Das Judentum zur Zeit Karls des Großen


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Die Ausgangssituation
2.2 Die wirtschaftliche Rolle der Juden
2.2.1 Juden als Handwerker
2.2.2 Juden als Geldverleiher
2.2.3 Juden als Fernhändler
2.3 Anfeindungen gegenüber Juden
2.4 Folgen der Spezialisierung und Privilegierung
2.4.1 Folgen für das jüdische Handwerk
2.4.2 Folgen für den jüdischen Geldverleih
2.4.3 Folgen für den jüdischen Fernhandel

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

1 Einleitung

Um sich mit der jüdischen Vergangenheit gewissenhaft auseinander zu setzen, bedarf es zuerst der Erkenntnis, dass es keine einheitliche Geschichte der Juden gibt. Vielmehr setzt sich dieses Themengebiet aus vielen unterschiedlichen Teilwahrheiten zusammen, welche alle nicht den Anspruch erheben können, Allgemeingültigkeit zu besitzen.

Im Zeitfenster zwischen den Jahren 768 und 814, also zur Regierungszeit Karls des Großen als fränkischer König und später Kaiser, gab es aufgrund der Diaspora, der Zerstreuung des jüdischen Volkes über fast die gesamte damals gekannte Welt, keinen einheitlichen jüdischen Staat. Daher ist jeder Versuch, die Geschichte des Judentums dieser Zeit allgemeingültig zu formulieren hinfällig.

So lebten „seit dem 8. Jh. [...] etwa 90% der Menschen jüdischer Identität unter islamischer Herrschaft“1 und somit nicht im christlich geprägten Europa. Was sie jedoch alle gemeinsam haben, ist der Umstand, unter andersgläubiger und -denkender Vorherrschaft zu stehen und damit auf die Gunst und den Schutz des jeweiligen regionalen Souveräns angewiesen zu sein. Doch wie sah sie Lebenswirklichkeit der Juden im christlichen Frankenreich aus? Welcher Umstand machte die Immigration nach West- und Mitteleuropa für sie interessant? Und welche Rolle spielte Karl der Große dabei?

Im Zuge dieser Arbeit werde ich die Juden als treibende Wirtschaftskraft im Reich der Karolinger untersuchen und Betrachtungen anstellen, welche das Spannungsfeld von jüdischer Immigration, kirchlichen Vorstellungen und weltlicher Machtausübung umfassen werden.

Besonderes Augenmerk werde ich hierbei auf die Berufszweige des Fernhandels und des Geldverleihs legen, da diese in hohem Maße mit den christlichen Werten und Normen dieser Zeit im Zwiespalt stehen und daher die Möglichkeit bieten, die kulturelle Kluft zwischen Juden und Christen aufzuzeigen. Auch die handwerkliche Entwicklung der Juden wird hier kurz analysiert werden.

Des Weiteren soll diese Betrachtung die Verwicklung des Königs und Kaisers in wirtschaftliche Belange aufzeigen und schließlich den Grundstock für die Frage legen, inwiefern die Spezialisierung der Juden und ihre Privilegierung durch weltliche Gewalt dem Niedergang des Judentums im Hoch- und Spätmittelalter, sowie dem aufkeimenden Judenhass der christlichen Bevölkerung zuträglich waren.

2 Hautptteil

2.1 Die Ausgangssituation

Zur Zeit Karls des Großen war das Frankenreich alles andere als ein wohlgeordnetes und wirtschaftlich starkes Reich. Vielmehr blieb es hinter vielen Herrschaftsgebieten seiner Zeit zurück. Was das Land brauchte, waren „Entwicklungshelfer“2, welche sowohl durch ihre Bildung, als auch durch ihre Finanzkraft dem Frankenreich Auftrieb geben konnten. Da die Juden damals „das einzige verstreut lebende, kultivierte Volk“3 darstellten, waren sie für diese Rolle geradezu prädestiniert.

Zwar gab es in manchen fränkischen Städten dieser Zeit durchaus jüdische Gemeinden, jedoch ging das größere finanzielle Potenzial von den ausländischen jüdischen Kaufleuten aus, welche besonders die Fürstenhöfe als Absatzmarkt aufsuchten.

„Als die Karolinger des 8. und 9. Jahrhunderts dazu übergingen, für geleistete Dienste Land zu ‚leihen‘ (als Lehen zu übertragen), war dies zunächst ein wirtschaftlich wirkungsvolles Mittel“4. Allerdings war diese Art der Kostenabgleichung aus mehreren Gründen für die jüdischen Kaufleute ungeeignet.

Zum Ersten waren diese Händler schlichtweg Reisende und konnten mit einem Lehen nichts anfangen. Und da zum Zweiten die Belehnung einen Treueeid in „Form eines christlichen Schwurs“5 verlangte, war „in der feudalen Gesellschaft [...] für die Juden kein Platz vorgesehen“6.

Der karolingische König und seine Fürsten brauchten folglich gemünztes Geld. Doch war dies im fränkischen Reich Mangelware. Über Bargeld verfügten vor allem die Händler, mit denen sie Geschäfte machten. Daher musste Karl dem Großen daran gelegen sein, jüdische Händler, Gelehrte und Handwerker in seinem Reich anzusiedeln.

Doch wie sollte man einer heidnischen Gruppe das Leben in einem christlich orientierten Land schmackhaft machen? Um dieses Problem zu lösen, stattete Karl der Große Juden, die gewillt waren, in seinem Reich sesshaft zu werden mit weitreichenden Privilegien aus. So nahm er sie beispielsweise unter seinen persönlichen Schutz, befreite sie von bestimmten Steuern und Zöllen und regelte ihre rechtliche Position innerhalb des nur für Christen vorgesehenen Rechtssystems7, indem er ihnen spezielle Schutzbriefe ausstellte.

2.2 Die wirtschaftliche Rolle der Juden Welcher Beschäftigung gingen nun die Juden im Herrschaftsgebiet des ihnen so geneigten Karls des Großen nach? Welche Umstände waren hierfür ausschlaggebend? Betrachten wir uns nun im Folgenden das generelle Handwerk, den Fernhandel und den Geldverleih, um einen Eindruck von der wirtschaftlichen Rolle der jüdischen Kolonisten zu erhalten.

2.2.1 Juden als Handwerker

„In einer Diaspora von kleinen und weitverstreuten Gemeinden herrschten von vornherein andere Bedingungen als in Ballungsgebieten. Während in diesen bei den Juden alle Berufszweige vertreten sein [mussten], weil das Gemeinwesen es normalerweise so erforderte, übten die Juden in der extremen Diasporasituation meist bestimmte Spezialfunktionen aus und folgten damit einer Nachfrage ihrer Umwelt“8. Zunächst mussten die üblichen Berufe innerhalb einer Gemeinde besetzt werden, der „des Richters [...], des Kantors, des Kinderlehrers, des Schreibers, des Synagogendieners“9. Diese hatten zwar keinen direkten Einfluss auf ihre christlichen Nachbarn, brachte ihnen allerdings innerhalb ihrer Gemeinde Ansehen und Geld ein, welches vom König besteuert werden konnte.

Eine weitere unumgängliche Person war die „de[s] rituelle[n] Schlachter[s]“10, da gläubige Juden nur koscheres Fleisch verzehren durften. Daher war ein Schlachter, der nach den jüdischen Speisegesetzen arbeitete unverzichtbar. Dies hätte die nichtjüdische Konkurrenz nicht weiter stören müssen, wären manche jüdische Schlachter nicht dazu übergegangen „‚unreine‘ Ware da und dort zu günstigen Bedingungen an Nichtjuden“11 zu verkaufen und damit die regulären Preise zu drücken. Bereits hier zeigen sich erste Spannungen zwischen der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Einkommens und der christlichen Akzeptanz.

„Das biblische Verbot, Wolle und Flachs zu vermengen, hat die große Rolle des jüdischen Textilgewerbes und Textilhandels mitbedingt. Das Verbot, ‚nichtjüdischen‘ Wein zu verwenden, verlieh dem Weinhandel besondere Bedeutung“12. Es dominierten also besonders diejenigen Berufszweige, welche direkt mit den Gesetzen der jüdischen Religion zusammenhingen. Allerdings konnte dies auch zu einer indirekten Verbindung führen. So „lagen natürlich Berufe nahe, deren Berufswissen ohnedies in irgendeinem Zusammenhang mit den jüdischen Bildungsinhalten stand“13. Dazu gehörte unter anderem Wissen über „naturwissenschaftliche und medizinische Sachverhalte“14, sowie „bestimmt[e] Kenntnisse in Astronomie und Mathematik“15. Damit waren Juden meist die einzigen wissenschaftlich gelehrten Personen außerhalb der Klöster, was ihnen eine Anstellung als Hauslehrer oder Schreiber an den Fürstenhöfen einbringen konnte.

Das bekannteste Beispiel hierfür dürfte wohl „der ‚Jude Isaak‘“16 sein, welchen Karl der Große im Jahre 801 als Mitglied „eine[r] dreiköpfige[n] Delegation zum Kalifen Harun alRaschid nach Bagdad“17 schickte. Er „ist vielleicht der erste Jude, der an einem ‚deutschen‘ Fürstenhof Karriere gemacht hat“18.

2.2.2 Juden als Geldverleiher

Hier bedienten die Juden eine im Christentum verpönte und nach den Worten der Bibel verbotene Berufsbrache. So heißt es in den Büchern Mose:

„Wenn du Geld leihst einem aus meinem Volk, der arm ist bei dir, sollst du ihn nicht zu Schaden bringen und keinen Wucher an ihm treiben.“19

„Wenn dein Bruder verarmt und neben dir abnimmt, so sollst du ihn aufnehmen als einen Fremdling oder Gast, daß er lebe neben dir, und sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Wucher, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, auf daß dein Bruder neben dir leben könne. Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen noch deine Speise auf Wucher austun.“20

„Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder Geld noch mit Speise noch mit allem, womit man wuchern kann“21

[...]


1 Brunner, Karl: Juden und Christen im Frühmittelalter, S. 37.

2 Maier, Johann: Das Judentum. von der biblischen Zeit bis zur Moderne, S. 574.

3 Maier Johann: Das Judentum. von der biblischen Zeit bis zur Moderne, S. 574.

4 McCormick, Michael: Um 808: Was der frühmittelalterliche König mit der Wirtschaft zu tun hatte, S. 60.

5 Breuer, Mordechai/Graetz, Michael: Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Band 1., S. 23.

6 Breuer, Mordechai/Graetz, Michael: Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Band 1., S. 23.

7 Vergleiche hierzu: Anlage 1 Schutzbrief.

8 Maier, Johann: Das Judentum. von der biblischen Zeit bis zur Moderne, S. 573.

9 Maier, Johann: Das Judentum. von der biblischen Zeit bis zur Moderne, S. 575.

10 Wie oben, S. 575.

11 Wie oben, S. 576.

12 Wie oben, S. 576.

13 Maier, Johann: Das Judentum. von der biblischen Zeit bis zur Moderne, S. 577.

14 Wie oben

15 Wie oben

16 Rademacher, Cay: von König David bis zu Karl dem Großen, S.27.

17 Rademacher, Cay: von König David bis zu Karl dem Großen, S.27.

18 Wie oben

19 Exodus 22,24.

20 Leviticus, 25,35-37.

21 Deuteronomium 23,20.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Judentum zur Zeit Karls des Großen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Proseminar: Karl der Große. Altes und Neues über einen Kaiser des Mittelalters
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V213923
ISBN (eBook)
9783656421498
ISBN (Buch)
9783656422815
Dateigröße
1282 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit hat die Note 1,3 erreicht und es wurde im Grunde nur beanstandet, dass ich die Bibelstellen nicht mit kritischer Ausgabe bibliographiert habe. Bis auf ein paar kleine Formalia was das Einfügen von längeren Zitaten in den Fließtext angeht, gabs nicht viel zu bemängeln. Fazit vielleicht etwas kurz geraten, aber sicher zu verzeiehen.
Schlagworte
Karl der Große, Judentum, Judentum im Mittelalter, Judenschutz, Judenprivileg, Stellung der Juden im Mittelalter
Arbeit zitieren
Peter Kirschner (Autor), 2013, Das Judentum zur Zeit Karls des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213923

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