Im Seminar „Geschlossene Unterbringung als Interventionsform
der Jugendhilfe“ thematisierten wir die geschlossene
Unterbringung als Möglichkeit zur Vermeidung von
Untersuchungshaft. Ich habe mich dazu entschlossen, im
Rahmen einer Hausarbeit mich näher mit dem Thema
auseinander zu setzen.
Zunächst gehe ich auf die Untersuchungshaft ein, indem ihre
gesetzlichen Grundlagen, d. h. speziell §72 JGG, dargestellt
werden. Es folgt ein kurzer Überblick über die
Anordnungspraxis von Untersuchungshaft. Es wird deutlich,
daß Untersuchungshaft durch ihre negativen Auswirkungen auf
die Entwicklung des Jugendlichen als ungeeignetes Mittel der
Justiz erscheint. Aus diesem Grund werden im weiteren Verlauf
Alternativen zur Untersuchungshaft, wie z. B. den §71 JGG und
die geschlossene Unterbringung thematisiert.
Das Ziel der Arbeit liegt in der Untersuchung der Frage, ob die
geschlossene Unterbringung eine geeignete Alternative der
Untersuchungshaft sein kann. Die These lautet, daß die
geschlossene Unterbringung keine geeignete Möglichkeit ist,
aufgrund vieler pädagogischer Vorbehalte. Diese sollen im
Verlauf der Arbeit heraus gearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesetzliche Grundlage für die Anordnung von Untersuchungshaft (§72 JGG)
3. Zur Anordnung von Untersuchungshaft
4. Gründe für Untersuchungshaftvermeidung
5. Alternativen zur Untersuchungshaft
5.1 Der §71 JGG
5.2 Die geschlossene Unterbringung
5.3 Diskussion pro – contra geschlossene Unterbringung
6. Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, ob die geschlossene Unterbringung eine geeignete Alternative zur Untersuchungshaft für Jugendliche darstellt. Dabei wird kritisch beleuchtet, ob pädagogische Vorbehalte und die Struktur totaler Institutionen eine solche Unterbringungsform grundsätzlich infrage stellen.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen der Untersuchungshaft nach §72 JGG
- Kritische Analyse der Anordnungspraxis von Untersuchungshaft
- Pädagogische und entwicklungspsychologische Argumente gegen Untersuchungshaft
- Evaluation der geschlossenen Unterbringung als Alternative
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Zwang
Auszug aus dem Buch
5.2 Geschlossene Unterbringung
Die geschlossene Unterbringung zählt zu den Angeboten der Jugendhilfe, in denen Kinder und Jugendliche außerhalb ihres gewohnten Umfeldes und Familie untergebracht werden und vorübergehend in diesen Heimen ihren neuen Lebensmittelpunkt finden sollen. (vgl. Stimmer 1998)
Die gemeinsame Kommission aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und überörtlicher Erziehungsbehörden, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und der Bundesvereinigung der Kommunalen Spitzenverbände vertritt folgende Definition: „Eine geschlossene Unterbringung ist dadurch gekennzeichnet, daß besondere Eingrenzungs- und Abschließungsvorrichtungen oder andere Sicherungsmaßnahmen vorhanden sind, um ein Entweichen, also ein unerlaubtes Verlassen des abgeschlossenen oder gesicherten Bereiches zu erschweren oder zu verhindern und die Anwesenheit des Jugendlichen für die notwendige pädagogische therapeutische Arbeit mit ihm sicherzustellen.“ (Wolffersdorf/ Sprau-Kuhlen 1990)
Es gibt jedoch keine eindeutigen, klar umrissenen Definitionskriterien. Daher existieren unterschiedliche Formen von geschlossenen Heimen. Diese reichen von sicherheitstechnisch hervorragend ausgestatteten Einrichtungen bis hin zu Heimen, die weniger Wert auf bauliche Sicherungen legen. (vgl. Wolffersdorf/ Sprau-Kuhlen 1990)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der geschlossenen Unterbringung als Alternative zur Untersuchungshaft ein und stellt die zentrale Arbeitsthese vor, die pädagogische Bedenken gegen diese Praxis formuliert.
2. Gesetzliche Grundlage für die Anordnung von Untersuchungshaft (§72 JGG): Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Voraussetzungen für den Entzug der Freiheit bei Jugendlichen unter Berücksichtigung des Verhältnismäßigkeits- und Subsidiaritätsprinzips.
3. Zur Anordnung von Untersuchungshaft: Hier wird die Anordnungspraxis kritisch hinterfragt und aufgezeigt, dass die Inhaftierung häufiger als "Krisenintervention" oder aus anderen, nicht primär verfahrenssichernden Gründen erfolgt.
4. Gründe für Untersuchungshaftvermeidung: Dieses Kapitel arbeitet die negativen Auswirkungen der Untersuchungshaft auf die jugendliche Entwicklung heraus und betont die Notwendigkeit von Alternativen.
5. Alternativen zur Untersuchungshaft: Die verschiedenen Konzepte, insbesondere der §71 JGG und die geschlossene Unterbringung, werden in ihrer rechtlichen und pädagogischen Ausgestaltung analysiert.
6. Schlußwort: Das Fazit bekräftigt die Ablehnung der geschlossenen Unterbringung als pädagogisch sinnvolle Alternative und plädiert für den Ausbau offener Hilfsangebote.
Schlüsselwörter
Untersuchungshaft, geschlossene Unterbringung, Jugendhilfe, JGG, pädagogische Vorbehalte, Freiheitsentzug, Delinquenz, Verhältnismäßigkeitsprinzip, totale Institution, Kindeswohl, Resozialisierung, präventive Maßnahmen, §71 JGG, §72 JGG.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die geschlossene Unterbringung eine sinnvolle und pädagogisch vertretbare Alternative zur Untersuchungshaft für straffällige Jugendliche darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die gesetzlichen Grundlagen des Jugendstrafrechts, die Kritik an der aktuellen Anordnungspraxis von Untersuchungshaft sowie die pädagogischen Aspekte der Heimerziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu belegen, dass die geschlossene Unterbringung aufgrund ihrer negativen pädagogischen Auswirkungen keine geeignete Alternative zur Untersuchungshaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie den gesetzlichen Bestimmungen des Jugendgerichtsgesetzes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Grundlagen (§71, §72 JGG), die Problematik totaler Institutionen und die fachliche Diskussion um pro und contra der geschlossenen Unterbringung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Jugendhilfe, Untersuchungshaftvermeidung, Erziehungsgedanke und den negativen Folgen von Freiheitsentzug.
Inwiefern beeinflusst das Konzept "Menschen statt Mauern" die Argumentation?
Das Konzept dient als Beispiel für eine Reformbewegung, die den Fokus weg von der reinen Unterbringung hin zu pädagogischen und ambulanten Hilfen verschiebt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Medien bei diesem Thema?
Die Autorin weist darauf hin, dass Medien durch die Dramatisierung von Einzelfällen die politische Nachfrage nach geschlossenen Unterbringungsformen verstärken, statt sachliche Lösungen zu fördern.
- Quote paper
- Corina Lonitz (Author), 2003, Ist die geschlossene Unterbringung eine geeignete Alternative zur Untersuchungshaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21383