Fotografie auf Blogs. Welche Motivation haben Foto-Blogger?


Bachelorarbeit, 2011
92 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Social Web
3.1 Abgrenzung von Social Web zu Web 2.0
3.2 Weblogs
3.3 Arten des Weblogs
3.4 Das fotografische Bild im Internet

4. Theorien zum Thema
4.1 Uses and Gratifications Ansatz
4.2 Nutzungsweisen im Social Web
4.3 Konzept des Prosumenten

5. Methode
5.1 Asynchrone Onlinebefragung
5.2 Auswahl der Stichprobe
5.3 Fragebogen
5.4 Kategoriensystem

6. Ergebnisse und Interpretation
6.1 Internetverhalten
6.2 Inhalte des Bloggens
6.3 Blog/Website
6.4 Bedeutung der Fotografie
6.5 Negatives am Bloggen
6.6 Zusammenfassung

7. Diskussion

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Friendwheel

Abbildung 2: Wertschöpfungskette mit Feedbackmöglichkeit

Abbildung 3: Der Produzent

Tabelle 1: Alter und Antworthäufigkeit

Tabelle 2: Übersichtstabelle demographische und blogspezifische Daten

Tabelle 3: Codesystem

1. Einleitung

2005 Erhält der „BILD Blog“ den Grimme Online Award in der Kategorie Information.

2006 wurde „You“ vom Time Magazin zur „Person of the Year“ gewählt.

2006 wird die Bloggerin von „Lyssas-Lounge“, Katharina Borchert Chefredakteurin von

„Der Westen“ der WAZ-Mediengruppe.

2010 ist sie bereits Geschäftsführerin von Spiegel Online.

Ein Grimme-Preis für einen Blog, sowie die Ernennung einer Bloggerin zur Chefredakteurin und dann zur Geschäftsführerin. Nicht nur diese Meldungen zeigen wie wichtig der Blog im deutschsprachigen Raum geworden ist. Ebenso die Wahl von „You“ zur „Person of the Year“ des Time Magazin. Es sind die stetigen und massiven Veränderungen des Internets, die das Social Web in hohem Maße prägen. Die Tatsache, dass das Time Magazin jeden von uns zur Person des Jahres ernannt hat, lässt erkennen wie hoch der partizipative Charakter des „Neuen Internets“ ist.

Anwendungen wie Twitter, Facebook, YouTube oder Blogs sind ausschlaggebend für das sogenannte Social Web. Das Internet wird durch diese neu auftretenden Möglichkeiten zu einem Medium, das zum Mitmachen nicht prädestinierter sein könnte. Die Partizipation der InternetnutzerInnen stellt einen großen Teil der Veränderung im Netz dar. Ermöglicht wird dies durch neue und immer einfachere technische Möglichkeiten, die es jedem erlauben sich schnell und einfach mitzuteilen (vgl. Hettler 2010: 11).

In allen Bereichen des Social Web ergeben sich explosive Zuwachszahlen. 2010 sind mehr als 1,8 Milliarden Menschen im Bereich des Bloggens tätig. Diese Zahlen sind enorm und unterliegen täglich extremen Veränderungen.[1]

Die Blogsuchmaschine www.blogspot.com erhebte am 25.05. 2011 mehr als 162 Millionen Blogs. Bereits am 09.07.2011 waren es bereits fast 165 Millionen. Nach nur 16 Tage wurden fast drei Millionen zusätzliche Blogs gezählt.[2]

Die Rückkopplung im Netz ist ebenfalls ein zentraler Punkt. Die Vernetzung, gerade in der Blogosphäre, macht diese erst zu dem, was sie heute ist. Bewerten, verlinken und empfehlen ist zentraler Bestandteil und wird durch neue Techniken immer weiter verbessert (vgl. Zerfaß/Sandhu 2008: 286).

Die Forschung bezüglich Blogs hat im Laufe der Jahre stetig zugenommen. Empirische Untersuchungen zum Thema Weblogs gibt es in relativ großer Anzahl. Meist sind dies Nutzerbefragungen, Inhaltsanalysen oder Auswertungen von technisch generierten Daten. (Vgl. Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2007: 97)

Eine sehr informative und wichtige Studie ist „Wie ich blogge?!“ von Jan Schmidt, welche in Kapitel 7 ausführlicher beschrieben wird.

Im Rahmen der Recherche wurden mehrere Forschungsrichtungen gefunden, die sich mit Blogs auseinandersetzt. Eine exakte Abgrenzung auf thematische Schwerpunkte ist kaum zu finden, da die verschiedensten Forschungsrichtungen Blogs eher als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen betrachten. Medienpädagogik sowie die Wirtschaftswissenschaften betrachten den Umstand der Informationsverarbeitung in Blogs sowie das Wissensmanagement. Im Bereich der Public Relations findet der Blog häufig Erwähnung, da er in der freien Wirtschaft ist zu einem engen Bestandteil der Unternehmenskommunikation geworden ist. Die Literaturwissenschaft behandelt die Textformen und Sprachmerkmale von Blogs. Das Verhältnis von Weblogs zum Journalismus befasst sich mit der Problematik, dass jede Person mit Internetanschluss theoretisch in der Lage ist, für eine breite Masse zu publizieren und mit dem klassischen Journalismus in Konkurrenz steht. Es ist also schon längst überfällig eine thematische Abgrenzung in diesem Bereich zu setzen.

Die Thematik des Bloggens ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Das Internet ist von verschiedensten Blogs, wie die Zahlen von mehr als 162 Millionen Blogs verdeutlichen, geradezu überschwemmt worden.

Für die vorliegende Arbeit wird auf Grund der kaum vorhandenen thematischen Abgrenzung in der Forschung der Blog nicht im Allgemeinen betrachtet, sondern soll auf die Intentionen der BloggerInnen hin untersucht werden. Und dies nicht im allgemeinen Kontext des Bloggens, sondern unter der thematischen Abgrenzung zu fotospezifischen Weblogs. All jene Punkte führen zu der forschungsleitenden Frage:

„Aus welchen Motiven führen Blogger fotospezifische Weblogs?“

Die Arbeit versucht eine Einordnung und Feststellung der Vielzahl an möglichen Gratifikationen der befragten Personen.

Sie ist ein Versuch eine Lücke in der Weblogforschung zu füllen, da kaum themenspezifische Abgrenzung früherer Forschungen gegeben ist und soll den Beitrag leisten, Blogs künftig detaillierter betrachten zu können.

Aufbau der Arbeit:

Zu Beginn der Arbeit werden die wichtigsten Begrifflichkeiten erklärt (Kapitel 2).

Danach folgt eine Einführung in das Social Web, welche die Abgrenzung zum Web 2.0 beinhaltet. Außerdem wird näher auf Blogs eingegangen. Eine Kategorisierung des Weblogs findet statt und das fotografische Bild im Internet wird dargestellt (Kapitel 3). Daraufhin folgt die Einordnung in die theoretischen Konzepte des Uses-und-Gratifications-Ansatzes und der daran angelehnten Nutzungsweisen im Social Web. Außerdem soll das Konzept des Prosumenten vorgestellt werden (Kapitel 4).

In Kapitel 5 folgen die Darstellung der Methode, der Stichprobe und des Fragebogens sowie die genaue Erklärung des Kategoriensystems. Danach werden die Ergebnisse der Befragung vorgestellt, interpretiert und mit der theoretischen Ausführung verbunden (Kapitel 6). Abschließend werden in Kapitel 7 andere Herangehensweisen an die Thematik der Blogintention und andere Studien vorgestellt. Dabei wird versucht, diese mit in die vorliegende Studie einzubeziehen. Im Fazit erfolgt die Zusammenfassung der Thematik und es wird auf die Möglichkeiten der zukünftigen Forschung eingegangen (Kapitel 8).

2. Definitionen

Um das allgemeine Verständnis dieser vorliegenden Arbeit zu gewährleisten, werden im Folgenden zentrale Definitionen sowie mehrmals auftretende Begriffe aus dem Online-Bereich geklärt.

Alle Blogs zusammengenommen ergeben den Begriff der Blogosphäre. Nach Neuberger/Nuernbergk und Rischke ist er wie folgt benannt: „Weblogs werden in der Regel nur von einer oder wenigen Personen betrieben, sind aber untereinander eng vernetzt und bilden gemeinsam die sog. Blogosphäre.“ (Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2007: 96)

Der einzelne Blog ist nicht nur über einen Browser abrufbar. Mittels spezieller Software besteht die Möglichkeit des Abonnierens mit Hilfe sogenannter RSS-Reader. RSS steht für Really Simple Syndication. Die Inhalte von Weblogs oder Webseiten werden „[…] unabhängig von der Darstellung auf der ursprünglichen Website zur Verfügung […]“ (Katzenbach 2008: 28) gestellt. Mit verschiedensten RSS-Programmen lassen sich diese Feeds abonnieren und der/die NutzerIn wird automatisch über neue Einträge informiert. Als mögliche Programme gibt es Email-Clients oder Browser, die Feeds darstellen und speichern können. (Vgl. ebd.: 28)

Wenn im Internet jemand eine andere Website verlinkt, wird die verlinkte Website nicht benachrichtigt. Das technische System des Weblogs ändert diesen Umstand (vgl. ebd.: 27). „Verweist ein Beitrag auf einen anderen, so sendet er eine kurze Benachrichtigung (‚Ping‘). Verwendet die Zielseite ebenfalls über die Trackback-Technologie, kann sie die Bezugnahme registrieren.“ (ebd.: 27).

Wie in der Forschungsfrage benannt, ist der Begriff des fotospezifischen Weblogs zu klären.

Präkel sagt, dass wir Fotos aufnehmen „[…] um Erfahrungen mitzuteilen, Dinge zu zeigen, die andere nicht sehen, und um über die Welt oder uns etwas auszusagen, was mit Worten nicht besser zu vermitteln wäre.“ (Präkel 2007: 15)

Diese Aussage über fotografische Bilder trifft auf eine Blogkategorisierung zu. Wichtig ist, dass sich fotospezifische Blogs in zwei mögliche Gruppen trennen lassen. Nach Koller und Alper werden „[…] Blogs, die hauptsächlich Fotos enthalten Phlogs (Photo-Blog) […] genannt.“ (Koller/Alpar 2008: 19) Daraus erfolgt die Kategorisierung nach dem eingestellten Medium zu machen, um eine Abgrenzung der restlichen Blogosphäre mit dem Begriff „Foto-Blog“ zu ermöglichen. Die andere Möglichkeit sieht eine Einordnung auf Grund der Thematik vor.[3] Somit sind Blogs, die das Thema Fotografie im Allgemeinen behandeln „Fotografie Blogs“. Diese behandeln beispielsweise neue Kameramodelle, Testberichte, Fotoanalysen, Netzfunde und alle Themen, die als Teil der Fotografie gelten. Es können somit auch eigene Fotos Teil dieser Einordnung sein.

Eine klare Abgrenzung der zwei Bereiche würde eine vorherige Inhaltsanalyse nötig machen und ist deshalb nicht Teil dieser Arbeit. Im weiteren Verlauf wird generell von Foto-Blogs die Rede sein. Wird dies nicht ausdrücklich anderes beschrieben, ist damit der fotospezifische Weblog gemeint welcher beide Arten mit einbezieht.

Da diese Arbeit die Motive fokussiert, warum eine Person einen fotospezifischen Blog führt, soll der zentrale Begriff der Motivation erläutert werden. Eine passende Definition bieten Hasselhorn und Gold an:

„Unter Motivation oder Motiviertheit versteht man die Bereitschaft einer Person, sich intensiv und anhaltend mit einem Gegenstand auseinander zu setzen. Motivation kann als Prozess aufgefasst werden, in dessen Verlauf zwischen Handlungsalternativen ausgewählt wird. Das Handeln wird dabei auf ausgewählte Ziele ausgerichtet und auf dem Weg dorthin in Gang gehalten, also mit psychischer Energie versorgt.“ (Hasselhorn/Gold 2009: S. 103)

Motivation beschreibt also den Aufwand, der geleistet wird, wenn sich jemand intensiv einer Sache widmet.

Verschlagwortungssysteme sind Onlineangebote, die der/dem NutzerIn die Möglichkeit bieten „[…] Internetressourcen ähnlich wie „Favoriten“ oder „Bookmarks“ [zu] speichern und mit frei wählbaren Schlagworten bzw. „tags“ [zu] versehen […]“(Schmidt 2009: 26). Beispiele für solche Angebote wären „Delicious“ oder „Mister-Wong“.

3. Social Web

Im Vergleich zu Printmedien, Rundfunk oder Fernsehen ist das Internet ein sehr junges Medium, das erst seit ungefähr neun Jahren Teil des gesellschaftlichen Alltags ist (vgl. van Eimeren/Frees 2010: 348). Die Entwicklung des Webs ist in dieser kurzen Zeit sehr schnell und grundlegend vorrangeschritten.

In den Anfängen des Internets war es eher den technik-versierten Menschen vorbehalten, das fast ausschließlich textbasierte Netz zu benutzen, bis „[…] im April 1993 die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) den Quellcode des World Wide Web zur kostenlosen Nutzung frei,“ (ebd.: 348) gab.

Zur Jahrtausendwende, keine zehn Jahre nach der Erfindung von Tim Berners-Lee, brach ein regelrechter „Internetboom“ aus (vgl. ebd.: 334). Die Nutzerzahlen steigen seitdem kontinuierlich an. Laut der jährlich durchgeführten ARD/ZDF-Onlinestudie waren 2010 knapp 70 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren „online“. Hochgerechnet entspricht dies 49 Millionen Menschen. Die Einbettung des Internets in den Alltag könnte gravierender nicht sein und zieht sich durch alle Altersgruppen. „Das Internet ist allgegenwärtig und sein Gebrauch alltäglich. Die Nutzung nicht mehr nur den jungen und technikbegeisterten Menschen vorbehalten, immer mehr Ältere Menschen gehen wie selbstverständlich online […].“ (Schäfer 2010: 29)

Das Internet selbst ist nicht nur auf sein Entstehungsjahr bezogen als „jung“ zu bezeichnen, sondern auch auf das Alter der NutzerInnen. Wie die ARD/ZDF-Onlinestudie zeigte, liegt das Durchschnittsalter der Internetnutzer bei ca. 39 Jahren, wohingegen das Fernsehen ein Durchschnittsalter von 49 Jahren aufweist. (Vgl. van Eimeren/Frees 2010: 335)

„Bis vor kurzem war das Internet im Wesentlichen ein Informationsmedium, aber in den letzten Jahren hat es sich immer mehr auf Sozialkontakte ausgerichtet.“ (Weinberg 2010: 4) Es offenbart sich ein Wandel im Bereich der alltäglichen Nutzung des Internets. NutzerInnen sind nicht mehr der Informationssuche wegen online, sondern treffen sich mit Menschen im virtuellen Raum, um gezielt zu kommunizieren und Kontakte zu pflegen. So gestaltet sich das Internet hin zum Social Web.

3.1 Abgrenzung von Social Web zu Web 2.0

Die stetige Veränderung des Internets führt dazu, dass immer neue Bezeichnungen verwendet werden. Web 2.0 oder Social Web sind zwei dieser Art. Wie bereits erwähnt, obliegt das Internet einer stetigen Veränderung. Mit den allgegenwärtigen Begriffen „Web 2.0“ oder „Social Web“ sind Redewendungen aufgekommen, die an dieser Stelle eine Erklärung erfordern.

Geprägt wurde der Begriff Web 2.0 von Tim O’Reilly (vgl. O’Reilly 2005: o.S.) und bezeichnet den „[…] Übergang vom redaktionell gesteuerten Publizieren zur Partizipation […]. Im Web 2.0 sind Laien nicht mehr nur Rezipienten, sondern in wachsender Zahl auch Kommunikatoren.“ (Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2007: 96)

Web 2.0 bezeichnet, wie auch bei allen neuen Softwareversionen üblich, eine neuere Version des Internets. Durch die neue Versionsnummer 2.0 entsteht der Eindruck es handle sich um eine „[…] neue technische Ausführung des WWW, die man sich von irgendeiner Website herunterladen und installieren kann.“ (Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 22) Dabei muss beachtet werden, dass die Begrifflichkeit Web 2.0 dazu neigt, das Internet „neu“ zu benennen. „Genau genommen ist Web 2.0 eher ein Schritt zurück, nämlich zu den Anfängen des World Wide Web.“ (Hettler 2010: 11) Faktisch ist Web 2.0 aber nur eine Bezeichnung für „[…] eine gefühlte Veränderung des WWW während der letzten Jahre.“ (Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 22) Auch Hettler beschreibt, dass es sich weniger um technische Neuerung handelt als um eine „veränderte Wahrnehmung“:

„Aus technischer Sicht stellt Web 2.0 […] keine großartige Neuerung oder gar völlige Überarbeitung des World Wide Web dar. Denn viele darin enthaltenen Ansätze und zugrunde liegenden Technologien sind bereits seit Jahren bekannt. […] Web 2.0 ist vor diesem Hintergrund weniger als Begriff für eine ‚technologische Ära‘ zu verstehen, als vielmehr ein Ausdruck einer veränderten Wahrnehmung altbekannter Techniken.“ (Hettler 2010: 11)

Jan Schmidt erläutert die bevorzugte Benutzung des Begriffs „Social Web“ folgendermaßen:

„Aus kommunikationssoziologischer Sicht erscheint die Bezeichnung ‚Social Web‘ besser geeignet, weil sie zum Ersten keine Unterscheidung zeitlicher Phasen enthält, zum Zweiten auf das World Wide Web als zunehmend universaler Dienst des Internets verweist und zum Dritten den grundlegenden sozialen Charakter desjenigen Bereichs des Internets betont, der Kommunikation und anderes aufeinander bezogenes Handeln zwischen Nutzern fördert […].“ (Schmidt 2008: 22)

Auf Basis der vorherigen Überlegungen, der bestehenden Unklarheit durch den Zusatz 2.0 und der folgenden Begründung Schmidts zur Abgrenzung vom Web 2.0 plädiert auch die vorliegende Arbeit dazu, den Begriff Social Web anstatt den eventuell oft falsch konnotierten Begriff Web 2.0, zu benutzen.

„Die […] assoziierte Annahme, es habe einen revolutionären Sprung in der Form und Nutzung des Internets gegeben, wurde […] als nicht haltbar zurückgewiesen, sodass […] die Bezeichnung ‚Social Web‘ bevorzugt wird.“ (Schmidt 2008: 37)

Dennoch stehen die Begriffe „Social Web“ und „Web 2.0“ sehr nahe zueinander. Bei beiden Begriffen „[…] geht es im Wesentlichen um zwei grundlegende Merkmale des World Wide Web, […] (Gerhards/Klingler/Trump 2008: 123) Zum einen um den Mitmach-Gedanken und zum anderen um den Kommunikationsfaktor (vgl. ebd.: 123).

3.2 Weblogs

Zum ersten Mal wurde der Begriff „Weblog“ 1997 von John Barger verwendet (vgl. Möller 2005: 115). 1999 entsteht aus Weblog die Kurzform Blog, welche von Peter Merholz erstmals erwähnt wird (vgl. Merholz 2002). Der Begriff Weblog, bzw. die Kurzform Blog, besteht „[…] aus den Worten „Web“ und „Log“ – als Kurzform für ein Tagebuch bzw. Logbuch […].“ (Hettler 2010: 43)

Bestimmend für die Kennzeichnung als Blog ist die Chronologie und Aktualität, denn ein Blog ist „[…] a frequently updated website consisting of dated entries arranged in reverse chronological order so the most recent post appears first.“ (Walker 2005: 45)

Laut Definition war die erste Website ein Weblog. Tim Berners-Lee, Begründer des Internets, veröffentlichte auf der Website www.info.cern.ch Links zu Fundstücken im Netz.

Koller und Alpar sind der Ansicht, dass sich „eine einheitliche und allgemeine anerkannte Definition für Weblogs […] bisher weder in der Literatur noch in der Praxis herausgebildet“ (Koller/Alpar 2008: 19) hat. Dennoch besteht „[…] Einigkeit über eine Vielzahl von Merkmalen, die als charakteristisch für Weblogs gelten.“ (ebd.: 19) Im Folgenden sollen diese Merkmale dargestellt werden: Eines der entscheidensten ist die Einfachheit, über einen Blog Inhalte zu veröffentlichen, da sie „[…] das Publizieren von Inhalten auch ohne Kenntnis der Webseiten-Beschreibungssprach HTML ermöglichen und gleichzeitig Inhalte strukturieren.“ (Katzenbach 2008: 27) Ebenfalls entscheidend ist der Aspekt des Feedbacks auf einem Blog. In der Regel ist es dem/der BlognutzerIn gestattet, jeden Eintrag kommentieren und infolgedessen bewerten zu können (vgl. Hettler 2010: 43).

Inhaltlich betrachtet lassen sich Blogs in verschiedene Kategorien einteilen. Die Unterteilung erfolgt z.B. auf Grund von Inhalten, der Art der eingestellten Medien oder dem/der BetreiberIn des Blogs (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 60).

Bevor eine ausführliche Einordnung in Kategorien[4] erfolgt, gilt es zunächst Weblogs in eine Gattung der verschiedenen Social Web Angebote einzuordnen. Schmidt macht eine grobe Einteilung in Plattformen, Personal Publishing, Wikis, Instand Messaging und in Werkzeuge zum Kommunikations- und Informationsmanagement. Dieser Ansatz erscheint durchaus sinnvoll, da bisherige Einordnungen den „Hybrid-Status“ vieler Angebote außer Acht lassen (vgl. Schmidt 2009: 22). Hybrid-Status meint, dass das Verbinden der „[…] Elemente unterschiedlicher Gattungen […]“ (ebd.: 22) möglich ist. Beispiele für die Hybridität sind zum einen die Plattform MySpace, mittels der die Möglichkeit besteht, einen Blog einzubinden. Zum anderen ein Weblog, der die Möglichkeit bietet, einen Microblogdienst wie Twitter direkt einzubinden. Im Folgenden sollen die Gattungen nach Schmidt kurz erläutert werden.

Plattformen lassen sich untergliedern in Netzwerk- und Multimediaplattformen. Die Art Plattformen dient dazu, vielen NutzerInnen eine Infrastruktur zur Kommunikation und Information anzubieten. Die Nutzung ist ohne vorherige Anmeldung nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Netzwerkplattformen sind beispielsweise Facebook, StudiVZ, lokalisten oder Xing. Die Angebote YouTube, Flickr oder Last. fm fallen in die Gruppe der Multimediaplattformen, welche durchaus ohne Anmeldung nutzbar sind, hier aber ohne Registrierung nur das „Zuschauen“ ermöglicht wird. (Vgl. ebd.: 22f.)

Die Gattung Personal Publishing beinhaltet ebenfalls das Veröffentlichen von Inhalten. Hierbei ist die starke Ausprägung auf einzelne NutzerInnen maßgeblich. In diesen Bereich fällt Microblogging, wie Twitter und auch Pod- und Videocasts (Audio und audiovisuelle Inhalte). Der Weblog fällt ebenfalls in diese Gattung des Personal Publishing. (Vgl. ebd.: 24)

Wikis sind Textdokumente, die direkt im Browser angelegt werden können, von jeder Person editierbar und mit anderen Seiten verlinkbar sind. Das erfolgreichste Beispiel ist Wikipedia, welche eine der meistbesuchten Seiten des World Wide Web darstellt. (Vgl. ebd.: 25)

Als Instant Messaging bezeichnet Schmidt die direkte bzw. „[…] synchrone Kommunikation zwischen Nutzern.“ (ebd.: 25) Mit Hilfe eines „Clients“, welcher vorheriger Installation bedarf.

Meist ist die Kommunikation textbasiert, jedoch ermöglichen einige Programme mittlerweile auch „Audio- und Videotelefonie“. Des Weiteren ist das Versenden von Dateien möglich (vgl. ebd.: 25 f.).

Als Werkzeuge zum Kommunikations- und Informationsmanagement fasst Schmidt „[...] eine Reihe von Hilfswerkzeugen, die insbesondere das Informationsmanagement unterstützen.“ (ebd.: 26) zusammen. Dazugehören Feed Reader (RSS), Verschlagwortungssyteme oder Social-News-Dienste (Digg, Yahoo!), die zum Bewerten von eingestellten Inhalten dienen. (Vgl. ebd.: 26 f.)

Anzahl der Blogs:

Ein relevanter Aspekt sind die kursierenden Zahlen über die Anzahl der Blogs, die als kritisch zu betrachten sind. Die bereits erwähnte Zahl der Blogsuchmaschine www.blogpuls.com basiert auf der Verwendung von Hilfsprogrammen (sog. Crawler), die das Internet nach Blogs durchsuchen und speichern. Es wird jedoch keine Unterscheidung von aktiven und nicht aktiven Blogs sowie von Spam Blogs[5] gemacht. Des Weiteren sind diese Dienste meist englischsprachig und eine Einordnung speziell für den deutschsprachigen Raum stellt sich als schwierig dar. Dies gilt ebenso für die oft zitierte Suchmaschine Technorati.

Jan Schmidt hat versucht eine Zahl der deutschen Blogs auf Basis der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 zu nennen. Das Ergebnis ist eine nicht verlässliche und sehr wacklige Zahl von ca. 1,5 Millionen Blogs. Inbegriffen sind aktive sowie stillgelegte oder ruhende Blogs (vgl. Schmidt 2010).

Eine Zahl zu finden, die erfasst, wie viele Blogs es bezüglich Fotografie im deutschsprachigen Raum gibt, ist mit den aktuellen technischen Gegebenheiten nicht möglich. Auf www.google.de in der Kategorie „Blogs“ und der Einstellung „Seiten auf Deutsch“ sind am 17.06.2011 mit dem Suchbegriff „Fotografie“ knapp sechs Millionen Einträge und mit dem Suchbegriff „Foto“ fast 47 Millionen Einträge zu finden. Es zeigt demzufolge die Schwierigkeit, eine genaue Anzahl an Blogs zu benennen. Dennoch ist es als grober Richtwert nicht zu vernachlässigen. Zu der Zahl der aktiven deutschen Blogs sagt Schmidt:

„Man kann die Zahl nicht wirklich verlässlich schätzen, aber ich gehe davon aus, dass es derzeit mehrere hunderttausend aktive Blogs in Deutschland gibt; […]” (Schmidt 2010).

3.3 Arten des Weblogs

Die Arbeit behandelt den fotoasant rnet orwähnt obligt dem zu geführt, dass es neue Begriffe bezüglich dem "spezifischen Weblog. Diese Formulierung ist absichtlich so gewählt (wie in Kapitel 2 beschrieben), um die zwei unterschiedlichen Arten des Blogs bzgl. Fotografie einzubeziehen. Zum einen ist dies der simple Foto-Blog, welcher nur eigene Bilder zeigt und zum anderen der Fotografie-Blog, in dem es um die gesamte Bandbreite (Fotos, Technik, Bildbearbeitung) geht.

Durch die thematische Begrenzung auf fotografiespezifische Inhalte der Blogs soll eine Einordnung in die verschieden Arten des Weblogs gelingen. Jedoch ist eine allgemeingültige Arteneinordnung von Blogs in der Literatur noch nicht zu finden.

Generelle Unterscheidungsmerkmale liegen zum einen in den qualitativen Merkmalen, die von Blog zu Blog unterschiedlich ausfallen können und den formalen Eigenschaften, die gleichermaßen für alle Blogs gelten (vgl. Koller/Alpar 2008: 19).

Zusammengefasst sind alle wichtigen formalen Merkmale für einen Blog nach Ebersbach, Glaser und Heigl (2008: 57):

- Chronologisch umgekehrte Reihenfolge
- Ein Autor bzw. wenige Autoren und viele Kommentatoren
- Kurze Texte
- Hohe Aktualität der Beiträge
- Authentizität durch Subjektivität
- Leichte Bedienbarkeit
- Schnelle Verbreitung durch Vernetzung

„Es gibt so viele unterschiedliche Blogs, dass ein einziges Einteilungskriterium dieser Vielzahl nicht gerecht werden würde.“ (Ebersbacher/Glaser/Heigl 2008: 60) Dennoch ist das Hauptkriterium der im Folgenden dargestellten Klassifizierungen der Inhalt eines Blogs.

Seeber versucht eine Unterscheidung in sechs Gruppen. Auch er weist darauf hin, dass „[…] eine klare und abschließende Abgrenzung der Weblog-Typen nicht möglich ist, da die Blogosphäre mit ihren einzelnen Ausprägungen ständigen Umwälzungen unterlegen ist und sich die einzelnen Typen des Weblogs zum Teil überschneiden.“ (Seeber 2008: 29)

- Watchblogs
- Experten-Blogs
- Warblogs
- Underground-Blogs
- J-Blogs
- Corporate-Blogs

(vgl. Seeber 2008: 28f.)

Schmidt, Frees und Fisch versuchen beispielsweise Blogs „[…] die sich auf journalistische Inhalte beziehen.“ (Schmidt/Frees/Fisch 2009: 52) in vier Kategorien einzuteilen:

- Persönliche Blogs
- Watchblogs
- Redaktionsblogs
- Kritikerblogs

(vgl. Schmidt/Frees/Fisch 2009: 52)

Der Wikipedia -Artikel „Blog“[6] hat seine Blog-Typologie nach Inhalt und Betreiber gemacht. Ebersbacher, Glaser und Heigl haben die Wikipedia Kategorisierung aufgegriffen und die Art der eingestellten Medien sowie die Endgeräte erweitert, sodass diese Einteilung am ausführlichsten ist. (Vgl. Ebersbacher/Glaser/Heigl 2008: 60)

- Inhalte:
- Tagebücher
- Zeitungsblog
- Watchblogs
- Warblogs
- Eventblogs
- Hobbyblogs
- Infoblogs

- Den eingestellten Medien:
- Textblogs
- Filter und Linksammlungen
- Foto-blogs
- Videoblogs
- Audioblogs

- Betreiber:
- Corporate Blogs
- Edublogs
- Private Blogs

- Nach Endgerät:
- PDA
- Handy

(Ebersbacher/Glaser/Heigl 2008: 60f.)

Im Fortlauf dieser Arbeit wird nun der fotografische Blog nach Inhalt sowie eingestelltem Medium kategorisiert. Aufgrund des Einbeziehens von Foto-Blogs sowie Fotografie-Blogs scheint diese Kategorisierung als sinnvoll. Wie in Kapitel 2 beschrieben, sind beide Blogarten unter dem Begriff „Foto-Blog“ zusammengefasst.

3.4 Das fotografische Bild im Internet

In diesem Abschnitt wird versucht, die Bedeutung des Fotos im Internet zu verdeutlichen.

Die frühere Bedeutung eines Fotos war eine gänzlich andere als sie es in der heutigen Zeit ist. Die Authentizität, die durch die Anfänge der analogen Fotografie gegeben war, ist heute kaum noch zu erkennen. Fotografie wurde „[…] als dokumentarisch und authentisch bewertet. […] Die so entstandenen Abbildungen der Welt galten als Beweis – als ausdrücklicher Beleg für Gewesenes, dem der Fotograf beigewohnt hat […].“ (Bohnhof/Kracht 2008: 137)

Der Beweis, dass die Welt auf einer Fotografie zu diesem Zeitpunkt und an jenem Ort wirklich so gewesen ist, ist durch die Digitalisierung verloren gegangen. Gänzlich konstruierte Fotos, wie z.B. für die Werbebranche, brachten die Fotografie weg von ihrer ursprünglichen Weise der Reportagefotografie (vgl. Bohnhof/Kracht 2008: 137f.).

„Doch mit dem Einzug der Digitalisierung und den damit verbundenen Möglichkeiten zur Nachbearbeitung und Gestaltung von Bildern wurde für jedermann ersichtlich, dass Fotografie nicht länger als glaubwürdig betrachtet werden kann und darf: sie ist nicht real, sie zitiert allenfalls aus der Realität.“ (ebd.: 137f.)

Hier wird der heutzutage sehr verbreitete Aspekt der Nachbearbeitung genannt. Diese Tatsache der völligen Veränderung eines Bildes in der Theorie - sei es bei Portraits, Landschaftsaufnahmen, Stillleben oder anderen Genres - leistet einen enormen Beitrag, um die Authentizität der Fotografie zu untergraben.

Der geschichtliche Werdegang der Fotografie und der des Internets haben zu verstärkten Massenbewegungen geführt. Zu diesen Merkmalen kommt der nächste Aspekt des Fotos im Internet hinzu:

„Die Digitalisierung des Bildes und das Angebot technischer Apparaturen, mit denen sich ohne erforderliche fotografische Fachkenntnisse Ergebnisse produzieren lassen, die den geringen technischen Anforderungen an das fotografische Bild im Web genügen, sowie einhergehende Entwicklungen bei den Übertragungstechnologien ermöglichen eine massenhafte Beteiligung an derartigen Angeboten.“ (ebd.: 144)

Der nötige Aufwand um einen Blog zu erstellen und auf diesem zwei Fotos der eigenen Digitalkamera zu posten, liegt bei ungefähr fünf Minuten.[7] Es war auf Grund der heutigen Entwicklungen nie einfacher Bilder und Texte so schnell zu veröffentlichen. „Unzählige Formate im Internet, wie Communities, Tauschbörsen und Weblogs bieten sich als Publikationsforen für Bilder auch von Amateuren an.“ (ebd.: 144) Es kann somit jeder sehr schnell und einfach Bilder im Internet für andere zugänglich machen. „Digitale Fotografien sind leicht zu erstellen, können unmittelbar weiterverarbeitet, über das Internet verbreitet oder im Web veröffentlicht werden.“ (ebd.: 139) Der Kommunikationsfaktor soll hier auch kurz Erwähnung finden:

„Bilder können […] beliebig oft und mit beliebig vielen Adressaten kommuniziert werden.“ (Scheibel 2003: 134) Diese relativ junge Einfachheit von der Aufnahme zur schlussendlichen Veröffentlichung hat dazu beigetragen, dass im Internet eine regelrechte Bilderflut[8] vorherrscht.

Zusammenfassend ist erkennbar, dass die Bedeutung des Bildes an Wichtigkeit zugenommen hat, im Umkehrschluss aber gleichermaßen weniger geworden ist.

Der extrem hohe Anteil von Fotos im Web bedeutet zum einen, dass man den unzähligen visuellen Eindrücken kaum noch gerecht werden kann und Bilder nur noch nebenbei wahrgenommen werden. Zum anderen ermöglicht das Internet „besondere Bilder“ schneller zu verbreiten und bekannter als je zuvor zu machen. (Vgl. Bohnhof/Kracht: 150)

4. Theorien zum Thema

Der Mensch wendet sich bestimmten Medien zu - dies kann bewusste oder unbewusste Gründe haben. Vor allem aber ist dies im Bereich des Bloggens ein sehr bewusster und aktiver Vorgang. Im Folgenden werden drei Herangehensweisen vorgestellt, die nach den Gründen der Medienzuwendung suchen und auf die Thematik des Bloggens am geeignetsten anzuwenden sind.

4.1 Uses and Gratifications Ansatz

Die Antwort auf das klassische Stimulus-Response-Modell ist der Uses-and-Gratifications-Approach, welcher Anfang der 60er Jahre von Katz und Foulkes mit ihrem sehr häufig zitierten Satz festgesetzt wird:

„This approach proceeds from the assumption that the social and psychological attributes of individuals and groups shape their use of the mass media rather than vice versa. This is the approach that asks the question, not ‚What do the media do to people?‘ but, rather, ‚What do people do with the media?‘" (Katz/Foulkes 1962: 378)

Mit dem Uses-and-Gratifications-Ansatz (kurz: U&G-Ansatz) rückt die Forschung näher an die RezipientInnen heran. Ziel ist es, die Motivationen der RezipientInnen zu erkennen. Die Frage von Katz und Foulkes „Was machen die Menschen mit den Medien?“ sollte dies leiten. (vgl. Schenk 1987: 379)

Als tragende Voraussetzung gilt das aktive Publikum, welches die Medien nutzt um eine Befriedigung der Bedürfnisse zu erzielen. Die Zuwendung zu einem Medium ist als zielgerichtetes und sinnhaftes Handeln zu verstehen. Somit bestimmt der/die RezipientIn die Nutzung eines Mediums durch ihre Bedürfnisse, Probleme und Erwartungen.

RezipientInnen wenden sich somit aktiv den Medien zu und erhoffen sich dadurch Gratifikationen. Diese erhoffte oder erzielte Belohnung kann von RezipientIn zu RezipientIn unterschiedlich sein und unterliegt subjektiven Kriterien. Die Befriedigung der Bedürfnisse ist bzw. kann somit von Mensch zu Mensch verschieden sein. Es gibt somit spezifische Gründe, wieso sich der/die RezipientIn einem Medium zuwendet, welche aber sehr unterschiedlich ausfallen können:

„So könnten z.B. zwei Menschen aus ein und demselben Fernsehkrimi ganz unterschiedliche ‚Gratifikationen‘ beziehen: der eine hofft, Details einer Stadt wiederzusehen, in der er den letzten Urlaub verbracht hat, der andere schaut den Film nur deswegen an, um am folgenden Tag in Gesprächen am Arbeitsplatz ‚mitreden‘ zu können.“ (Burkhart 2002: 222)

Hat sich die Gratifikation nach dem Konsum eines speziellen Mediums eingestellt, ist eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sich der/die RezipientIn diesem Medium erneut zuwendet. (Vgl. Schramm/Hasebrink 2004: 471)

Um die unterschiedlichen Auffassungen des U&G-Ansatzes darzustellen, gilt es Palmgreens Meinung zu erwähnen, dass Medienzuwendung nicht ausschließlich bewusst erfolgt und fordert eine Erweiterung der Gratifikationen in die Richtung der bewussten und unbewussten Wahrnehmung:

„Die Arbeitshypothese der meisten Forscher, die Rezipienten seien sich ihrer Medienmotivationen vollständig bewußt, sollte erneut überprüft werden. Motive liegen auf einem ‚bewußt-unbewußt‘-Kontinuum und wahrscheinlich kennen die Rezipienten häufig einige der vielfältigen Motive nicht, die sie dazu veranlaßt haben, einen modernen romantischen Roman zu lesen oder eine Folge der Serie ‚Dallas‘ zu sehen [...].“ (Palmgreen 1984: 59)

Ein bestimmtes Medium zu rezipieren kann nach Palmgreen ganz bewusst, aber auch unbewusst erfolgen. Für die vorliegende Arbeit soll dies aber nicht gelten, da einen Blog zu führen kaum bewusster sein könnte und dies im Bereich des Unbewussten kaum möglich wäre. Jäckel (2011: 93) beschreibt zwei Grundannahmen des U&G-Ansatzes:

1. Das aktive Publikum verwendet Medienangebote zur Erreichung bestimmter Ziele. Es liegt ein Zweck-Mittel-Denken vor. Mediennutzung ist intentional und absichtsvoll.
2. Welches Medienangebot für welche Art von Bedürfnisbefriedigung besonders geeignet ist, entscheidet der Rezipient. Dieser Vorgang der Selektion impliziert, dass auch andere Quellen der Bedürfnisbefriedigung, die außerhalb der Medien anzusiedeln sind, in Frage kommen. Damit wird Mediennutzung als Teil eines umfassenden Entscheidungshandelns beschrieben.

Weiter führt Jäckel aus:

„Diese Annahmen […] implizieren sowohl eine Unabhängigkeit als auch eine hohe Transparenz der Entscheidungsfindung. Sie betonen die Autonomie des Individuums und setzen einen hohen Grad an Bewusstsein voraus, insbesondere hinsichtlich der Bedeutung und Rangordnung von Interessen und Bedürfnissen.“ (2011: 93)

Ausgehend von diesen Beschreibungen scheint der U&G-Ansatz für die Erforschung des neuen Mediums Weblog wie geschaffen, da bloggen aktive Gestaltung und Teilnahme im Social Web darstellt. Die bewusste Zuwendung sowie das Interesse am jeweiligen Medium wird voraussetzt. Es ist anzunehmen, dass der/die einzelne BloggerIn Gratifikationen bekommt oder sich zumindest erhofft.

4.2 Nutzungsweisen im Social Web

Es gibt in der Weblogforschung mehrere Einordnungen von unterschiedlichen Handlungsmotiven zu den Nutzungsweisen. Bei genauerer Betrachtung sind all jene Handlungsmotive an den U&G-Ansatz angelehnt. Es gibt verschiedene Ansätze, diese zu benennen. Eine kurze Erwähnung von drei verschiedenen Möglichkeiten, die die Nutzungsweisen einordnen, sollen hier Klarheit über die Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiedlichkeit, welche sich durch die Forschungsrichtung ergibt, demonstrieren. Die folgenden drei Einordnungen greifen, wie eingangs erwähnt, im Prinzip die Grundgedanken des Uses-und-Gratifications-Ansatzes auf und setzen diese in den Kontext der Medienform des Social Web.

Nutzungsweisen stehen hierbei für das direkte Verhalten der InternetnutzInnen. Handlungskomponenten sind die jeweilig übergeordnete Kategorie, worin einzelne Nutzungsweisen beinhaltet sind.

Jan Schmidt bezeichnet drei Handlungskomponenten, die im Social Web vorkommen:

- Identitätsmanagement
- Beziehungsmanagement
- Informationsmanagement

(Vgl. Schmidt 2009: 71)

Koch und Richter (2009: 12) hingegen wandeln diese geringfügig ab und führen folgende Handlungskomponenten ein:

- Informationsmanagement: Ermöglichung des Findens, Bewertens und Verwaltens von (online verfügbarer) Information.
- Identitäts- und Netzwerkmanagement: Ermöglichung der Darstellung von Aspekten seiner selbst im Internet sowie das Knüpfen und Pflegen von Kontakten.
- Interaktion und Kommunikation: Direkte und indirekte Kommunikation zwischen den Benutzern.

(vgl. Koch/Richter 2009:12)

Diese Abwandlung ist deshalb sinnvoll, da es bei ihnen um den Einsatz von Social Software in Unternehmen handelt. Um Informationsflüsse besser verstehen und optimieren zu können, scheint es nahezu unumgänglich „[…] nach den Basis-Funktionen des Einsatzes von Social Software.“ (Koch/Richter 2009: 12) zu kategorisieren.

Schulzki-Haddouti benennt wie Jan Schmidt das Identitäts- und Beziehungsmanagement, führt aber noch das Reputationsmanagement an (vgl. Schulzki-Haddouti 2008: 115f.). Dies mag darin begründet sein, dass hier im Hinblick auf Arbeit und Ausbildung geforscht wird. Logischerweise ist in diesem Kontext die Reputation im Internet durchaus ein nicht zu vernachlässigender Faktor (vgl. ebd.: 146).

Der Überblick verdeutlicht, dass es zu unterschiedlichen Handlungskomponenten in Abhängigkeit der Forschungsrichtung kommen kann. Im Folgenden wird nun die Einordnung von Jan Schmidt ausführlich behandelt. Für die vorliegende Arbeit ist Schmidts Einteilung am treffendsten, denn er setzt „[…]das Handeln in Sozialen Kontexten[…] “ (Schmidt 2009: 72) in Bezug zu der Voraussetzung der „[…] aktiven Rolle des Individuums […]“ (ebd.: 72)

Diese drei „Social-Web-Praktiken“ (ebd.: 71) sind Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement und Informationsmanagement.

Der Begriff Management erfordert in diesem Kontext eine Klärung der Bedeutung:

„Es muss dabei nicht zwingend einem strengen Verständnis von Management als strategischem, planerischem, rationalen Zweck und Mittel abwägenden Handeln folgen, […] auch wenn dies […] zugrunde liegen kann. Vielmehr ist Management hier im Sinne von ‚Handhaben‘ und ‚Bewerkstelligen‘ gemeint, also von Varianten des Handlungsvollzugs, die sehr viel stärker auf praktischem statt auf diskursivem Bewusstsein basieren und routinisiert, eingelebt, habitualisiert stattfinden.“ (ebd.: 72)

Im Folgenden sollen die drei Management Einordnungen von Jan Schmidt genauer beschrieben werden:

Identitätsmanagement:

Hierbei geht es um den „Bau“ der eigenen Identität. Es hat sich ein Wandel vollzogen, dem das „online sein“ entgegen kommt. Schmidt betrachtet als wichtiges Merkmal der Modernisierung die „[…] besondere Bedeutung der Individualisierung.“ (Schmidt 2009: 74) Durch den Wandel der Gesellschaft von den meist klar strukturierten Vorgaben bzw. der Traditionen, wie der Lebensweg bestritten werden sollte, ist kaum noch etwas übrig. Es ist vielmehr so, dass der Mensch die „[…] Stellung in der Gesellschaft nicht mehr zugewiesen […]“ (ebd.: 74) bekommt, sondern er die eigene Identität innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen selbst suchen muss (vgl. ebd.: 74).

[...]


[1] Eine genauer Erklärung zu den angegebenen Zahlen findet sich in Kapitel 3.2

[2] Die angeführten Zahlen sind vom Autor selbst von der Startseite www.blogpulse.com unter „Total identified blogs“ notiert worden.

[3] Eine genauer Beschreibung der verschiedenen Blogarten findet sich in Kapitel 3.3

[4] Genauere Ausführung in Kapitel 3.3.

[5] Spam Blogs sind Blogs die irrelevante Texte und Links verbreiten und dadurch evtl. in der Lage sind Suchmaschinen zu stören.

[6] Abrufbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Blog#Blog-Typologie.

[7] Eigener Test mit dem Blogservice www.tumblr.com

[8] Zur Verdeutlichung: Eine eigene Suche nach dem Wort „Tree“ ergibt auf www.google.com mit der Einstellung „Foto“ knapp 79 Millionen Ergebnisse.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Fotografie auf Blogs. Welche Motivation haben Foto-Blogger?
Hochschule
Universität Salzburg  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Angebots- und Rezeptionsanalysen zum Social Web
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
92
Katalognummer
V213931
ISBN (eBook)
9783656421801
ISBN (Buch)
9783656422440
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fotografie, blogs, motive, führen, weblogs
Arbeit zitieren
Hendrik Stoltenberg (Autor), 2011, Fotografie auf Blogs. Welche Motivation haben Foto-Blogger?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213931

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fotografie auf Blogs. Welche Motivation haben Foto-Blogger?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden