Skinheads als Subkultur


Seminararbeit, 2002
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Zum Begriff Subkultur

3. Skinheads als Subkultur – Ein Praxisbeispiel
3.1 Sind Skinheads rechtsextrem?
3.1.1 Zum Begriff Rechtsextremismus
3.1.2 Typologien
3.2 Die Skinheads von heute
3.3 Merkmale der Subkultur
3.3.1 Das äußere Erscheinungsbild
3.3.2 Computerspiele
3.3.3 Musik
3.3.4 Skinhead – Organisationen
3.4 Straftaten
3.5 Ursachen für Rechtsextremismus bei Jugendlichen
3.5.1 Der Sozialisationstheoretische Ansatz
3.5.1.1 Die sozial – strukturelle Ebene: das Individualisierungs – Theorem
3.5.1.2 Die sozial – interaktive Ebene: Milieutheoretische Überlegungen
3.5.1.3 Die individuelle Ebene: das Identitäts – Konzept
3.6 Pädagogische Interventionsmöglichkeiten – Akzeptierende Jugendarbeit

4. Schlußwort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Seminar „Jugendhilfe und Subkulturen“ standen 3 Begriffe im Vordergrund: Subkultur, Lebensweltorientierung und Sozialraumorientierung. Ich entschied mich zusammen mit einer anderen Studentin für das Referat über Subkultur. Dabei teilten wir das Referat in zwei Teile auf, wobei sich die andere Studentin mit den Theorien von Subkultur auseinander setzen wollte und ich ein Beispiel für Subkultur, rechtsextremistische Skinheads, vorstellen sollte.

Aus diesem Grund werde ich in der folgenden Ausarbeitung nur sehr kurz auf den Begriff der Subkultur eingehen und desweiteren die Skinheads, als ein Praxisbeispiel, thematisieren. Da ich mich auf die Gruppe der rechtsextremen Skinheads spezialisiere, werde ich im Folgenden auf den Begriff Rechtsextremismus eingehen und ihn versuchen, zu definieren. Anschließend werde ich die Skinheads von heute beschreiben, unter besonderer Berücksichtigung der Merkmale dieser Subkultur. Dabei beschränke ich mich auf einige ausgewählte Besonderheiten, die mir als besonders interessant erscheinen. Ein weiteres Augenmerk gilt vor allem den Straftaten, die von rechtsextremistischen Skinheads begangen werden. Schon allein die Medien vermitteln uns ausschließlich das Bild von gewalttätigen und aggressiven Skinheads. Anhand des Verfassungsschutzberichtes vom Jahr 2000 werde ich diesen Aspekt näher beleuchten. Obwohl ich mich im Rahmen der Arbeit weniger mit der Theorie auseinander setzen wollte, wurde mir nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema bewußt, daß Theorie auch bei dieser Thematik eine wichtige Rolle spielt und unbedingt in eine Arbeit mit einfließen sollte. Es gibt viele verschiedene theoretische Ansätze, die das Phänomen von Rechtsextremismus untersuchen und nach Ursachen forschen. Aus der Vielzahl der Theorien habe ich eine ausgewählt, den sozialisationstheoretischen Ansatz von Heitmeyer, da ich diesen für einen besonders wichtigen Erklärungsansatz halte. Diese theoretischen Überlegungen sind Voraussetzung für pädagogische Interventionsmöglichkeiten, auf die ich mich im letzten Abschnitt meiner Arbeit konzentrieren möchte. Dabei werde ich mich auf die akzeptierende Jugendarbeit beschränken.

2. Zum Begriff Subkultur

Es gibt verschiedenartige Definitionen von Subkultur. Subkultur ist eine allgemeine Bezeichnung für eine von der Gesamtkultur der Gesellschaft abweichende Kultur einer bestimmten Gruppierung von Menschen. Diese Gruppierungen besitzen ihre eigenen Werte und Normen, sowie Lebens- und Verhaltensweisen, die sich von denen der Gesamtgesellschaft unterscheiden. (vgl. Polsky 1985)

Girtler versteht unter dem Begriff Subkultur alle Gruppierungen, „[...] die als Eigenkulturen, Teilkulturen, Gegenkulturen, oder auch Widerstandskulturen eigenständige, der ‚Normalkultur‘ widersprechende Normen, Werte, Sprachen und andere Symbolsysteme entwickeln. Diese Subkulturbildungen können freiwillig oder unfreiwillig, progressiv oder regressiv, rationalistisch oder emotional, delinquent oder legal sein.“ (Gürtler in Stimmer 1998, S. 402) Subkulturen entstehen überall dort, wo Menschen mit gleichen Interessen, Problemlagen etc. aufeinandertreffen. Die Mitglieder einer Subkultur erlernen bestimmte Handlungsmuster mit spezifischen Symbolen. Ohne die Kenntnis über die Symbole, Rituale, Sprache etc. kommt kein wirkungsvolles Handeln zu Stande. (siehe Symbolischer Interaktionismus) Die Subkultur verfügt meist über zahlreiche meist historisch überlieferte Symbole, Rituale, Normen und Werte. Sie schaffen den Mitgliedern einen Lebensraum, innerhalb dem sie ihre Ziele, die meist von der Normalgesellschaft abweichen, verwirklichen können. (vgl. Girtler in Stimmer 1998)

Es gibt verschiedene theoretische Ansätze zur Erklärung von Subkultur, wie z. B. die Anomietheorie von Merton oder die Subkulturtheorie von Cohen. Auf diese möchte ich in meiner Arbeit nicht näher eingehen, sondern mich mit einem Praxisbeispiel von Subkultur, nämlich den Skinheads, auseinander setzen. Im Verlauf der Arbeit wird deutlich, daß auf sie die Merkmale von Subkultur übertragbar sind. Diese Merkmale möchte ich in der folgenden Arbeit heraus arbeiten.

3. Skinheads als Subkultur – Ein Praxisbeispiel

Artikel über Skinheads gehören heutzutage zu den Medien, wie die 8 - Uhr -Nachrichten zum Abendprogramm. Die Massenmedien berichten stets von gewalttätigen, rechtsextremen Skinheads. Aber nicht alle Gruppierungen von Skinheads sind rechtsextrem. Es gibt auch in dieser Subkultur verschiedene Richtungen, die zum Teil sogar unterschiedliche politische Einstellungen haben. Man erkennt diese als Leihe aber eher schlecht. Man muß schon genau hinsehen, wenn man die unterschiedlichen Richtungen voneinander trennen will.

In dieser Arbeit möchte ich mich aber ausschließlich mit den rechtsextremen Skinheads auseinander setzen.

3.1 Sind Skinheads rechtsextrem?

Der Verfassungsschutz berichtet von einer unterschiedlichen Skinheadszene. Der Großteil sei rechtsextremistisch orientiert. Es gibt nur einen geringen Anteil, der sich als nichtextremistisch, antirassistisch oder linken Skinhead bezeichnet. (vgl. Verfassungsschutz 2000)

Diese Aussage des Verfassungsschutzes bestätigt scheinbar das Vorurteil, daß fast alle Skinheads rechtsextrem orientiert sind. Es hat zahlreiche Kritik an der Aussage gegeben, denn damit können weitere Prozesse ausgelöst werden, wie z. B. Stigmatisierungsprozesse. (vgl. Verfassungsschutzbericht 2000/ Farin/ Seidel – Pielen 1993)

Wenn von rechtsextremen Skinheads gesprochen wird, erscheint die begriffliche Klärung von Rechtsextremismus von besonderer Bedeutung. Deshalb wird im folgenden Teil darauf eingegangen.

3.1.1 Zum Begriff Rechtsextremismus

Betrachtet man die Fachliteratur zum Begriff Rechtsextremismus so wird deutlich, daß es an einer einheitlichen Definition fehlt. Die unterschiedlichsten Begriffe, wie z. B. rechtsradikal, faschistisch, rechtsextrem werden vermischt oder sogar synonym verwendet. Der wesentliche Unterschied liegt in dem Begriff des Extremismus begründet. Er wendet sich gegen die Grundprinzipien des demokratischen Verfassungsstaates. Solche Grundprinzipien sind beispielsweise die Gleichheit aller vor dem Gesetz oder die Gleichheit von Männern und Frauen. (vgl. Pilz 1993)

Heitmeyer differenziert zwei Grundelemente von Rechtsextremismus. Zum einen ist es die Ideologie der Ungleichheit und zum anderen die Gewaltakzeptanz und –anwendung.

Zur Ideologie der Ungleichheit gehören:

- „Nationalistische bzw. völkische Selbstübersteigerung
- Rassistische Sichtweise/ Fremdenfeindlichkeit
- Unterscheidung von lebenswertem und unwertem Leben
- Behauptung natürlicher Hierarchien (über Soziobiologie)
- Betonung des Rechtes des Stärkeren
- Totalitäres Norm – Verständnis, d. h. Ausgrenzung des ‚Andersseins‘.“ (Heitmeyer 1992, S. 16)

Die Gewaltaktzeptanz und –anwendung beinhaltet:

- „Ablehnung rationaler Diskurse/ Überhöhung von Irrationalismen
- Betonung des alltäglichen Kampfes ums Dasein
- Ablehnung demokratischer Regelungsformen von sozialen und politischen Konflikten
- Betonung autoritärer und militaristischer Umgangsformen und Stile
- Gewalt als normale Aktionsform zur Regelung von Konflikten.“ (Heitmeyer 1992, S. 16)

Wenn beide Grundelemente miteinander verbunden werden kann man von Rechtsextremismus sprechen. Heitmeyer verweist darauf, daß in der Realität aber nicht alle angeführten Elemente zusammen vorkommen. Wichtig ist nur, daß aus beiden Grundelementen einige Unterpunkte zusammentreffen. (vgl. Heitmeyer 1992)

Auch innerhalb rechtsextremer Gruppierungen, wie z. B. den Skinheads, lassen sich verschiedene Typen feststellen, deren Kenntnis besonders für pädagogische Interventionen notwendig sind. Dabei stütze ich mich auf die von Willems untersuchten Straftäter.

3.1.2 Typologien

Innerhalb von rechtsextremistischen Gruppierungen gibt es unterschiedliche Typen. Auch Polsky geht in seiner Subkulturtheorie von unterschiedlichen Rollen aus. Er macht die Sozialstruktur der Subkultur anhand des Interaktionsgefüges ihrer Mitglieder sichtbar. Die Sozialstruktur besteht aus einem System verschiedener Rollen. Die Wirkung dieser sozialen Struktur ermöglicht das Fortbestehen der Subkultur. Polsky hat dieses Sozialsystem schematisch in Diamantenform dargestellt. Es besteht aus 5 Rollen: der Führerposition, den Handlangern, den Opportunisten, den ruhigen Typen und den Laufburschen. (vgl. Polsky 1985)

Auch Willems hat verschiedene Typen anhand von rechtsextremen Straftätern heraus gefunden. Hier gibt es zum einen den politisch motivierten, rechtsextremistischen oder rechtsradikalen Täter. Dieser Typ kann einer Partei oder Organisation angehören oder hat sehr guten Kontakt zu ihnen. Er ist in der Politik engagiert, von rechtsextremistischen Ideologien überzeugt und gewaltbereit, wobei er aber lieber die Führungsposition übernimmt und somit in den Hintergrund tritt.

Zum anderen nennt Willems den Ausländerfeind. Diese Jugendlichen besitzen eine fremdenfeindliche Einstellung, welche sich aber noch nicht zu einer fest verankerten extremistischen Ansicht entwickelt hat. Gewaltbereitschaft ist auch hier vorhanden, sie dient aber lediglich zum Aufmerksammachen auf eigene Probleme oder stellt für ihn geeignete Lösungsstrategien dar. Zu dieser Gruppe gehören die meisten Skinheads.

Als einen weiteren Typus wird der kriminelle Jugendliche bzw. der Schlägertyp genannt. Er ist sozial benachteiligt, deklassiert und randständig. Willems bezeichnet ihn als Opfer des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses. Er kommt aus problematischen Familienverhältnissen, besitzt keine abgeschlossene Ausbildung, hat möglicherweise Alkoholprobleme und zahlreiche Vorstrafen. Auch bei diesem Typ sind keine festen rechtsextremistischen Ideologien festzustellen, obwohl Ausländerfeindlichkeit durchaus eine Rolle spielt. Er verwendet diese Ansichten in Verbindung mit Gewalt und Aggression meist zur Erklärung und Rechtfertigung seiner eigenen Mißerfolge.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Skinheads als Subkultur
Hochschule
Universität Lüneburg  (Institut für Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Jugendhilfe und Subkultur
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V21382
ISBN (eBook)
9783638250177
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Subkultur, Jugendhilfe
Arbeit zitieren
Corina Lonitz (Autor), 2002, Skinheads als Subkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21382

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