Der vorliegende Praktikumsbericht unterteilt sich im wesentlichen in 2
verschiedene Abschnitte.
Zu Beginn der Arbeit steht das Tätigkeitsfeld der Bewährungshilfe im
Vordergrund, um das vergangene Praktikum theoretisch zu reflektieren. Dazu
wird ein kurzer Einblick in die historische Entwicklung der Bewährungshilfe
gegeben, um das Wachstum dieses Tätigkeitsbereiches darzustellen. Da die
Bewährungshilfe innerhalb der verschiedenen Bundesländer unterschiedlich
institutionell eingegliedert ist, wird im Anschluß daran auf die Position der
Bewährungshilfe innerhalb des Justizsystems in Sachsen eingegangen. Damit
die Bewährungshilfe überhaupt tätig werden kann, bedarf es einiger gesetzlicher
Rahmenbedingungen, die im Jugendstrafrecht anders als im
Erwachsenenstrafrecht sind. Aus diesem Grund ist der Punkt 3.3 nochmals in
zwei Abschnitte unterteilt. Aus den gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen
sich die Aufgaben und Pflichten der Bewährungshilfe ableiten. Daraus geht das
sogenannte doppelte Mandat hervor, denn die Aufgaben beinhalten einerseits
Hilfe und Betreuung und andererseits Kontrolle und Überwachung.
Im nächstgrößeren Teil der Arbeit wird ein Themenbereich aufgegriffen, der
durch eine kritische Reflexion des Praktikums sichtbar wurde. Die weitere
Vorgehensweise ergibt sich daher aus den konkreten Fragestellungen, die unter
Punkt 4 formuliert wurde und im folgenden beantwortet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Die Bewährungshilfe
3.1 Die historische Entwicklung der Bewährungshilfe
3.2 Die Position der Bewährungshilfe innerhalb des Justizsystems am Beispiel Sachsen
3.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Bewährungshilfe
3.3.1 Im JGG
3.3.2 Im StGB
3.4 Die Aufgaben und Pflichten der Bewährungshilfe
3.4.1 Hilfe und Betreuung
3.4.2 Die Bewährungshilfe als Kontroll- und Überwachungsmechanismus
3.4.3 Weitere Aufgaben der Sozialen Dienste der Justiz: Führungsaufsicht und Gerichtshilfe
4. Kritische Reflexion des Praktikums
4.1 Qualitätssicherung im non – profit – Bereich
4.2 Begriffsbestimmungen
4.3 Normen und Standards
4.3.1 Was ist ISO?
4.3.2 ISO – Standards im non – profit – Bereich
4.4 Diskussion pro und contra Qualitätssicherung
4.5 Qualitätssicherung durch Neustrukturierung der Sozialen Dienste der Justiz
5. Schlußwort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Reflexion eines absolvierten Praktikums im Sozialen Dienst der Justiz sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Qualitätssicherung in diesem spezifischen Berufsfeld. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob und wie Qualitätssicherung bei sozialen Dienstleistungen, insbesondere in der Straffälligenhilfe, implementiert werden kann und welche Herausforderungen dabei bestehen.
- Historische Entwicklung und rechtliche Grundlagen der Bewährungshilfe
- Strukturen und Arbeitsweisen innerhalb der Sozialen Dienste der Justiz
- Das "doppelte Mandat" zwischen Hilfe und Kontrolle
- Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Qualitätssicherung im Non-Profit-Bereich
- Bedeutung von Organisationsstrukturen und Kooperation für die fachliche Qualität
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Hilfe und Betreuung
In den Anfangsjahren der Bewährungshilfe stand der Hilfeaspekt im Hintergrund der Arbeit. Damals wurde der Bewährungshelfer eher als Gehilfe des Richters angesehen. Dabei standen Kontrolle und Überwachung der Probanden im Vordergrund. Heute hat sich die Situation verändert. Mit der Annahme, daß in jeder Gesellschaft soziale Probleme existieren, die nicht immer vom Betroffenen selbst gelöst werden können und somit deviantes Verhalten hervorrufen können, hat sich der Gesetzgeber dafür entschieden gleichzeitig Hilfe und Betreuung anzubieten. Straffälliges Verhalten ist ein Phänomen, daß in allen Gesellschaftsgruppen auftritt. Es muß daher immer im Zusammenhang mit individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen betrachtet werden. Delinquentes Verhalten tritt aber vorwiegend in den sozial und wirtschaftlich benachteiligten Gesellschaftsgruppen auf bzw. wird hier eher bekannt durch die verstärkte soziale Kontrolle7. Genau dieser Personenkreis bildet zum größten Teil das Klientel der Bewährungshilfe.
Neben der Aufgabe delinquentes Verhalten zu sanktionieren steht der Bewährungshelfer dem Verurteilten „helfend und betreuend zu Seite“ (Tröndle u.a. 1995, S. 393). „Der gesetzliche Auftrag umfaßt die fürsorgerische Betreuung (zB rechtliche Hilfeleistung, aber keine rechtsgeschäftliche Vertretungsbefugnis), Lebenshilfe (zB bei der sinnvollen Freizeitgestaltung) und Resozialisierung, zB Hilfe, die sozialen Anpassungsschwierigkeiten zu überwinden, die zu neuen Straftaten führen könnten (Familie, Wohnung, Arbeitsplatz)“ (Tröndle u.a. 1995, S. 393). Die sozialen Kompetenzen8 und vor allem die Verbesserung bzw. Stabilisierung der Lebenssituation des Delinquenten sollen gefördert werden. Dazu gehören Hilfestellungen in allen Bereichen des täglichen Lebens, wie z. B. Hilfen zur Sicherung des Lebensunterhalts, zur Suche von Arbeits- und Ausbildungsstellen, zur Wohnungssuche etc..
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel beschreibt die drei Phasen des absolvierten Praktikums: Orientierung, fallbezogenes Lernen und Ablösung.
2. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Aufbau der Arbeit, die theoretische Reflexion des Tätigkeitsfeldes und die Ableitung der Fragestellung zur Qualitätssicherung.
3. Die Bewährungshilfe: Dieses Kapitel behandelt die historischen Ursprünge, die institutionelle Einbindung, die gesetzlichen Grundlagen im JGG und StGB sowie die Aufgaben von Bewährungshelfern.
4. Kritische Reflexion des Praktikums: Es wird die Arbeitsweise der Bewährungshilfe analysiert, die Notwendigkeit von Qualitätsstandards diskutiert und die Debatte um eine Neustrukturierung der Sozialen Dienste beleuchtet.
5. Schlußwort: Das Schlußwort fasst die persönlichen Erfahrungen aus dem Praktikum zusammen und bewertet die zukünftige Bedeutung von Qualitätssicherung für das Berufsfeld.
Schlüsselwörter
Bewährungshilfe, Sozialer Dienst der Justiz, Straffälligenhilfe, Qualitätssicherung, Resozialisierung, Sozialarbeit, Gesetzliche Rahmenbedingungen, Jugendstrafrecht, Strafvollzug, Führungsaufsicht, Gerichtshilfe, Soziale Kontrolle, Klientenbetreuung, Standardisierung, Fachliche Qualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert ein Praktikum im Sozialen Dienst der Justiz und untersucht die theoretischen und praktischen Aspekte der Bewährungshilfe mit einem besonderen Fokus auf Fragen der Qualitätssicherung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Bewährungshilfe, die rechtlichen Grundlagen (JGG/StGB), das "doppelte Mandat" zwischen Hilfe und Kontrolle sowie die Diskussion um Qualitätssicherung in sozialen Dienstleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis praktischer Erfahrungen und einer Literaturanalyse zu klären, ob eine Qualitätssicherung in der Straffälligenhilfe möglich und sinnvoll ist, um die fachliche Arbeit zu professionalisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus der Reflexion eigener Praxiserfahrungen, einer Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie einer Literaturrecherche zu fachwissenschaftlichen Diskursen über Qualitätssicherung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Strukturen und Aufgaben der Bewährungshilfe sowie eine kritische Reflexion des Praktikums, wobei die Themen Qualitätsmanagement, Normen und die Neustrukturierung der Sozialen Dienste im Vordergrund stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bewährungshilfe, Qualitätssicherung, Resozialisierung, Sozialer Dienst der Justiz und professionelles Handeln in der Straffälligenhilfe geprägt.
Warum wird die Bewährungshilfe oft als "Einzelkämpfer"-Beruf beschrieben?
Die Autorin beschreibt dies aufgrund ihrer Erfahrung, dass Bewährungshelfer ihre Tätigkeit weitgehend eigenständig ausüben und kaum formelle Strukturen für fachlichen Austausch oder Teamberatung existieren.
Warum ist die Übertragung von ISO-Normen auf die Soziale Arbeit umstritten?
Es besteht die Sorge, dass wirtschaftliche Effizienzsteigerungen dem spezifischen sozialen Auftrag entgegenstehen könnten, da soziale Arbeit komplexe, individuelle Fähigkeiten erfordert, die sich einer standardisierten Kontrolle entziehen.
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- Corina Lonitz (Author), 2002, Praktikumsbericht im Hauptdiplom - Bewährungshilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21384