Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?

Die politische Philosophie auf dem Weg in eine neue Epoche


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Niccolò Machiavelli
2.1. Il Principe (Der Fürst)
2.1.1. Inhalt
2.1.2. Absichten
2.2. Discorsi (Unterredungen)
2.2.1. Inhalt
2.2.2. Absichten
2.3. Neuzeitliche Elemente bei Machiavelli
2.3.1. Methode und Anthropologie
2.3.2. Staat und Religion

3. Thomas Hobbes
3.1. Leviathan
3.1.1. Naturzustand & Naturgesetze
3.1.2. Vertrag & Staat
3.2. Neuzeitliche Elemente bei Thomas Hobbes
3.2.1. Anthropologie
3.2.2. Methode
3.2.3. Religion

4. Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?
4.1. Der moderne Staat
4.2. Die politische Philosophie als Wissenschaft
4.3. Denker und Vordenker

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Brauchen wir mehr oder weniger Staat? In den USA wird diese Frage heiß diskutiert – mit einer Verbissenheit, die manchmal an Fanatismus grenzt. Oberflächlich geht es dabei um die alltagspraktische Ausgestaltung des US-Amerikanischen Systems, doch tatsächlich stellen sich dabei Fragen von wesentlich größerer Tragweite: Wie soll der Staat des 21. Jahrhunderts aussehen? Welche Rolle spielt Staatlichkeit in einer globalisierten Welt? Auch hierzulande verändert sich das Verständnis vom Staat. Nach dem kalten Krieg schien der auf Sicherheit und Verteidigung ausgelegte Staat zunächst obsolet. Doch mit den Bedrohungen des internationalen Terrorismus und globalen Militäreinsätzen scheint er diese Bedeutung zumindest teilweise zurückzugewinnen.

Um zu verstehen, was ein Staat ist, und zu erkennen, worin seine Aufgaben liegen könnten, lohnt sich ein Blick zurück. Der moderne Staat entsteht auf theoretischer Ebene zu Beginn der Neuzeit in Italien und England – namentlich bei Niccolò Machiavelli und Thomas Hobbes. Neuzeit ist die „Bezeichnung für die an das Mittelalter anschließende und bis in die Gegenwart reichende Epoche“, heißt es im Brockhaus (2001, S. 572). Doch womit hört das Mittelalter in der politischen Theorie auf? Nach Jahrhunderten der kirchlichen Bevormundung emanzipiert sich bei Machiavelli und Hobbes die Macht von der Religion und macht den Weg frei für den modernen Staat. Dieser kann als wichtiger Bestandteil der neuzeitlichen politischen Philosophie gelten. Um den modernen Staat zu charakterisieren, führt Schölderle nicht nur die Loslösung von der geistlichen Bevormundung an, sondern auch die Errichtung einer „mit dem Monopol legitimer Zwangsgewalt ausgestattete[n] Zentralmacht“ (2002, S. 26). Der Staat, der hier beschrieben wird, vereint also als höchste Instanz alle Macht in sich – Sicherheit und Stabilität haben dabei oberste Priorität.

Folglich ergeben sich in dieser Hausarbeit zwei zentrale Aufgaben: Auf der einen Seite müssen die Bestandteile neuzeitlichen Denkens erfasst und eingeordnet werden, auf der anderen Seite soll eine jahrhundertealte Streitfrage untersucht werden: Wer war der erste Denker der Neuzeit, Machiavelli oder Hobbes?

Um dieser Frage nachzugehen, werden zunächst die Hauptwerke der Autoren inhaltlich analysiert. Dabei soll auch der geschichtliche Kontext berücksichtigt und insbesondere bei Machiavelli der Versuch unternommen werden, seine Absichten zu erkennen. Anschließend wird auch die Methodik betrachtet und auf neuzeitliche Elemente untersucht. Denn für eine Analyse der neuzeitlichen politischen Philosophie gilt es nicht nur, inhaltliche Aspekte wie Anthropologie oder Herrschaftslegitimation zu untersuchen, sondern auch die methodische Vorgehensweise der Theoretiker. „Hobbes konkurriert mit Machiavelli um den Ruhm, der Begründer der neuzeitlichen Politischen Wissenschaft zu sein“, schreibt Ottmann (2006, S. 265). Kann Machiavellis Vorgehensweise schon als neuzeitlich-wissenschaftlich betrachtet werden oder steht er noch mit einem Fuß in der Scholastik des Mittelalters?

Als literarisches Fundament dienen Il Principe und Discorsi von Niccolò Machiavelli und Leviathan von Thomas Hobbes. Darüber hinaus wird die einschlägige Sekundärliteratur berücksichtigt: Wichtige Erkenntnisse liefern dabei vor allem Wolfgang Kersting, Herfried Münkler und Thomas Schölderle. Die Vorgehensweise erfolgt chronologisch: Zunächst werden Machiavellis Argumentationsgänge rekonstruiert und herausgestellt, welche neuzeitlichen Elemente sich darin finden lassen. Analog folgt anschließend dasselbe bei Thomas Hobbes. Abschließend soll ein Vergleich anhand der zwei analytischen Kategorien Staat und Methodik eine Antwort auf die Frage geben, wer als erster politischer Denker der Neuzeit bezeichnet werden kann.

2. Niccolò Machiavelli

Niccolò Machiavelli (1469-1527) ist ein politischer Denker, der seit Jahrhunderten kontrovers diskutiert wird. Kein Wunder – könnten seine beiden Hauptwerke doch unterschiedlicher nicht sein. Mit Il Principe (Der Fürst, 1513) gibt er zeitgenössischen Alleinherrschern einen praktischen Leitfaden der Machterhaltung an die Hand. In Discorsi (Unterredungen, 1519) hingegen bekennt er sich zur Republik, lobt die Herrschaft des Volkes und warnt vor der Tyrannis. Infolgedessen wurde er mal als theoretischer Unterstützer des Absolutismus und der Tyrannis und mal als Verfechter der Republik gesehen, der das Volk vor den machthungrigen Fürsten warnen wollte (Münkler, 2004b, S. 120). Im Folgenden sollen die Inhalte der beiden Werke und Machiavellis Argumentation in Grundzügen dargelegt und anschließend herausgestellt werden, was an den Werken des Florentiners in staatstheoretischer, methodischer und anthropologischer Hinsicht neu ist. Eine Interpretation soll in dieser Arbeit jedoch nicht stattfinden. Machiavelli ist tendenziell dem Humanismus zuzuordnen (Ottmann, 2006, S. 265).

2.1. Il Principe (Der Fürst)

Il Principe ist wohl das bekannteste Werk Machiavellis. Es ist bei Weitem nicht sein umfangreichstes und in vergleichsweise kurzer Zeit entstanden (Ottmann, 2006, S. 14). Nahezu alle 26 Kapitel des Principe beschäftigen sich mit der Frage, wie Herrschaft erworben und erhalten werden kann. Dabei beschränkt er sich ausschließlich auf die Fürstentümer und klammert republikanisch verfasste Staaten komplett aus.

2.1.1. Inhalt

„Es muss also des Fürsten einziger Zweck sein, sein Leben und seine Herrschaft zu erhalten“ (Machiavelli, Il Principe, 1991a, S. 98). Dieses Zitat beschreibt treffend den Charakter des Principe: Es geht um das Verständnis von Herrschaft und Macht. Machtgewinn, deren Erhalt und Ausbau sind der einzige Zweck von Herrschaft. „Man wird alle Mittel, derer er sich hierzu bedient, rechtfertigen“ (ebd.), schreibt Machiavelli im Bezug auf die Lebens- und Herrschaftserhaltung des Fürsten. Machiavelli erklärt anschaulich, was ein Fürst tun muss, um sich an die Macht zu bringen und dort zu bleiben. Dabei hat das Werk größtenteils einen sehr praktischen Charakter und enthält direkte Handlungsanweisungen.

2.1.2. Absichten

Um Machiavellis Absichten zu beleuchten, lohnt sich ein Blick in die Widmung des Principe. Hier findet sich ein Zitat – direkt an Lorenzo de‘ Medici, den damaligen Herrscher über Machiavellis Florentinische Heimat, gerichtet. Machiavelli schreibt über sein Werk:

„Sie werden, wenn Sie es aufmerksam durchlesen, darinnen meinen innigsten Wunsch nicht verkennen, Sie auf jener Höhe der Macht zu sehen, zu welcher Sie das Schicksal und Ihre Vortrefflichen Talente bestimmt haben. Und wenn Sie von der erhabenen Stelle, auf der Sie sich befinden, bisweilen herabsehen, dann werden Sie finden, wie unverdient ich ein hartes und tückisches Schicksal erleide.“ (Machiavelli, Il Principe, 1991a, S. 51f)

14 Jahre lang diente Machiavelli der Florentinischen Republik. Als die Medici 1512 nach 18 Jahren Abwesenheit zurückkehrten und die Republik auflösten, verlor Machiavelli nicht nur seinen Posten in der Staatskanzlei, sondern wurde auch der Verschwörung angeklagt, gefoltert und ins Gefängnis geworfen (Skinner, 2004, S. 35f). Auf Kaution wieder in Freiheit, drängte er darauf, ins politische Leben zurückzukehren – und bot sich den Medici an (Ottmann, 2006, S. 13). Verbunden mit dem obengenannten Zitat lässt sich erkennen, dass Il Principe unter besonderen Umständen und mit besonderen Absichten geschrieben wurde.

Um dies zu verdeutlichen, bietet sich ein Blick auf Machiavellis Argumentationsstruktur an. In den ersten Kapiteln kategorisiert Machiavelli die Arten der Fürstentümer und die Möglichkeiten des Herrschaftserwerbs. Dabei spitzt er nahezu alle Kategorien auf zwei Alternativen zu: Ererbte oder neu erworbene Fürstentümer, Erwerb der Fürstentümer durch Tüchtigkeit oder durch Glück, an Fürsten gewöhnte oder früher freie Fürstentümer und einige weitere Kategorien (vgl. Machiavelli, Il Principe, 1991). Ottmann spricht hier von einem „alternativistischen Denkstil“ (2006, S. 18).
Hierbei fällt auf, dass Machiavelli sich bei jedem Kategorien-Paar nur auf eine Alternative konzentriert – und die andere verkürzt abhandelt oder völlig außer Acht lässt. Seine Argumentation spitzt sich also auf eine ganz bestimmte Art von Fürstentümern zu: Gänzlich neu, früher frei und durch fremde Waffen und Glück erworben. Skinner weist darauf hin, dass genau diese Eigenschaften auf Machiavellis Heimat Florenz im Jahre 1513 zutreffen und dies jedem zeitgenössischen Leser klar gewesen sein dürfte (Skinner, 2004, S. 40-42). Il Principe scheint also direkt an die Medici gerichtet zu sein. Auch dies könnte ein Indiz für ein eher opportunistisches Motiv Machiavellis sein.

2.2. Discorsi (Unterredungen)

Behandelte Machiavelli in Il Principe ausschließlich die Fürstentümer, befasst er sich in den Discorsi ausführlich mit der Republik. In 142 Kapiteln – gegliedert in drei Bücher – untersucht er in starker Anlehnung an Livius‘Ab urbe condita, was die römische Republik stabil und erfolgreich gemacht hat. Im ersten Buch erläutert er am Aufblühen der römischen Republik die Vorzüge jener Staatsform. Das zweite Buch befasst sich mit dem Militär und dem Krieg am Beispiel der römischen Außenpolitik. Im dritten Buch schließlich gibt er vor allem Beispiele der Tüchtigkeit (virtù) bedeutender Römer.

2.2.1. Inhalt

Schon im ersten Buch wird dargestellt, wie er sich die vollkommene Regierungsform vorstellt: Ein Idealbild wurde seiner Meinung nach in einer Mischform von Monarchie, Aristokratie und Demokratie in der römischen Republik erreicht (Machiavelli, Discorsi, 1991b, S. 132-136). Warum ihm die Stabilität so ungeheuer wichtig erscheint, offenbart sich, wenn man seine Überlegungen zu den Entartungen der Regierungsformen betrachtet: Angelehnt an die Einteilungen von Aristoteles verkommen Monarchie, Aristokratie und Demokratie im Lauf der Geschichte immer wieder. Es ergibt sich ein Kreislauf: Die Monarchie wird zur Tyrannis, diese dann zur Aristokratie, jene wiederum zur Oligarchie, dann folgt die Demokratie, welche zur Anarchie entartet, aus der wieder eine Monarchie entsteht (Machiavelli, Discorsi, 1991b, S. 134-136). Es erscheint also sinnvoll, alles daran zu setzen, einen einmal erreichten, guten Status zu erhalten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?
Untertitel
Die politische Philosophie auf dem Weg in eine neue Epoche
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Politikwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V214061
ISBN (eBook)
9783656423881
ISBN (Buch)
9783656424413
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Hobbes, Politische Philosophie, Neuzeit, Staat, Staatstheorie, Denker, Staatsraison, Anthropologie
Arbeit zitieren
Jannik Schall (Autor), 2013, Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214061

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