Die natürlichen Landschaftseinheiten, Klima und Vegetation zwischen Sahara und Savanne

Ein Überblick über die Physische Geographie Malis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

27 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalts- und Abbildungsverzeichnis:

Vorbemerkung

I. Großräumliche Einordnung

II. Großtektonik

III. Geologie

IV Böden
1. Zonale Böden
2. Azonale Böden

V Geomorphologische Landschaftseinheiten

VI Klima und Klimavariabilität
1. Harmattan
2. Strahlung und Temperatur
3. Evapotranspiration
4. Klima im Sahel

VII Natürliche Vegetationszonen
1. Feuchtsavanne
2. Trockensavanne
3. Sahelische Zone bzw. Dorn- und Sukkulentensavanne
a) Südlicher Sahel
b) Nördlicher Sahel
4. Halbwüste bzw. Wüstenrandzone
5. Wüste

VIII Hydrologisches System des Niger in Mali

IX Glossar

X. Literaturverzeichnis

XI Anhang

Abb. 1: Die Vegetationszonen Afrikas und Malis

Abb. 2: Jahresgang der potenziellen Evapotranspiration verschiedener Stationen Malis

Abb. 3: Zahl der Niederschlagstage (N ≥ 0,1mm) in Funktion zum Mittel des Jahresniederschlags

Abb. 4: Die mittleren Temperatur Temperaturmaxima und –minima ausgewählter Stationen Malis

Abb. 5: Absolute Maximum- und Minimumtermperaturen ausgwählter Stationen Malis

Vorbemerkung

Die Seminararbeit ist der Versuch, die physische Geographie des Landes Mali grob zu umfassen. Auch wenn der Schwerpunkt der Arbeit sich vorwiegend an den politischen Grenzen des Staates orientiert, soll darauf hingewiesen sein, dass viele physisch-geographische Strukturen auch auf benachbarte Länder der Sahelzone übertragbar sind. Hinsichtlich der Vegetationsbeschreibung wird versucht, auf die natürliche Vegetation einzugehen. Sicherlich kann man nur von einer quasinatürlichen Vegetation sprechen, da seit mehreren tausend Jahren der Mensch in die Natur eingreift, insbesondere durch Brandrodung und der Auslese bestimmter Gehölze.

I Großräumliche Einordnung

Der Staat Mali liegt zwischen dem 10. und 23. nördlichen Breitengrad und befindet sich vollständig im tropischen Gürtel der nördlichen Hemisphäre. Mali befindet sich in Niederafrika. Die mittleren Höhenlagen erstrecken sich von 50 bis 450 Meter ü. NN erstrecken. Eine Ausnahme bildet das Adrar-Gebirge.[1]

Mali beinhaltet drei Naturräume des nordäquatorialen Afrikas. Der Süden Malis befindet sich in der humiden Savannenzone. Der mittlere Bereich Malis besteht aus Trocken- und Dornbuschsavanne - dem Sahel, während man weiter nördlich zuerst Halbwüste, danach Wüste vorfindet. Eine genauere Unterteilung der Naturräume ist sinnvoll, da deren Grenzen fließend sind und nicht abrupt sind. Wie in der Vergrößerung von Abbildung 1 zu sehen ist, stellt das Nigerbinnendelta eine azonale Besonderheit da.[2]

Abbildung 1: Die Vegetationszonen Afrikas und Malis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://exploringafrica.matrix.msu.edu/students/images/vegetation_west_africa.jpg)

II Großtektonik

Auf dem präkambrischen, kristallinen Unterbau des Grundgebirges liegen Sedimentschichten unterschiedlichen Alters auf.[3] Das Relief ist vorwiegend eine flache Rumpfflächenlandschaft. Dazwischen treten häufig ausgeprägte Schichtstufen oder isolierte Inselgebirge und Gebirgsregionen. Diese Struktur von Becken und Schwellen ist kennzeichnend für das gondwanaländische Afrika. Während die Schwellen fast immer aus dem kristallinen Grundgebirge des damaligen Urkratons Gondwana bestehen, sind die Becken Sedimentationsräume verschiedener Epochen, in denen sich bis zu mehrere tausend Meter mächtige kontinentale und maritime Ablagerungen ablagerten. Die Schwellen wurden aufgewölbt und sind partiell wie im Adrar-des-Iforas von Sandsteinen aus dem Paläozoikum überdeckt.[4]

Weitere bedeutende, die weitgespannten Geosynklinalen abgrenzenden, flachen Antiklinalzonen in Westafrika sind die Guinea-Schwelle, die Assaba-Tambaoura-Schwelle, das Ahaggar, und die Karet-Yetti-Antiklinale. Über die zentral gelegene Mossi-Antiklinale sind die Schwellen mit den südlichen Togo-Atacora und Niegerianischen Aufwölbungen verbunden.[5] Zwischen dem Paläozoikum und dem Känozoikum wurde Niederafrika mehrmals vom Meer überflutet. Daraus resultieren flächenhafte Abtragungs- und Sedimentationsphasen. Zumindest der Norden Westafrikas ist kleinmaßstäblich gesehen durch eine relativ heterogene Struktur verschiedener Sedimente aus Holozän, Quartär und Tertiär an geprägt, welche sich auch allein auf der Staatsfläche Malis wiederfinden lassen. Betrachtet man einzelne Teilregionen Westafrikas, so beherrschen weitgehend homogene flächenhafte Großformen den geologischen Untergrund. Im südlichen Teil Westafrikas ist der ivoirische Granitschild die geologische Großform. Durch die von Büdel beschriebene doppelte Einebnung vollzieht sich im Sahel-Sudan ein für die randtropische Zone typischer Flächenbildungsmechanismus, welcher zur Ausbildung von Rumpfflächen führt.[6] Gerade diese beinah ebenen Flächenelemente sind die physiognomisch auffälligen Züge Malis und große Teile des Sahels. Die stark dominante physikalische Verwitterung ist kennzeichnend für die morphodynamischen Prozessabläufe der ariden Sahelzone.[7] Die nördliche Trockenzone der Sahara gehört zu den Zonen der Flächenerhaltung. Immense Wanderdünen, Sandschwemmebenen, Kalktafeln und Kiesebenen (Serire) sind hierfür charakteristische Reliefformen. Vulkanismus ist in Westafrika auf eine tektonische Schwächezone, welche sich von Kamerun, durch Nigeria bis in das Hoggar-Gebirge erstreckt, beschränkt. Darüber hinaus findet man am Kap Verde im Senegal vulkanische Gesteine vor.[8] Von Nordwest nach Südwest verläuft die tektonische Störungslinie „fosse de Gao, welcher sich ab dem namensgebendem Ort dem Lauf des Nigers anpasst.[9]

III Geologie

Das kristalline Grundgebirge der Schwellen besteht meist aus stark metamorphen und plutonischen Gesteinen. Einen Einzelfall bilden die magmatischen Granite und Gneise im Bereich der „fosse de Gao“ In den Becken dominieren teilweise dolomitisierte Sandsteine präkambrischen und kambro-ordovizischen Ursprungs, welche heute z.B. in Form der Sandsteinplateaus von Banfora und Bandiagara zu sehen sind.

Von der Kreide bis zum Eozän wurden in den Becken, welche nun die Schwellen der zentralen Sahara umrahmen, marine Kalksandsteinformationen und terrestrische Sedimente gebildet. Im Miozän und Pliozän bildeten sich eher mergelige Sandsteine, welche heute unter anderem im Nigerbinnendelta oder im Senegalbecken vorzufinden sind. Pleistozäne und holozäne geologische Strukturen lassen sich in Form von Sanden, von in Seen gebildeten Süßwasserablagerungen, Lateriten und Alluvionen allerorts in den tiefsten Bereichen der Becken, ausmachen. Großflächig über die Rumpfflächen verteilt befinden sich quartäre Lockersedimente alluvialer und äolischer Art, welche heute in Form von Schotterpaketen und fossilen Sanddünen Zeugen arider und weniger arider Epochen darstellen.

Um die malische Stadt Kayes findet man ein aus Schiefer und Dolomiten zusammen gesetztes Deckgebirge vor.

IV Böden

Nach VOGG sind die Böden des malischen Sahels „eindeutig klimaphytomorph geprägt“, da sie mit dem Wasserhaushalt als auch mit der Vegetation verknüpft sind.[10]

1. Zonale Böden

In der Savanne befinden sich wenig fruchtbare, tropische rote und braune Böden. In den periodisch überschwemmten Gebieten stößt man auf fruchtbarere Gley- und Pseudogleyböden der Savanne liegen ferrallitische Böden auf kristallinem Untergrund oder paläozoischen Sandsteinen, Doleriten oder Sedimenten auf. Die chemische überwiegt vor der physischen Verwitterung indem gelöste Sesquioxide der Dehydration unterliegen. In der humideren Jahreszeit werden Restmineralien ausgewaschen, während in den trockenen Monaten, durch eine starke Insolation begünstigt, Bodenpartikel mit Eisen-, Mangan-, und Aluminiumoxidanreicherungen in weiter oben anstehende Bodenhorizonte verlagert werden.[11] Durch den bodenchemisch sehr stabilen Hämatit tritt eine Rubefizierung der Böden und Verwitterungsdecken ein.[12]

Bereits seit dem Pliozän ermöglichen denudative Vorgänge eine Ausbildung der sogenannten Lateritkrusten (cuirasses ferrugineuses), auf welchen bestenfalls eine sehr artenarme, vorwiegend aus Combretaceen bestehende Gehölzformation gedeiht.[13] Lateritschichten, welche ihren Verbreitungsschwerpunkt im Sudangürtel haben, bedecken in gleichem Maße Becken, Plateaus und Schwellengebiete. Lateritkrusten sind, wie BARTH beschreibt „(…) meist massive, mehrere Meter mächtige Anreicherungshorizonte, die bei erosiver Freilegung als harte, erosionswiderständige Schicht für die Herausarbeitung räumlich begrenzter, isolierter Mesas oder breiter Terrassensysteme verantwortlich [sind].“ Bei der chemischen Zusammensetzung fällt der hohe Anteil an Hämatit und Eisenoxidhydraten auf. Der hohe Mangananteil verursacht die dunkle, teilweise schwarzbraune Färbung. Eine andere Bezeichnung für Lateritkruste ist Bowal.[14]

Die subariden braunen Böden der Sahelzone unterscheiden sich markant von den weiter südlich vorherschenden typischen roten Bodenformen der Ferrallite und Fersiallite. Je niedriger der Jahresniederschlag ausfällt, desto mehr geht der Anteil der chemischen Verwitterung zurück. Auch die Mächtigkeit der Verwitterungshorizonte nimmt von Norden nach Süden ab. Unter den ariden Bedingungen des Sahel reichert in gut dränierten Böden sich das Zweischichttonmineral Kaolinit an, während es in schlecht drainierten Böden teilweise zur Bildung von Montmorillonit kommt. Die Lessivierung ist im Gegensatz zum feuchteren Sudan im Sahel durch eine geringe Infiltration stark reduziert. Auch die Abfuhr von Eisen und Basen erfolgt nur in sehr geringem Maße, sodass diese verstreut im Verwitterungshorizont vorkommen. Nicht selten finden sich äolisch oder durch Oberflächenabspülung sedimentierte allochtone Materialien in den Bodenhorizonten wieder. Vielfach sind es jedoch reine Rohböden, deren Feinmaterial durch soeben genannte Prozesse entfernt wurde.[15] Diesen subariden Braunerden mit sandig-toniger Matrix mangelt es an Stabilität, was zu einem geringem Widersand gegenüber äolischer oder fluviatiler Bodenerosion führt. Zwar mangelt es diesen Böden an mineralischer Fruchtbarkeit, jedoch sorgt das große Porenvolumen für eine ausgezeichnete Absorption der episodischen Niederschläge. Hinzu kommt die organische Nährstoffzufuhr durch beweidendes Vieh. Die Böden der Altdünen im südlichen Sahel der Seno-Gondo-Ebene gehören diesem Typ an.

In der südlichen Sahara als auch im Sahel findet man eine Zahl verschiedener fossiler Reliktböden aus humideren Epochen von Kreide und Tertiär vor. So etwa die tropischen Roterden, die in Mali nicht mehr rezent wie in der Feuchtsavanne, sondern nur als stark umgewandelte lateritische Krustendecken hohen Alters vorkommen. Diese dehydrierten Krusten sind im Stau- bzw. Grundwasserniveau mit Fe- Mn- und Al-Oxiden angereichert und sind bei völliger Austrocknung besonders widerständig gegenüber weiterer Abtragung. Im Gegensatz zu den Ferraliten hat bei Fersialliten eine Lessivierung stattgefunden.[16] Man spricht auch von der fersiallitischen Verwitterung.[17] Diese rötlich-braunen, bis zu drei Meter mächtigen Böden auf äolischen Sanden weisen Eisen-, Silicium- und Aluminiumbestandteile auf. Durch eine gegenüber den Ferraliten geringere chemische Verwitterung sind noch verwitterbare Restmineralien vorhanden. Obwohl Kaolinit quantitativ die Tonfraktion der Fersiallite bestimmt, kommen durchaus Dreischichttonminerale vor, welche für eine höhere Austauschkapazität als bei den Ferraliten führt. Nichtsdestotrotz übersteigt der Humusgehalt im obersten Bodenhorizont nicht 2,5 Prozent. Dazu kommt die destruktive Wirkung der durch anthropogene Brandrodung folgenden Reduzierung der Bodenaktivität und der Zerstörung von Kohlen- und Stickstoffreserven.

[...]


[1] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 15-18.

[2] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 34-36.

[3] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 113ff.

[4] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 15-18.

[5] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 112.

[6] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 15-18.

[7] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 119.

[8] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 15-18.

[9] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 112ff.

[10] Vgl. Vogg, R. (1992): Landschaftsökologische Raumgliederung des saharo-sahelischen Nordens der Republik Mali, S. 29.

[11] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 20.

[12] Vgl. Eitel, B. (1999):Bodengeographie, S. 179.

[13] Vgl. Krings, T. (2006): Sahelländer, S. 20.

[14] Vgl. Barth, H. (1970): Probleme der Schichtstufenlandschaften West-Afrikas am Beispiel der Bandiagara- Gambaga- und Mampong-Stufenländer, S. 23.

[15] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 131ff.

[16] Vgl. Barth, H. (1986): Mali, S. 131ff.

[17] Eitel, B. (1999):Bodengeographie, S. 179.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die natürlichen Landschaftseinheiten, Klima und Vegetation zwischen Sahara und Savanne
Untertitel
Ein Überblick über die Physische Geographie Malis
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Kulturgeographie)
Veranstaltung
Proseminar zur Regionalen Geographie: Struktur- und Entwicklungsprobleme von Mali
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V214050
ISBN (eBook)
9783656423935
ISBN (Buch)
9783656435808
Dateigröße
922 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
landschaftseinheiten, klima, vegetation, sahara, savanne, überblick, physische, geographie, malis
Arbeit zitieren
B.Sc. Matthias Breuer (Autor), 2009, Die natürlichen Landschaftseinheiten, Klima und Vegetation zwischen Sahara und Savanne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214050

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