In den letzten Jahren ist die Bereitschaft zur Finanzierung sozialer Aufgaben durch die
öffentliche Hand gesunken. Infolge der Kürzungen der öffentlichen Mittel im sozialen
Bereich, die einen bedeutenden Anteil an der Finanzierung der Sozialunternehmen
ausmachen, ist der finanzielle Druck in vielen sozialwirtschaftlichen Unternehmen
gestiegen. Die Sozialunternehmen müssen daher ihre Kosten senken oder bzw. und den
Zufluss staatsunabhängiger Finanzmittel erhöhen, um die Kürzungen ausgleichen zu
können.
Einige ausgewählte Finanzierungsmodelle zur Beschaffung staatsunabhängiger Mittel für
Sozialunternehmen werden in dieser Hausarbeit dargestellt. Da der Rahmen dieser
Arbeit beschränkt ist, kann jedoch nur ein kurzer Überblick über eine begrenzte Anzahl
von Finanzierungsmodellen dargestellt werden. Zunächst wird das jeweilige Modell
definiert und erläutert, anschließend werden rechtliche und steuerrechtliche Aspekte
betrachtet, bevor abschließend eine Erläuterung der Erfolgsfaktoren und Grenzen, sowie
eine Betrachtung des Modells hinsichtlich seiner Bedeutung als Finanzierungsquelle für
Sozialunternehmen folgt. In der Literatur findet sich keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition des Begriffs
Fundraising. Der Begriff stammt aus den USA und setzt sich aus den englischen Wörtern
„fund“ = Geld, Kapital und „to raise“ = etwas aufbringen zusammen. Wörtlich bedeutet
Fundraising also Geldbeschaffung, jedoch greift dieser Begriff zu kurz. Einen
äquivalenten deutschen Begriff gibt es nicht.1
Da es in der Literatur, wie oben bereits erwähnt, viele verschiedene Definitionen des
Begriffs Fundraising gibt, werden in den folgenden Abschnitten eine umfassende und eine enger gefasste Begriffsdefinition dargestellt:
Die umfassendere, ressourcenbezogene Definition bezeichnet Fundraising als „alle
Maßnahmen, die sozialwirtschaftliche Organisationen ergreifen, um den Zufluß der für
die Funktionsfähigkeit und Existenzerhaltung erforderlichen Ressourcen – insbesondere
der Finanzmittel – sicherzustellen“2. Dieser Definition zufolge gehören z. B. auch
Leistungsentgelte zum Bereich des Fundraising.3 [...]
1 Vgl. Haibach (1996), S. 14.
2 Arnold (1998), S. 374.
3 Vgl Arnold (1998), S. 374.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fundraising
2.1. Definition und Begriffsabgrenzung
2.2. Spenden
2.2.1. Definition
2.2.2. Steuerrechtliche Betrachtung
2.2.3. Erfolgsfaktoren
2.2.4. Bedeutung
2.3. Stiftungen
2.3.1. Definition
2.3.2. Rechtliche und steuerrechtliche Betrachtung
2.3.3. Stiftungskategorien
2.3.4. Prozess der Antragstellung von Fördergeldern
2.3.5. Erfolgsfaktoren
2.3.6. Grenzen und Bedeutung
2.4. Bußgelder
2.4.1. Definition
2.4.2. Die Zuweisung der Bußgelder
2.4.3. Erfolgsfaktoren
2.4.4. Grenzen
3. Sozial-Sponsoring
3.1. Definition Sponsoring
3.2. Definition Sozial-Sponsoring
3.3. Steuerrechtliche Betrachtung
3.4. Abgrenzung Sponsoring – Sozial-Sponsoring
3.5. Grenzen und Bedeutung
4. Krekelsparen
4.1. Funktionsweise des Systems
4.2. Vorteile für die Beteiligten
4.3. Übertragbarkeit auf Deutschland
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert moderne Finanzierungsmodelle für Sozialunternehmen, um auf den gestiegenen finanziellen Druck durch sinkende öffentliche Mittel zu reagieren. Ziel ist es, einen Überblick über alternative Beschaffungswege für staatsunabhängige Finanzmittel zu geben und deren Potenziale sowie Grenzen kritisch zu hinterfragen.
- Fundraising-Instrumente wie Spenden, Stiftungen und Bußgelder
- Differenzierung zwischen klassischem Sponsoring und Sozial-Sponsoring
- Rechtliche und steuerliche Aspekte der Mittelakquise
- Vorstellung innovativer Ansätze wie das belgische "Krekelsparen"
- Analyse von Erfolgsfaktoren für die praktische Umsetzung in Organisationen
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Erfolgsfaktoren
Der Erfolg dieses Instruments hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen ist ein systematisches, auf Erforschung der Spenderpräferenzen basierendes, Spendenmarketing unerlässlich. Außerdem beeinflusst der Bekanntheitsgrad der nachfragenden Organisation den Erfolg. Je höher der Bekanntheitsgrad, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Spenden eingeworben werden. Die Spendenbereitschaft hängt auch vom Image und der Seriösität des Sozialunternehmens ab. Hinsichtlich dieses Punkts soll das Spenden-Gütesiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) den Spendern Schutz vor unseriösen Organisationen bieten. Die Art und Weise wie eine Spende eingeworben wird (Haussammlung, Straßensammlung etc.) ist ebenfalls entscheidend für den Erfolg. Bei Haussammlungen und Überweisungen kommen z. B. mehr Spenden zustande als durch Straßensammlungen. Letztendlich hängt der Erfolg aber auch bedeutend von dem Förderzweck ab. Der Anteil des Spendenaufkommens für die Spendenzwecke „Kinder“ und „Gesundheit“ nimmt z. B. seit einigen Jahren zu, während für die Zwecke „Entwicklungszusammenarbeit“ und „Religion“ weniger gespendet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den zunehmenden finanziellen Druck auf Sozialunternehmen durch sinkende öffentliche Mittel und führt in die Notwendigkeit ein, staatsunabhängige Finanzierungsmodelle zu erschließen.
2. Fundraising: Erläutert den Begriff Fundraising umfassend und analysiert detailliert die drei Instrumente Spenden, Stiftungen und Bußgelder hinsichtlich ihrer Definition, steuerlichen Behandlung und Erfolgsfaktoren.
3. Sozial-Sponsoring: Unterscheidet Sozial-Sponsoring vom klassischen Sponsoring und beleuchtet die steuerlichen Implikationen sowie die Bedeutung dieses Instruments für soziale Organisationen.
4. Krekelsparen: Stellt das belgische Modell des "Krekelsparens" als innovatives Finanzierungssystem vor und diskutiert dessen Übertragbarkeit und Bedingungen für den deutschen Markt.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Möglichkeiten der alternativen Finanzierung und betont, dass Professionalisierung kein Allheilmittel ist, sondern eine ergänzende Finanzierungsquelle darstellt.
Schlüsselwörter
Sozialunternehmen, Fundraising, Spenden, Stiftungen, Bußgelder, Sozial-Sponsoring, Finanzierungsmodelle, Gemeinnützigkeit, Spenderpräferenzen, Fördermittel, Öffentlichkeitsarbeit, Krekelsparen, Mittelakquise, Betriebsausgabe, Steuerrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht verschiedene Finanzierungsmodelle für Sozialunternehmen, um Alternativen zur schwindenden staatlichen Förderung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Fundraising-Instrumente, das Konzept des Sozial-Sponsorings und innovative Modelle zur Kapitalbeschaffung wie das Krekelsparen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist ein synoptischer Überblick über Finanzierungsmodelle, um Sozialunternehmen bei der Beschaffung staatsunabhängiger Mittel zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, die Definitionen, rechtliche Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren verschiedener Finanzierungsquellen darstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Fundraising (Spenden, Stiftungen, Bußgelder), Sozial-Sponsoring und die Analyse eines belgischen Modells zur Mittelbeschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Fundraising, Gemeinnützigkeit, Mittelakquise und Finanzierungsmodelle charakterisiert.
Wie unterscheiden sich Spenden von Bußgeldern?
Spenden sind freiwillige Zuwendungen mit Spendennachweis, während Bußgelder obligatorische Geldstrafen sind, die auf Gerichtsentscheid erfolgen und keine Spendenquittung ermöglichen.
Unter welchen Voraussetzungen ist Sozial-Sponsoring steuerlich relevant?
Die steuerliche Behandlung hängt von der aktiven Gegenleistung des Gesponserten ab; eine rein werbliche Gegenleistung kann zu einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb führen.
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- Cordula Ley (Author), 2004, Fundraising und moderne Finanzierungsmodelle für Sozialunternehmen in einem synoptischen Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21402