1. Athen am Ende des 5. Jahrhunderts: Oligarchische Zwischenspiele und die Konsequenzen
Der oder die Verfasser der Athenaion Politeia beschreiben die athenische Demokratie als eine Staatsform, die anscheinend nicht besonders krisensicher ist . Jedenfalls waren die Athener in der oben beschriebenen angespannten politischen Situation angesichts militärischer und politischer Misserfolge dazu veranlasst (von wem sie dazu bewegt wurden oder ob sie sich aus freien Stücken dafür entschieden haben, überlässt die Übertragung aus der englischen Übersetzung des Originaltexts der Interpretation des Lesers) , die Demokratie zugunsten der Herrschaft der 400 umzustürzen. 411 war es die Volksversammlung selbst, die „[…] eine Hand voll Oligarchen mit umfangreichen Befugnissen […]“ ausstattete. Aus diesen entstanden dann die namensgebenden 400, die schon 410 fliehen mussten und denen die Restitution der Demokratie folgte. Auch im Jahr 403 stand am Ende eines zweiten oligarchischen „Intermezzos“ , der Herrschaft der 30, wiederum die Demokratie. Es stellt sich also unter anderem die Frage nach dem „Wie?“, also nach der Art und Weise, wie die Demokratie scheinbar gleich zweimal relativ schnell und problemlos oligarchischen Umstürzen weichen konnte oder musste. Wie haben sie also ihr demokratisches System in ein oligarchisches transformiert? Auf das andere Ende der hier skizzierten Skala von Fragen nach den Gründen und Umständen und Wegen verweist die Untersuchung der Konsequenzen, die die Athener aus der Abschaffung der Demokratie gezogen haben, sodass sie 403 wiederhergestellt wurde und in manchen rückblickenden Arbeiten die oligarchischen Umstürze lediglich als Zwischenspiele erwähnenswert macht. Die vorliegende Arbeit befasst sich also mit der Frage, welche Modifikationen die athenische Demokratie zu Beginn des 4. Jahrhunderts erfährt, und inwieweit diese aus den Erfahrungen mit der Oligarchie zum Ende des 5. Jahrhunderts resultieren, also als Reaktionen auf diese Phase zu verstehen sind. Abschließend soll beurteilt werden, inwiefern die Modifikationen den Erfahrungen mit der Oligarchie Rechnung tragen also der Charakter der athenischen Demokratie im 4. Jahrhundert Folge dieser Ereignisse ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Athen am Ende des 5. Jahrhunderts: Oligarchische Zwischenspiele und die Konsequenzen
2. Zur Quellenlage
3. Kurzer Überblick über die Forschungslage
4. Nicht angewandte Normen: Selbstaufgabe der athenischen Demokratie?
4.1 Die Herrschaft der 400
4.2 Die Herrschaft der 30
5. Die athenische Demokratie im 4. Jahrhundert: Modifikationen und Maßnahmen
5.1 Maßnahmen nach der Herrschaft der 400
5.2. Maßnahmen nach der Herrschaft der 30
5.3 Die Nomothesia
5.3.1 Begriff und Zusammensetzung
5.3.2 Verfahren der Nomothesia
5.3.3 Bedeutung der Nomothesia.
6. Der Charakter der athenischen Demokratie im 4. Jahrhundert: Geprägt von den Reaktionen einer blutigen Lektion?
7. Quellen und Literatur
7.1 Quellen
7.2 Literatur
Häufig gestellte Fragen
Wie kam es zu den oligarchischen Umstürzen im antiken Athen?
Infolge militärischer Misserfolge und politischer Krisen am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Demokratie zweimal (411 und 404/403 v. Chr.) durch oligarchische Herrschaftsformen ersetzt.
Wer waren die „400“ und die „30“?
Die „400“ waren eine oligarchische Gruppe, die 411 die Macht übernahm; die „30“ (die sogenannten Dreißig Tyrannen) herrschten nach der Niederlage im Peloponnesischen Krieg 404/403 v. Chr.
Was ist die „Nomothesia“?
Es ist ein im 4. Jahrhundert v. Chr. eingeführtes Verfahren zur Gesetzgebung, das als Reaktion auf die Instabilität der Volksversammlung und die Erfahrungen mit der Oligarchie diente.
Wie veränderte sich die athenische Demokratie im 4. Jahrhundert?
Das System wurde durch Modifikationen wie die Trennung von Gesetzen (nomoi) und Volksbeschlüssen (psephismata) krisenfester und konservativer gestaltet.
Welche Quellen berichten über diese Umstürze?
Zentrale Quellen sind die „Athenaion Politeia“ (Staat der Athener) sowie Werke zeitgenössischer Historiker.
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- Maximilian Frisch (Author), 2012, Modifikationen der athenischen Demokratie vor dem Hintergrund der oligarchischen Umstürze am Ende des 5. Jh. v. Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213970