Als Industrialisierung bezeichnet der Historiker einen, durch agrarische, soziale, politische und wirtschaftliche Wandel, ausgelösten Umbruch ganzer Gesellschaften beziehungsweise Staaten auf dem Weg zur modernen Industriegesellschaft. Hierbei wurden alle Bereiche durch neue Erfindungen, technische Innovationen oder auch kapitalintensive Fabrikproduktionen bereichert. Diese neuen Formen der Produktion wurden seit dem 18. Jahrhundert zunächst in Europa, dann auch in anderen Ländern der Welt eingeführt und verbreitet.
Der langwierige Prozess der Industrialisierung fasste ursprünglich gegen 1700 in England Fuß. Der Grund hierfür war, dass England zu dieser Zeit schon wesentlich weiter entwickelt war, als die anderen europäischen Staaten. Im Speziellen bedeutet das, dass die Prinzipien der des Absolutismus und der Grundherrschaft sehr lockere Züge angenommen hatten und die Zeit des Zunftzwanges schon lange vorbei war. Somit waren die Voraussetzungen für eine freiere Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und der technischen Erneuerung gelegt. Wichtige englische Erfindungen waren zum einen die 1712 entwickelte Dampfmaschine von Thomas Newcomen, welche 1769 die entscheidende Weiterentwicklung durch James Watt erhielt und zum anderen der mechanische Webstuhl, welcher auch unter dem Namen „Spinning Jenny“ bekannt ist. Durch Kundschafter, welche nach England reisten, um die neuen Erfindungen zu bewundern, kam der Prozess der Industrialisierung gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch nach Deutschland.
In der nachfolgenden Ausarbeitung werde ich mich mit dem industriellen Prozess in Deutschland beschäftigen. Da dieses Thema jedoch sehr breit gefächert ist, werde ich mich auf die erste Phase des Vorganges, die so genannte Vorindustrialisierung, beschränken. In diesem Abschnitt des Industrialisierungsprozesses wurden wichtige Grundlagen für den weiteren Ereignisverlauf gelegt. Diese möchte ich in meiner Arbeit genauer darstellen. Zu Beginn werde ich allgemeine grundlegende Fakten zur Industrialisierung in Deutschland nennen und erläutern, welche wichtig für die nachfolgenden Punkte sind und dem besseren Verständnis dienen sollen. Danach beginne ich mit meinen Untersuchungen, wobei ich mein Augenmerk auf die drei Sektoren der Volkswirtschaft richten werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Fakten zur industriellen Entwicklung in Deutschland
3. Entwicklungen im Primärsektor
3. 1 Bauernbefreiung
3. 2 landwirtschaftliche Produktion
3. 3 Einkommens- und Ertragslage
4. Entwicklungen im Sekundärsektor
4. 1 Gewerbefreiheit
4. 2 gewerbliche Produktion
4. 3 Einkommenslage
5. Entwicklungen im Tertiärsektor
5. 1 Verkehrswesen
5. 2 Handel
5. 2. 1 Der Weg zum Deutschen Zollverein
5. 2. 2 Außenhandel
5. 3 Geld- und Bankwesen
6. Entwicklungen im öffentlichen Finanzwesen
7. Lage der Bevölkerung
8. Ausblick
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die erste Phase des Industrialisierungsprozesses in Deutschland – die sogenannte Vorindustrialisierung – und analysiert deren Bedeutung für den weiteren Verlauf des Wandels zur Industriegesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der drei Sektoren der Volkswirtschaft.
- Grundlegende Faktoren und Reformen des industriellen Prozesses
- Prozess der Bauernbefreiung und Veränderungen im Primärsektor
- Entwicklungen im Bereich Gewerbe, Handel und Verkehr
- Einfluss der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Lebenslage der Bevölkerung
- Zusammenhang zwischen der Vorindustrialisierung und den späteren Industrialisierungsphasen
Auszug aus dem Buch
3. 1 Bauernbefreiung
Wie ich schon im vorangegangen Gliederungspunkt erläutert habe, war es für das Funktionieren des Industrialisierungsprozesses von großer Wichtigkeit, dass die Menschen aus ihren Abhängigkeitsverhältnissen herausgelöst wurden. Der Prozess der Bauernbefreiung erreichte dies.
Friedrich- Wilhelm Henning definiert diesen Prozess folgendermaßen: „Unter Bauernbefreiung versteht man die Aufhebung der Abhängigkeitsverhältnisse, denen die bäuerliche Bevölkerung durch das den größten Teil der ländlichen Bereiche erfassende Feudalsystem unterworfen war und auf Grund derer von den Bauern Leistungen unterschiedlicher Art und Höhe gefordert werden konnten und wurden.“ Hierzu kann ich sagen, dass die Gesellschaft vor dem Beginn der Industrialisierung durch das Feudalwesen, welches in der historischen Forschung auch als Lehnswesen bezeichnet wird, geordnet war. In einer Lehnsherrschaft war es üblich, dass der Lehnsherr seinen Untergebenen Land verlieh. Für die Nutzung dieses Landes musste der so genannte „Pächter“ regelmäßig Abgaben an den Lehnsherrn leisten. Meines Wissens nach, entstand dieses System bereits im Mittelalter und bestand bis ins 19. Jahrhundert fort. Aus dieser Art von Abhängigkeitsverhältnis haben sich verschiedene Varianten herausgebildet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Industrialisierung, skizziert den englischen Ursprung und formuliert die Leitfrage nach der Bedeutung der Vorindustrialisierung für den deutschen Industrialisierungsprozess.
2. Allgemeine Fakten zur industriellen Entwicklung in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die zeitliche Einordnung und die theoretischen Hintergründe, wie etwa die „Theorie der protestantischen Ethik“, die den Industrialisierungsprozess in Deutschland beeinflussten.
3. Entwicklungen im Primärsektor: Hier werden die Bauernbefreiung, die agrarische Produktion sowie die daraus resultierende Ertrags- und Einkommenslage detailliert analysiert.
4. Entwicklungen im Sekundärsektor: Das Kapitel behandelt die Gewerbefreiheit, die gewerbliche Produktion sowie die Einkommenslage im sekundären Sektor.
5. Entwicklungen im Tertiärsektor: Dieser Teil befasst sich mit dem Ausbau des Verkehrswesens, der Entstehung des Deutschen Zollvereins, dem Außenhandel sowie dem Geld- und Bankwesen.
6. Entwicklungen im öffentlichen Finanzwesen: Eine Untersuchung der staatlichen Einnahmequellen und Ausgaben des deutschen Staates im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.
7. Lage der Bevölkerung: Das Kapitel beleuchtet den Bevölkerungsanstieg, die Lebensweise sowie die Arbeitsbedingungen der arbeitenden Bevölkerung.
8. Ausblick: Der Ausblick ordnet die Ergebnisse in den Kontext der folgenden Industrialisierungsphasen bis zum Ersten Weltkrieg ein.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Vorindustrialisierung zusammen und betont deren Rolle als notwendiges Fundament für den späteren industriellen Erfolg.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, Vorindustrialisierung, Bauernbefreiung, Gewerbefreiheit, Deutscher Zollverein, Primärsektor, Sekundärsektor, Tertiärsektor, Agrarwirtschaft, Wirtschaftsgeschichte, 19. Jahrhundert, Deutschland, Dampfmaschine, Kapitalismus, Soziale Frage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ersten Phase der Industrialisierung in Deutschland, der sogenannten Vorindustrialisierung, und deren essenziellen Grundlagen für den späteren wirtschaftlichen Umbruch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Entwicklungen im Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor, flankiert von politischen Reformen wie der Bauernbefreiung und der Gewerbefreiheit sowie dem Ausbau der Infrastruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung der Vorindustrialisierung für den weiteren Verlauf des industriellen Prozesses zu verdeutlichen und nachzuweisen, dass ohne diese Grundlagen eine spätere Entwicklung nicht möglich gewesen wäre.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung relevanter wirtschaftshistorischer Literatur und der Untersuchung zeitgenössischer Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei Sektoren (Landwirtschaft, Gewerbe, Dienstleistungen), die staatlichen Finanzen sowie die allgemeine soziale Lage der Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Industrialisierung, Vorindustrialisierung, Bauernbefreiung, Zollverein, Agrarwirtschaft, Gewerbefreiheit und Infrastrukturausbau.
Welche Rolle spielte der Deutsche Zollverein für die Entwicklung?
Der Zollverein war ein entscheidender Schritt, um den Binnenhandel zu integrieren, innerstaatliche Zollschranken zu beseitigen und die deutsche Wirtschaft gegenüber dem Ausland wettbewerbsfähiger zu machen.
Wie wirkten sich die Napoleonischen Kriege auf die industrielle Lage aus?
Die Kriege führten zu wirtschaftlicher Stagnation, Zerstörungen in der Landwirtschaft, Kontinentalsperren und einer vorübergehenden Lähmung des Handels, was die Ausgangslage für den Reformprozess erschwerte.
- Citation du texte
- Annegret Busse (Auteur), 2009, Der Beginn der Industrialisierung in Deutschland bis zur Revolution 1848/49, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213816