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Pacto de borrón - ein Pakt des Schweigens oder des Vergessens?

Betrachtung der spanischen Erinnerungskultur nach 1975 anhand des Romans "Corazón tan blanco" von Javier Marías

Titel: Pacto de borrón - ein Pakt des Schweigens oder des Vergessens?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Albrecht Kober (Autor:in)

Romanistik - Hispanistik
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1. Einleitung

„Ich kenne nichts Schwereres als die Schande.“
Diese Proklamation Luises in Schillers „Kabale und Liebe“ als Zeichen von Ehrenhaftigkeit und Würde verweist auf eine Problematik, welche vom Menschen in seiner Geschichte von jeher gefürchtet und verabscheut wird. Sprichwörter wie „Besser mit Schaden als mit Schande klug werden.“, „Schande hindert Tugend.“, „Nichts können ist keine Schande, aber nichts lernen.“ verweisen auf die hohe Bedeutung von Eigenschaften wie Ehre, Anstand, Authentizität und Ansehen für die menschliche Identität. Wenn man die Geschichte betrachtet wird deutlich, dass neben unterschiedlichen kulturellen Definitionen der Terminologie „Schande“, welche von den jeweiligen gesellschaftlichen Normen, Werten bzw. Anschauungen abhängig sind, auch unterschiedliche Formen des Umgangs hiermit existieren. So wird sich eine Gesellschaft, welche auf eine schuldbeladene Vergangenheit zurückblickt vermutlich zweier unterschiedlicher Strategien der Bewältigung gegenübergestellt sehen. Entweder entscheidet sie sich für eine öffentliche, (selbst)kritische Reflektion der vergangenen Verfehlungen oder für eine kollektive Verdrängung im Sinne eines selbst auferlegten Verstummens bzw. Verbergens. Erstere Möglichkeit setzt ein Bewusstsein und die Übernahme von Verantwortung für die vergangenen Fehltritte voraus, um deren lückenlose Aufarbeitung gewährleisten zu können. Beim Prinzip der Verdrängung hingegen versetzt sich eine Gesellschaft hinsichtlich ihrer vergangenen „Schande“ bewusst in einen Zustand des Erstarrens. Beide Vorgehensweisen verfolgen jedoch trotz des gegensätzlichen Umgangs mit der Vergangenheit eine gemeinsame Intention: Der Wunsch, das Geschehene hinter sich zu lassen, um einer neuen Ausrichtung zu folgen.
Mit dieser Arbeit sollen die Ursachen und Folgen des Verdrängungsprinzips am Beispiel der spanischen transición unter Verwendung des Romans „Corazón tan blanco“ von Javier Marías untersucht werden. Im Zentrum der Betrachtungen wird hierbei der Begriff des „pacto de borrón“, welcher eine kritische spanische Selbsteinschätzung bezüglich des Umgangs mit der Vergangenheit darstellt, stehen. Dabei soll überprüft werden, inwiefern man hinsichtlich der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach 1975 von Generalamnesie oder kollektivem Schweigen der Spanier in Bezug auf Bürgerkrieg und Diktatur sprechen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund des „pacto de borrón“

3. „pacto de silencio“ und „pacto de olvido“

3.1 Verwendung der Begriffe

3.2 Definitionsanalyse des Schweigens und des Vergessens

4. Die Bedeutung des Schweigens, Vergessens und Verdrängens im Roman „Corazón tan blanco“

4.1 Ranz als Analogie zur Franco-Generation

4.2 Juan als Analogie zur Nachfolge-Generation

5. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Ursachen und Konsequenzen kollektiver Verdrängungsmechanismen in der spanischen Geschichte. Basierend auf dem Roman „Corazón tan blanco“ von Javier Marías wird analysiert, wie das Konzept des „pacto de borrón“ als kritische Selbsteinschätzung den Umgang mit der Diktaturvergangenheit nach 1975 prägt.

  • Analyse der Begriffe „pacto de silencio“, „pacto de olvido“ und „pacto de borrón“.
  • Untersuchung des Verdrängungsprinzips im Kontext der spanischen Transición.
  • Literarische Aufarbeitung von Schuld, Wissen und Verantwortung anhand der Romanfiguren.
  • Kontrastierung von Schweigen und Vergessen als bewusste bzw. unbewusste Prozesse.
  • Reflektion über die Kontinuität von Tabuthemen in der spanischen Nachfolge-Generation.

Auszug aus dem Buch

4. Die Bedeutung des Schweigens, Vergessens und Verdrängens im Roman „Corazón tan blanco“

Der Roman „Corazón tan blanco“ erzählt die Geschichte von Juan und seinem Vater Ranz, welche mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. Javier Marías stellt somit zwei Generationen ins Zentrum eines verwobenen Geschehens, in dem sowohl das Schweigen, das Vergessen als auch das Verdrängen thematisiert werden. Obwohl der Autor nicht direkt Bezug auf den pacto de borrón und dessen Kritik am Umgang mit dem Bürgerkrieg und der Francodiktatur nimmt, weisen die zentralen Themen des Romans einen Zusammenhang mit der spanischen transición auf. So können die beschriebenen Aspekte des Umgangs mit Unschuld und Mitschuld, Wissen und Verantwortung als verschlüsselte Hinweise zum Übergang Spaniens von der Diktatur zur Demokratie und zum öffentlichen Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit gedeutet werden.

Hinsichtlich der Frage nach dem Stellenwert des Vergessens, des Schweigens und des Verdrängens innerhalb der Begriffsdefinition des pacto de borrón sollen im Folgenden vor allem das Leben und Schaffen der beiden Figuren Ranz und Juan betrachtet werden, welche als Analogien und somit als Spiegel des Umgangs unterschiedlicher Generationen mit der Vergangenheit während der transición fungieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der gesellschaftlichen Scham und Vergangenheitsbewältigung ein, wobei die Zielsetzung der Arbeit, das Verdrängungsprinzip in der spanischen Transición anhand von Javier Marías' Roman zu untersuchen, definiert wird.

2. Geschichtlicher Hintergrund des „pacto de borrón“: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Rahmen des Regimewechsels in Spanien ab 1975 und definiert den „Pakt des Schweigens“ als paktierte Reform zwischen alten Eliten und Opposition.

3. „pacto de silencio“ und „pacto de olvido“: Der Abschnitt analysiert die unterschiedlichen Begriffsverwendungen und grenzt die psychologischen Definitionen von Schweigen (vorsätzlich) und Vergessen (unbewusst) theoretisch voneinander ab.

4. Die Bedeutung des Schweigens, Vergessens und Verdrängens im Roman „Corazón tan blanco“: Im Hauptteil werden die Figuren Ranz und Juan als Analogien für die Franco-Generation bzw. die Nachfolge-Generation analysiert, um die Auswirkungen von verdrängten Familiengeheimnissen aufzuzeigen.

5. Resümee: Das Resümee führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Literatur und Realität in Marías’ Werk eng verknüpft sind, wobei der „Pakt der Schande“ als wesentlicher, wenn auch problematischer Bestandteil des friedlichen Übergangs zur Demokratie erscheint.

Schlüsselwörter

pacto de borrón, spanische Transición, Verdrängung, Schweigen, Vergessen, Javier Marías, Corazón tan blanco, Franco-Diktatur, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Identität, Schuld, kollektives Gedächtnis, Demokratie, Familiengeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der spanischen Gesellschaft mit ihrer diktatorischen Vergangenheit und untersucht, wie dieses gesellschaftliche Schweigen in der Literatur, insbesondere bei Javier Marías, reflektiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das kollektive Gedächtnis, die Begriffe Schweigen und Vergessen sowie die politische und moralische Aufarbeitung des Erbes der Franco-Diktatur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu erörtern, ob die politische Entwicklung Spaniens nach 1975 als Ausdruck einer Generalamnesie oder eines kollektiven Schweigens betrachtet werden kann und wie dies im Roman „Corazón tan blanco“ literarisch dargestellt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Definitionsanalyse der Begriffe sowie eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Romanfiguren als Analogien für gesellschaftliche Generationen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Genese des „pacto de borrón“, definiert die Termini Schweigen und Vergessen und widmet sich der detaillierten Interpretation der Figuren Ranz und Juan im Hinblick auf deren Umgang mit der Vergangenheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere der „pacto de borrón“, die spanische Transición, Verdrängung sowie die Begriffe des kollektiven Vergessens und des Schweigens.

Warum wird im Roman zwischen den Generationen von Ranz und Juan unterschieden?

Die Unterscheidung dient dazu, zwei unterschiedliche Umgangsweisen mit der Vergangenheit darzustellen: Während Ranz die aktive Verdrängung und das Aufrechterhalten von Lügen verkörpert, repräsentiert Juan die Nachfolgegeneration, die zwar unbewusst mit dem Schweigen aufwächst, jedoch zunehmend mit der Wahrheit konfrontiert wird.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf den „Pakt der Schande“?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der weitgehend friedliche Übergang zur Demokratie in Spanien ohne dieses kollektive Schweigen vermutlich nicht möglich gewesen wäre, auch wenn dies einen hohen Preis in Form des Verlusts der historischen Erinnerung forderte.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Pacto de borrón - ein Pakt des Schweigens oder des Vergessens?
Untertitel
Betrachtung der spanischen Erinnerungskultur nach 1975 anhand des Romans "Corazón tan blanco" von Javier Marías
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Romanistik)
Veranstaltung
Spanischer Roman der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Note
1,7
Autor
Albrecht Kober (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V213866
ISBN (eBook)
9783656422969
ISBN (Buch)
9783656423607
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pacto de borrón javier marías spanischer roman spanische Literatur transición spanische Literaturwissenschaft spanische Erinnerungskultur Albrecht Kober Romanistik Corazón tan blanco spanisch Spanien Mein Herz so weiß spanische Schriftsteller Franco Regime Roman pacto de olvido pacto de silencio Pakt des Schweigens
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Arbeit zitieren
Albrecht Kober (Autor:in), 2010, Pacto de borrón - ein Pakt des Schweigens oder des Vergessens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213866
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Leseprobe aus  18  Seiten
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