Das Seleukidenreich im Konflikt mit Rom unter besonderer Betrachtung der Beteiligung Hannibals


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangslage: Das Seleukidenreich zur Zeit Antiochos III.

3. Die Beziehung Antiochos III. zu Philipp V. und die Auswirkungen auf den römischen Konflikt
3.1 Der 5. Syrische Krieg
3.2 Roms Gründe für das Eingreifen in den Konflikt
3.3 Der 2. Römisch-Makedonische Krieg

4. Die Niederlage gegen Rom
4.1 Der Antiochos-Krieg
4.2 Hannibals Beteiligung
4.3 Der Friede von Apameia

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
Literatur

1. Einleitung

Die Epoche, in der die hellenistische Welt definitiv unter die römische Herrschaft fiel, ist für ein zentrales historisches Problem ein geradezu klassisches Beispiel. Dinge entwickelten sich in immer wieder konkreten Entscheidungssituationen geradezu im Sinne eines eigenständigen Prozesses. Jeder gehorchte bestimmten Zielen und Interessen; aber was schließlich herauskam hatte […] so niemand gewollt oder gar gezielt angestrebt, am wenigsten wohl die, welche den Sieg davontrugen.[1]

Der Sieg Roms über die hellenistische Welt stellt sich – laut der obigen Aussage Hans-Joachim Gehrkes – als ein längerfristiger Prozess dar, welcher durch mehrere Faktoren beeinflusst wurde. Dieser Sieg repräsentiert für Rom den entscheidenden Schritt auf dem Weg der Weltherrschaft, ob dieser nun gewollt oder ungewollt war, sei dahingestellt. Desweiteren schafften sie es, den Untergang zweier hellenistischer Großstaaten zu beschleunigen, wenn nicht sogar zu verursachen.[2]

Dieser „Prozess“ schloss zwei Makedonisch-Römische Kriege ein, insgesamt sechs Syrische Kriege, sowie den „Kalten Krieg“[3] zwischen Antiochos und Rom, welcher sich schließlich als bedeutender Faktor für den Untergang des Hellenismus herausstellte.

Die nachfolgende Arbeit versucht einen Abriss darüber zu geben, wie sich der Konflikt Antiochos III. mit Rom entwickelte, welche Faktoren darauf Einfluss nahmen und schließlich wie der entscheidende Beitrag des Antiochoskrieges aussah. Dabei wird besonders auf die Beteiligung Hannibals Rücksicht genommen, welcher sich ab 195 v. Chr. als Flüchtling am Hofe Antiochos aufhielt. Sein Beitrag zur Planung und zum Ablauf des Krieges wird in den Forschungen zur hellenistischen Geschichte sowie in Überblicksdarstellungen und Handbüchern nur am Rande erwähnt, wenn nicht sogar komplett ausgelassen. Lediglich in Hannibal-Biografien finden diese eine ausführlichere Erwähnung. Desweiteren wird versucht auf die Fragen einzugehen, wie es zur Verschiebung des Kräftegleichgewichtes kommen konnte und was letztendlich der ausschlaggebende Punkt Rom sein mochte, sich in die Expansion Philipps V. von Makedonien in die Ägäis einzumischen.

Dazu wird in einem ersten Kapitel die grundlegende Ausgangslage im Seleukidenreich zur Zeit Antiochos III. bis zum Ende des 4. Syrischen Krieges und dem Tod Ptolemaios V. Epiphanes beschrieben. Dies führt zur Beteiligung Philipp V., der mit Antiochos eine Art „Raubvertrag“ über das Ptolemäerreich beschloss. Folgen davon waren der 5. Syrische Krieg sowie der 2. Römisch-Makedonische Krieg. In diesem Kapitel wird ebenso nach eventuellen Gründen für das Eingreifen Roms in den Konflikt gesucht. Das abschließende Kapitel beschäftigt schließlich mit dem Hauptanliegen der Arbeit, der Niederlage Antiochos gegen Rom. Hier wird das Zustandekommen des Antiochoskrieges erläutert sowie dessen Ablauf. Desweiteren wird hier die schon erwähnte Beteiligung und Einwirkung Hannibals erläutert, dessen schließlich geforderte Auslieferung ein Bestandteil des Friedensvertrages von Apameia im Jahre 188 v. Chr. darstellte.

Der Konflikt mit Rom wird vor allem in den Geschichtsschreibungen der Historiker Polybios sowie Titus Livius, welche hier zu Rate gezogen wurden, dargestellt. Am Rande behandelte auch Appian das Thema, dieser wurde hier jedoch außer Acht gelassen. Bemerkt werden muss hierbei, dass alle drei Geschichtsschreiber den Konflikt aus römischer Sicht schildern und somit eine mehr oder weniger tendenziöse Sichtweise aufzeigen.

2. Ausgangslage: Das Seleukidenreich zur Zeit Antiochos III.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. befand sich das Seleukidenreich in einer Phase der Schwächung: Große Gebiete des seleukidischen Territoriums wurden durch die Auseinandersetzungen zwischen Seleukos II. (246-225 v. Chr.) und Antiochos Hierax (239), der Ermordung von Seleukos III. Soter (225-223) durch die eigenen Streitkräfte, die Selbstständigkeit des Pergamenerreiches und die Loslösung einzelner Funktionäre und Mitglieder der herrschenden Dynastie der Kontrolle der Herrscher entzogen.[4]

Die Hoffnung auf Veränderung des vorherrschenden „Chaos“ im Seleukidenreich sollte im Jahre 223/222 v. Chr.[5] auf die Ernennung eines neuen Königs gelegt werden:

Antiochos III., der jüngere Sohn des Seleukos II. (246-225) und Laodike II., Schwester von Achaios des Jüngeren, sollte Nachfolger seines Bruders Seleukos III. werden.[6]

Dieser wurde, nach einer Regierungszeit von nur rund drei Jahren, auf einem Feldzug zur Absicherung der seleukidischen Machtposition in Kleinasien gegen Attalos, jenseits von Tauros, ermordet. Dessen Verwandter, möglicherweise Vetter, Achaios, sorgte zwar schnell für Bestrafung der Mörder und Ruhe, schlug allerdings zugleich auch die Thronfolge aus.[7]

So wurde der noch nicht ganz zwanzigjährige Antiochos III. durch das Heer des Seleukos zu dessen Nachfolger gewählt, mit der Aufgabe, die Ordnung im Seleukidenreich wieder herzustellen.[8]

Nachdem er die Nachricht erhalten hatte, reiste er schnell zur Hauptstadt Antiocheia, wo er von der Heeresversammlung zum König ausgerufen wurde und erste Amtshandlungen ausführte: So blieb sein oberster Minister der Karier Hermeias, Achaios bekam die Verwaltung Kleinasiens und Molon sowie dessen Bruder Alexandros die oberen Satrapien.[9]

Der Beginn seiner Regentschaft stellte sich für Antiochos allerdings als eine Herausforderung heraus: Trotz Schwierigkeiten in Kleinasien begann dieser einen Feldzug in Ägypten, wo bis Ende 222/Anfang 221 v. Chr. Ptolemaios III. herrschte. Zu diesem Zeitpunkt kam auch die Nachricht, dass Molon, der Vizekönig der Oberen Satrapien sowie dessen Bruder Alexander, abgefallen seien. Wahrscheinlich begann der Aufstand des Molon im Sommer 222.

Erst zwei Jahre später entschloss sich der seleukidische Kronrat dazu, dem König zu empfehlen, den Aufstand Molons niederzuschlagen. Aber schon kurz nach Entschluss, in den ersten Monaten des Jahres, wurde Molon schnell besiegt und die Lage beruhigte sich.Antiochos konnte in Seleukeia am Tigris die Verhältnisse in den Ostgebieten ordnen. Den Feldzugsplan gegen Ägypten hatte er immer noch nicht aufgegeben, als er die Nachricht bekam, dass Achaios in Anatolien nun doch seine Loyalität gebrochen hatte und sich selbstständig zum Herrscher erheben ließ. Gleichsam knüpfte er Kontakte mit Ägypten.[10]

Der Vizekönig schien es zu bereuen, dass Diadem zum Zeitpunkt des Todes Seleukos III. ausgeschlagen zu haben. Sein Plan bestand darin, nicht nur in Kleinasien eine selbstständige Herrschaft zu gründen, sondern seine Ziele folgten einem größeren Ausmaß: Durch die Eroberung Syriens wollte er Antiochos III. von seinem Thron stoßen. Allerdings scheiterte dieses Vorhaben an der großen Loyalität, die die Soldaten des Antiochos ihrem Herrscher entgegenbrachte. Sie weigerten sich, Achaios gegen ihren rechtmäßigen König zu folgen, was ihn dazu veranlasste, sich vorerst nur mit Kleinasien zu zufrieden zu geben.[11]

Antiochos musste seine Expansionspolitik – nach dem Aufstand des Molon – erneut als gefährdet ansehen. Statt den Rebellen niederzuschlagen, widmete er sich mit aller Kraft der Rüstung gegen Ptolemäer, Achaios bekam von ihm lediglich Drohbriefe. In den Jahren 216-213 wurde dieser dann in einer „Polizeiaktion gegen einen Aufrührer“ besiegt und hingerichtet.[12]

Während Antiochos also den Aufständigen mehr oder weniger ignorierte, begann er im Jahre 219 mit einem „groß angelegten Feldzug gegen Ägypten“, dem 4. Syrischen Krieg, in welchem er das südliche Syrien zurück erobern wollte. Nach seiner Ansicht handelte es sich dabei um das Gebiet seines Urvaters Seleukos, das von Ptolemaios nach Ipsos widerrechtlich besetzt worden sei. Im Frühjahr 219 konnte er Seleukeia in Pierien zurück gewinnen. Von ägyptischer Seite aus wurde der Krieg eher zurückhaltend geführt, es wurden allerdings energische Rüstungs- und Mobilisierungsanstrengungen unternommen. Am 23. Juni 217 kam es bei Raphia, welches sich südwestlich von Gaza befindet, zur Entscheidungsschlacht zwischen Antiochos III. und Ptolemaios IV. Philopator. Antiochos musste hier eine Niederlage hinnehmen, Ptolemaios gelang es, nach Norden vorzustoßen. Kurz darauf wurde sich auf Grundlage des status quo ante, also der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes, auf Frieden geeinigt. Für Antiochos zeigte sich dies von Vorteil: Er konnte – wahrscheinlich – in Besitz von Seleukeia verbleiben.[13]

Nach Ende des 4. Syrischen Krieges und der anschließenden Niederwerfung des Achaios konnte sich Antiochos nun dem „Projekt“ widmen, welches ihm schließlich den Beinamen „der Große“ einbrachte: seiner Anabasis. Im Jahr 212 v. Chr. begann der Eroberungsfeldzug in die Oberen Satrapien. Ziel seines „Marsch nach oben“ war es, die Seleukidenherrschaft über die Satrapien im Osten bis an die Grenze Indiens wieder herzustellen.[14]

Dieses Vorhaben brachte dem Seleukidenkönig einen uneingeschränkten Ruhm in der gesamten griechischen Welt ein. Insgesamt dauerte der Kriegszug achte Jahre, bis zum Jahr 205/204 v. Chr. Der erste Erfolg konnte Antiochos schon im Jahre 212 verbuchen, als sich Xerxes, der König von Armenien, ihm unterwarf. Nach einem Aufenthalt in Mesopotamien und in der Persis durschritt Antiochos schließlich die Kaspischen Tore, wo er mit den Parthern zusammenstoß. Nachdem sich deren König, Arsakes III., in die Enge getrieben sah, schloss er im Jahre 209 ein Bündnis mit den Seleukiden. Im Jahr 206 war für Antiochos der östlichste Punkt seiner Anabasis erreicht, nachdem er mit Euthydemos, dem König von Baktrien, einen Bündnisvertrag abschloss und über den Hindukusch in das Gebiet von Kabul gelang. Im Jahre 205/4 v. Chr. kam er schließlich wieder in Seleukeia am Tigris an. Antiochos nahm den Titel basileùsmégas („Großkönig“) an. Die hellenistische Welt besaß in ihm einen König, welcher „unbestritten die erste Stelle unter den hellenistischen Monarchen einnahm“. Als wesentliches Ergebnis des Ostfeldzuges des Antiochos lässt sich festhalten, dass die seleukdischen Satrapien nun von einer Vielzahl von Vasallenstaaten umgeben war, deren Treue allerdings mit der militärischen Stärke des Antiochos einherging.[15]

Nach der Schlacht bei Raphia schien das Ptolemäerreich unter der Regierung des Ministers Sosibios einigermaßen stabil. Als jedoch im Jahre 205/204 Ptolemaios IV. starb und sein Sohn, Ptolemaios V. Epiphanes, noch minderjährig war, schlossen sich Antiochos III. und Philipp V. von Makedonien zu einer Art „Geheimvertrag“ zusammen, welcher entscheidende Einflüsse für mit sich brachte, dass die hellenistische Welt unter die römische Herrschaft fallen konnte.[16]

[...]


[1] Gehrke, H.-J., Geschichte des Hellenismus, OGG 1 B, München 20084, S. 117.

[2] Mehl, A., Zu den diplomatischen Beziehungen zwischen Antiochos III. und Rom, 200-193 v. Chr., in: Börker, C./Donderer, M. (Hrsg.), Das antike Rom und der Osten. Festschrift für Klaus Parlasca zum 65. Geburtstag, Erlanger Forschungen: Reihe A, Geisteswissenschaften 56, Erlangen 1990, S. 143-156, hier S. 143.

[3] Badian, E., Rome and Antiochos the Great: A Study in Cold War, in: CPh 54 (1959) 81-99.

[4] Meißner, B., Hellenismus, Darmstadt 2007, S. 55.

[5] Eine genaue Datierung des Regierungsantrittes Antiochos III. lässt sich nicht feststellen. Ein ungefähres Datum des Todes Seleukos III. stellt der 10. Juli 223 dar, die letzte bekante Datierung nach ihm aus Babylon, wo nicht längere Zeit irrtümlich nach dem alten Herrscher datiert worden ist. Es kann also als einigermaßen sicher gelten, dass Antiochos nicht vor Juli 223 die Herrschaft angetreten hat. Aus: Schmitt, H. H., Untersuchungen zur Geschichte Antiochos‘ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 2f.

[6] Bengtson, H., Herrschergestalten des Hellenismus, München 1975, S. 187.

[7] Gehrke, H.-J., S. 115.

[8] Bengtson 1975, S. 189.

[9] El-Zein, M., Geschichte der Stadt Apameia am Orontes von den Anfängen bis Augusts, Heidelberg 1972, S. 59.

[10] Ebd., S. 190-192.

[11] Schmitt, S. 171f.

[12] Ebd., S. 174f.

[13] Gehrke, S. 115f.

[14] Meißner, S. 56.

[15] Bengtson 1975, S. 195-197.

[16] Meißner, S. 56.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Seleukidenreich im Konflikt mit Rom unter besonderer Betrachtung der Beteiligung Hannibals
Hochschule
Universität des Saarlandes  (ALTERTUMSWISSENSCHAFTEN)
Veranstaltung
OBERSEMINAR „DIE SELEUKIDEN“
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V214194
ISBN (eBook)
9783656425489
ISBN (Buch)
9783656434368
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich bei der vorliegend Arbeit um eine Abhandlung über Das Seleukidenreich im Konflikt mit Rom unter besonderer Betrachtung der Beteiligung Hannibals, die mit einer durchaus guten Leistung (1,7) bewertet wurde. Die Arbeit versucht einen Abriss darüber zu geben, wie sich der Konflikt Antiochos III. mit Rom entwickelte, welche Faktoren darauf Einfluss nahmen und schließlich wie der entscheidende Beitrag des Antiochoskrieges aussah. Dabei wurde vor allem auf den aktuellen Forschungsstand eingegangen und die Quellenlage detailliert betrachtet.
Schlagworte
Seleukiden, Seleukidenreich, Rom, Antike, Hannibal, Antiochos, Antiochos III., Philipp V., römischer Konflikt, 5. Syrischer Krieg, syrischer Krieg, 2. Römisch-Makedonischer Krieg, römishc makedonischer Krieg, Niederlage, Antiochos-Krieg, Friede von Apameia, Hellenismus, römische Herrschaft, Sieg Roms, hellenistische Welt, Makedonisch-Römische Kriege, Kalter Krieg, Untergang des Hellenismus, Antiochoskrieg, 195 v. Chr, Philipps V. von Makedonien, Ägäis, 4. Syrischer Krieg, Ptolemaios V., Ptolemäerreich, Friedensvertrages von Apameia, 188 v. Chr., Polybios, Antiochos Hierax, Seleukos III. Soter, Pergamenerreich, Seleukos II., Laodike II., Attalos, Tauros, Achaios, Antiocheia, Hermeias, Kleinasien, Molon, Ptolemaios, Pierien, Ptolemaios IV. Philopator, Euthydemos, Seleukidenkönig, Livius, Römische Geschichte, antiochos der große, Apameia am Orontes
Arbeit zitieren
Erstes Staatsexamen Sandra Johann (Autor), 2011, Das Seleukidenreich im Konflikt mit Rom unter besonderer Betrachtung der Beteiligung Hannibals, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214194

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Seleukidenreich im Konflikt mit Rom  unter besonderer Betrachtung der Beteiligung Hannibals


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden