muss. Sobald Schülerin S. den Verdacht der Selbstverletzungen bestätigt, ist es ausgesprochen wichtig, jede ihrer Handlungen über die sie berichtet vollständig ernst zu nehmen und ihren Ausführungen aufmerksam zu folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort und persönliche Danksagung: Einleitende Worte zum Interesse des Autors an der Borderline-Störung sowie Danksagung an unterstützende Personen.
2. Einleitung: Definition des Störungsbildes und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Unterstützung durch das soziale Umfeld.
3. Geschichte der BPS: Historische Entwicklung des Verständnisses von Persönlichkeitsstörungen von der frühen Psychiatrie bis zum heutigen Stand.
4. Definitionen, Klassifikationen, Epidemiologie: Erläuterung der diagnostischen Systeme ICD-10 und DSM-IV sowie der Herausforderungen bei der Diagnose im Jugendalter.
5. Symptomatik: Detaillierte Darstellung typischer Symptome wie Affektregulationsstörungen, Identitätsdiffusion und selbstverletzendes Verhalten.
6. Ätiologie: Diskussion der Ursachenfaktoren unter Berücksichtigung von Genetik, psychosozialen Bedingungen und neurobiologischen Aspekten.
7. Diagnostik der BPS: Überblick über multimodale Diagnostikverfahren, Interviewtechniken und die Bedeutung der Differentialdiagnostik.
8. Therapie: Vorstellung der DBT-A als zentrales Behandlungskonzept, inklusive der Rolle des Therapeuten, Therapieabläufe und Wirksamkeitsnachweise.
9. Die therapiestützende Rolle des sozialen Umfeldes (empirischer Teil): Praktische Anleitung und Fallbeispiele für den Umgang des Umfelds mit betroffenen Jugendlichen vor, während und nach der Therapie.
10. Prognose: Wissenschaftliche Einordnung der Heilungschancen und Limitationen aktueller Studienlagen.
11. Fazit zu dieser Facharbeit: Zusammenfassende Reflexion über gesellschaftliche Tabuisierung, notwendige Prävention und Anforderungen an die medizinische Forschung.
12. Anhang: Bereitstellung ergänzender Arbeitsmaterialien wie Validierungsstrategien, Verhaltensanalysen und Notfallkoffer-Inhalte.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, BPS, Kinder- und Jugendpsychiatrie, DBT-A, Soziales Umfeld, Selbstverletzendes Verhalten, Psychotherapie, Diagnose, Adoleszenz, Emotionsregulation, Identitätsstörung, Prävention, Skillstraining, Familienanamnese, Psychosoziale Bedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen und untersucht insbesondere, wie das soziale Umfeld den therapeutischen Prozess unterstützen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Definition und Klassifikation der BPS, deren Ätiologie und Symptomatik, die spezifische Diagnostik sowie die Anwendung der dialektisch-behavioralen Therapie für Adoleszente (DBT-A) ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Handlungsanleitungen für Eltern, Lehrer und Freunde zu entwickeln, um sie in die Lage zu versetzen, betroffene Jugendliche während einer Therapie fachgerecht zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine umfassende Literaturanalyse durch, ergänzt um eine explorative empirische Komponente zur Wahrnehmung der Krankheit im schulischen Umfeld.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Krankheitsgrundlagen sowie einen praktischen Teil, der mit Fallbeispielen konkrete Unterstützungsmöglichkeiten des Umfelds aufzeigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, DBT-A, Selbstverletzung, Soziales Umfeld und Adoleszenz charakterisieren.
Warum ist eine Diagnose im Jugendalter laut Autor kritisch zu sehen?
Der Autor argumentiert, dass die Persönlichkeit in der Adoleszenz noch sehr variabel ist und eine frühzeitige Diagnose zu einer problematischen Fixierung auf die Symptomatik führen kann, bevor die Entwicklung abgeschlossen ist.
Welche Rolle spielt das "Cheerleading" in der Therapie?
Das Cheerleading ist eine therapeutische Technik, bei der positive Verstärkung und Unterstützung für den Patienten eingesetzt werden, um die Motivation während der anstrengenden Therapie aufrechtzuerhalten.
Wie kann das soziale Umfeld beim Notfallkoffer behilflich sein?
Das soziale Umfeld kann bei der Zusammenstellung und Anwendung von Materialien im Notfallkoffer (z. B. Gegenstände zur sensorischen Ablenkung) unterstützen, um den Patienten in Krisensituationen zu stabilisieren.
- Arbeit zitieren
- Jörn Schmidt (Autor:in), 2013, Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213698