Bewerten mündlicher Leistungen im modernen Fremdsprachenunterricht


Essay, 2013

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

I. Theoretischer Teil

Die Kommunikative Sprachkompetenz gilt seit der „kommunikativen Wende“ Mitte der 70er Jahre als Schlüsselqualifikation des modernen Fremdsprachenunterrichtes. Fremdsprachen sollen, etwas spitz formuliert, nicht gelernt sondern gesprochen werden. Die Beherrschung der Grammatik und möglichst vieler Vokabeln ist nicht mehr Ziel, sondern Grundlage eines auf kommunikativer Kompetenz hin ausgerichteten Unterrichtes. Man könnte es noch polemischer ausdrücken, dass, wenn ein Schüler alle in deutschen Fließgewässern vorkommenden Fischarten mit italienischen Namen benennen kann, der Fremdsprachenunterricht seine eigentliche Aufgabe verfehlt hat. Vielmehr soll er dazu befähigt sein, sich in Alltagskontexten sach- und situationsbezogen ausdrücken zu können.

Das Wort „Sprache“ kommt von „sprechen“ und weist daher schon auf seine überwiegende Anwendung in der mündlicher Reproduktion hin[1]. Im Zuge zunehmender Globalisierungstendenzen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bedarf es einer gesteigerten Fähigkeit des sprachlichen Austausches in über Ländergrenzen hinweg. Eine Entwicklung die für Deutschland als Mitglied der Europäischen Union nicht unwesentlich ist und die ihren Niederschlag auch im sächsischen Lehrplan für das Fach Italienisch findet. Unter dem Schlagwort des „mehrsprachigen Weltbürgers“ weist das Kultusministerium der Sprache und sprachlichen Aktivitäten eine Orientierungsfunktion zu, die als notwendig erachtet werden, um [inter]kulturelle Handlungsfähigkeit zu erlernen (vgl. LP: 2). Die anwendungsbezogene Auseinandersetzung mit italienischen Sprache eröffnet im schulischen Kontext Einblick für Gesellschaft und Kultur und fördere damit ein vorurteilsfreies Verständnis von Mentalitäten (vgl. ebd. 2). Als Wirtschafts- und Verkehrssprache biete das Italienische auch interessante Aussichten für bestimmte berufliche Orientierungen (vgl. ebd.). Die Fokussierung auf eine kommunikativen Sprachkompetenz zeigt sich im sächsischen Lehrplan daran, dass mündliche Aspekte von der Unterstufe („allgemeine Kommunikationsfähigkeit“) bis zum (Leistungs-)Kursniveau der Oberstufe (Betonung der mündlich-produktiven Fähigkeiten mit/ohne Fixierung auf Sprachstil und -ästhetik) besonders akzentuiert werden (vgl. ebd. 4).

Es ist selbstverständlich, dass der Nachweis von praktischen Sprachkompetenzen auch und besonders in Form mündlicher Bewertungen erfolgen sollte. Idealerweise einsetzbar zwischen Übergängen in höhere Anforderungsniveaus (Unterstufe --> Oberstufe) oder als Abschluss einer behandelten Unterrichtseinheit[2]. Von Seiten des Kultus ist dafür ausreichend pädagogischer Freiraum der Lehrperson überlassen. Zwar heißt es in der Schulordnung für die sächsischen Gymnasien, dass schriftliche Leistungen in Form von Klassenarbeiten bzw. Klausuren erbracht werden, jedoch eine Bewertung mündlicher und praktischer Leistungen in geregelten Zeitabständen zu erfolgen habe (vgl. SOGY 2010: §19 Abs. 3). Dies schließt gleichsam nicht aus, dass auch Klassenarbeiten in mündlicher Form, wie sie sich besonders für den Fremdsprachenunterricht anbieten, durchgeführt werden können. Etwas genauer führt hierzu die Verwaltungsvorschrift zu Klassenarbeiten und komplexen Leistungen an Gymnasien aus:

„Neben tradierten Formen der Klassenarbeiten können von den Schüler auch andere komplexe Leistungen (schriftliche, mündliche oder praktische) gefordert und diese vom Lehrer wie Klassenarbeiten bei der Notenbildung berücksichtigt und auf die vorgegebene Anzahl der Klassenarbeiten angerechnet werden.“(VwV 2005: 2. ).

Eine Vernachlässigung von Sprachkompetenz ist schon daher problematisch, weil die individuellen Bemühungen des Schülers ihn innerhalb der Institution des Gymnasiums zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife führen sollen. Wählt er als Leistungskursfach eine moderne Fremdsprache, so hat er laut rechtlichen Bestimmungen hierfür einen so genannten praktischen (mündlichen) Prüfungsteil zu absolvieren, der, als Gruppenprüfung angelegt, 20 bis 25 Minuten dauern kann und zu dessen erfolgreichem Bestehen ein hoher Ausprägungsgrad an kommunikativer Kompetenz nicht unwesentlich ist (vgl. OAVO 2007: §33 Abs. 3 ).

Als unterrichtspraktische Prämisse aus der kurzen rechtlichen Erläuterung ergibt sich, dass die Schüler sich möglichst früh an die Form der mündlichen Leistungsbewertung gewöhnen bzw. mündliche Handlungsformen als selbstverständlich ansehen. Die Examination mündlicher Leistungen und ihre auf dem Fuße folgende Bewertung dürfen dabei nur im Zuge ihrer vorherigen Simulation im Unterricht erfolgen. Mündliche Prüfungen (als einfache Bewertung oder Komplexe Leistungen, s.o.) sind jedoch keinesfalls mit den mündlichen Prüfungen des Abiturs zu vergleichen. Sie sind mehrteilig, im Idealfall aus zwei Teilen bestehend: dem (a) Dialogischen Sprechen innerhalb eines zumeist interaktiven Handlungskontextes von zwei bis drei Prüflingen und (b) dem Monologischen Sprechen in Form einer zusammenhängenden, möglichst frei vorgetragenen Bezugnahme auf einen bestimmte Themenabschnitt (vgl Voss 2012: 4). Das heißt, dass sie besonders im Anfangsunterricht einen Bezug zur Lebenswirklichkeit durch authentische Handlungssituationen herstellen. So bietet sich beispielsweise für (a) an, dass Schüler ein Treffen unter Freunden in einer (italienischen) Bar simulieren und hierbei neben den typischen alltagssprachlichen Austauschformen formalsprachlich eine Bestellung ihrer Getränke aufgeben. Da sich immer eine kognitiv-thematische Verknüpfung beider Prüfungsteile ergeben sollte (vgl. ebd.) könnte man im zweiten Teil (b) nach wesentlichen Bestandteilen einer italienischen Bar fragen.

[...]


[1] „Sprache wird im privaten und im beruflichen Bereich zu 95 Prozent mündlich und nur zu 5 Prozent schriftlich gebraucht.“ (Taubenböck 2005: 7).

[2] Denn „Sprachproduktion ist nicht relevant für die Aufnahme neuen sprachlichen Wissens.“ (vgl. Edmondson 2003: 210).

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Bewerten mündlicher Leistungen im modernen Fremdsprachenunterricht
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Unterrichtsdidaktik
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V213910
ISBN (eBook)
9783656421566
ISBN (Buch)
9783656422273
Dateigröße
1995 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewerten, leistungen, fremdsprachenunterricht
Arbeit zitieren
Christian Knape (Autor), 2013, Bewerten mündlicher Leistungen im modernen Fremdsprachenunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213910

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