Am 27. Februar 1943 wurden bei einer reichsweiten Razzia, der sogenannten ,Fabrik-Aktion‘ mehrere tausend Juden verhaftet. Ziel dieser Aktion war es, die Juden aus den Fabriken zu entfernen und ebenfalls zu deportieren. Im Rahmen dieser Razzia wurden nicht nur sogenannte ,Volljuden‘ sondern ebenso ,geschützte‘ in Mischehe lebende Juden, sowie Mischlinge verhaftet. Die Verhafteten wurden in Sammellager gebracht und sofern sie nicht in Mischehen lebten oder als Mischlinge galten deportiert. In Berlin wurden rund 2000 in Mischehe lebende Juden in einem Gebäude in der Rosenstraße 2 – 4 inhaftiert. Bereits kurze Zeit später kam es zu einer Ansammlung von Menschen vor dem Gebäude. Verwandte dieser Juden protestierten für deren Freilassung. Bis heute gibt es viele offene Fragen und wider-sprüchliche Zeitzeugenaussagen zu diesem Protest, die eine Bewertung dessen, was dort geschehen ist, schwierig machen.
In der Forschung gibt es unterschiedliche Positionen. Einige sehen in dem Protest einen Akt des Widerstandes, durch den die inhaftierten Juden frei kamen, andere sind der Ansicht, dass der Protest nichts mit deren Freilassung zu tun hat.
Im Folgenden werde ich der Frage nachgehen, ob es sich bei dem Protest in der Rosenstraße um Widerstand gehandelt hat. Dazu werden zuerst verschiedene Definitionen des Begriffs vorgestellt und anschließend die Stellung der Mischehen im Dritten Reich aufgezeigt. Danach werde ich auf den eigentlichen Protest in der Rosenstraße eingehen und diesen, sowie den Verlauf der Fabrik-Aktion darstellen. Hiernach werde ich auf die Zeit nach dem Protest eingehen, um abschließend im Fazit die zuvor gestellte Leitfrage zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Widerstand
3. Die Stellung der Mischehe im Dritten Reich
4. Der Rosenstraßen-Protest
5. Der Rosenstraße-Protest ein Akt des Widerstandes?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Ereignis des Rosenstraßen-Protests im Jahr 1943 und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob es sich bei dieser Ansammlung von Menschen vor dem Sammellager in der Rosenstraße um einen Akt des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime gehandelt hat.
- Historische Einordnung der Fabrik-Aktion vom Februar 1943
- Definition und Analyse des Widerstandsbegriffs im Nationalsozialismus
- Stellung und Behandlung von sogenannten Mischehen im Dritten Reich
- Rekonstruktion und Auswertung der Geschehnisse vor dem Gebäude Rosenstraße 2–4
- Kritische Diskussion der Forschungspositionen und Zeitzeugenaussagen
Auszug aus dem Buch
4. Der Rosenstraßen-Protest
Anfang des Jahres 1943 lebten im ,Altreich‘ 51327 Juden, 16760 davon in Mischehen, von denen etwa die Hälfte in Berlin lebte. Hier „zählte man rund 6000 „privilegierte Mischehen“ und 2800 „nicht privilegierte Mischehen“.“
Für den 27. Februar 1943 war eine schlagartige Aktion geplant bei der „sämtliche noch in Betrieben beschäftigten Juden zum Zwecke der Erfassung aus den Betrieben“ entfernt werden sollten, auch „die in Mischehen lebenden Juden“; allerdings sollten letztere nicht deportiert, ihr Zwangseinsatz lediglich reorganisiert werden. Diese Aktion, die im ganzen Reichsgebiet durchgeführt wurde, ist heute als ,Fabrik-Aktion‘ bekannt, „ein Begriff, der [...] von den Verfolgten selbst noch im Krieg bzw. kurz danach geprägt wurde“. Diese Fabrik-Aktion war „die drittgrößte antijüdische Razzia im Reichsgebiet“.
Sie begann am frühen Morgen des 27. Februars 1943. Auf Grund der großen Anzahl der zu Verhaftenden, wurde die Razzia in Berlin nicht nur von der Gestapo, sondern auch mit Hilfe der Waffen-SS durchgeführt. Es „fuhren geschlossene Lastwagen vor den Fabriken vor. Die dort beschäftigten Juden wurden von ihren Arbeitsplätzen zum Sammeln in den Hof oder vor das Gebäude getrieben und auf die LKW verladen.“ Allerdings waren die Verhaftungen nicht auf die Betriebe beschränkt, diverse Juden wurden Zuhause oder auch auf offener Straße verschleppt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des historischen Kontextes der Fabrik-Aktion 1943 und Darlegung der Leitfrage bezüglich des Widerstandscharakters des Rosenstraßen-Protests.
2. Definition Widerstand: Auseinandersetzung mit verschiedenen wissenschaftlichen Modellen und Begrifflichkeiten wie dem Lexikon des Widerstandes, Detlev Peukerts Stufenmodell und Martin Broszats Resistenzbegriff.
3. Die Stellung der Mischehe im Dritten Reich: Analyse der rechtlichen und sozialen Diskriminierung von Partnern in sogenannten Mischehen sowie der ambivalenten Haltung des NS-Regimes dazu.
4. Der Rosenstraßen-Protest: Detaillierte Darstellung des Ablaufs der Fabrik-Aktion und der Inhaftierungen in der Rosenstraße sowie der unklaren Beweggründe und des Verlaufs des Protests.
5. Der Rosenstraße-Protest ein Akt des Widerstandes?: Anwendung der zuvor erarbeiteten Definitionen auf das Ereignis unter Einbeziehung kontroverser Forschungspositionen und Zeitzeugenberichte.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass eine eindeutige Zuordnung des Protests zum Widerstandsbegriff aufgrund widersprüchlicher Quellenlage nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Rosenstraßen-Protest, Fabrik-Aktion, Widerstand, Resistenz, Mischehe, Nationalsozialismus, Berlin 1943, Deportation, Detlev Peukert, Martin Broszat, Zivilcourage, Judenverfolgung, NS-Regime, Zeitzeugen, Sammellager.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Protest von Angehörigen gegen die Inhaftierung von Juden aus sogenannten Mischehen in Berlin im Jahr 1943.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Das Hauptaugenmerk liegt auf der rechtlichen Stellung der Mischehen, dem Ablauf der Fabrik-Aktion und der wissenschaftlichen Einordnung der Proteste.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob der Rosenstraßen-Protest historisch als ein Akt des organisierten Widerstandes gegen das NS-Regime gewertet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse verschiedener Definitionen des Widerstandsbegriffs und setzt diese in Bezug zu historischen Ereignisberichten.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Im Hauptteil wird der Verlauf der Fabrik-Aktion dargestellt und die Kontroverse um die Motivation der Protestierenden sowie deren Erfolg bzw. Wirkung kritisch beleuchtet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Widerstand, Resistenz, Mischehe, Fabrik-Aktion und die Auseinandersetzung mit historischen Quellen geprägt.
Warum ist eine eindeutige Definition von Widerstand so schwierig?
Wie die Arbeit zeigt, existiert keine allgemein gültige Definition; Historiker wie Peukert und Broszat nutzen unterschiedliche Stufenmodelle oder Begriffe wie "Resistenz", die eine einheitliche Einordnung erschweren.
Welche Bedeutung wird dem Tagebucheintrag von Goebbels beigemessen?
Die Arbeit hinterfragt diesen Eintrag kritisch als Beweis für den "Erfolg" des Protests und weist darauf hin, dass er eher der Selbststilisierung des Ministers diente und keine direkte Erwähnung der Rosenstraße enthält.
- Arbeit zitieren
- Andrea Benesch (Autor:in), 2013, Der Rosenstraßen-Protest als Akt des Widerstandes? Einordnung der Fabrik-Aktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213994