Gesundheit und Soziale Arbeit


Seminararbeit, 2012

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Einleitung

Das Thema Gesundheit ist ein wichtiges Thema. Es ist ein wichtiges und persönliches Thema und auch eins, zu dem jeder eine Meinung hat. Ich habe mich mit diesem Thema persönlich bisher weniger auseinander gesetzt. Es hat auch in meinem Studium noch keine wichtige Rolle gespielt. Es war nur in der Folge und an der Peripherie anderer Themen bedeutend. In der konkreten Praxis gab es schon vereinzelt Berührungspunkte, allerdings ohne einen direkten wirklichen Bezug. In meiner einjährigen Arbeit in einem Altenheim erlebte ich den Umgang mit vielfältigen Gesundheitsproblemen zwar mit, bedingt durch das Grundthema der Einrichtung und die Pflegekräften. Allerdings betraf das mich im Sozialen Dienst eher weniger. Zwar gehörte die Begleitung beim Arztbesuch auch mit zu meinen Aufgaben, aber ich erlebte die Soziale Arbeit hier nicht zwingend verbunden mit einem physischen Heilungsauftrag. Das war einer der Gründe, warum ich mich dazu entschieden habe, dieses Seminar zu belegen. In diesem Portfolio widme ich mich allerdings eher strukturellen Themen, wie dem Aufbau des Gesundheitssystems in mehreren Ländern und die Auswirkung der sozialen Schicht und des Milieus auf die individuelle Gesundheit. Dies ist meiner persönlichen Interesse an den Einfluss von Systemen und Milieus auf das Individuum geschuldet. Aufgrund einer besseren Lesbarkeit habe ich mich für das generische Maskulinum entschieden, wobei die weibliche Form immer mit eingeschlossen ist, außer es wird explizit auf ein bestimmtes Geschlecht verwiesen.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Ausblick auf meine Gliederung geben. Das Portfolio fange ich mit einer persönlichen Definition des Begriffes Gesundheit an und werde daraufhin feststellen, welchen Bezug es zwischen Gesundheit und Sozialer Arbeit gibt. An dieser Stelle möchte ich auch darüber reflektieren, wie ich in meinen Praktika damit gearbeitet habe. Dann fange ich mit dem Hauptthema meines Portfolios an, der Erläuterung des deutschen, dänischen und amerikanischen Gesundheitssystens. Ich möchte einen Vergleich dieser ungleichen Systeme wagen. Der Schwerpunkt hier wird deutlich auf Deutschland und den USA liegen. Mein nächstes Thema wird die Gesundheit im Bezug auf soziale Ungleichheit bzw. Verschiedenheit sein. Dieses Thema ist zweigeteilt. Es geht auf die Rolle von Gesundheit und der sozialen Schicht und versucht auch die Rolle von Geschlecht in diesem Kontext zu erörtern. Das Portfolio werde ich mit einem Ausblick auf das Seminar sowie mit meinem persönlichen Fazit schließen.

2. Gesundheit u. Soziale Arbeit

2.1. Wie definiere ich Gesundheit und wie gestalte ich meine eigene

Gesundheit ist ein schwer zu definierender Begriff. Ich werde ihn hier mit Hilfe von drei verschiedenen Möglichkeiten versuchen zu definieren: meiner eigenen Definition, der der World Health Organization (WHO) und zweier fachlicher Gesundheitsmodelle. Die WHO definiert Gesundheit als „den Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur dem Freisein von Krankheit und Gebrechen“(vgl. Weltgesundheitsbehörde o.J.). Homfeldt und Sting führen an, dass diese Formulierung häufig kritisiert würde, da sie einen Zustand beschreibt, welcher de facto nicht erreichbar sei.(vgl. Homfeld/Sting 2006: ff) Diesem Punkt stimme ich zu. Meine Definition des Begriffes ist ein bisschen anders. Ich definiere Gesundheit auf zwei Arten. Die eine ist relativ elementar und unterscheidet sich stark von den anderen hier vorgestellten als eine Art inneres körperliches Wohlgefühl. Damit meine ich, dass man sich mit sich selbst und in seinem Körper wohlfühlt - auch, wenn man gerade verschiedene Krankheiten oder Behinderungen hat. So kann ich mich trotz meiner Sehbehinderung gesund fühlen, obwohl ich niemals zu 100% gesund sein werde. Damit komme ich für mich zu demselben Schluss wie die WHO, allerdings ohne den Nebensatz, welcher die Gesundheit absolut setzt. Auch ermöglicht mir diese Definition, mein ungesundes Leben weiter zu führen, das geprägt ist durch zu viel Essen und zu wenig Sport.

Meine zweite Definition ist wesentlich technischer und meint die Abwesenheit von Krankheiten und Einschränkungen, wie körperlichen und geistigen Behinderungen. Hier schließt sich dann die Frage an: Was ist Krankheit? Krankheit definiere ich als Behinderung oder Einschränkung der eigenen Möglichkeiten. Diese können, meinem Empfinden nach, auch rein subjektiv sein, wie einfache Kopfschmerzen oder dem Gefühl des Nicht-Wollens. Da mir allerdings die Definition von Gesundheit schwer gefallen ist, möchte hier noch auf zwei Modelle eingehen, welche vorschlagen, wie sich Gesundheit im Individuum entwickelt. Das Lebensweisen-Modell sieht die Gesundheit als einen Zustand, der stark geprägt wird durch das Umfeld des Menschen. Dieses Umfeld ist nicht vollständig selbstständig definiert, sondern wird durch die gesellschaftlich geprägten Strukturen entwickelt. Nach diesem Modell muss für die Verbesserung/ Veränderung der eigenen Haltung zur Gesundheit die gesamte umgebene Struktur verändert werden. Homfeld und Sting geben hier als passendes Beispiel den Fabrikarbeiter an. Dieser wird beruflich geprägt durch eine Arbeit, die wenig Eigeninitiative verlangt. Diese Eigenschaft übernimmt er auch in seinem Privatleben und nutzt daher wenig die medizinischen Einrichtungen, da diese häufig eine Komm-Struktur aufweisen. (vgl. Homfeld/Sting 2006: 74ff) Das biografische Modell sieht den Menschen stark geprägt durch seine persönlichen Interessen und Vorlieben, wie den Essensvorlieben oder dem Tagesrhythmus. Dieser Ansatz ermöglicht es auch, laut Homfeldt und Sting, die eigene Gesundheit und den eigenen Körper zu verstehen.(vgl. ebd.: 80ff) Wenn man das so betrachtet, kann man zwei verschiedene Gesundheitsdefinitionen aufstellen: Gesundheit als individueller, erstrebenswerter Wert, vertreten durch die Definition der WHO und mir, und Gesundheit als Ergebnis der strukturellen Lagen und des eigenen Umgangs mit dem Körper. Hier würde ich beiden zustimmen, die erste Definition als das subjektive, persönliche Erleben und die zweite Definition als objektiven Ansatz und theoretische Grundlage.

2.2. Wo sehe ich die Soziale Arbeit im Gesundheitssystem

Womit ich anfangs Probleme hatte, war die Rolle zu finden, die der Sozialen Arbeit hier zukommt. Erste Klarheit erhielt ich beim Sichten der Quellen, bei denen die Aufgabe der Sozialen Arbeit im Gesundheitswesen näher beschrieben wurden. Hier wurden drei Funktionen vorgestellt, die die Soziale Arbeit einnehmen kann. Die erste Funktion liegt in der normalen Arbeit, den Klienten dazu zu befähigen, zum Arzt zu gehen und eigene Gesundheitskompetenzen zu entwickeln. Der zweite Ansatz liegt in der konkreten Präventionsarbeit. Das kommt speziell in der Arbeit in der Aids- bzw. Drogenprävention zum Tragen. Die dritte Arbeitsmöglichkeiten bilden Einrichtungen für Erkrankte und Menschen mit Behinderungen.(vgl. ebd.: 157ff) Nachdem ich mich mit diesen Definitionen auseinandergesetzt habe, habe ich mir überlegt, welche Einrichtungen im lokalen Raum, in den Kreisen Holzminden und Höxter diese Aufgabe übernehmen. Auf der direkten Ebene der Bekräftigung der Klienten existiert hier die Familienhilfe in Höxter und die Einrichtungen der AWO in Holzminden. Auch das Jugendamt und die Bewährungshilfe sind in ihrer Beratungsaufgabe wichtig. Auf der Präventionsebene gibt es hier die STEP, die Alkoholprävention durchführt und Pro Familia, die Aidsprävention und Verhütungsberatungen anbietet. Auf der dritten Ebene existieren hier Wohnstätten und Einrichtungen für Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen unter der Trägerschaft der Harz-Weser-Werkstätten. Die Definitionen haben mir persönlich geholfen, mich selber in dieser Arbeit wiederzufinden, da ich bisher nicht der Meinung war, dass meine Arbeit auch der physischen Gesundheit dienlich ist, bzw. ich noch keinen wirklichen Bezug zu dieser Thematik gefunden hatte. In der Reflexion verändert sich allerdings diese Betrachtungsweise. Bisher habe ich, als Praktikant, in mehreren Altenheimen, einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen, einer Jugendarrestanstalt und einer Schule gearbeitet. Daneben habe ich zwei junge Männer ehrenamtlich betreut. In den Altenheimen habe ich hauptsächlich beraten und begleitet. In der Wohneinrichtung habe ich auch bei der Pflege mitgeholfen. So war ich in allen drei Bereichen tätig. Im Ehrenamt und im Altenheim habe ich meine Klienten dazu befähigt, ihre Wünsche zu äußern. In der Wohneinrichtung habe ich direkt in der Pflege an der Gesundheit meiner Klienten gearbeitet und in der Jugendarrestanstalt habe ich Prävention geleistet durch eine Unterrichtsreihe zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“, die ich durchgeführt habe.

2.3. Zwischenfazit

Gesundheit hat eine deutliche metaphysische und indirekte Bedeutung. Das ist mir im Rahmen dieses Portfolios und des Seminars bewusst geworden. Gesundheit erstreckt sich von direkten Behinderungen bis zu einem einfachen Unwohlsein. Gesundheit hat viele Faktoren, und viele davon sind das Ergebnis der individuellen Lebensführung. Das wird für mich besonders darin deutlich, dass in den Quellen mehr von Risikofaktoren gesprochen wurde als das wirkliche Krankheiten genannt wurden. Die Soziale Arbeit hat hier deutlich ihre Aufgabe, da sie in der Lage ist, anderen indirekt oder direkt bei der Vermeidung von Gesundheitsrisiken zu helfen. Vieles ist auch hier indirekt miteinander verbunden. Das Lebensweisen-Modell sieht vor, dass die eigene Haltung durch die Stellung geprägt wird, die man der Gesellschaft einnimmt. Die Soziale Arbeit hat hier an dieser Stelle, falls erwünscht, die Aufgabe der Hilfestellung und Beratung.

3. Die Gesundheitssysteme Deutschlands, der USA und Dänemarks

3.1. Arten von Gesundheitssystemen

Es existieren drei verschiedene Arten von Gesundheitssystemen. Das Bismarck-System wurde in Deutschland ab 1883 eingeführt. In Österreich existiert seit 1888 ein ähnliches Modell, das sich direkt an das Bismarcksche anlehnt. Dieses System basiert auf Krankenkassen, in die verpflichtend eingezahlt werden muss. Der Beitragssatz ist abhängig vom gezahlten Lohn und wird vom Arbeitnehmer wie auch vom Arbeitgeber anteilig entrichtet. Das Beveridge-System entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg in Großbritannien und basiert auf einem Sozialreport des Ökonomen William Beveridge aus dem Jahr 1942. In dem System ist die gesamte Bevölkerung direkt durch den Staat versichert. Es existieren keine Krankenkassen und die Versicherung wird durch Steuern finanziert. Dieses System ist, neben Großbritannien, in den skandinavischen Ländern verbreitet. Mit dem dritten System ist ein System gemeint, welches keine Versicherungspflicht oder staatliche Versicherung vorsieht. Sein prominentester Vertreter sind die USA, auch wenn dies nicht für alle Staaten der USA zutrifft und sich, durch die aktuellen Reformen, dem Bismarckschen in Teilen annähert.(vgl. Wendt 2003 :97f)

3.2. Das deutsche Gesundheitssystem

3.2.1. Gesetzliche Krankenversicherungen

Deutschland hat eine Soziale Marktwirtschaft. Diesem aus der Gründungszeit der Bundesrepublik stammenden Anspruch versucht es, durch diverse staatliche Einrichtungen und Gesetze zu erfüllen. Die staatliche Wohlfahrt beinhaltet die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosigkeit-, Renten- und Unfallversicherungen, aber ich möchte mich an dieser Stelle nur mit der Krankenversicherung auseinandersetzen. Die Grundlagen hierfür stammen aus dem Kaiserreich und entwickelten sich aus den frühen Hilfskassen der Arbeiter. Seit 1883 existiert eine erste Pflichtversicherung, zuerst nur für Arbeiter, später auch für Angestellte.(vgl. ebd.: 97ff) Aktuell gilt eine Versicherungspflicht mit den geltenden Ausnahmen für Selbstständige, Beamte und Arbeitnehmer ab einem gewissen Einkommen. Dieses liegt aktuell bei 4.237,50 € brutto. Beamte erhalten eine staatliche Zuzahlung für ihre Krankenkasse von 70%. Finanziert werden die Krankenkassen durch einen Pflichtanteil von 15,5%, der anteilig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt wird. Ab der Beitragsbemessungsgrenze steigt der Satz nicht weiter, sondern bleibt stehen. Aktuell liegt diese Grenze bei 3.8250 € brutto monatlich. Arbeitslose werden durch den Staat versichert und nicht erwerbstätige Familienangehörige haben die Möglichkeit, sich über ein erwerbstätiges Familienmitglied kostenlos mitzuversichern.(vgl. Bäcker 2010: 146f)

Es existieren verschiedene Arten von Krankenkassen. Meistens unterscheidet man zwischen betrieblichen, regionalen, Knappschaften und Ersatzkrankenkassen. Der Unterschied liegt darin, dass nicht alle Krankenkassen für alle Berufsgruppen geöffnet sind. Das System der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) überstand alle Regimewechsel und war während des Kaiserreich, der Weimarer Republik, des NS-Staates sowie der Bundesrepublik aktiv. In der Nachkriegszeit gab es Überlegungen, eine Einheitskrankenkasse – ähnlich dem Beveridge-Modell – einzuführen. Allerdings entschied man sich, aufgrund der Erfahrung während der Ära des Nationalsozialismus, dagegen, da man eine übermäßige Zentralisierung vermeiden wollte. Seit 1993 gibt es Entwicklungen, die Kosten des Gesundheitssystems zu senken mit der Zielsetzung, dass die Ausgaben nicht schneller steigen sollten als die Einnahmen. Eine weitere Entwicklung seit 1997 ist auch die Möglichkeit der freien Krankenkassenwahl. Dies soll das Gesundheitssystem wirtschaftlicher machen, verbunden mit allgemeinen Leistungskürzungen. Durch diese gesetzlichen Veränderungen haben die Krankenkassen nun auch die Möglichkeit, sich zusammen zuschließen. Aktuell existieren 144 verschiedene gesetzliche Krankenversicherungen mit insgesamt über 70 Millionen Vollversicherten.(vgl. Bäcker 2010: 125ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Gesundheit und Soziale Arbeit
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Veranstaltung
Gesundheitsbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V213879
ISBN (eBook)
9783656425342
ISBN (Buch)
9783656435402
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozent: Angenehme u. ausdrucksstarke Sprache, deferenzierte u. subjektive Betrachtung sowie leichte Fehler in der Quellenführung (d.h. inkorrekte Angabe der Internetquellen)
Schlagworte
gesundheit, soziale, arbeit
Arbeit zitieren
Jan-Nicolas Braun (Autor), 2012, Gesundheit und Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213879

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