Der staufisch-welfische Konflikt


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Vorgeschichte

III. Der Konflikt

IV. Friedrich Barbarossa und seine Bedeutung für den „staufisch-welfischen Konflikt“
IV.1 Königswahl und Hintergründe
IV.2 Versuchter Ausgleich – Das Privilegium Minus
IV.3 Der Gegensatz zu Heinrich dem Löwen und die machtpolitische Entscheidung Friedrichs

V. Der deutsche Thronstreit 1198 und das Ende des Konflikts

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

VIII. Quellenverzeichnis

I. Einleitung

Als „staufisch-welfischer Konflikt“ oder auch „staufisch-welfischer Gegensatz“ wird der Konflikt zwischen den Reichsfürsten aus dem Geschlecht der Staufer und dem der Welfen im 12. Jahrhundert bezeichnet. Dieser Gegensatz erlebte seinen Höhepunkt in der Doppelten Königswahl 1198;[1] seinen Anfang nahm er allerdings schon ein halbes Jahrhundert vorher.

In den letzten Jahren zweifelt die Forschung die Existenz dieses Konfliktes und zwar im Hinblick auf die „Parteienbildung“ an[2], die in der älteren Forschung immer vorausgesetzt wurde.[3] Werner Hechberger ist der Ansicht, dass die Theorie von diesem Gegensatz auf einer spezifischen Interpretation der Gesta Frederici Ottos von Freising mit Blick auf den Thronstreit 1198 beruht.[4]

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich nicht mit dieser unterschiedlichen Bewertung, sondern mit der Rolle Friedrich Barbarossas. Bischof Otto von Freising führt den „staufisch-welfischen Konflikt“ in seiner Gesta Frederici als einen Grund an, warum Friedrich Barbarossa die Königswahl 1152 für sich entscheiden konnte. In der vielzitierten Passage schreibt er der tiefste Grund für den Entschluss der Fürsten sei die Tatsache gewesen, dass Barbarossa beiden Familien angehörte und „gewissermaßen als Eckstein die Feindschaft dieser beiden Häuser überwinden könnte; deshalb beschlossen sie, ihn zum Oberhaupt des Reiches einzusetzen“ [5]. Dass der „staufisch-welfische Konflikt“ nicht mit der Wahl von 1152 beendet war ist bekannt.[6]

Welche Rolle spielte der spätere Kaiser Friedrich Barbarossa also für den „staufisch-welfischen Konflikt“? Mit dieser Frage werde ich mich im Folgenden auseinandersetzen. Hierzu werde ich zuerst die Vorgeschichte des Gegensatzes und dessen Verlauf bis zur Wahl Barbarossas wiedergeben. Anschließend widme ich mich meinem eigentlichen Thema: der Rolle Friedrich Barbarossas in diesem Konflikt. Dazu werde ich zunächst auf seine Königswahl und deren Hintergründe eingehen, sowie auf seinen Ausgleichsversuch und schließlich seinen Gegensatz zu Heinrich dem Löwen. Abschließend folgt noch der weitere Verlauf des Konflikts bis zu dessen Ende in Gestalt des Deutschen Thronstreits, bevor ich am Ende der Arbeit meine Ergebnisse vorstelle.

II. Vorgeschichte

1125 starb der letzte Salier, Kaiser Heinrich V. kinderlos. Sein Nachfolger wurde der damalige Herzog von Sachsen, Lothar von Supplinburg. Seine Wahl wurde von Heinrich dem Schwarzen, dem welfischen Herzog von Bayern unterstützt. Im Gegenzug vermählte Lothar seine einzige Tochter Gertrud mit dessen Sohn, Heinrich dem Stolzen[7].

Nach Lothars Tod 1137 machte sich der Welfe große Hoffnungen auf die Nachfolge seines Schwiegervaters als König des Reiches, war er doch als Herzog von Bayern und Sachsen und Markgraf von Tuszien, sowie Herr über die Mathildischen Güter, der mächtigste Fürst im Reich.[8] Bevor jedoch der eigentliche Wahltermin anstand, wählte eine Gruppe von Fürsten, unter der Führung Alberos von Trier den Staufer Konrad zum neuen König[9].

Aber damit nicht genug: der neue König, Konrad III., forderte von Heinrich auf einen Teil seiner Lehen zu verzichten. Die Weigerung Heinrichs führte zur Verhängung der Reichsacht gegen den Welfen und Konrad entzog ihm 1138 beide Herzogtümer[10]. Dies war die Ursache des „staufisch-welfischen Gegensatzes“.

III. Der Konflikt

Der Konflikt entwickelte sich zum bewaffneten Kampf, als die Herzogtümer neu vergeben wurden; und nicht Heinrich der Stolze war der Aggressor, denn er starb bereits 1139[11], sondern sein Bruder Welf VI.. Dieser forderte das Herzogtum Bayern für sich, während sein damals minderjähriger Neffe, Heinrich der Löwe sich zunächst auf Sachsen fokussierte.[12]

Als Bruder des Herzogs von Bayern galt Welf VI. als herzogsgleich. Die eigentliche Herzogswürde war ihm aber nie verliehen worden und dies wurde nun zum Problem. Die Machtgrundlage der welfischen Besitzungen, besonders in Schwaben beruhte auf der Herzogswürde: Welfs honor war gefährdet. Ohne offiziellen Titel fiele er in einen untergeordneten Rang zurück; seine eigene Position würde erniedrigt. Folglich hing seine soziale und rechtliche Stellung von der Herzogswürde ab, also musste er um Bayern kämpfen.[13]

Von diesen persönlichen Verwicklungen abgesehen war der Erbanspruch Heinrichs des Löwenauf die Güter seines Vaters mit dessen Ächtung in Frage gestellt. Wegen der Verhängung des Bannes allerdings hatte Welf einen rechtlichen Anspruch auf Bayern, da es von einem gemeinsamen Ahnherrn stammte. Laut langobardischem Recht hätte das Herzogtum an Welf gehen können, falls er die Verurteilung seines Bruders als rechtens akzeptierte. Für das Herzogtum Sachsen traf ein gleicher Rechtsanspruch nicht zu, da dieses Lehen selbst erworben war, nicht vererbt. Allerdings hatte Welf auf dieses auch nie einen Anspruch erhoben.[14]

Konrad III. stattete seine Verwandten gezielt mit wichtigen Funktionen im Reich aus, so auch mit dem Herzogtum Bayern. Die babenbergische Verwandtschaft war, neben Byzanz zur Hauptstütze des Königtums Konrads aufgestiegen.[15]

Das Herzogtum Sachsen bekam der Askanier Albrecht von Ballenstedt[16], aber diesen vertrieb Heinrich der Stolze noch vor seinem Tod[17]. Der Zankapfel Bayern wurde dem Babenberger Leopold IV. von Österreich gegeben.[18]

1140 forderte Welf VI. das Herzogtum Bayern für sich. Er argumentierte, dass das Herzogtum laut Erbrecht ihm gehöre und „ da er beim König kein Recht erlangen konnte, bereitete er sich zum Aufstand vor.“[19] Im gleichen Jahr besiegt Welf Leopold in der Schlacht bei Valley[20].

Schon im Jahr darauf (1141) starb Leopold, Konrad III. behielt das Herzogtum vorläufig ein und versuchte eine diplomatische Lösung zu finden. Er vermittelte einen Ausgleich: Gertrud die Witwe Heinrichs des Stolzen und Mutter Heinrich des Löwen sollte Heinrich Jasomirgott heiraten. Der Askanier Albrecht, genannt der Bär verzichtete auf das Herzogtum Sachsen. Heinrich der Löwe wurde Herzog von Sachsen, nachdem er auf das Herzogtum Bayern verzichtete, welches dann wiederum Jasomirgott erhalten sollte.[21]

Doch bei alledem war Welf VI. übergangen worden. Nachdem Heinrich Jasomirgott 1143 schließlich das Herzogtum Bayern erhalten hatte[22], nahm Welf den Kampf im Süden wieder auf und verwüstete noch im selben Jahr zusammen mit seinem Neffen Herzog Friedrich III. von Schwaben die Güter des Königs in Schwaben.[23] Obwohl der Ausgleich des Jahres 1142 Welf politisch isolierte stand Friedrich Barbarossa auf seiner Seite und nicht auf der seines anderen Onkels, Konrad III.[24] Dies allein zeigt, dass es damals keinen „staufisch-welfischen Konflikt“ nach heutigem Verständnis gab. Es handelte sich nicht um einen dynastischen Konflikt, bei dem sich alle Angehörigen der jeweiligen Dynastie gegenseitig bekämpften und untereinander zusammen arbeiteten. Friedrich Barbarossa war damals ein Reichsfürst, genauso wie sein Onkel Welf, er stand also nur einen anderen Reichsfürsten in einer Fehde gegen den König bei.[25]

Ein weiteres Beispiel gegen die „Geschlechter-Theorie“ ist das Verhältnis zwischen Heinrich dem Löwen und Welf VI., die sich nicht gemeinsam gegen den König verbündeten, wie sie es getan hätten, ginge es um Belange der Dynastie, sondern ihre jeweils eigenen Kämpfe mit ihm ausfochten.[26]

[...]


[1] vgl. Hechberger, Werner: Staufer und Welfen 1125-1190: zur Verwendung von Theorien in der Geschichtswissenschaft, Köln 1996, S. 101 ; Görich, Knut: Die Staufer. Herrscher und Reich, München 2011, S. 79-87.

[2] vgl. ebenda, S. 218.

[3] vgl. ebenda, S. 293.

[4] vgl. ebenda, S. 199.

[5] von Freising, Otto: Die Taten Friedrichs oder richtiger Chronica, in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein. Gedächtnisausgabe, Hrsg. von Schmale, Franz-Josef, Darmstadt 1965, S. 287.

[6] vgl. Görich, Die Staufer, S. 79.

[7] vgl. Hechberger, Staufer, S. 18.

[8] vgl. ebenda.

[9] vgl. RI IV, 1, 2 n. 83.

[10] vgl. RI IV 1, 2 n. 108 ; RI IV 1, 2 n. 116.

[11] vgl. RI IV 1, 2 n. 160.

[12] vgl. Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe. Quellen zur Geschichte der Welfen und die Chronik Burchards von Ursberg, Hrsg. Becker, Mathias, Darmstadt 2007, S. 2.

[13] vgl. Hechberger, Staufer, S. 202-207.

[14] vgl. ebenda, S. 208f.

[15] vgl. ebenda, S. 228.

[16] vgl. RI IV, 1 2 n. 109.

[17] vgl. RI IV, 1 2 n. 126.

[18] vgl. RI IV, 1 2 n. 128.

[19] Historia Welforum, in: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe. Quellen zur Geschichte der Welfen und die Chronik Burchards von Ursberg, Hrsg. Becker, Mathias, Darmstadt 2007, S. 73.

[20] vgl. RI IV, 1 2 n. 185.

[21] vgl. RI IV, 1 2 n. 240.

[22] vgl. RI IV, 1 2 n. 265.

[23] vgl. RI IV, 1, 2 n. 271.

[24] vgl. Hechberger, Staufer, S. 32.

[25] vgl. ebenda, S. 216.

[26] vgl. ebenda, S. 212.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der staufisch-welfische Konflikt
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Friedrich Barbarossa
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V213992
ISBN (eBook)
9783656422907
ISBN (Buch)
9783656424673
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konflikt
Arbeit zitieren
Andrea Benesch (Autor), 2012, Der staufisch-welfische Konflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213992

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