Es handelt sich bei der vorliegend Arbeit um eine Abhandlung über Witz und Gewalt in Wolfram von Eschenbachs "Willehalm", die mit sehr gut (1,3) bewertet wurde. Ziel dieser Arbeit ist es, Willehalm auf Witze hin zu untersuchen, die in einer Verbindung zur Gewalt stehen. Dabei wurde vor allem auf den aktuellen Forschungsstand eingegangen und das Werk detailliert untersucht.Eine Analyse der Witztechnik sowie und das "Lachen" im Mittelalter stehen im Vordergrund.
Die Arbeit beinhaltet ein mehr als ausführliches Literaturverzeichnis und wurde mit Sorgfalt erstellt.
Auszug aus der Einleitung:
Ziel dieser Arbeit ist es , Willehalm auf Witze hin zu untersuchen, die in einer Verbindung zur Gewalt stehen. Um diese die Witztechnik Wolframs, die durch aggressive und tendenziö-se Anspielungen geprägt ist, analysieren zu können und die Gründe für das „Lachen“ des mit-telalterlichen höfischen Publikums herauszufinden, ist es wichtig zu verstehen, wie der „Witz“ überhaupt von der Komik abhängt und die Gründe des hervorgerufenen Effekt des Lachens zu begreifen. Hierzu dient der erste Teil der Arbeit, der sich dieser Auflistung widmet sowie darlegt, wie die drei genannten Formen – Komik, Witz und Lachen – voneinander abgegrenzt werden und in der Literatur des Mittelalters angewandt wurden.
Der zweite, wichtigere Teil, beschäftigt sich im Anschluss mit der eigentlichen Analyse der Witztechnik. Nachdem der allgemeine Humor Wolframs dargelegt wird, wird das Verhältnis von Witzen und Gewalt dargelegt. Im Anschluss werden verschieden vorkommende Formen des Witzes, die auf Gewalt abzielen, dargestellt und auf deren Deutung hin untersucht. Eine besondere Beachtung findet dabei die nun schon mehrfach erwähnte Szene mit der Ente, wel-che einen Diskurs in der Forschung hervorgerufen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Komik, Witz und Lachen in der mittelalterlichen Literatur und deren Differenzierung
2.1 Komik
2.2 Witz
2.3 Lachen
3. Analyse der Witztechnik im Willehalm und deren Verhältnis zur Gewalt
3.1 Der Humor Wolframs
3.2 Das Verhältnis von Witz und Gewalt
3.3 Gedankenwitze
3.4 Tendenziöse Witze
3.5 Komik der Vergleichung
3.6 Die Banalität der Ente auf dem Bodensee
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Witz, Komik und Gewalt im 'Willehalm' von Wolfram von Eschenbach. Ziel ist es, die spezifische Witztechnik des Autors zu analysieren, insbesondere inwiefern aggressive Anspielungen und gewalttätige Fantasien als performative Inszenierungen des Lachens im höfischen Kontext fungieren.
- Differenzierung von Komik, Witz und Lachen in der mittelalterlichen Literaturtheorie.
- Analyse von Wolframs Witztechnik und deren Verbindung zur gewaltsamen Handlung.
- Untersuchung spezifischer Witzformen wie Gedankenwitze und tendenziöse Witze.
- Deutung der Ente-auf-dem-Bodensee-Szene als Beispiel für mittelalterliche Witzkonstruktion.
- Betrachtung des 'Willehalm' als Werk, das durch Humor gesellschaftliche Vorurteile und Machtstrukturen thematisiert.
Auszug aus dem Buch
3.6 Die Banalität der Ente auf dem Bodensee
Es zeigt sich, dass das Charakteristische für die Witztechnik Wolframs ist, dass er mit den Hemmungsaufwänden „spielt“. Diese werden im Nachhinein oft durch Erklärung aufgelöst. Er entlockt seinem Publikum Gelächter, um im Anschluss dieses Lachen zu kritisieren oder zu rationalisieren. Dadurch, dass die „intellektuelle Aufmerksamkeit“ durch Verständlichkeit, Kürze, Überraschung, Bildung von Fassaden, usw., um direkt im Anschluss wieder darauf zu gelenkt zu werden, „tötet“ er seine Witze selbst. Das wohl deutlichste Beispiel hierfür ist der zu Beginn eingeführte „Witz“ mit der Ente auf dem Bodensee.
Zunächst lässt er sein Publikum über den „Aufwand und Hochmut“ der Heidenritter des Poydjus lachen. Das Gelächter lässt er durch den „kalauernd deformierten Reim“ antraxe/wac se vorbereiten. Erst im Anschluss kommen der „lächerliche Enterich“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungslage zum Humor Wolframs ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Verbindung von Witz und Gewalt im 'Willehalm' auf.
2. Komik, Witz und Lachen in der mittelalterlichen Literatur und deren Differenzierung: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Begriffe Komik, Witz und Lachen und grenzt diese im Kontext der mittelalterlichen Literatur voneinander ab.
3. Analyse der Witztechnik im Willehalm und deren Verhältnis zur Gewalt: Dieser Hauptteil untersucht anhand konkreter Beispiele aus dem 'Willehalm' die verschiedenen Techniken von Wolframs Witz, wie Gedankenwitze, tendenziöse Witze und Komik der Vergleichung, und deren Funktion in Bezug auf Gewaltdarstellungen.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale These, dass die Witze im 'Willehalm' als aggressive Inszenierungen zu verstehen sind, die soziale und ethische Haltungen der Gesellschaft widerspiegeln.
Schlüsselwörter
Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Humor, Komik, Witz, Gewalt, Mittelalter, Lachen, Performanz, Rennewart, Gedankenwitz, Tendenziöser Witz, Literaturwissenschaft, Höfische Epik, Sprachtechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Technik des Humors in Wolframs von Eschenbach 'Willehalm' und setzt diese in eine direkte Beziehung zur dargestellten Gewalt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Komischen im Mittelalter, die Differenzierung zwischen Witz und Komik sowie die performative Wirkung gewalthaltiger Witzszenen auf das höfische Publikum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolfram durch seine spezifische Witztechnik aggressive Fantasien inszeniert und welche Rolle dabei die Überwindung von Vorstellungshemmungen spielt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf theoretische Ansätze zur Komik (u.a. von Sigmund Freud und moderner Forschung wie Werner Röcke) stützt, um die Textpassagen philologisch zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Wolframs Humor, die Analyse des Verhältnisses von Witz und Gewalt sowie die Untersuchung spezifischer Kategorien wie Gedanken- und tendenziöse Witze.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Willehalm, Humor, Witztechnik, Gewalt, höfische Epik und performatives Lesen geprägt.
Welche Bedeutung hat die Ente-auf-dem-Bodensee-Szene?
Sie gilt als das Paradebeispiel für Wolframs Technik des „toten Witzes“, bei dem das komische Potenzial durch die übertriebene Darstellung einer banalen Situation (das Austrinken des Sees) und die anschließende Rationalisierung durch den Erzähler manipuliert wird.
Wie wird die Rolle der Rennewart-Figur im Kontext der Gewalt bewertet?
Rennewarts Aktionen werden als groteske und gewalttätige Ausbrüche interpretiert, die durch ihre Witzhaftigkeit einerseits das Publikum zum Lachen bringen, andererseits aber eine tiefere soziale und ethische Problematik der Rittergesellschaft entlarven.
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- Erstes Staatsexamen Sandra Johann (Author), 2011, Witz und Gewalt im "Willehalm" Wolframs von Eschenbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214192