Legitimät der NATO-Intervention im Kosovokrieg

Inwieweit lässt sich der NATO Lufteinsatz während des Kosovokrieges mit der realistischen und konstruktivistischen Theorie internationaler Beziehungen erklären?


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien der Internationalen Beziehungen
2.1 Der (Neo-)Realismus
2. 2 Der (Sozial-)Konstruktivismus

3. Die Geschichte des Kosovos

4. Kriegsbeginn

5. Die Nato im Wandel

6. Der UN-Sicherheitsrat

7. Der Kampf um die öffentliche Meinung

8. Realismus getarnt als Konstruktivismus?

9. Jüngere Tendenzen

10. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter dem Deckmantel der „humanitären Intervention“ wurde 1999 der erste Angriffskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden geführt. Die vorliegende Seminararbeit soll der Frage nachgehen, inwieweit die NATO-Intervention im Kosovokrieg vom 24. März 1999 mit der Bombardierung der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien aus realistischer und konstruktivistischer Perspektive zu erklären ist.

Zunächst sollen daher beide Theorien der internationalen Beziehungen, also ihre Grundannahmen, Akteure und Strukturen, kurz vorgestellt werden. Anschließend werden in einem deskriptiven Teil die Hintergründe des Kosovokrieges unter Verwendung des vom Präsidenten des EIIW (Europäisches Institut für Internationale Wirtschaftsbeziehungen) Prof. Dr. Paul J.J. Welfens verfassten Buches „Der Kosovokrieg und die Zukunft Europas“ aufgezeigt. Eine kurze Einführung in die Geschichte der Nato und ihrer Transformation nach dem Ende des Kalten Krieges erscheint ebenso unverzichtbar, wie die Klärung des Begriffes „humanitäre Intervention“ und der Kompetenzen des UN-Sicherheitsrates. Im Hauptteil werde ich versuchen, die vorher behandelten Abschnitte auf die Ausgangsfrage zu beziehen bzw. zu konsolidieren. Bevor in einem Fazit alle Teilabschnitte zusammengefasst und somit die Frage der Seminararbeit beantwortet wird, werden im folgenden Teil meiner Arbeit die jüngeren Tendenzen der Balkanregion thematisieren.

Mehr als eine Dekade nach Kriegsende ist die politische und völkerrechtliche Lage des Kosovos nach wie vor ungeklärt. Wir können uns also die ergänzende Frage stellen, ob die Kosovopolitik der Vereinten Nationen und der Europäischen Union versagt hat? Es sei am Rande erwähnt, dass ich trotz unmittelbar persönlichem Bezug als Serbe aus dem Nordteil des Kosovos, versuchen werde eine objektive Darstellung des Krieges seiner Legitimität und dessen Folgen zu vermitteln.

2. Theorien der Internationalen Beziehungen

„Internationale Politik ist Politik unter den Bedingungen der Anarchie“ (Schimmelfennig 2008, S. 19). Anarchie darf nicht gleichgesetzt werden mit Regellosigkeit oder gar Chaos, sondern mit der Nichtexistenz einer globalen Herrschaftsform. „Das internationale System ist ein System territorial differenzierter Herrschaft“ (ebd., S. 23). Die legitime Herrschaft einer Regierung endet an den eigenen Staatsgrenzen. Anders ausgedrückt kann festgestellt werden, dass es keine mit einem unumschränkten Gewaltmonopol ausgestattete Weltregierung gibt, wie sie beispielsweise der Philosoph Immanuel Kant forderte. Koordinationsmittel zwischen den autonomen Staaten des internationalen Systems ist die Macht. Es können folgende drei Typen der Macht unterschieden werden: Zwangsmacht, Verhandlungsmacht und Argumentationsmacht (vgl. Schimmelfennig 2008, S. 26). Die Anarchie hat zur Folge, dass allgemeine Problemfelder wie Sicherheit, Wohlfahrt oder Freiheit bedeutend schwerer zu lösen sind. Mehrere Theorien zur Erklärung der internationalen Politik, können herangezogen werden, um die Auswirkungen der Anarchie zu erörtern.

2.1 Der (Neo-)Realismus

Der (Neo-)Realismus erkennt in der Abwesenheit einer „Weltregierung“ und der Gewaltdezentralisierung im anarchischen System ein Strukturproblem, das die Akteure, egoistisch-zweckrationale Staaten, dazu zwingt, nach Macht zu streben und so der existenziellen Unsicherheit vorzubeugen (vgl. Schimmelfennig 2008, S. 66). Die beiden wichtigsten Autoren der realistischen bzw. neorealistischen Theorie, der wahrscheinlich ältesten Theorien internationaler Politik, sind Hans J. Morgenthau und Kenneth N. Waltz. Wie bereits erwähnt gelten die Staaten als ausschließliche Akteure, die aufgrund der zentralen Auswirkung der Anarchie, die existenzielle Unsicherheit, nach Macht streben. „Daraus resultiert als zentraler Prozess der internationalen Politik eine Machtkonkurrenz, die durch die Interaktionsmechanismen des Sicherheitsdilemmas und des Gleichgewichts in Bewegung gehalten wird und dafür sorgt, dass Anarchie, Machstreben und Machtkonkurrenz immer wieder reproduziert werden“ (Schimmelfennig 2008, S. 66). Waltz behauptet in seinem Werk „Theory of International Politics“, dass das internationale System ein System der Selbsthilfe sei. „A national system is not one of self-help. The international system is“ (Waltz 1979, S. 104). Diese Selbsthilfe konkretisiert sich in dem Streben nach militärischer Macht, denn sie ist die „Währung“ der internationalen Politik (vgl. Schimmelfennig 2008, S. 70). In der wirtschaftlichen Sphäre erklärt der Realismus das Zustandekommen von Kooperation nicht mit dem eigenen Gewinnmaximierungsstreben der beteiligten Staaten, sondern mit der Machtneutralität bei der Erzielung relativer Gewinne. Wirtschaftliche Kooperation, die stets instabil ist, kommt infolge dessen nur zustande, wenn beide Staaten in etwa den gleichen Vorteil daraus ziehen können. Aus realistischer Sicht gilt es demnach wirtschaftliche Abhängigkeit zu vermeiden und an strategischen Rohstoffen wie beispielsweise Erdöl festzuhalten. „Die durch das Sicherheitsproblem ausgelöste dreifache Furcht vor Betrug, relativen Verlusten und Abhängigkeit verringert also die Bereitschaft der Staaten, wechselseitig profitable Beziehungen aufzunehmen und zu vertiefen“ (ebd., S. 73). Eine Bedingung für Frieden ist Machtkonzentration, denn je mehr Großmächte bzw. relativ gleich starke Staaten das internationale System aufweist, desto größer sind Machtstreben und die Ausprägung des Sicherheitsdilemmas. Abschließend sollte darauf hingewiesen werden, dass Realisten davon ausgehen, dass dauerhafter Frieden aufgrund der Strukturwirkungen der Anarchie nicht möglich ist. Vielmehr sei das internationale System geprägt von Hegemoniezyklen und Phasen temporären Friedens.

2. 2 Der (Sozial-)Konstruktivismus

Der (sozial-)konstruktivistische Ansatz ist vor allem auf Alexander Wendts „Social Theory of International Politics“ zurückzuführen. Diese junge Theorie nimmt an, dass die internationale Politik sozial strukturiert ist. Sie unterscheidet sich in zahlreichen Punkten vom Realismus und kritisiert ihn – „The nature and effects of interaction structures are different that the structures Waltz is talking about...“ (Wendt 1999, S. 147). Neben den Staaten identifiziert dieser Ansatz ebenfalls gesellschaftliche Akteure, die nicht zweckrational sondern angemessen handeln. Sie orientieren sich also bei der Wahl ihrer Ziele und Handlungsoptionen an Werten, Normen und Rollen (vgl. Schimmelfennig 2008, S. 161). Staaten agieren als Mitglieder einer internationalen Gemeinschaft, in der eine gemeinsame Kultur herrscht. Innerhalb der Gemeinschaften werden die geteilten Werte und Normen durch Sozialisationsprozesse gepflegt und somit ein friedvolles, solidarisches Miteinander ermöglicht. Der Konstruktivismus unterscheidet somit Freunde und Feinde im internationalen System. „Internationale materielle Strukturen wie Ressourcen und Technologie und die Macht- und Interdependenzverhältnisse, die sich aus ihnen ergeben, prägen das Handeln und die Interaktion der internationalen Akteure nicht unmittelbar“ (Schimmelfennig 2008, S. 167). Frieden ist demnach nur möglich, wenn möglichst alle Akteure des internationalen Systems Teil derselben Wertegemeinschaft werden, dieselbe Kultur vertreten und somit keine Feindschaften mehr existieren können.

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Details

Titel
Legitimät der NATO-Intervention im Kosovokrieg
Untertitel
Inwieweit lässt sich der NATO Lufteinsatz während des Kosovokrieges mit der realistischen und konstruktivistischen Theorie internationaler Beziehungen erklären?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V214014
ISBN (eBook)
9783656423980
ISBN (Buch)
9783656424659
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
legitimät, nato-intervention, kosovokrieg, inwieweit, nato, lufteinsatz, kosovokrieges, theorie, beziehungen
Arbeit zitieren
Aleksandar Ilic (Autor), 2010, Legitimät der NATO-Intervention im Kosovokrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214014

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