Die karolingische Torhalle des Klosters Lorsch an der Bergstraße / Hessen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Annäherung

2 Die Geschichte des Klosters
2.1 Quellenlage
2.2 Chronologie
2.2.1 Gründung und Aufstieg
2.2.2 Behauptung und Niedergang
2.2.3 Nach der Aufhebung des Klosters
2.2.4 Wissenschaftliche Untersuchungen und Grabungen

3 Die Torhalle und ihre räumlichen Bezüge
3.1 Der Merian-Stich des Klosters Lorsch
3.2 Die Torhalle im Lageplan

4 Baubeschreibung – Materialität und Konstruktion
4.1 Der Außenbau
4.2 Das Innere des Obergeschosses

5 Raumstruktur und Funktion
5.1 Vorbilder
5.1.1 Triumph- bzw. Ehrenbögen
5.1.2 Römische Stadttore
5.2 Die Torhalle – ein Herrschaftssymbol
5.2.1 Lorsch und Regensburg
5.2.2 Die Ecclesia varia
5.2.3 Herrscherempfang – der Adventus
5.2.4 Torbau und Michaelskapelle
5.3 Vergleichsbeispiele
5.3.1 Die Torhalle des Klosters Frauenchiemsee
5.3.2 Weitere Vergleichsbeispiele

6 Die Fassadengestaltung – ein besonderes Merkmal

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Sonstige Quellen

10 Abbildungsnachweis

1 Annäherung

Das Kloster Lorsch gilt als eines der bedeutensten und reichsten Klöster des frühen und hohen Mittelalters in Mitteleuropa, mit umfangreichen Besitztümern im ganzen Reich und engen Verbindungen zum Herrscherhofe. Der Einfluss und die Bedeutung des Klosters gingen im weiteren Verlauf der Geschichte gänzlich verloren. Und auch die Gebäude des Klosters wurden über die Jahrhunderte durch Krieg und Steinraub fast vollständig zerstört, so dass die heutige Situation die ehemalige Größe und Stellung des Klosters kaum mehr erahnen lässt. Es grenzt dabei an ein Wunder, dass gerade die Torhalle des Klosters die Jahrhunderte vergleichsweise unbeschadet überstanden hat. Und es erscheint als eine Ironie der Geschichte, dass die Frage nach der ursprünglichen Funktion der Torhalle bis heute nicht abschließend geklärt ist, die Torhalle ihr ‚Überleben’ aber wohl dem Umstand verdankt, dass sie immer eine Nutzung hatte.

Mag auch die Torhalle zu ihrer Bauzeit ein Gebäudetypus gewesen sein, der in vielen Klöstern zu finden war, so steht sie heute fast singulär da. Und man möchte vermuten, dass die aufwändige, ja fast liebevoll zu nennende Gestaltung bereits zu ihrer Ent-stehungszeit eine Besonderheit darstellte. Mit ihrer Architektursprache steht sie in der Bau- und Kunstgeschichte beinahe wie ein ‚Missing Link’ zwischen der Architektur der Antike und der Architektur der Romanik. Bereits Georg Moller hatte dies Anfang des 19. Jahrhunderts erkannt und die Torhalle in die Zeit der Karolinger datiert. Eine Datierung, die heute noch Gültigkeit hat[1].

Doch schon die Benennung ‚Torhalle’ ist dem Wortsinne nach nicht korrekt. Das Gebäude war kein verschließbares Tor und der offene Raum des Erdgeschosses verdient kaum die Bezeichnung ‚Halle’. Der Begriff ‚Königshalle’ wiederum entstand durch die Annahme, dass das Bauwerk zu Ehren Karls des Großen anläßlich seines Besuches im Kloster im Jahre 774 errichtet wurde. Eine Annahme, die nach dem heutigen Stand der Forschung als überholt gilt. Jedoch gewinnt der Begriff ‚Königshalle’ durch aktuelle Überlegungen zu Fragen der Nutzung und Funktion des Gebäudes eine neue Bedeutung, auf welche im Rahmen dieser Arbeit unter anderem eingegangen wird. Da die Bezeich-nung ‚Torhalle’ die in der Literatur gebräuchliche ist, wird sie im Folgenden weiter verwendet.

2 Die Geschichte des Klosters

2.1 Quellenlage

Die einzige schriftliche Quelle über das Kloster Lorsch aus der Zeit des Früh- und Hochmittelalters ist der Codex Laureshamensis, auch ‚Lorscher Codex’ genannt, der zwischen 1169 und 1195 entstanden ist. Hierbei handelt es sich um ein Inventar der Besitztümer und Dokumentation der Rechte des Klosters. Er enthält verkürzte Abschriften der alten Original-Urkunden über Schenkungen, Verleihung von Rechten durch Kaiser und Könige etc., außerdem eine Äbte-Chronik und eine Baugeschichte. Insgesamt sind 3836 Urkunden dokumentiert, wobei keine der wiedergegebenen Originalurkunden erhalten ist.[2]

Neben seiner Bedeutung als Klosterchronik ist der ‚Lorscher Codex’ eine wichtige Geschichtsquelle für viele der in den Schenkungsurkunden genannten Orte, die im Codex oft ihre erste namentliche Erwähnung finden[3]. Der Codex kann also als ein ‚frühes Grundbuch’ bezeichnet werden. Das Original des ‚Lorscher Codex’ befindet sich heute im Bayrischen Staatsarchiv in Würzburg. Die Torhalle wird in keiner der im ‚Lorscher Codex’ wiedergegebenen Urkunden erwähnt – ein Umstand, der verschiedene Gründe haben kann:

1. Die Quellen sind unvollständig. Gerade für den Zeitraum von 837 - 951 fehlen Angaben über die Bautätigkeit der Äbte, ohne das daraus Rückschlüsse über die tatsächliche Bautätigkeit gezogen werden können[4].
2. Die Errichtung der Torhalle ist keinem der Äbte zuzuschreiben, sondern wurde von je-mandem außerhalb des Klosters initiiert, zum Beispiel dem Kaiser oder König.
3. Die bauzeitliche Bezeichnung für die Torhalle ist nicht bekannt – man weiß deshalb nicht, nach welchem Begriff in den Quellen zu suchen ist. Die in den Quellen verwendeten Begriffe für Bauwerke und -teile sind zudem nicht immer eindeutig.[5]

2.2 Chronologie

2.2.1 Gründung und Aufstieg

Das Kloster wurde um 763 durch Graf Cancor, den Gaugrafen des Rheingaues, und seine Mutter am alten Standort, Kloster Altenmünster, gegründet. Das Kloster Alten-münster befand sich in unmittelbarer Nähe zum heutigen Standort auf einer ehemaligen Insel in der Weschnitz.[6]

Bereits 764 wurde das Kloster an Bischof Chrodegang von Metz übertragen, einem Vertrauten des Frankenkönigs Pippin und führenden Kopf der fränkischen Kirche. Chrodegang führte in Lorsch die Benediktiner-Regel ein.

765 schenkte Papst Paul I Bischof Chrodegang die Gebeine des Hl. Nazarius.

Nazarius war ein römischer Soldat, der zum christlichen Glauben übertrat und diesen verbreitet hatte. Er erlitt unter Kaiser Diokletian das Martyrium und den Tod (um 304).

Lorsch war damit eines der ersten Klöster im Frankenreich, welches die Gebeine eines römischen Heiligen besaß. Die Zahl der Schenkungen an das Kloster nahm in Folge dessen rasant zu. Bei den Schenkungen handelte es sich meist um Grundeigentum. Dies konnte zum Beispiel ein einzelner Acker oder auch ein Gutshof inklusive der Gebäude und der dazugehörigen unfreien Bauern sein. Das Grab des Hl. Nazarius wurde von vielen Pilgern besucht – ein Ansturm, der kaum zu bewältigen war.

Dieser Umstand sowie die ungünstige Lage des Klosters im Überschwemmungs-bereich der Weschnitz führten bereits 767 zur Entscheidung eines Kloster-Neubaues auf der ‚Lorscher Düne’, dem heutigen Standort.

771 starb Graf Cancor. Sein Sohn erhob Erbansprüche auf das Kloster, welche vor dem Hofgericht Karls des Großen erfolgreich abgewehrt werden konnten. Um zukünftigen Streitigkeiten dieser Art aus dem Wege zu gehen, übertrug Abt Gundelang das Kloster an Karl den Großen, welcher im Gegenzug Schutz und Immunität gewährte. Lorsch wurde somit das erste ‚Königskloster’. Aufgabe des Klosters war es nun, die weitere Entwicklung der Umgebung zu befördern. Die Mönche hatten außerdem für das Wohl des Königs und der Königsfamilie sowie des ganzen fränkischen Volkes zu beten, um die Gnade Gottes zu erhalten

Nach 784 wurde im Kloster ein leistungsfähiges Skriptorium eingerichtet. Dieses war Teil der Bildungsreform im Rahmen der ‚Karolingischen Renaissance’. Es wurden vor allem religiöse Schriften für den liturgischen Gebrauch geschrieben, um den allgemeinen Bildungsstand im Klerus zu heben und das Wissen über die korrekte Durchführung der Gottesdienste zu verbreiten.

774 konnte die neue Klosterkirche fertiggestellt werden. Karl der Große, der nach seinem Sieg gegen die Langobarden aus Italien zurückkommend in der Nähe von Speyer weilte, wurde zur Weihe der Kirche eingeladen.

814 starb Karl der Große. Sein Nachfolger wurde Ludwig der Fromme, der bereits vorher zum Mitkaiser erhoben worden war.

Nach seinem Tod im Jahre 840 wurde das Reich im Vertrag von Verdun (843) unter seinen Söhnen aufgeteilt. Ludwig der Deutsche erhielt die östlichen Teile, welche zum Kerngebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen wurden.

Dem Kloster Lorsch wurde gestattet, den durch die Reichsteilung zerrissenen Besitz durch Tausch neu zu ordnen (Synode in Mainz 847). Dies war wichtig für die Sicherung der Wirtschaftskraft der Abtei, da die Zahl neuer Schenkungen zu dieser Zeit bereits stark rückläufig war. Ludwig der Deutsche pflegte ein gutes Verhältnis zum Lorscher Konvent.

876 starb Ludwig der Deutsche in seiner Pfalz in Frankfurt und wurde seinem Wunsch folgend in Lorsch bestattet.

In den Jahren bis 882 ließ sein Sohn, Ludwig der Jüngere, für seinen Vater und sich in Lorsch eine Grabkirche, die Ecclesia varia, errichten.

897 wird in einer Urkunde König Arnulfs davon berichtet, „dass der Lebenswandel der Mönche wegen der Sorglosigkeit und Nachlässigkeit der Äbte […..] fehlgeleitet worden sei und die regelgerechte klösterliche Lebensweise völlig zugrunde gehe […]“. König Arnulf nahm dies zum Anlass, einen Vertrauten als Abt einzusetzen, um die Verhältnisse in Lorsch zu ordnen.

2.2.2 Behauptung und Niedergang

Im 10. Jahrhundert blieb die starke Verbindung zum Herrscherhaus bestehen, was durch verschiedene Urkunden belegt ist. Insbesondere das Recht auf freie Abtwahl wurde immer wieder bestätigt.

998 wollte Kaiser Otto III das Kloster an Bischof Franco von Worms übertragen. Dies führte zu heftigen Protesten des Mainzer Bischofs, der eine Stärkung der Wormser Diözese fürchtete. Der Kaiser lenkte schließlich ein und der alte Status als Reichskloster wurde wieder hergestellt.

Heinrich II. setzte wiederholt, unter Umgehung der zugesicherten freien Abtwahl, ihm genehme Äbte ein, die das Koster zu neuer Leistungsfähigkeit führten.

Im Jahre 1052 besuchten Kaiser Heinrich III. und Papst Leo IX. das Kloster, wobei die umgebaute Ecclesia varia geweiht wurde.

Unter Kaiser Heinrich IV. wurden die Reichsklöster zunehmend zu ‚Verfügungsmasse’ politischer Interessen. 1065 wurden in einem Schenkungsakt zwölf Klöster und Stifte an Fürsten übertragen, um ihre Unterstüzung für die Politik Heinrichs IV. in Sachsen zu gewinnen. Kloster Lorsch sollte in diesem Zusammenhang an Erzbischof Adalbert von Bremen fallen. Abt und Konvent von Lorsch widersetzen sich, woraufhin Abt Udalrich vom Kaiser abgesetzt wurde. Die Übernahme des Klosters durch Adalbert scheiterte jedoch am aktiven Widerstand der Lorscher.

1066 scheiterte die Übertragung schließlich endgültig am Einspruch der Fürsten (Reichstag von Trebur).

1069 Bestätigung der Rechtstellung des Kloster durch Papst Alexander II. unter Ver-mittlung Kaiser Heinrichs IV..

1090 wurde die Klosterkirche durch Brand zerstört.

1105 ernannte Kaiser Heinrich V., nachdem er den noch von seinem Vater ernannten Abt abgesetzt hatte, Gebhard von Hirsau zum neuen Abt von Lorsch. Dieser wollte die Hirsauer Reformen durchsetzen wogegen sich die Lorscher wehrten, was schließlich zur Vertreibung eines Teils der Mönche führte. Kaiser Heinrich V. stellte sich auf die Seite der Vertriebenen und ließ wiederum die Hirsauer verjagen.

In der nachfolgenden Zeit wurde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Abtei zunehmend durch die (Fehl-)Vergabe von Lehen und die zu leistenden Königsdienste (Kriegsdienst, Zahlung von Abgaben etc.) strapaziert. Einen Aufschwung erfuhr Lorsch unter Abt Heinrich (1151 - 1167), der die Verhältnisse der Abtei neu ordnete.

Ab 1165 übte der Halbbruder Friedrichs I., Pfalzgraf Konrad von Staufen, die Hochvogtei über Lorsch aus. In dieser Funktion entzog er dem Kloster zunehmend Besitz und Rechte.

1232 wurde die Abtei durch Kaiser Friedrich II. an Erzbischof Siegfried III. von Mainz als Belohnung für dessen Dienste übertragen.

1248 übernahmen Prämonstratenser Mönche aus dem Kloster Allerheiligen im Schwarzwald das Kloster. Seit dieser Zeit waren eine zunehmende Schrumpfung des Besitzes und eine Konzentration auf die nähere Umgebung zu verzeichnen. Lorsch war nunmehr nur noch Propstei, was mit einer Abtretung der Einkünfte, welche früher dem Abt zugestanden hatten, an den Mainzer Erzbischof verbunden war.

Um 1385 erfolgte der Umbau der Torhalle. Das Dach wurde erhöht und ein hölzernes Tonnengewölbes eingebaut.

1461 erfolgte die Verpfändung des Klosters an das Kurfürstentum Pfalz. In Folge dessen verarmte die Propstei zunehmend.

2.2.3 Nach der Aufhebung des Klosters

1557 hob der Kurfürst Ottheinrich im Zuge der Reformation das Kloster auf und ließ die Mönche ausweisen. Das Kloster wurde in eine Domäne umgewandelt und in diesem Zusammenhang die große, noch heute erhaltene Zehntscheune errichtet.

1621 wurde das Klostergelände durch spanische Truppen verwüstet und viele Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört.

1623 fiel das ehem. Kloster zurück an das Erzbistum Mainz.

1697 ließ Lothar Franz von Schönborn, Erzbischof von Mainz, Arbeiten an der Torhalle, welche ihm als Kapelle diente, ausführen.

1720 wurde das ‚Kurfürstliche Haus’ errichtet.

1724 erhielt die Torhalle ein neues Dachwerk und eine stuckierte, flache Decke.

1797 erwarb die Gemeinde Klein-Hausen die Torhalle auf Abbruch, um Material für ihren Kirchenbau zu gewinnen. Durch die Kriegswirren und die veränderte politische Lage – Lorsch war 1803 hessisch geworden – kam es dazu nicht.

1803 verbot Landgraf Ludwig X., der spätere Großherzog Ludewig I., auf Anraten des Baudirektors und späteren hessisch-darmstädterischen Hofbaumeisters Georg Moller den Abbruch und kaufte die Torhalle für 250 Gulden[7]. Georg Moller hatte als Erster erkannt, dass es sich bei der Torhalle um ein Bauwerk aus karolingischer Zeit handelt.

1842 stürzte beim Bau der Straße von Worms nach Bensheim und Heppenheim, welche das Klostergelände von Ost nach West durchschneidet, der nördliche Treppenturm der Torhalle ein.

1849 erfolgte der Abbruch des westlichen Klosterportals.

2.2.4 Wissenschaftliche Untersuchungen und Grabungen

1861 erfolgten erste wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich des Kirchenrestes durch den Historischen Verein für das Großherzogtum.

1888 und 1890 fanden Grabungen durch Rudolf Adamy statt, die in eine erste, größere Publikation mündeten.

1902 und 1907 / 08 wurden durch Heinrich Giess kleinere Grabungen durchgeführt.

1927 / 28 und 1932 - 1937 erfolgten umfangreiche Grabungen unter der Leitung Friedrich Behns im Bereich der Kirche, der Torhalle und der ehem. Klausur. Bereits 1934 erschien eine erste Publikation. Die Ergebnisse und Interpretationen der Behnschen Grabungen waren, trotz mancher Widersprüche, allgemein anerkannter Forschungsstand, sind aber durch die aktuellen Untersuchungen in mancher Hinsicht in Zweifel gezogen worden[8].

1934/35 Wiederherstellung der Torhalle in den Zustand des späten Mittelalters (1385).

1991 wurde das Kloster Lorsch in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen

Seit 1998 erfolgen neue Untersuchungen durch den Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, den Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Heidelberg sowie den Lehrstuhl für Baugeschichte, historische Bauforschung und Denkmalpflege der TU München.

3 Die Torhalle und ihre räumlichen Bezüge

3.1 Der Merian-Stich des Klosters Lorsch

Außer der Torhalle, dem ‚Kirchenrest’ sowie Teilen der Klostermauer sind keine oberirdischen Strukturen aus der Zeit des Mittelalters auf unsere Zeit gekommen. Nach der Brandschatzung des Klosters durch spanische Truppen im Jahre 1621 wurden die meisten Gebäude abgebrochen und teilweise bis in die Fundamentgräben hinein ihrer Substanz beraubt. Bei Ausgrabungen und Untersuchungen mit dem Bodenradar konnten dennoch diverse Grundriss-Strukturen auf dem ehemaligen Klostergelände geortet und erfasst werden.[9]

Auf Grund der schwierigen Befundsituation kommt einer historischen Darstellung besonderer Zeugniswert zu – einem Stich Matthäus Merians d. Ä., der das Kloster im Zustand um 1620 zeigt. Der Stich wurde erst 1645 veröffentlicht – zu einem Zeitpunkt also, zu dem das Kloster bereits weitgehend zerstört war[10]. Wenn auch Merian-Stiche im Allgemeinen keine hohe Detailgenauigkeit aufweisen, so kann man doch davon ausgehen, dass der Gesamteindruck des Klosters der Realität entsprechend wiedergegeben ist.

Der Merian-Stich (Abbildung 2), der das Kloster von Süden aus betrachtet, zeigt ein dicht bebautes Klosterareal, das den Eindruck einer kleinen, mittelalterlich geprägten Stadt vermittelt. Der Klosterkirche südlich vorgelagert ist der Klausurbereich mit Konventbau, Dormitorium, Refektorium etc. Daran schließen sich im Westen die ver-schiedenen Wirtschaftsgebäude an. Die Torhalle lässt sich in dieser Darstellung allerdings nicht mit Sicherheit verorten[11].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Merian-Stich

3.2 Die Torhalle im Lageplan

Wenn man sich nun den Lageplan (Abbildung 3 u. 4) mit den noch existenten Ge-bäuden sowie den durch Grabungen und Untersuchungen gesicherten Grundrissstruk-turen betrachtet, so bietet sich folgendes Bild:

[...]


[1] Georg Moller hatte durch seine Intervention beim hessisch-darmstädterischen Landgrafen

den Abriss der Torhalle verhindert und nahm sie in sein Werk „Denkmaehler der Deutschen Baukunst“ auf. Auf die Problematik der (genauen) Datierung anhand von Stilvergleichen etc. wird in dieser Arbeit nur am Rande eingegangen. Weiterführende Literatur zu dieser Thematik: Siehe Literaturverzeichnis.

[2] Vgl. Glöckner, 1929, S.17f

[3] Vgl. Heimatbuch Seeheim-Jugenheim, 1981, S. 16

[4] Vgl. Untermann, 2011, S.209

[5] Vgl. Ludwig, 2011, S.404; Schefers, 2004, S.14

[6] Vgl. Scholz, 2011, S.382 ff; Schefers, 2004, S.7 ff; Platz, 2011, S.145 ff

[7] Vgl. Ludwig, 2011, S.470

[8] Vgl. Platz, 2011, S.144 ff

[9] Vgl. Schefers, 2004, S.16

[10] Vgl. Ludwig, 2011, S.466

[11] Vgl. Ludwig, 2011, S.468

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die karolingische Torhalle des Klosters Lorsch an der Bergstraße / Hessen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
29
Katalognummer
V214071
ISBN (eBook)
9783656425182
ISBN (Buch)
9783656438373
Dateigröße
6887 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
torhalle, klosters, lorsch, bergstraße, hessen
Arbeit zitieren
Ulrich Petzold (Autor), 2012, Die karolingische Torhalle des Klosters Lorsch an der Bergstraße / Hessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214071

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