Das Straßburger Frauenwerk


Hausarbeit (Hauptseminar), 1991

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die finanziellen Rahmenbedingungen
2.1. Einnahmen
2.2. Ausgaben

3. Die Arbeitsbedingungen

4. Die Aufgabenbereiche in der Verwaltung
4.1. Die Aufgaben des Schaffners
4.2. Die Aufgaben des Pflegers
4.3. Die Aufgaben des Kaplans
4.4. Die Aufgaben von Unterschaffner und Schreiber

5. Die Aufgabenbereiche der Handwerker
5.1. Die Aufgaben der Werkmeister
5.2. Die Aufgaben der Parliere
5.3. Die Aufgaben der Steinmetze
5.4. Die Aufgaben der Schmiede
5.5. Die Aufgaben der Zimmerleute
5.6. Die Aufgaben der Windeknechte

6. Die Aufgaben des Gesindes

7. Die gesellschaftlichen Veranstaltungen der Bauhütte

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der personelle Aufbau der Bauhütte im 15. Jahrhundert ergibt sich aus den Zielset­zungen des Frauenwerks, nämlich der Errichtung einer Kathedrale unter städti­scher Leitung. Zu diesem Zweck war es zunächst erforderlich, dass die Stadt die Direktion der Hütte an einen Amtsträger delegierte und darüber hinaus eine weitere Person zu seiner Kontrolle einsetzte. Diese beiden Ämter wurden von dem Schaffner, der in erster Linie für finanzielle Fragen zuständig war, und einem Pfleger, der die Rechnungsleguung des Schaffners überprüfte, wahrgenommen.

Die technische Leitung wurde dem Werkmeister anvertraut, von dem eine sehr hohe fachliche Qualifikation erwartet wurde. Er galt gleichzeitig als Hauptsachver­ständiger in Bauangelegenheiten, die die Stadt selbst betrafen.

Sein Vertreter war der Parlier, der oberste Steinmetz. Ihm folgten in der Hierarchie die Meisterknechte und die übrigen Steinmetzgesellen.

Eine wichtige Rolle in der Bauhütte spielten auch die Schmiede, die Zimmerleute, die Steinbrecher und die Windeknechte.

Bedingt durch die Größe der Institution ergaben sich weitere Aufgaben, die in kei­nem direkten Zusammenhang mit dem Bau standen. Sie wurden im Verwaltungs­bereich von Schreibern, Unterschaffnern und Boten, im Bereich der Gottesdienste von Küstern und Orgelern und im Bereich der durch die Hausgemeinschaft auftre­tenden Erfordernisse von dem Gesinde wahrgenommen.

Die folgenden Ausführungen sollen zunächst die finanziellen Bedingungen ver­deutlichen, die das Funktionieren einer so großen Organisation überhaupt erst er­möglichten, des weiteren sollen die Arbeitsbereiche der Bauhütte beschrieben und im Hinblick auf ihre Funktion und ihren Stellenwert innerhalb des Frauenwerkes beurteilt werden.

2. Die finanziellen Rahmenbedingungen

2.1. Einnahmen

Das Frauenwerk unterscheidet sich im 15. Jahrhundert von anderen Bauhütten vor allem deshalb, weil es in der Trägerschaft der Meister und des Rates der Stadt, nicht der des Bischofs steht. Trotz dieser engen Verbindung zwischen Stadtrat und Bauhütte war das Vermögen dieser beiden Institutionen getrennt. Der historische Ursprung dieser Besonderheit liegt in einer Vereinbarung im Vertrag von Speyer (1422) begründet, in der die Stadt die Meisterpflegschaft zu Beginn des Neubaus der Westfassade übernahm.[1]

Die günstige finanzielle Situation in Straßburg resultiert aus einem großen Besitz an landwirtschaftlichen Güter (zum Beispiel Bibelnheim), Wäldern, Weinbergen und Häusern in und außerhalb von Straßburg. Diese waren entweder käuflich erworben worden oder durch Schenkungen und testamentarische Vermächtnisse an die Bauhütte gekommen. Gegenüber einmaligen Spenden entstand hier der Vorteil, dass aufgrund des einmal erworbenen Landgutes immer wieder neue Gewinne er­zielt werden konnten. Alleine die Rubrikenüberschriften des Rechnungsbuches von 1492 geben Aufschluß über die zahlreichen Einnahmequellen, die die landwirt­schaftlichen Besitzungen eröffnen:

"Verkaufft korn und gelt durab erlösst

Innome gelt von alter kornschulde

Innome gelt für orn von den lehenhütten

Innome gelt vonn verkoufftem win [...]

Innome gelt von verkoufftem harnasche

Innome gelt von verkoufften pferden[2]

Ahnliches gilt für Mieteinnahmen aus dem Hausbesitz:

"Innome gelt von alten pfening zinßen in der statt

Innome von alten pfening zinßen ußwendig der statt

Innome von hürigen zinßen in der statt

innome von hürigen zinßen ußwendig der statt [...]

Varia recepta als abgelößt zinße"[3]

Spenden und Zuwendungen aus Nachlässen spielten ebenfalls eine Rolle. Der Schaffner war dazu berechtigt, der Bauhütte geschenkte Gegenstände zu verkau­fen, wenn sie nicht gebraucht wurden.

Eine weitere sichere Einnahmequelle bot der Opferstock des Marienaltars im Münster, an dem die Seelenmessen für die Mitglieder der Steinmetzbruderschaften gelesen wurden. Ferner hatten interessierte Pfründner die Gelegenheit, sich in das Werk einzukaufen, womit erreicht wurde, dass der Bauhütte kurzfristig Geld zur Verfügung stand. Der Pfründner erhielt als Gegenleistung im Alter eine Leibrente. Er konnte auch im Krankheitsfall in die Hausgemeinschaft aufgenommen und dort gepflegt werden.[4]

2.2. Ausgaben

Der größte Posten der Ausgaben betrifft die Lohnzahlungen an die Steinmetze so­wie die übrigen Handwerker und Arbeiter und an das Gesinde, deren Höhe später im Zusammenhang mit ihrem Arbeitsbereich erläutert wird.

Ansonsten werden diverse Lebensmitel sowie Ausgaben für die Verarbeitung von Lebensmitteln ("Ußgobe von korn zu malen, ußgobe pfister knehten zu bachen"[5]) genannt, deren Mengen auf eine große Hausgemeinschaft schließen lassen, darüber hinaus aber auch Rückschlüsse auf mittelalterliche Eßgewohnheiten zulas­sen:

"Ußgobe zu kosten des huß wüchentlich umb fleisch visch eiger und mi­lich in die küchin

Ußgobe umb gekoufften ... (?) [sic] fleisch, visch in das salz, keße wurtz und saltz

Ußgobe umb erweissen linßen grieß und habermehl [...]

Ußgobe umb wurtz und honig zu den lebkuchen"[6]

Bei der Entlohnung des Personals spielten Naturalien eine große Rolle. Da diese größtenteils auf den Höfen des Frauenwerks geerntet wurden, tauchen einige Le­bensmittel in den Rubriken der Ausgaben nicht auf. Stattdessen findet sich ein Hinweis auf die Kosten, die die Unterhaltung eines solchen Gutes mit sich bringt. Im Rechnungsbuch von 1492 ist die Rede von "Ußgobe inn allerley wege von des hoffs wegen zu Bibelnheim".[7]

Im Zusammenhang mit der Kathedrale wurden Ausgaben zur Beschaffung von Baumaterial erforderlich: "Ußgobe umb kalk und mürstein"[8]. Außerdem finden sich Hinweise auf den Kauf von Kleidern und Waren, die den Handwerkern zu verschiedenen Anlässen als Geschenk übergeben wurden, ferner ist von einem Trinkgeld die Rede, das beispielsweise die Überbringer von Spenden erhielten. Kosten entstanden auch bei der Ausrichtung von Hochzeiten und Taufen sowie bei der Organisation von Beerdigungen. An Festtagen machte man Bedürftigen, Geist­lichen, Klöstern, Repräsentanten der Stadt, Handwerkern, Händlern und Spendern Geschenke und verteilte Lebensmittel.

[...]


[1] Barbara Schock-Werner: Das Straßburger Münster im 15. Jahrhundert. Köln 1983, S. 25 f

[2] Rubrikenüberschriften des Rechnungsbuches von 1492, zitiert nach Schock-Werner: Das Straßburger Münster im 15. Jahrhundert, S. 250.

[3] Ebenda.

[4] Die folgenden Einzelrubriken verdeutlichen das gesamte Spektrum der möglichen Einkünfte:

Innome vom opffer in unsere lieben frouwen cappellen

Innome so in das becken uff die hochzittlichen Tag geopfert auch in den piiengsten uff den fronaltar und beyde heilig creutz tag wurd

Innome usser den stöcken im münster

Innome usser den bühssen in der statt in den pfiensten meß und den capitel bühssen

Innome von eintzigner bühssen aller dorffer diß bistumbs

Innome von lüten do diß jore gestorben sind den man im münster gelutet hat

Innome von besetztem gelt so erber lute zu allen molen an das werck geben

Innome von verkoufften kleidern und kleinottern und gelt draberlaßt [...]

Innome von lipgedinge oder pfründenern so süch uff das huße verpfründen

(vgl. Schock-Werner: Das Straßburger Mühster im 15. Jahrhundert, S. 250).

[5] vgl. ebenda, S. 252.

[6] Ebenda, S. 251.

[7] Ebenda, S. 252.

[8] Ebenda, S. 251.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Straßburger Frauenwerk
Hochschule
Universität zu Köln  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Gotische Bauhütte in Deutschland
Note
1,3
Autor
Jahr
1991
Seiten
19
Katalognummer
V21395
ISBN (eBook)
9783638250306
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Straßburger, Frauenwerk, Hauptseminar, Gotische, Bauhütte, Deutschland
Arbeit zitieren
Herta Johansmeier (Autor), 1991, Das Straßburger Frauenwerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21395

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