Hou Hsiao-Hsien ist einer der renommiertesten Regisseure und Produzenten, sowohl in Taiwan als auch international, und wird mit Recht als Regisseur einer höheren Ebene gehandelt, der mit den besten Regisseuren der Welt verglichen werden kann.1 Diese Wertschätzung verdankt er seinem unvergleichlichen Geschick, Geschichte, Politik, Filmkunst und individuelles Alltagsleben so zu verknüpfen, dass sie sich nicht voneinander lösen sondern immer wieder abwechseln.
Ziel dieser Untersuchung soll es sein, zu analysieren, wie anhand narrativer Elemente im Film ein Bezug zur Geschichte Taiwans hergestellt wird, und inwiefern Hou Hsiao-hsien durch verschiedene Konstruktionen von Zeit9 eine Temporalität schafft, die in den Filmen City of Sadness und The Puppetmaster sowohl eine Identität für die Nation Taiwan durch traditionelle Elemente, als auch für den Zuschauer als subjektiven Betrachter zu kreieren versucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Taiwan experience“ - Hou Hsiao-Hsien's Filme The Puppetmaster und City of Sadness im Spiegel der taiwanesischen Geschichte von 1911 bis 1949
2.1. Japanische Besetzung und die Narration in „The Puppetmaster“
2.2. „City of Sadness“, die Machtübernahme der KMT und der 228-Vorfall
3. Filmanalytische Stilmittel im Hinblick auf die Gestaltung von Zeit im Film The Puppetmaster
3.1. Lange Einstellungen und statische Kamera
3.2. Nachträgliche Erzählung
3.3. Wie Audioelemente Zeit konstruieren
4. Filmanalytische Stilmittel im Hinblick auf die Gestaltung von Zeit im Film City of Sadness
4.1. Ellipsen
4.2. Flashback-Erzählung
4.3. Landschaftsszenen und Intertitel
4.4. Repetitionen
5. Interpretative Ansätze der analysierten Stilmittel in City of Sadness und The Puppetmaster - Die Konstruktion von Indentität
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Regisseur Hou Hsiao-hsien durch spezifische narrative Elemente und filmische Stilmittel in den Filmen "The Puppetmaster" und "City of Sadness" die taiwanische Geschichte mit individuellen Erfahrungen verwebt, um eine taiwanische Identität und eine subjektive Temporalität für den Zuschauer zu konstruieren.
- Analyse der historischen und politischen Hintergründe Taiwans zwischen 1911 und 1949.
- Untersuchung filmischer Stilmittel zur Zeitgestaltung (Lange Einstellungen, Ellipsen, Flashbacks).
- Bedeutung von Audioelementen, Landschaftsszenen und Repetitionen in der Erzählstruktur.
- Konstruktion von nationaler und kultureller Identität durch filmische Ästhetik.
- Rolle der subjektiven Wahrnehmung und aktiven Teilhabe des Zuschauers.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Hou Hsiao-hsien ist einer der renommiertesten Regisseure und Produzenten, sowohl in Taiwan als auch international, und wird mit Recht als Regisseur einer höheren Ebene gehandelt, der mit den besten Regisseuren der Welt verglichen werden kann.¹ Diese Wertschätzung verdankt er seinem unvergleichlichen Geschick, Geschichte, Politik, Filmkunst und individuelles Alltagsleben so zu verknüpfen, dass sie sich nicht voneinander lösen sondern immer wieder abwechseln.²
In seinen Werken setzt er eindrucksvoll Taiwans sozio-historische Erlebnisse, von June Yip Taiwan Experience genannt,³ in einer unvergleichlichen filmischen Qualität um. Die japanische Besetzung Taiwans nach dem sino-japanischen Krieg 1884-95, sowie die Wiederbesetzung Taiwans durch die festlandchinesische, nationalistische Regierung der Guomindang (KMT) nach 1945 und der 228-Vorfall haben die Historie und Kultur Taiwans in unvergleichlichem Maß geprägt. Hou Hsiao-hsien hat in seinen Filmen die Einflüsse dieser politischen Momente mit äußerst persönlichen und individuellen Erfahrungen verwoben, beispielsweise die der Familie Lin in City of Sadness (1987) oder die des Li Tianlu in The Puppetmaster (1993). Kwok-kan Tam schreibt in seinem Buch „New Chinese Cinema“ dazu, dass Hou versuchte ein reflexives und humanistisches Kino zu erschaffen, das kritisch die Laufbahn der taiwanesischen Geschichte und sozialen Evolution hervorhebt.⁴
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Regisseurs Hou Hsiao-hsien sowie Definition der Forschungsfrage zur Konstruktion von Zeit und Identität in seinen Werken.
2. „Taiwan experience“ - Hou Hsiao-Hsien's Filme The Puppetmaster und City of Sadness im Spiegel der taiwanesischen Geschichte von 1911 bis 1949: Historische Einordnung der Filme in den Kontext der japanischen Kolonialzeit und der anschließenden Machtübernahme durch die KMT.
3. Filmanalytische Stilmittel im Hinblick auf die Gestaltung von Zeit im Film The Puppetmaster: Untersuchung der spezifischen filmischen Ästhetik wie lange Einstellungen, statische Kamera und der Einsatz von Audioelementen zur Zeitkonstitution.
4. Filmanalytische Stilmittel im Hinblick auf die Gestaltung von Zeit im Film City of Sadness: Analyse von Ellipsen, Flashback-Erzählungen, landschaftlichen Motiven und Repetitionen als narrative Mittel.
5. Interpretative Ansätze der analysierten Stilmittel in City of Sadness und The Puppetmaster - Die Konstruktion von Indentität: Zusammenführung der Stilmittel zur Deutung der Identitätssuche und des Verhältnisses zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
6. Schluss: Fazit der Untersuchung, das die zentrale Bedeutung der aktiven Zuschauerbeteiligung und die Verbindung von persönlicher Geschichte mit der nationalen Identität Taiwans hervorhebt.
Schlüsselwörter
Hou Hsiao-hsien, Taiwan, City of Sadness, The Puppetmaster, Zeitgestaltung, Identität, Filmanalyse, Geschichte, Indirekte Narration, Ellipsen, Flashback, Filmästhetik, Kultur, Erinnerung, Taiwan Experience
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der taiwanesische Regisseur Hou Hsiao-hsien in seinen Filmen historische und politische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen verknüpft, um Zeit und Identität filmisch darzustellen.
Welche Filme stehen im Zentrum der Analyse?
Die beiden Hauptfilme der Untersuchung sind "The Puppetmaster" (1993) und "City of Sadness" (1987).
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu analysieren, wie durch narrative Elemente ein Bezug zur Geschichte Taiwans hergestellt wird und wie Hou Hsiao-hsien eine spezifische Temporalität schafft, um eine Identität für die Nation Taiwan und den Zuschauer zu konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine filmanalytische Untersuchung, die narrative Techniken wie Ellipsen, Flashbacks, Statik und Audioeinsatz systematisch auf ihre Wirkung hinsichtlich der Zeitkonstruktion untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung der "Taiwan Experience" und eine detaillierte formale Analyse der filmischen Stilmittel, die in den beiden Filmen jeweils eingesetzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind neben dem Regisseur Hou Hsiao-hsien, die Themenkomplexe Identitätskonstruktion, Zeitgestaltung, Filmanalyse und die Auseinandersetzung mit der taiwanesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Welche Bedeutung kommt der "indirekten Narration" in Hous Filmen zu?
Die indirekte Narration zwingt den Zuschauer dazu, selbst aktiv Wissen zu erschaffen und Fragmente aus der Geschichte eigenständig zusammenzusetzen, statt sich berieseln zu lassen.
Wie trägt der Sound oder das Audio-Design zur Zeitwahrnehmung bei?
Audioelemente füllen laut der Arbeit zeitliche Lücken und verbinden ansonsten unzusammenhängende visuelle Ebenen, wodurch die Zeit nicht nur visuell, sondern auch auditiv erfahrbar gemacht wird.
- Arbeit zitieren
- Linda Nestler (Autor:in), 2011, Hou Hsiao-hsien und die Konstruktion von Zeit und Identität am Beispiel der Filme "The Puppetmaster" und "City of Sadness", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214200