Auswege aus der Unterentwicklung - NEPAD und der Afrika-Aktionsplan der G8


Hausarbeit, 2003
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Afrika – der verlorene Kontinent?
2.1 Politische Situation
2.2 Wirtschaftslage
2.3 Armut und Hunger
2.4 HIV/AIDS

3. New Partnership for Africa’s Development
3.1 Was ist NEPAD?
3.2 Ziele
3.3 Strukturen
3.4 Perspektiven

4. Der G8-Afrika-Aktionsplan

5. Abschlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über 100 Tote bei Öl-Explosion

Im Südosten Nigerias hat sich Benzin aus einer angezapften Pipeline entzündet, bei der anschließenden Explosion kamen nach Angaben des Roten Kreuzes über 100 Dorfbewohner ums Leben.

Der Vorsitzende des nigerianischen Roten Kreuzes, Emmanuel Ijewere, sagte am Samstag der Nachrichtenagentur AFP, ganze Familien seien ausgelöscht worden. „Wir fürchten, dass noch viele weitere sterben werden.“ Zahlreiche Menschen würden mit schweren Verbrennungen in Krankenhäusern oder von ihren Familien zuhause behandelt.

Die Explosion ereignete sich den Angaben zufolge m Donnerstag an einer Pipeline zwischen den Städten Port Harcourt und Enugu; unter den Todesopfern waren vor allem Bewohner eines benachbarten Dorfes. Ein Sprecher der staatlichen Ölgesellschaft sagte, Experten prüften vor Ort, wie das Feuer gelöscht werden könne. [...]

Die Praxis des illegalen Benzinzapfens ist in Nigeria weit verbreitet, in den vergangenen Jahren kamen bei Explosionen in diesem Zusammenhang tausende Menschen ums Leben.

(Süddeutsche Zeitung, 21.06.2003)

Solche und ähnliche Schreckensmeldungen erreichen uns fast täglich aus Afrika. Bilder von Hunger und Krieg, Dürre und Korruption, Seuchen und Kriminalität gehören zu unserem Alltag, wir nehmen sie und ihre Grausamkeit kaum noch wahr.

Afrika gilt als Krisenkontinent und Verlierer der Globalisierung. Die afrikanischen Staaten können mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten und drohen den Anschluss an die Globalisierung zu verlieren.

Ohne einen wirtschaftlichen Aufschwung wird sich das Elend auf dem schwarzen Kontinent kaum verringern. Zumal die Länder auch durch die verheerenden Folgen von HIV/AIDS geschwächt werden. Eine weitere Gefahr stellen die Bürgerkriege wie zuletzt in Kongo und Liberia dar, in denen Millionen Menschen ihr Leben oder ihre Heimat verlieren. Verläuft die gegenwärtige Entwicklung weiter in diese Richtung, kann die Situation in den afrikanischen Staaten zu einer Bedrohung der internationalen Sicherheit und Stabilität werden.

Um dieses Negativszenario zu verhindern, müssen Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung des gesamten Kontinents gefunden werden, die sich nicht nur auf das Eingreifen der Geberländer verlassen, sondern von allen Afrikanern mitgetragen werden. Die New Partnership for Africa’s Development eröffnet diese Möglichkeit. Die Ziele und Aussichten dieser Initiative sollen nach einem Überblick über die politische und wirtschaftliche Situation Afrikas vorgestellt werden.

Doch für einen tiefgreifenden Fortschritt ist Afrika trotz allem weiterhin auf die politische (und finanzielle) Hilfe der westlichen Industriestaaten angewiesen, die in Form des G8-Aktionsplan verwirklicht werden soll.

2. Afrika – der verlorene Kontinent?

2.1 Politische Situation

Vor nur wenigen Jahrzehnten erreichte ein afrikanischer Staat nach dem anderen die Unabhängigkeit. Dennoch wurden die kolonialen Verwaltungen größtenteils beibehalten und nur das leitende Personal ausgetauscht.

Diktatoren konnten jahrzehntelang herrschen, weil die kolonialen politischen Strukturen beibehalten wurden und auf dem Kontinent das Gebot herrschte sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Nachbarn einzumischen. Die selbsternannten Entwicklungsdiktatoren wollten ihre Völker von der Kolonialherrschaft zur „Freiheit“ führen. Dabei schädigten sie die Länder mit ökonomischen Gewaltakten wie Enteignungen und Zwangsumsiedlungen, einer Korrumpierung der politischen Kultur durch den organisierten Diebstahl der Militärherrscher wie in Nigeria sowie einem organisierten Denunziantenwesen wie in Zaire. Die Ressourcen des Landes, die Devisen und lukrativen Lizenzen wurden zuerst an das familiäre, ethnische und regionale Umfeld verteilt (vgl. Johnson 2001: 302ff).

Die Welle der Demokratisierung im Afrika der neunziger Jahre galt vielerorts als „zweite Befreiung“. Allerdings konnte sie die Systeme nur oberflächlich verändern, die Strukturen der vorherigen Diktaturen blieben unter dem Mantel der Demokratie erhalten. Der demokratische Machtwechsel legitimiert sich in den letzten Jahren mehr und mehr durch eine Rückbesinnung auf die „goldene Ära“ der siebziger Jahre, als die Entkolonisation endgültig vollzogen und die Wirtschaftskrise noch in einiger Ferne war.

Die Präsidenten, die in den freien Wahlen von 1999 und 2000 an die Macht kamen, stammen alle aus der alten Generation der autoritären Regimes, wie Abdoulaye Wade in Senegal und Olusegun Obasanjo in Nigeria (vgl. Johnson 2001: 305). In der Region der Großen Seen und am Horn von Afrika regieren die militärischen Führer ehemaliger Rebellen- und Befreiungsbewegungen. Einige Länder Zentral- und Westafrikas sind bereits einem Staatszerfall als Konsequenz von Kriegen ausgesetzt. In diesen Kriegen kämpfen Akteure aus mehreren Ländern um die Macht und führen multinationale Armeen und Allianzen ins Feld. Solche Konflikte haben in Staaten wie Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo zu einer Zersetzung der staatlichen Institutionen geführt (vgl. Johnson 2001: 307f).

Neben den Machtkämpfen um Ressourcen gibt es auch religiöse Hintergründe für Konflikte. So kommt es im Sudan immer wieder zu Auseinander-setzungen zwischen dem arabisch-muslimischen Norden und den christlichen und animistischen Minderheiten im Süden.

Konflikte über koloniale Grenzziehungen können wie 1998 zwischen Äthiopien und Eritrea zu Kriegen führen. Ein ständig schwelender Krisenherd bleibt Somalia. Nach dem Scheitern des US-Militäreinsatzes sollen Übergangsinstitutionen die fehlende Zentralregierung ersetzen, doch sie werden von den bewaffneten Rebellentruppen nicht anerkannt.

Ethnische Konflikte (auch als Überbleibsel aus der Kolonialzeit) können wie 1994 in Ruanda verheerende Folgen haben, als Hutu-Milizen und -Bevölkerung innerhalb kürzester Zeit eine Million Tutsi töteten (vgl. Le Monde Diplomatique 2003: 188f).

2.2 Wirtschaftslage

Die Wirtschaftsstruktur der Länder Afrikas ist geprägt durch die Dominanz des primären Sektors. Die Staaten Ost-, West- und Zentralafrikas besitzen überwiegend eine einseitig agrarische Struktur. Nur wenige Länder wie Nigeria, Elfenbeinküste, Kenia oder Simbabwe weisen Industrialisierungsansätze auf. Nordafrikanische Staaten und Südafrika verfügen bereits über ein breites Industriespektrum.

Der Dienstleistungssektor ist in allen Ländern stark entwickelt. Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie der Selbständigen in Handel, Handwerk und Transportwesen ist hoch. Handwerk und Kleingewerbe zählen zu den wichtigsten Entwicklungssektoren. Der Ferntourismus ist ein bedeutender Beschäftigungssektor und Devisenbringer, vor allem in den Ländern Nordafrikas sowie in Ost- und Südafrika (vgl. Wiese 1997: 151ff).

Die Mehrheit der afrikanischen Staaten gehört zu den LDC-Ländern (Least Developed Countries), d.h. zu den Staaten mit den stärksten Kennzeichen von Unterentwicklung im Sinne der Vereinten Nationen. Die Schuldenkrise und der Verfall der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt haben den Aufwärtstrend in zahlreichen Ländern gestoppt und einen wirtschaftlichen Rückschritt eingeleitet. In der Landwirtschaft bedingten ökologische Ungunstfaktoren wie langjährige Dürren, der Verfall der Transport-Infrastruktur oder Bürgerkriege einen Rückgang der Produktion. Selbst der Bergbau erwies sich für die wenigen rohstoffreichen Länder Afrikas aufgrund der sich verschlechternden Terms of Trade und des Vordringens von Ersatzstoffen (z.B. Glasfasern statt Kupfer) nicht als stabile Basis der wirtschaftlichen Entwicklung. In vielen Staaten hemmen Kapitalmangel, Enge des Binnenmarktes wegen einer geringen Bevölkerungszahl mit kleiner Kaufkraft, Konkurrenz von Importen oder Schmuggel asiatischer Billigproduktionen, Devisenmangel, Fehlen von Know-how und Facharbeitern („Brain Drain“ – Abwanderung der gut ausgebildeten Arbeitskräfte und Akademiker in Industriestaaten) sowie die mangelhafte Infrastruktur die Industrialisierung (vgl. Wiese 1997: 152).

[...]

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Details

Titel
Auswege aus der Unterentwicklung - NEPAD und der Afrika-Aktionsplan der G8
Hochschule
Universität Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V21371
ISBN (eBook)
9783638250085
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswege, Unterentwicklung, NEPAD, Afrika-Aktionsplan
Arbeit zitieren
Jana Böhm (Autor), 2003, Auswege aus der Unterentwicklung - NEPAD und der Afrika-Aktionsplan der G8, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21371

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