Lernen, so der Titel des letzten Buchs von Klaus Holzkamp, ist nicht unbedingt ein Titel, der die Leser dazu veranlasst, das Buch aus einem Regal oder sich gegenseitig aus den Händen zu reissen, um gespannt darin zu blättern. Ebenfalls handelt es sich bei Holzkamps Werk um keinen Ratgeber, der aufzeigt, wie schnell und effizient gelernt werden kann. Genauso wenig erhebt es den Anspruch, jenes Wissen zu enthalten, welches unbedingt gelernt werden muss. Diesen Anspruch erheben andere populistischer. Ferner ist Holzkamps Buch kein wissenschaftlicher Klassiker, der von keinem Pädagogikstudenten gelesen werden muss, solange er sich mit dem gegenwärtigen Schulsystem zufrieden stellen kann. Vielmehr handelt es sich um einen psychologisch-pädagogischen Marmorfels mit dem Potential zum pädagogischen David, sofern der Leser den Sinn dieser 'subjektwissenschaftlichen Grundlegung' für sich zu erkennen vermag.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kritik / Reinterpretation an den lerntheoretischen Grundsätzen
3. Grundbegrifflichkeiten der Subjektwissenschaftlichen Theorie
4. Institutionelle Lernverhältnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Rezension befasst sich mit Klaus Holzkamps Hauptwerk "Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung". Das primäre Ziel ist es, Holzkamps theoretischen Ansatz einer subjektwissenschaftlichen Theorie des Lernens zu analysieren, seine Kritik an behavioristischen und kognitivistischen Lernkonzepten darzustellen und die Implikationen für das schulische Lernen sowie das Spannungsfeld zwischen Lernsubjekt und Institution zu beleuchten.
- Grundlegung einer subjektwissenschaftlichen Theorie des Lernens
- Kritik am behavioristischen und kognitivistischen Lernverständnis
- Unterscheidung zwischen expansivem und defensivem Lernen
- Bedeutung von Handlungsgründen und subjektiver Sinnstiftung
- Analyse institutioneller Lernverhältnisse und schulischer Reformen
Auszug aus dem Buch
Kritik / Reinterpretation an den lerntheoretischen Grundsätzen
Als Basis der Kritik an den bekannten Theorien des Behaviorismus oder des Kognitivismus führt Holzkamp die Errungenschaften der kritischen Psychologie ins Feld. Der von Holzkamp als „materielles A priori“ bezeichnete Grundsatz, dass niemand bewusst seinen eigenen Interessen zuwider handle und die Erkenntnis, dass jedes Verhalten eines Subjekts subjektiv sinnvoll und begründet erfolge, lassen ihn zum Schluss kommen, dass das menschliche Verhalten auf Handlungsgründen basiere. Die Ergebnisse behavioristischer Forschung und Theorie die durch Tierexperimente (Ratten, Hunde, Tauben) generiert wurde und damit auf die Vorstellung zurück führt, dass Lernen von 'universell-organismischer Natur' sei, lehnt Holzkamp mit der Begründung ab, dass tierischem Verhalten keine bewussten Handlungsgründe zu Grunde liegen. Er beruft sich hierbei auf Forschungsergebnisse der Psychologie, die aufzeigen, dass sich Lernmechanismen 'artspezifisch' unterscheiden. Somit folgert er, dass aus den Erkenntnissen über die Konditionierung von Ratten nicht auf den Menschen geschlossen werden kann. Auch spricht Holzkamp dem experimentellen Rahmen in dem diese Forschungsart agiert einen manipulativen Charakter zu. Er weist darauf hin, dass die Handlungsgründe des Subjekts durch die künstlichen Bedingungen des Experiments so manipuliert werden, dass die Versuchsperson das von den Forschern gewünschte Verhalten hervorbringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Bedeutung von Holzkamps Werk ein und ordnet es als psychologisch-pädagogische Grundlegung ein, die sich kritisch mit herkömmlichen Lerntheorien auseinandersetzt.
2. Kritik / Reinterpretation an den lerntheoretischen Grundsätzen: Holzkamp dekonstruiert behavioristische und kognitivistische Ansätze, indem er deren Annahmen über Lernmechanismen und Motivation auf Basis der kritischen Psychologie als unangemessen für das menschliche Subjekt zurückweist.
3. Grundbegrifflichkeiten der Subjektwissenschaftlichen Theorie: Hier wird der Kern von Holzkamps Ansatz erläutert, der Lernen als subjektiven Weltaufschluss versteht, welcher maßgeblich durch die Handlungsgründe und das Spannungsfeld des Lernsubjekts geprägt ist.
4. Institutionelle Lernverhältnisse: Dieses Kapitel analysiert das schulische System, welches durch Fremdbestimmung und "defensives Lernen" das eigentliche, expansive Lernen des Subjekts behindert und eine Reform im Sinne der Subjekttheorie fordert.
Schlüsselwörter
Lernen, Subjektwissenschaft, Handlungsgründe, kritisches Lernen, expansive Lernprozesse, defensive Lernprozesse, Institutionelle Lernverhältnisse, Subjekttheorie, Weltaufschluss, Lernmotivation, schulisches Lernen, Bildungsreform, Behaviorismus-Kritik, Kognitivismus-Kritik, Selbstbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Rezension und Analyse von Klaus Holzkamps Buch "Lernen", das eine neue, subjektwissenschaftliche Perspektive auf Lernprozesse entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion traditioneller Lerntheorien, der Definition von Lernen aus der Sicht des Subjekts und der Kritik an institutionellen Lernbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist es, Holzkamps Argumentation nachzuzeichnen, warum Lernen als ein bewusstes Handeln begründet in subjektiven Interessen verstanden werden muss, anstatt als bloßer Anpassungsmechanismus.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor im Originalbuch?
Holzkamp nutzt die Methode der theoretischen Grundlegung und Reinterpretation, um Erkenntnisse der kritischen Psychologie auf das Feld des Lernens anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Kritik an Behaviorismus und Kognitivismus, die Einführung der zentralen Begriffe des subjektwissenschaftlichen Lernens sowie die Analyse schulischer Reformdefizite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Subjektwissenschaft, Handlungsgründe, expansives/defensives Lernen und der subjektive Weltaufschluss.
Was versteht Holzkamp unter dem "defensiven Lernen" in der Schule?
Defensives Lernen ist eine systembedingte Strategie, bei der das Lernen lediglich zur Bewältigung von Prüfungen und dem Erfüllen von Vorgaben dient, statt der echten inhaltlichen Erschließung.
Warum übt Holzkamp Kritik am "Offenen Unterricht"?
Er kritisiert, dass Offener Unterricht dem Schüler zwar formale Freiheiten lässt, die inhaltliche Bestimmung aber weiterhin bei der Lehrperson bleibt, was zu einer fiktiven Partizipation führt.
Was bedeutet der Begriff "Enteignung des Lernens"?
Dies beschreibt den Prozess, in dem durch Zwang, Reglementierung und Fremdbestimmung der eigentliche, subjektiv motivierte Lernprozess des Schülers unterbunden wird.
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- MA Educational Sciences und MA Educational Sciences Stephan Marti (Author), 2007, Rezension des Buches von Klaus Holzkamp: Lernen - Subjektwissenschaftliche Grundlegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214206