Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess und seine Bedeutung für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit


Essay, 2013
6 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

„Autorität wie Vertrauen werden durch nichts mehr erschüttert als durch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.“ (Theodor Storm)

Jenes Zitat von Theodor Storm, einem bedeutenden deutschen Lyriker und Prosaautor, beschreibt vortrefflich die immense Herausforderung, welcher sich die Alliierten hinsichtlich eines gerechten Umgangs mit der deutschen Nachkriegsgesellschaft stellen sollten. Fortan bestimmte die Aufarbeitung der vergangenen zwölf Jahre, einhergehend mit repressivem Terror und Unterjochung durch das nationalsozialistische Regime, die ersten Nachkriegsmonate und -jahre. Die justizielle Aufarbeitung in Form des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses sowie der Nachfolgeprozesse bildet dabei den Beginn dieser Auseinandersetzung ab. Doch schon während des Kriegsverlaufes einigten sich die führenden Regierungschefs Churchill, Roosevelt und Stalin im Zuge verschiedener Alliiertenkonferenzen auf eine umfassende Säuberung der nationalsozialistischen Gesellschaft, die Eliminierung des Nationalsozialismus sowie auf die Anklage der Verbrecher. Jene zentralen Zielsetzungen sollten auf rechtlicher Grundlage erreicht werden, frei von Selbstjustiz und Willkür, wie es die deutsche Gesellschaft unter der Herrschaft Adolf Hitlers erlebt hatte.

Der Nürnberger Prozess war bis dato die nachdrücklichste politische und rechtliche Anstrengung der Staatengemeinschaft, die horrenden Kriegsverbrechen zu sühnen. (Vgl. Wolfrum 2009: S. 364) So wurden erstmals führende Politiker und Militärbefehlshaber rechtlich angeklagt. Des Weiteren ist anzuführen, dass die Londoner United Nations War Crime Commission bereits ab 1943 Beweismaterial akkumulierte und somit der Anklage eine breite Grundlage für jene objektive Auseinandersetzung und Aufarbeitung zur Verfügung stellte. Demnach ist auch dem vielfach angebrachten Argument einer willkürlichen Siegerjustiz durch die Alliierten entschieden zu entgegnen, dass die deutsche Souveränität bereits ab dem 5. Juni 1945 dem Alliierten Kontrollrat unterstand und somit die Möglichkeit eröffnet wurde, strafrechtliche Maßnahmen unter alliierter Führung zu ergreifen.

Der Nürnberger Prozess intendierte bereits in seiner Konzeption zwei wesentliche Ziele. Zum einen sollten die drei Hauptanklagepunkte Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen gegen den Frieden strafrechtlich verfolgt werden, zum anderen verfolgte man die Maxime, die deutsche Nachkriegsöffentlichkeit über den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus aufzuklären und somit eine günstige Ausgangslage für die demokratische Umerziehung zu schaffen. (Vgl. Krösche 2011: S. 94) Es galt, demokratische und ethnisch-moralische Werte als die bessere Lösung seitens der Staatsführung zu generieren. Anhand jener Zielsetzung erfolgten in der Zeit vom 20. November 1945 bis zum 01. Oktober 1946 Anklage, Anhörung und Urteilsfestsetzung samt Begründung.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess und seine Bedeutung für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Note
"-"
Autor
Jahr
2013
Seiten
6
Katalognummer
V213800
ISBN (eBook)
9783656420361
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nürnberg, Hauptkriegsverbrecherprozess, Aufarbeitung, Vergangenheitsbewältigung
Arbeit zitieren
Stefan Gnehrich (Autor), 2013, Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess und seine Bedeutung für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213800

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