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Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung

Title: Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 1-2

Autor:in: Johanna Zeiß (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Judenfeindschaft in Deutschland ist nicht erst ein Phänome n der Neuzeit, auch wenn
man zugeben muss, dass der Holocaust während des Zweiten Weltkriegs alles bis dahin
erlebt und dokumentierte durch seine unvorstellbaren Ausmaße und unmenschliche
Grausamkeit bei weitem übertraf.
Ausschreitungen gegen Mitbürger jüd ischen Glaubens gab es in Deutschland schon
während des Mittelalters, doch wurden diese durch ein äußeres Ereignis hervorgerufen.
„Durch den vom Papst Urban II. befohlenen ersten Kreuzzug begannen im Jahre 1096
die deutschen Judenverfolgungen [...].“1
Einen geschichtlichen Abriss der Entwicklung der Beziehungen zwischen Juden und
Christen würde das Maß dieser Arbeit sprengen und auch deren Sinn verfehlen, wichtig
erscheint mir jedoch in diesem Zusammenhang, dass dieser religiöse Fanatismus eben
den Hauptunterschied zum modernen Antisemitismus darstellt.
Der Begriff ‘Antisemitismus’ ist eine Neubildung des letzten Drittels des 19.
Jahrhunderts und bezieht sich vielmehr auf eine rassenbiologische Trennung von Ariern
und Semiten, wohingegen ‘Antijudaismus’ eine Judenfeindschaft aufgrund religiöser
Gegensätze bezeichnet.2 Dass ich also in dieser Arbeit von antijüdischen und nicht von
antisemitischen Mustern spreche, ist definitorisch bedingt und schließt sich im Übrigen
der Meinung von Heiko A. Obermann an, der sich dafür aussprach, „[...] die
Judenfeindschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit mit ‘Antijudaismus’ zu
bezeichnen, da nicht in rassischen Kategorien gedacht worden sei.“3 [...]

1 Margit Frank: Das Bild des Juden in der deutschen Literatur im Wandel der Zeitgeschichte. Freiburg,
1987, S. 10.
2 Vgl. Christine Mittelmeier: Publizistik im Dienste antijüdischer Polemik. Spätmittelalterliche und
frühneuzeitliche Flugschriften und Flugblätter zu Hostienschändungen. Frankfurt am Main,
2000, S.33 f., im folgenden zitiert als Mittelmeier: Publizistik .
3 Mittelmeier: Publizistik. S.34. Mittelmeier erwähnt in diesem Zusammenhang, dass diese Abgrenzung
zum Antisemitismus dann problematisch oder nahezu unmöglich wird, wenn man die
Blutreinheitsgesetze in Spanien, die bei konvertierten Juden in Kraft traten, mitberücksichtigen
möchte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung

2.1 „Die Wahrsagebeeren“ des Hans Folz

2.2 „Der falsche Messias“ des Hans Folz

3. Schluss

4. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Vorkommen und die Funktion von antijüdischen Mustern in der spätmittelalterlichen Maerendichtung, wobei ein besonderer Fokus auf den Werken von Hans Folz liegt. Ziel ist es, durch eine textnahe Analyse aufzudecken, wie religiös motivierte Judenfeindlichkeit in literarische Stereotype übersetzt und für ein zeitgenössisches Publikum instrumentalisiert wurde.

  • Analyse antijüdischer Stereotype in der spätmittelalterlichen Literatur
  • Untersuchung der Maeren „Die Wahrsagebeeren“ und „Der falsche Messias“ von Hans Folz
  • Darstellung der jüdischen Heilserwartung als Angriffspunkt christlicher Polemik
  • Deutung der Dämonisierung jüdischer Riten und Identitäten
  • Einordnung der Texte in den historischen Kontext der Judenvertreibung in Nürnberg

Auszug aus dem Buch

2.2 „Der falsche Messias“ des Hans Folz

Folzens antijüdische Haltung und die damit verbundene Verwendung von antijüdischen Mustern lässt sich zudem noch deutlich in der Maere „Der falsche Messias“ nachweisen, die zeitgleich mit der zuvor behandelten zweiten Fassung der ‘Wahrsagebeeren’, also auch 1485/86, veröffentlicht wurde.

Die Thematik, die er mit dieser Maere aufgreift, ist in der europäischen Literatur bereits mehrere Male verarbeitet worden, so zum Beispiel bei Bebel, Kirchhoff und Grimmelshausen. „Bereits im 13. Jahrhundert berichtete Caesarius von Heisterbach von der Verführung einer Judentochter durch einen Christen. Den Eltern der Jüdin erklärt der Liebhaber die illegitime Schwangerschaft durch die nächtliche Einflüsterung, bei dem erwarteten Kind handele es sich um den langersehnten Messias.“ Dies entspricht in Kurzfassung auch der Handlung dieser Maere.

In einer Stadt in Schlesien besitzt ein Jude eine schöne Tochter. An der Rückseite des Hauses hat ein christlicher Student genau gegenüber der Kammer des Mädchens sein Zimmer. Dieser schafft es, das Judenmädchen zu verführen, indem er nachts ein Brett von seinem Zimmer zu ihrem hinüberlegt und so in ihre Kammer gelangen kann. Wie zu erwarten war, wird das Mädchen schwanger und entdeckt es dem Studenten. Dieser bittet sie, ihm die Kammer ihres Vater zu zeigen, denn er hat bereits einen Plan gefasst: Bei einem Schreiner besorgte er sich ein Rohr, welches er in die Kammer des Vaters leitet und durch das er den Eltern des Mädchens gleich einem Engel des Himmels verkündet, dass ihre Tochter den Messias gebären würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des Antijudaismus im Gegensatz zum modernen Antisemitismus und erläutert die Relevanz der literarischen Vermittlung judenfeindlicher Bilder im Mittelalter.

2. Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung: Dieses Kapitel bildet den analytischen Kern, in dem die Mechanismen der Diffamierung jüdischer Bevölkerungsgruppen in literarischen Stoffen dargelegt werden.

2.1 „Die Wahrsagebeeren“ des Hans Folz: Die Analyse zeigt auf, wie durch den Handel mit Exkrementen als vermeintlichem Bisam die jüdische Hoffnung auf das Kommen des Messias verspottet wird.

2.2 „Der falsche Messias“ des Hans Folz: Dieses Unterkapitel behandelt die gezielte Täuschung jüdischer Eltern durch einen christlichen Studenten und die damit verbundene Dämonisierung jüdischer Riten.

3. Schluss: Der Schlussteil resümiert, dass Folz bewusst antijüdische Muster nutzt, um die christliche Lehre zu propagieren und die jüdische Gemeinde zu diskreditieren, bis hin zur historischen Vertreibung aus Nürnberg.

4. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.

Schlüsselwörter

Antijudaismus, Hans Folz, Maerendichtung, Spätmittelalter, Judenfeindlichkeit, Stereotype, Messiaserwartung, Literaturgeschichte, Nürnberg, christlich-jüdische Beziehungen, Diskriminierung, Polemik, Medien des Mittelalters.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarische Gestaltung antijüdischer Vorurteile und Stereotype in spätmittelalterlichen Maeren, insbesondere in den Texten von Hans Folz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die christlich-jüdischen Spannungen, die literarische Verarbeitung von religiösem Antijudaismus sowie die Darstellung des Judentums als „fremdes“ und „feindliches“ Konstrukt in der Stadtkultur des Mittelalters.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die textnahe Aufdeckung antijüdischer Muster, die in Form von Denunziationen und Spott in den ausgewählten Maeren verarbeitet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen, textnahen Analyse der Primärquellen, ergänzt durch historische Kontextualisierung und Einbeziehung aktueller Forschungsliteratur zum christlichen Antijudaismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich detailliert zwei Werken von Hans Folz: „Die Wahrsagebeeren“ und „Der falsche Messias“, wobei jeweils die erzählerischen Mittel zur Diskreditierung jüdischer Akteure analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Antijudaismus, Hans Folz, Mittelalterliche Maerendichtung und Stereotypenbildung charakterisieren.

Wie werden die jüdischen Protagonisten in den Maeren dargestellt?

Die Juden werden in den Werken von Hans Folz systematisch als Zielscheibe von Spott und als verstockt dargestellt, wobei häufig entmenschlichende Vergleiche zu Tieren oder eine Nähe zum Teuflischen gezogen werden.

Warum spielt die Nürnberger Stadtgeschichte eine Rolle?

Nürnberg war der Lebensraum von Hans Folz, dessen Werke direkt mit dem dortigen gesellschaftlichen Klima und der schrittweisen Ausgrenzung bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung im Jahr 1499 korrespondieren.

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Details

Title
Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
Proseminar: Maeren
Grade
1-2
Author
Johanna Zeiß (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V21397
ISBN (eBook)
9783638250320
Language
German
Tags
Antijüdische Muster Maerendichtung Proseminar Maeren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Zeiß (Author), 2003, Antijüdische Muster in spätmittelalterlicher Maerendichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21397
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