Wiener Mode im 19. Jahrhundert


Seminararbeit, 2013

18 Seiten, Note: 1


Leseprobe

1. Die Wiener Mode von 1815 bis 1890

Die Jahre zwischen 1815 und 1890 unterlagen einem stetigen Stilwechsel. Die Modeindustrie war sprunghaft, rasant und experimentierfreudig. Viele Trends wurden während dieser Jahre erzeugt, die jedoch ebenso schnell wieder verschwanden, wie sie aufgetaucht waren. Drei Stilepochen waren jedoch ausschlaggebend für das Wien im 19. Jahrhundert: Die Mode des Biedermeier, die Mode des zweiten Rokokos und die Mode der Gründerzeit. Die prunkvollen Kleider und passenden Accessoires wurden von Stilikonen ihrer Zeit würdevoll getragen und erlangten so Zugang zur breiten Masse der Gesellschaft. Zu erwähnen sei hier, dass es sich bei diesen Begriffen um die Modeepochen der Frauenbekleidung handelt. Die Männermode blieb im Laufe des Jahrhunderts eher konstant. Die Grundelemente - Hose, Jacke und Weste - wurden, weder stilistisch noch farblich gesehen, kaum verändert. Schwarz, Grau und erdige Farben dominierten. Bunt wurde gänzlich abgelehnt.1 Anders hingegen präsentierte sich die Damenmode. Bereits im 18. Jahrhundert nahm die Pariser Mode, die von Maria Theresia nach Wien getragen wurde, Einfluss auf die Wiener Modewelt. Was gefiel, wurde übernommen und im „Wiener Stil“ neu kreiert.2 Die Wiener Mode war seit je her bekannt für ihre qualitative Verarbeitung der Stoffe. Handarbeit wurde in höchstem Maße praktiziert.3 Zur Zeit des Wiener Kongress, vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815, blickte die Welt erstmals auf Wien, dessen Adelsgesellschaft sich in seinen besten Kleidern präsentierte. Die kunstvollen Verarbeitungen waren hoch angesehen und die Wiener Mode wurde neben der Pariser und der Londoner Mode als führend angesehen.4 Was der Wiener Adel trug, war stets modern. Am 4. Jänner 1816 erschien erstmals die „Wiener-Mode-Zeitung und Zeitschrift für Kunst, schöne Literatur und Theater“ und zeigte von da an wöchentlich einheimische Modelle und Modetrends.5

Stolz wurde präsentiert, was in Wien kreiert wurde und womit sich die Dame der Zeit kleidete.

Herrenmode wurde dabei eher ausgeblendet. „Wiener Mode“ wurde stark vermarktet und wurde zu einem ansehnlichen wirtschaftlichen Faktor.

Einnahmequelle Nummer eins war der Wiener Schal, der aus Seide, Baumwolle oder Wolle gefertigt und mit Blumenmuster verziert vor allem in die Türkei exportiert wurde. Dort waren die Wiener Schals nicht nur auf Grund ihrer hohen Qualität und edlen Verarbeitung beliebt, sondern auch, weil sie sehr preiswert waren.6

Ein halbes Jahrhundert nach dem Wiener Kongress konnte die Wiener Mode erneut gegen Paris triumphieren. Am 1. Mai 1873 fand die Wiener Weltausstellung im Prater statt und die Hauptstadt präsentierte sich erneut von ihrer besten Seite. Besonders das Wiener Schneiderkostüm und die Wiener Bluse erregten die Aufmerksamkeit der Modewelt.7

Über die Mode wurden auch Rangfragen geklärt und die höheren Gesellschaftsschichten grenzten sich über ihre Kleidung deutlich von der unteren Schicht ab.

2. Die Mode des Biedermeier (1815-1845)

Die Frauenmode zu Biedermeier-Zeiten zeigte besonders deutlich, wie sehr der soziale Status in der Gesellschaft vom Äußeren abhängig war. Noch vor der Französischen Revolution war Mode besonders in den höheren Gesellschaftsschichten ein Prestigegegenstand, um sich deutlich von anderen Schichten der Gesellschaft abzugrenzen. Die sich ständig ändernden Formen bildeten in ihrer Gesamtheit im Prinzip den Übergang zwischen Empire und Zweitem Rokoko - zwei Epochen in denen sich ein relativ einheitlicher Stil über längere Zeit halten konnte.8

In den ersten Jahren zog sich der empirische Geist der Mode bewusst durch alle Schichten und zeichnete sich durch schmale, hochliegende Taille - die optisch noch durch „Korsetts und breitgebauschten Keulenärmel“ verstärkt wurde -, steifem Saum und weiten Reifenröcke aus.

Im Gegensatz zu den hoch geschlossenen Hauskleidern, zeigten Ballkleider einen tieferen Blick ins Dekolletee der Frauen.9 Generell hielt man die Verzierung der größtenteils aus Baumwolle geschneiderten Kleider eher schlicht und unauffällig, wobei Bordüren am Saum oder Baumwolle, die selbst schon gemustert war, häufig gesehen wurden.10 Als besonderes Merkmal sei auch das Umschlagetuch aus Kaschmir erwähnt.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Mode des Biedermeier

Ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wanderte die Taille langsam wieder an ihre natürliche Stelle zurück.12 Im selben Zug wurden die Oberteile enger. Korsetts kamen erneut in Mode. Breite Röcke, die Sicht auf die Knöchel zuließen, zeichneten diese Modeepoche aus.13 Erstmals etablierten sich dezent farbliche Strümpfe, die gerne auch Verzierungen jeglicher Art aufwiesen.14 Auch die Breite der Ärmel steigerte sich kontinuierlich. Ihrer voluminösen Form verdanken die Ärmel den Namen Schinkenoder auch Ballonärmel, die schließlich nur noch dank diverser Hilfsmittel (Pölsterchen/Fischbeingestelle) in Form gehalten werden konnten.15

Um das tiefe Dekolletee etwas zu verbergen, bedienten sich Damen an Kaschmir-Tüchern oder Spitzenkrägen.16 Auch Fichus waren sehr beliebt, da sie neben dem modischen Accessoire eine Wärmequelle darstellen. Mäntel spielten zu dieser Zeit eine untergeordnete Rolle, da die voluminösen Kleider das Tragen erschwerten. Eine Alternative waren die sogenannten Mantelkleider, die denselben Schnitt wie die Kleider hatten.17 Der Trend verlor sich gegen Ende der 30er Jahre wieder. Die Schulterpartie wurde schmäler und die Röcke wieder länger.18 Man entdeckte jedoch die Kunst der Verschönerung und begann, die Kleider aufwändig zu verzieren, mit auffälligen Stoffen in allen Farben und Mustern, Bändern und Schleifen. Künstliche Blumen waren besonders beliebt, sowohl am Kleid, am Hut oder auch im Haar der Damen. Während des Biedermeier gewannen vor allem Hüte an besonderer Bedeutung. Oft wurden unter ihnen noch mit Spitze verzierte Hauben getragen.19 Die weitaus wichtigeren Accessoires waren jedoch Handschuhe, Schirm, Taschentuch, Ridikül und Fächer.20 Die Schuhe waren schlicht, meist einfarbig und liefen zu den Zehen hin spitz zusammen.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Kleid im Biedermeierstil

3. Das zweite Rokoko (1845-1870)

Die 40er Jahre galten als Zeit des zweiten Rokokos, wo die Röcke wieder breiter, die Farben dezenter und gemusterte Stoffe abgelehnt wurden.22 Im Zentrum dieser Zeit steht die Krinoline. Um einen stufenförmigen und äußerst voluminösen Effekt zu erzielen, wurden mehrere unterschiedlich lange Röcke übereinander angezogen.23 Um die erwünschte Form zu erreichen und auch zu halten, wurden die Röcke noch zusätzlich mit Rosshaaren verstärkt. Dies hörte sich erst 1856 auf, als eine Stahlreifenkonstruktion erfunden wurde, die denselben Effekt erzielte. Dank dieser Konstruktion erreichten die Kleider einen Saumumfang von bis zu zweieinhalb Metern, häufig auch mehr.24 Diese neu erfundene Art des Reifenrocks unterschied sich zu seinem Vorgänger in Form und Material. Stahl ersetzte die Fischbeine und die Kleider wurden vorne immer flacher und die Schleppen nach hinten immer länger.25 Die Mieder - die Kleideroberteile - waren hochgeschlossen. Die Ärmel waren halblang und wurden zu Ende hin immer weiter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die Mode im zweiten Rokoko

[...]


1 Gertrud Lehnert, Frauen machen Mode. Coco Chanell, Jil Sander, Vivienne Westwood u.a.m.; Modeschöpferinnen vom 18. Jahrhundert bis heute (Dortmund 1998), 51.

2 Hubert Kaut, Modeblätter aus Wien. Mode und Tracht von 1770-1914 (Wien/München 1970), 14-18.

3 Gerda Buxbaum, Mode aus Wien 1815-1938 (Salzburg/Wien 1986), 25.

4 Hubert Kaut, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft im Wiener Vormärz. In: Hans Bisanz, Wien 1800-1850. Empire und Biedermeier (Wien 1969), 18.

5 Käthe Springer, Wiener Mode. In: Peter Csendes (Hrsg.), Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich (Wien 1987), 53.

6 Kaut, Modeblätter aus Wien., 57 - 61.

7 Elfriede Beck, Die Wienerin und ihre Zeit. Frauen- und Familienzeitschriften der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als Zeitdokumente (Diss. Wien 1964), 120.

8 Kaut, Modeblätter aus Wien, 44.

9 Margarete Braun-Ronsdorf, Modische Eleganz. Europäische Kostümgeschichte von 1789 bis 1929 (München 1963), 44.

10 Andrea Mayrhofer, Mode vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Eva Marko (Hg.), Dress Code. Mode 1570-1960 (Graz 2004), 33.

11 Ingeborg Weber-Kellermann, Frauenleben im 19. Jahrhundert (München 1998), 62.

12 Hubert Kaut, Modeblätter aus Wien. Mode und Tracht von 1770-1914 (Wien/München 1970), 44.

13 Andrea Mayrhofer, Mode vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Eva Marko (Hg.), Dress Code. Mode 1570-1960 (Graz 2004), 35.

14 Erika Thiel, Geschichte des Kostüms. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (Berlin 2004), 324

15 Kaut, Modeblätter aus Wien, 44.

16 Mayrhofer, Mode vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, 35.

17 Margarete Braun-Ronsdorf, Modische Eleganz. Europäische Kostümgeschichte von 1789 bis 1929 (München 1963), 124.

18 Thiel, Geschichte des Kostüms, 321.

19 Thiel, Geschichte des Kostüms, 322f.

20 Ingird Loschek, Accessoires. Symbolik und Geschichte (München 1993), 89.

21 Mayrhofer, Mode vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, 34.

22 Thiel, Geschichte des Kostüms, 324f.

23 Thiel, Geschichte des Kostüms, 321f.

24 Regina Maria Jankowitsch, K&K Eitelkeiten. Mode und Uniformen unter Kaiser Franz Joseph (Wien 1997), 30f.

25 Thiel, Geschichte des Kostüms, 342f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wiener Mode im 19. Jahrhundert
Hochschule
Universität Wien  (Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V214107
ISBN (eBook)
9783656425113
ISBN (Buch)
9783656439868
Dateigröße
1057 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mode, Wien, 19. Jahrhundert, Biedermeier Mode, zweites Rokoko, Gründerzeit, Damenunterwäsche, Herrenmode, Herrenmode 19. Jahrhundert, Modeikonen, Kaiserin Sisi, Pauline Fürstin Metternich, Herzogin von Berry Marie Caroline, Frederik Worth, Haut Couture, Haute Couture
Arbeit zitieren
Christina Stöger (Autor), 2013, Wiener Mode im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214107

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wiener Mode im 19. Jahrhundert



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden