Besessenheit und Exorzismus im Bild

Analyse und Auswertung ausgewählter Bilder


Forschungsarbeit, 2013

60 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

l. Einleitung und Forschungsfrage

2. Analyse
2.l Definition Besessenheit / Exorzismus
2.2 Forschungsmethode
2.3 Bildanalysen
2.3.l Bilder aus Filmen
2.3.l.l Horrorfilm: Der letzte Exorzismus
2.3.l.2 Horrorfilm / Thriller: Der Exorzismus von Emily Rose 2.3.l.3 Horror Film: Der letzte Exorzismus
2.3.l.4 Offizielle Seite von Warner Brothers zum Film „The Rite“ 2.3.l.5 Horrorfilm: The Rite – Das Ritual 2.3.l.6 Horrorfilm: Der Exorzismus der Emma Evans 2.3.2 Fotografien mit künstlerischem Anspruch
2.3.2.l „Horror Scene of a Possessed Woman Crawling and Screaming through Woods“l
2.3.2.2 „Horror Scene of a Woman Possessed holding a doll sitting in a chair“2O 2.3.3 Gemälde / Kunst / Zeichnungen
2.3.3.l „Meister der Wunder von Mariazell“: Exorzismus, Großer Mariazeller Wunderaltar(Ausschnitt), ca. l52O
2.3.3.2 Zeichnung aus einem Artikel zu Exorzismus in Ägypten
2.3.3.3 Zwei Gemälde: Exorzismus
2.3.3.5 Exorzismuskarikatur
2.3.3.6 Bild eines Fastentuchs aus einem heute.at Artikel: l22 neue Exorzisten für katholische Kirchel
2.3.4 Artikel und dokumentarische Bilder...3l
2.3.4.l Exorzismus von Annelise Michel...3l
2.3.4.2 Exorcism Columbia (Los Angeles Times Photography)
2.3.4.3 derstandard.at Artikel: Von allen bösen Geistern besessen
2.3.4.4 Exorzismusritual in der Kirche Divine Saviour in Mexico City.
2.3.4.5 Telquel Artikel: Fais divers. L'exorcisme tue
2.3.4.6 Exorzismus eines schlechten Geistes in den Straßen von Akra Indien
2.3.4.7 Reportage: The Exorcised of Bahadur Shahid4l
2.3.4.8 Pi-News Artikel: Islamischer Exorzist erwürgt Frau
2.3.4.9 Einstufung und Klassifizierung von Besessenheit.
2.3.4.lO Besessenheit / Voodoo
2.3.4.ll Krone.at Artikel: l4- Jährige nach Teufelsaustreibung fast erblindet
2.4 Herausstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden
2.5 Teuflische Besessenheit bei Frauen

3. Fazit

4. Quellenangaben
4.l Literaturquellen
4.2 Bildquellen.
4.3 Internetquellen

1. Einleitung und Forschungsfrage

Besessenheit und Exorzismus sind in Deutschland entweder durch Horrorfilme wie „Der Exorzist“ oder „Der Exorzismus von Emily Rose“ bekannt oder tauchen gelegentlich in den Negativschlagzeilen im Fernsehen oder in Zeitungen auf, wenn es z. B. zu Todesfällen durch Exorzismus gekommen ist. Die Anwendung von Exorzismus, vor allem durch die katholische Kirche, wird hier meist als rückständig und barbarisch dargestellt und Besessenheit als Mittel genutzt, um Angst zu verbreiten oder Attraktionslust zu wecken. Tatsächlich wird Exorzismus auch heute noch angewendet, etwa durch die katholische Kirche oder protestantische Freikirchen, aber auch global in den verschiedensten Kulturkreisen und Religionenl.

Da es sich um ein globales Phänomen handelt, welches schon lange Zeit existiert, ist es interessant zu untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es bei der Darstellung von Besessenheit gibt und ob es eine Art „Kerndarstellung“ von Besessenheit gibt. Welche

Mittel werden genutzt, um in Filmen sowie Bildmaterial Angst zu verbreiten und woher stammen diese Merkmale?

Um Merkmale von Besessenheit herauszuarbeiten, wurden Fotos, Gemälde, Zeichnungen, sowie Bilder aus Filmen einer qualitativen Bildanalyse unterzogen. Die Bilder wurden dabei auf drei Ebenen untersucht, i. e. auf vorikonographischer, ikonographischer und ikonologischer Ebene. Durch diese Methode kann nicht nur eine Aussage über den Bildinhalt getroffen werden, also darüber Was der Bildersteller zeigen will, sondern auch darüber Wie , also mit welchen Mitteln, es gezeigt wird und welches allgemeine Verständnis bei dem Betrachter angesprochen wird.

Als Ausgangspunkt der Bildanalysen werden die Begriffe Besessenheit und Exorzismus geklärt, um eine Grundannahme darüber treffen zu können, wie Besessenheit erkenntlich wird.

2. Analyse

2.1 Definition Besessenheit / Exorzismus

Besessenheit ist ein Zustand der Trance, in dem ein Medium die Energie oder Kraft eines nicht verkörperten Geistes in sich aufnimmt. Bei dem Trancezustand, in dem Besessenheit auftritt , handelt es sich nicht um den Verlust des Bewusstseins – auch nicht bei anschließender Amnesie -, sondern vielmehr um eine neue, anders geartete Form des Bewusstseins.2

Unter Besessenheit wird im Allgemeinen ein Zustand verstanden, bei dem die Seele eines Menschen von einem anderen, übernatürlichen Geisterwesen besessen ist. Solche Zustände sind in den meisten Glaubenssystemen bekannt. In verschiedenen Kulturkreisen tritt Besessenheit innerhalb unterschiedlicher Phänomene und Rituale auf, wie zum Beispiel im Voodoo in Westafrika und Haiti, im südamerikanischem oder auch zentralasiatischen Schamanismus oder im japanischem Shintoismus. Innerhalb der katholischen Kirche gibt es bis heute das Amt des Exorzisten, dessen Aufgabe es ist, besessene Menschen von bösartigen übernatürlichen Kräften zu befreien.3

Eine genauere religionswissenschaftliche Definition von Besessenheit und besonders die Ausarbeitung der Merkmale besessener Personen sind jedoch schwierig. Da Besessenheit ein globales Phänomen ist und in verschiedenen Kulturen unterschiedlich durch die Gesellschaft geprägt ist, gibt es viele Variationen der Merkmale. „Unter Besessenheit werden in der

Geschichte der Religionen wie auch in der Religionswissenschaft und angrenzenden Wissenschaften so viele verschiedene Zustände subsumiert, dass es nicht möglich ist anzugeben, was Besessenheit eigentlich sei.4

Ein zentraler Punkt der Vorstellung von Besessenheitszuständen ist, dass davon ausgegangen wird, dass es erstens Geisterwesen gibt, die Auswirkungen auf Menschen haben können, und zweitens die Vorstellung von einer menschlichen Seele existiert.5

Zinser sieht Besessenheit als Interpretation eines besonderen Zustandes , wobei Besessenheit als veränderter, außergewöhnlicher Bewusstseinszustand beschrieben wird. Besessenheit kann sich durch körperliche, von außen sichtbare Veränderungen der betroffenen Person bemerkbar machen. Diese Veränderungen sind jedoch geschichtlich und kulturell sehr verschieden und werden teilweise auch als krankhaft empfunden, so dass sie nicht als Merkmale zur Erkennung von Besessenheit genutzt werden können. Zu diesen Veränderungen gehören zum Beispiel ungewöhnliche Körperbewegungen wie „[…] Augenrollen, unwillkürliche Zuckungen einzelner Glieder, Starre, unwahrscheinlich große Kraftentfaltung […]“ und veränderte Verhaltensweisen, wie „[…] Veränderungen der Stimme, unkontrolliertes Reden und Handeln […]“. Ob eine solche Veränderung „[…]als Besessenheit anzusehen ist oder nicht, hängt davon ab, ob in einer Gesellschaft solche Erscheinungen als Besessenheit gelten und damit Besessenheit als Interpretation für die soziale Gruppe vorgeben und als Selbstinterpretation von den einzelnen Individuen erlernt ist.“ Ursachen für Besessenheitszustände sind je nach Kultur und Religion verschieden. Häufig werden als Urheber für Besessenheit Götter oder Geister genannt, die Besitz von einem Menschen oder seiner Seele ergriffen haben.6

Ein weiterer Aspekt von Besessenheit, den Zinser nennt, ist die Transzendierung des Alltags. Demnach wird durch Besessenheit und Besessenheitsrituale Platz für das geschaffen, was den Mitgliedern bestimmter Kulturen und Religionen nicht erlaubt ist oder normalerweise unterdrückt wird.7

Einer theologischen Definition nach kann bei Besessenheit immer zwischen positiven und negativen Phänomenen unterschieden werden. „Entweder ist B[esessenheit] ein positiver, erwünschter, also religiös produktiver Zustand, auch wenn die Person, die ja zurückgedrängt

wi r d, sich zunächst dagegen wehrt, oder B[esessenheit] ist ein negativer, quälender Krankheitszustand, der nach Heilung verlangt.8

Exorzismus wird als eine Methode genannt, einen besessenen Menschen von Geistern zu befreien. Das Wort Exorzismus wird von dem griechischen Wort exhorkismós abgeleitet, das so viel bedeutet wie Vereidigung aber auch Beschwörung. Psychologisch betrachtet kann Exorzismus als „Therapie“ gedeutet werden, die dazu dienen soll, den Betroffenen von

traumatischen Erfahrungen, Schuldgefühlen oder anderen (selbst)zerstörerischen Energien“ zu befreien. Als sozialer Prozess dient Exorzismus dazu, den Besessenen symbolisch von

gruppeninterne[n] und gesellschaftliche[n] Konflikte[n]“ zu befreien, die auf ihn projiziert worden sind. Aus theologischer Perspektive erklärt und legitimiert der Exorzismus das dualistische Weltbild des Christentums, da individuelle und kollektive Ängste auf das Böse konzentriert werden, welches jedoch durch Exorzisten beherrscht werden kann.9

2.2 Forschungsmethode

Im Folgenden werden die Ergebnisse einer qualitativen Bildanalyse mit Bildern von

„Besessenen“ aus Filmen, Dokumentationen oder künstlerischen Darstellungen wie Zeichnungen und Gemälden zusammengefasst und diskutiert, um gemeinsame Merkmale herauszuarbeiten. Es wurden 25 Bilder ausgewählt, die unter den Suchworten „Exorzismus“,

„Besessenheit“, „Teufelsaustreibung“ alleine oder in Kombination mit verschiedenen Religionen wie „Christentum“, „Islam“, „Judentum“, „Hinduismus“ und teilweise auch den Ländern „Indien“ und „Mexiko“ gefunden wurden. Weiter untersucht wurden jene Bilder, die mindestens eine Person zeigen, die als „besessen“ dargestellt wird. Dass diese Person besessen sein soll, wurde entweder der Bildunterschrift oder dem Kontext des Bildes (wie etwa der Film- oder Bildbeschreibung oder dem dazugehörigen Zeitungsartikel) entnommen. Ralf Bohnsack stellt mit der dokumentarischen Methode eine Möglichkeit vor, zu untersuchen, wie kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene hergestellt werden, statt nur zu fragen, was diese Phänomene sind.lO Hierbei lehnt er sich an die Bildinterpretation nach Panofsky an, die den Sinn von Bildern erfassen will. Sinn wird dabei als „Interaktionsprodukt von Bild und Rezipienten“ angesehen. Panofsky unterscheidet bei der Bildanalyse drei Ebenen von Sinn. Auf jeder Ebene ist vorausgesetzt, dass die Interpretation aus einer subjektiven Quelle erfolgt und deren Vorwissen berücksichtigt werden muss. Das jeweilige Wissen der Person, die das Bild interpretiert, soll mit dem Bild in Zusammenhang gebracht

werden. Sinn wird nach Panofsky als „'Bezugsgröße' zwischen einer aktuellen und einer früheren Erfahrung beschrieben“.ll

Die erste Ebene ist die vor-ikonographische Sinnebene. Hier wird beim Betrachten des Bildes das beschrieben, was jeder Mensch ohne Vorwissen durch unmittelbare Betrachtung sehen kann. Auf der ikonographischen Sinnebene wird das gesellschaftlich und kulturell geprägte Vorwissen der interpretierenden Person miteinbezogen, die den Bedeutungssinn herstellen soll. So können dazu die zuvor auf der vor-ikonographischen Sinnebene erkannten Bildelemente miteinander in Bezug gesetzt werden. Die letzte Sinnebene ist die ikonologische Sinnebene. Sie unterscheidet sich von den beiden anderen Ebenen dadurch, dass hier keine

„expliziten Codes“ angenommen werden, die alle Menschen bzw. alle Menschen aus einer kulturellen Gruppe gleich deuten würden. Die Deutung auf ikonologischer Sinnebene findet auf der Basis des spezifischen Wissens statt, das der Interpret mit einbringt. Der Fotograf, der das Bild erstellt hat, übermittelt auf (vor-)ikonographischer Ebene Botschaften, da er davon ausgehen kann, dass die Rezipienten dasselbe Wissen teilen und dieselben Codes anerkennen wie er. l2

Auf ikonologischer Ebene soll beim Betrachten des Bildes herausgefiltert werden, welche nicht intentionalen Botschaften das Bild vermittelt, also all das, was der Bildproduzent nicht zu übermitteln beabsichtigt hat.l3

Die dokumentarische Interpretation untersucht also nicht nur die ikonographische Ebene, sondern auch die vorikonographische Ebene. Wenn zum Beispiel eine Gebärde als Hutziehen beschrieben wird, so ist dies ikonographisch gedeutet. Auf ikonologischer Ebene würde diese Gebärde als Grüßen interpretiert werden. Ein Schrei (vor-ikonographisch) könnte auf ikonographischer Ebene als Hilferuf oder ein Schmerzensschrei gedeutet werden. Der Schrei hat also eine dokumentarische und eine konjunktive Bedeutung. Dokumentarisch bedeutet, dass der Schrei ein festgelegtes Zeichen für einen bestimmten Bedeutungsgehalt ist. Konjunktiv heißt, dass der Schrei in einen bestimmten Bedeutungszusammenhang eingebettet ist und aus diesem heraus gedeutet werden muss.l4

In der formalen Bildanalyse schlägt Bohnsack verschiedene Schritte vor. Die Untersuchung der Bildkomposition , der szenischen Choreographie sowie der planimetrischen Bildstruktur.

Die formale Bildkomposition sollte beachtet werden um zu vermeiden, dass man die einzelnen Gegenstände eines Bildes isoliert wahrnimmt, sondern stattdessen als „szenische

Sinneinheiten“, also im Kontext mit anderen Bildgegenständen. Die formale Bildkomposition wird nach Bohnsack durch die „perspektivische Projektion“, der „szenischen Choreographie“ und der „planimetrisch geregelten Ganzheitsstruktur“ des Bildes bestimmt.l5 Hilfreich kann es hierbei auch sein, sich einzelne Elemente des Bildes herauszugreifen und diese gedanklich zu variieren, um zu untersuchen, in welcher Form das Bild sich dadurch verändern würde. Bohnsack bezeichnet dies als Kompositionsvariation.l6 Die szenische Choreographie eines Bildes bezeichnet das Verhältnis der abgebildeten Personen zueinander. Hiermit sind nicht nur die Stellung der Personen im Raum zueinander, sondern auch die Gebärden und Blicke gemeint. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich die Personen in anderen Situationen oder mit anderen Gebärden vorzustellen und zu beobachten, welche Sinnveränderungen sich dadurch ergeben würden.l7 Die planimetrische Struktur eines Bildes sieht das Bild als ganzheitliche Komposition und untersucht die Stellung von Personen und Gegenständen zueinander, sowie Größe und Dominanz bestimmter Bildelemente.l8

Nach der Ikonik wird auch die Ikonologie untersucht. Bildinhalte werden nun nicht mehr nur als das gesehen, was direkt aus dem Bild über sie entnommen werden kann, sondern es werden zusätzliche Informationen hinzugezogen, die nicht direkt aus dem Bild stammen. Diese Informationen können entweder aus Bildunterschriften oder Kontextwissen entnommen werden oder aber stereotypisierendes Wissen sein, welches Bohnsack als kommunikativ- generalisiert bezeichnet. Der Interpret greift also auf sein eigenes handlungspraktisches und Alltagswissen zurück. Die Ikonologie ist somit standort- bzw. milieugebunden.l9

Die dokumentarische Methode wird von Bohnsack als Methode beschrieben, nicht nur nach dem Was des Bildes zu fragen, sondern auch nach dem Wie , also danach, wie der Sinngehalt des Bildes zustande kommt. Er sieht Bilder als nicht durch andere Medien ersetzbar, da durch die formal-ästhetische Bildkomposition ein Sinn vermittelt werden könne, der etwa durch Text oder Film nicht vermittelt werden könnte.2O

Die dokumentarische Methode hält somit nicht nur fest, was sich auf einem Bild befindet, sondern auch welchen Sinn die Bildelemente haben, besonders im Bezug aufeinander und auf ihre Umwelt. Außerdem kann untersucht werden, wie der Fotograf / der Künstler im Bild Sinn konstruiert hat. Beim letzten Schritt, der Untersuchung auf ikonologischer Ebene, wird das

spezifische und stereotype Wissen, der kulturelle Kontext und das Milieu des Interpretierenden miteinbezogen.

Diese dokumentarische Methode nach Bohnsack soll dazu genutzt werden, die ausgewählten Bilder inhaltlich zu beschreiben, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten zu können, sowie über den Bildinhalt hinaus deuten zu können, an welchen „Common Sense“ die Bildersteller appellieren und welches spezifische Verständnis von Exorzismus und Besessenheit beim Bildbetrachter angesprochen werden soll.

2.3 Bildanalysen

Die Bildanalysen sind in verschiedene Kategorien eingeteilt. Es wird zwischen Bilden aus Unterhaltungsfilmen, Fotografien mit künstlerischem Anspruch, Gemälden und Zeichnungen und Fotografien mit dokumentarischem Anspruch unterschieden. Unter den Bildern finden sich solche aus dem westlichen, meist christlich geprägten Kontext, sowie Bilder aus anderen kulturellen und religiösen Kontexten. Anhand der Analyse sollen auch hier Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.

2.3.1 Bilder aus Filmen

Zunächst werden Bilder untersucht, die aus Filmen stammen, die der Unterhaltung dienen. Hierbei fällt sofort auf, dass es sich bei den untersuchten Filmen nur um Horrorfilme handelt. Das Thema Exorzismus / Besessenheit wird also genutzt, um beim Zuschauer Angst auszulösen.

2.3.1.1 Horrorfilm: Der letzte Exorzismus

http://www.movie-infos.net/news_detail.php?newsid=26279 Zugriff: O4.O3.2Ol3 lO:O2 Uhr

Kontext:

Das Bild stammt aus dem Horrorfilm „Der letzte Exorzismus“ von Regisseur Daniel Stamm aus dem Jahr 2OlO. Reverend Cotton hat bisher Exorzismen bei Gläubigen durchgeführt, die nur scheinbar von Dämonen besessen waren und dabei kleine Tricks angewendet. Er will seinen letzten Exorzismus durchführen und dies dokumentieren, um den Irrglauben aufzudecken. Er muss jedoch bei seinem „letzten Exorzismus“ erkennen, dass tatsächlich etwas Übernatürliches, Böses am Werk ist und findet zu seinem Glauben zurück.2l

Formulierende Interpretation: Vorikonographische Ebene:

Auf dem Bild ist eine weibliche Person in einem mit Stroh ausgelegten dunklen Raum, in dem kaputte Möbel stehen, zu sehen. Der Raum sieht aus, als würde er normalerweise nicht genutzt.

Die Frau im Vordergrund trägt ein weißes Nachthemd oder Kleid, das an der Vorderseite im Bereich des Bauches und Unterleibes sowie am Ärmel von Blut durchtränkt ist. An den Füßen trägt die Frau rote, feste Schuhe. Bei genauerem Hinsehen sieht man eine Eisenkette, die zum Fuß der Frau führt. Ob die Frau angekettet ist, ist nicht erkennbar.

Das Bild ist sehr dunkel. Besonders der Hintergrund ist fast schwarz, so dass man die Umgebung der Frau schlecht erkennen kann. Die Bildkomposition ist gut gelungen, da die Frau nicht genau in der Mitte des Bildes positioniert ist, sondern ein Drittel des Bildvolumens einnimmt. Der Fotograf bzw. der Zuschauer befindet sich auf Augenhöhe mit der Frau und kann sich so stärker mit der Frau identifizieren und wird ins Bild hineingezogen. Sie wird durch helles Licht von oben in Szene gesetzt und der Kontrast aus schwarzem Hintergrund sowie ihrem mit Blut bespritzten weißen Kleid reizt zum Hinsehen. Durch ein grünes Möbelstück und der roten Farbe auf ihrem Kleid entsteht ein weiterer Kontrast. Das gesamte Bild scheint ein Spiel aus Licht und Schatten zu sein. Besonders der schwarze Schatten unter der Frau fällt auf.

Ikonographische Elemente:

Aufgrund des Strohs könnte es sich bei dem Raum um eine Scheune handeln. Das Blut an der Kleidung der Frau sowie die Eisenkette lassen darauf schließen, dass sie entweder eine Gewalttat begangen hat oder Opfer einer Gewalttat wurde. Ihre Kleidung (weißes Kleid oder Nachthemd) passt nicht in den Kontext der Scheune.

Reflektierende Interpretation: Formale Komposition:

Die Frau steht im Zentrum der Betrachtung, da sie sich im Vordergrund befindet, der scharf gestellt ist und beleuchtet wird. Die Frau hebt sich von ihrem Umfeld farblich ab, da sie durch ihre Kleidung und Hautfarbe sehr hell wirkt und der Hintergrund beinahe schwarz ist. Sie ist gleichzeitig doch sehr gut integriert, da das rote Blut und das grüne Möbelstück im Hintergrund eine kontrastierende Farbkomposition bilden.

Ikonische Interpretation:

Dadurch, dass die Frau durch ihre Kleidung (weißes Nachthemd oder Kleid) nicht in die Umgebung der Scheune passt, wird sie stilistisch hervorgehoben. Sie wirkt deplatziert. Das Nachthemd würde viel mehr in den Kontext eines Schlafzimmers passen. Die Beschmutzung der weißen Kleidung durch rotes Blut und die Eisenkette lassen den Betrachter an Gewalt, Verletzung und Tod denken. Der dunkle, schwer erkennbare Hintergrund wirkt in diesem Zusammenhang bedrohlich. Die Frau ist leicht verschwitzt und ihre langen offenen Haare kleben an ihrem Körper, was an körperliche Anstrengung oder im Zusammenhang mit dem Blut und der Kette an Angstschweiß denken lässt. Das weiße Kleidungsstück, besonders an einer Frau, ist ein Zeichen der Unschuld, die jedoch durch das rote Blut beschmutzt worden ist. Dass die Frau in einer Scheune untergebracht und angekettet ist, lässt an das Anketten eines Tieres erinnern und stellt sie als animalisch dar. Ihre seltsam verrenkte Körperhaltung sieht so unnatürlich aus, dass es unwahrscheinlich erscheint, sie habe diese von alleine eingenommen. Vielmehr scheint jemand anderes dafür verantwortlich zu sein. Ihr starrer Blick lässt sie benommen wirken, als wäre sie nicht ganz bei sich oder würde unter Schock stehen. Dadurch, dass sie benommen wirkt und in einer sehr unnatürlichen Körperhaltung ist, wird der Eindruck erweckt, dass etwas für die Frau und auch für den Betrachter Unerklärbares vor sich geht.

2.3.1.2 Horrorfilm / Thriller: Der Exorzismus von Emily Rose

http://www.celluloid-dreams.de/kritiken/show/Der-Exorzismus-von-Emily-Rose.html Zugriff: O4.O3.2Ol3 lO:O4 Uhr

Kontext:

Das Bild stammt aus dem Horrorfilm „Der Exorzismus von Emily Rose“, von Regisseur Scott Derrickson, der im Jahr 2OO5 in die deutschen Kinos kam. Der Film basiert auf dem Gerichtsprozess, der gegen zwei Pfarrer aufgrund von fahrlässiger Tötung geführt wurde. Diese hatten in den l97Oer Jahren einen Exorzismus bei Annelise Michel durchgeführt. Thema des Films ist, ob es sich um Besessenheit durch den Teufel oder etwa um eine Krankheit wie Schizophrenie oder Epilepsie handelt.22

lO

Formulierende Interpretation: Vorikonographische Ebene:

Das Bild zeigt eine Frau in einem weißen Schlafanzug, die barfuß auf dem Boden kniet. Sie ist vor einer orangen Wand mit grünen Spritzern zu sehen, im Hintergrund sieht man den unteren Teil einer goldenen Stehlampe. Neben ihr liegt etwas Dunkles auf dem Boden, was nicht genau erkennbar ist. Es könnte sich um Exkremente, Dreck oder Erde handeln.

Die Frau ist der Kamera zugewandt, blickt jedoch nach (von ihr aus gesehen) links und scheint mit ihren Augen jemanden oder etwas zu fixieren. Ihre Mimik ist nicht genau zu deuten, die Augen sind leicht zusammengekniffen, der Mund unnatürlich weit aufgerissen. Die Haltung ihrer Hände ist auffällig, da sie sehr angespannt sind, jedoch keine bestimmt Bewegung ausführen.

Die Frau steht in der Mitte des Bildes. Der Zuschauer blickt leicht von oben herab auf die Frau. Durch die Hintergrundfarben orange und grün wird die Aufmerksamkeit etwas von der Frau weggezogen, die relativ farblos ist. Die Haare der Frau sind lang, leicht strähnig und wirr. Eine Strähne hängt ihr ins Gesicht.

Ikonographische Elemente:

Die gesamte Körperhaltung der Frau ist angespannt. Dadurch, dass der Zuschauer von oben herab auf sie blickt und sie am Boden möglicherweise neben Exkrementen hockt, erweckt sie einen animalischen Eindruck. Auch ihre Mimik, ihr zum Schreien aufgerissener Mund, wirkt nicht menschlich, sondern eher wie ein wütendes Tier, das etwas verteidigen muss. Da sie einen Schlafanzug trägt und ungewaschene Haare hat, wirkt sie insgesamt vernachlässigt und ungepflegt, so als wäre sie schon lange in diesem Zustand.

Reflektierende Interpretation: Formale Komposition:

Die Frau befindet sich in der Mitte des Bildes, der Betrachter blickt leicht schräg von oben auf sie herab. Neben ihr sind Exkremente, Dreck oder Erde auf dem Boden, zu denen sie sich herunter gekniet hat. Ihr Oberkörper ist jedoch dem Betrachter zugewandt, also von ihr aus leicht nach links gedreht. Ihr Kopf ist noch weiter nach links gedreht, als würde sie sich einer Person zuwenden (und durch Schreien auf diese reagieren) die nicht im Blickfeld des Betrachters ist. Die Farben an der Wand (Orange mit leuchtend grünen Flecken) sind irritierend und lenken den Blick des Betrachters von der Frau ab.

Ikonische Interpretation:

Die Frau wirkt animalisch, da sie am Boden unter dem Betrachter hockt, neben ihr auf dem Boden Dreck, Erde oder Exkremente sind, sie den Mund weit aufgerissen hat und durch ihre angespannte Körperhaltung aggressiv wirkt. Der Schlafanzug lässt an Schlaf und Traum denken, also an andere Bewusstseinszustände. Die weiße Farbe des Schlafanzugs suggeriert wiederum Unschuld, was in einem starken Kontrast zu der aggressiven Haltung der Frau steht. Durch ihre ungewaschenen Haare macht sie einen ungepflegten, vernachlässigten Eindruck. Der Schweiß könnte Angstschweiß sein.

2.3.1.3 Horror Film: Der letzte Exorzismus 2

http://www.kinofans.com/Kino-News/Film-News/DER-LETZTE-EXORZISMUS-II-Neues- Filmplakat-E24649.htm

Zugriff: O4.O3.2Ol3 lO:4O Uhr

Kontext:

Das Bild stammt aus dem Horrorfilm „Der letzte Exorzismus 2“ vom Regisseur Ed Gass- Donnelly, der im Juni 2Ol3 in die Kinos kommt. Der Film geht da weiter, wo der erste Teil aufhört. Die junge Frau Nell war im ersten Teil von einem Dämon besessen, der ihr ausgetrieben wurde. Im zweiten Teil wacht sie auf und kann sich an nichts erinnern. Sie arbeitet ihre Vergangenheit auf und beginnt ein neues Leben, wird jedoch erneut von dem Dämon heimgesucht.23

Formulierende Interpretation: Vorikonographische Ebene:

Das schwarz-weiß Bild aus dem Film „Der letzte Exorzismus 2“ zeigt eine Frau in einem weißen, recht tief ausgeschnittenen Kleid oder Nachthemd mit Rüschen vor einem weißen Hintergrund mit schwarzen Rissen, Flecken oder Schatten. Der Rücken der Frau ist unnatürlich weit nach hinten durchgebogen, sodass ihr Körper einen Bogen bildet. Ihre linke Hand hält sie auf ihrer Kehle, die rechte Hand vor dem Körper auf Bauchhöhe, wobei ihre Finger gespreizt sind.

Die Mimik der Frau ist nicht eindeutig fassbar. Sie hat den Mund weit geöffnet, als würde sie schreien. Ihre Augen sind leicht zusammengekniffen. Ihre Haare sind lang und offen und hängen nach hinten herunter.

Das Bild ist schwarz-weiß, wobei der Hintergrund, die Haut der Frau sowie ihr Kleid nicht leuchtend weiß sind, sondern ins Gräuliche tendieren.

Um den Hals trägt die Frau eine Kette, die nach hinten gerutscht ist und über ihrem Kopf hängt, da sie sich so weit nach hinten lehnt.

Durch die Belichtung ist nicht eindeutig auszumachen, ob auf ihrem Kleid, ihrer Haut und dem Hintergrund Schatten sind oder ob es sich um Schmutz handelt. Insgesamt vermittelt das Bild einen schmuddeligen, düsteren Eindruck. Die Kette um ihren Hals könnte ein Rosenkranz sein, da es sich um eine lange Kette aus dunklen Perlen handelt. An der Stelle, an der normalerweise das Kreuz hängen würde, ist jedoch das Bild zu Ende.

Ikonographische Elemente:

Die Kette der Frau ist sehr lang und besteht aus Perlen. Ob ein Anhänger an der Kette ist, kann nicht gesagt werden, jedoch erinnert die Kette stark an einen Rosenkranz. Dem Betrachter kommt gleich in den Sinn, dass die Körperhaltung der Frau nicht natürlich ist, da der Oberkörper stark nach hinten überdehnt ist.

Reflektierende Interpretation: Formale Komposition:

Der Betrachter befindet sich auf Augenhöhe mit der Frau. Durch ihre bogenförmige Körperhaltung entstehen zwei Bildzentren. Betrachtet man das Bild, ist nicht klar, ob der Oberkörper mit ihrem verzerrten Gesicht oder der Unterkörper mit ihrer abgespreizten Hand im Zentrum liegen soll.

Ikonische Interpretation:

Der Mund der Frau ist weit aufgerissen und ihre Augen zusammengekniffen, außerdem ist ihr Körper stark durchgebogen, so dass es insgesamt so aussieht, als hätte die Frau starke Schmerzen. Durch den Hintergrund, der weiß mit dunklen Rissen und Flecken ist, und durch die Bearbeitung des Bildes, die das Weiß des Kleides grau und an einigen Stellen dunkel verfärbt erscheinen lässt, entsteht der Eindruck, das Kleid sei schmutzig. Das weiße Kleid symbolisiert Unschuld, während der „Dreck“ die Beschmutzung der Unschuld symbolisiert.

[...]


1 Habermehl, Seite 4O3.

2 Martin, Seite 4O.

3 Martin, Seite 4O.

4 Zinser, Seite l3l.

5 Zinser, Seite l34.

6 Zinser, Seite l3l-l32.

7 Zinser, Seite l33-l34.

8 Mensching, Seite lO93.

9 Habermehl, Seite 4Ol.

lO Bohnsack, Seite 69.

ll Michel, Seite lO2.

l2 Michel, Seite lO3-lO4.

l3 Michel, Seite lO4.

l4 Bohnsack, Seite 74.

l5 Bohnsack, Seite 74-75.

l6 Bohnsack, Seite 79-8O.

l7 Bohnsack, Seite 8l.

l8 Bohnsack, Seite 82-83.

l9 Bohnsack, Seite 84-86.

2O Bohnsack, Seite 89-9l.

2l http://de.wikipedia.org/wiki/Der_letzte_Exorzismus [ll.O4.2Ol3, l2:52].

22 http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Exorzismus_von_Emily_Rose [ll.O4.2Ol3, l2:59 Uhr].

23 http://www.gamona.de/kino-dvd/der-letzte-exorzismus-2:movie,22O7776.html [ll.O4.2Ol3, l2:5O Uhr].

60 von 60 Seiten

Details

Titel
Besessenheit und Exorzismus im Bild
Untertitel
Analyse und Auswertung ausgewählter Bilder
Autor
Jahr
2013
Seiten
60
Katalognummer
V214096
ISBN (Buch)
9783656434399
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besessenheit, exorzismus, bild, analyse, auswertung, bilder
Arbeit zitieren
Svenja Planko (Autor), 2013, Besessenheit und Exorzismus im Bild, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214096

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