Zunächst erfolgt eine chronologische Darlegung der Ereignisse und
Umstände, auf deren Hintergrund sich die verschiedenen Aspekte der
Alexander-Nachahmung entfalteten. Hier soll das Wissensgerüst vermittelt
werden, mithilfe dessen die politische Relevanz seiner Anknüpfung an den
als Eroberer und Beherrscher Asiens legendären Alexander deutlich wird. Im Anschluss daran wird die Imitatio in ihren unterschiedlichen Ausprägungen erläutert und der Leitfrage folgend dahingehend interpretiert, ob und inwiefern sie rein zweckpolitisch motiviert war. So soll das Heraklidentum des Triumvirn, das sich offenbar auf das Alexanders bezog, besprochen werden, ebenso sein darauffolgendes Auftreten als Neuer Dionysos. Schließlich werden übrige archäologische Zeugnisse, da sie nicht eindeutig den beiden obig genannten Aspekten zugeordnet werden können, aber offensichtlichen Bezug auf Alexander den Großen nehmen, gesondert vorgestellt.
Neben der verwendeten Forschungsliteratur stützt sich diese Arbeit z.T. auch auf die „Römische Geschichte“ des Cassius Dio und vorallem auf die von Plutarch verfasste Antonius-Biographie. Beide Schriftsteller schrieben mit einer nicht allzu großen, aber dennoch nicht zu unterschätzenden zeitlichen Distanz zwischen ihnen und den geschilderten Ereignissen am Ende der römischen Republik, und so war bereits genügend Zeit vergangen, dass sich in ihre Beschreibungen des Leben des Antonius und die Ereignisse um ihn ohne Weiteres ein großer Anteil augusteischer Propaganda einfinden konnte.
Diese Tatsache, die insbesondere im Werk Plutarchs erkennbar ist, ist in
dieser Arbeit berücksichtigt worden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Alexander-Imitatio als göttliche Angleichung
3.1. Marcus Antonius, der Heraklide
3.2. Marcus Antonius, der Neue Dionysos
4. Sonstige archäologische Spuren
5. Zusammenfassung und Auswertung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Ausprägungen der Alexander-Imitatio durch Marcus Antonius, um zu klären, inwieweit diese als bloßes machtpolitisches Kalkül oder als Ausdruck einer persönlichen Bewunderung für Alexander den Großen zu interpretieren sind.
- Analyse der historischen Voraussetzungen der politischen Orientierung des Antonius im Osten.
- Untersuchung der Identifizierung des Marcus Antonius mit der Gottheit Herkules.
- Erforschung der Rolle des Antonius als "Neuer Dionysos" in Athen und Ägypten.
- Auswertung numismatischer und archäologischer Belege wie Statuen und Siegel.
- Synthese der persönlichen Ambitionen und der politischen Propaganda des Triumvirn.
Auszug aus dem Buch
3. Alexander-Imitatio als göttliche Angleichung
Die Alexander-Nachahmung des Marcus Antonius nahm unterschiedliche Gestalten an, so die der öffentlichen Identifikation mit dem griechischen Heros Herkules, dem Stammvater des Geschlechts der Argeaden, welchem Alexander angehörte. Letzterer hatte diese göttliche Herkunft noch intensiver als zuvor sein Vater Philipp II. mittels Münzprägungen zur Schau gestellt, eine Vorgehensweise, der sich auch Antonius bediente: Aus dem Jahr 42 v. Chr. stammt ein Aureus des Münzmeisters L. Livineius Regulus als Teil einer Serie von Prägungen, die anlässlich der Schließung des zweiten Triumvirats hergestellt wurden und auf der Rückseite die Vorfahren der drei Triumvirn abbilden.
Im Fall der Antonius gewidmeten Münze zeigt sie einen jugendlichen, auf einem Felsen sitzenden Krieger, der jedoch nicht, wie bereits irrtümlich angenommen, Herkules darstellen kann; die für den Halbgott typischen Merkmale wie Löwenfell und Keule fehlen, ebenso wäre Herkules kaum Stiefeln tragend abgebildet worden. Stattdessen handelt es sich bei der Gestalt um einen wohl nachträglich fingierten Sohn des Herkules, Antaion - denn laut einiger kurzer Zeilen am Anfang seiner von Plutarch verfassten Vita entstammte Antonius der Linie des Herkules durch ebendiesen.
Es war ein Erbe, das sich sowohl in seiner körperlichen Gestalt als auch in seinen Kleidungsgewohnheiten äußerte: In Anlehnung an seinen heroischen Vorfahren sei Antonius stets darauf bedacht gewesen, vor vielen Leuten mit hochgegürteter Tunika, einem großen Schwert an der Seite und in einen schweren Kriegsmantel gehüllt aufzutreten. Die zwei bereits erwähnten Haupt-Attribute des Herkules, das Löwenfell und die Keule, fehlen jedoch auch in dieser Beschreibung. Dies könnte damit zu erklären sein, dass Antonius gar nicht darauf aus war, dem Helden im äußeren Erscheinungsbild zu gleichen, sondern stattdessen zu glauben schien, dass „eine schlicht-derbe Soldatentracht [...] seiner heroischen Ahnenschaft entspräche.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Rezeption Alexanders des Großen und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Motiven für die Alexander-Imitatio des Marcus Antonius.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert den politisch-historischen Kontext nach Caesars Ermordung und die Machtansprüche von Marcus Antonius in den östlichen Provinzen.
3. Alexander-Imitatio als göttliche Angleichung: Hier werden die Identifikationen des Antonius mit Herkules und Dionysos als Mittel der Legitimation und politischen Selbstdarstellung analysiert.
3.1. Marcus Antonius, der Heraklide: Untersuchung der heroischen Genealogie des Antonius und dessen Bezugnahme auf den Stammvater Herkules durch Münzbilder und dynastische Politik.
3.2. Marcus Antonius, der Neue Dionysos: Analyse der Rolle des Antonius als Neuer Dionysos und dessen Wirkung im griechisch geprägten Osten sowie seine Verbindung zu Kleopatra.
4. Sonstige archäologische Spuren: Darstellung weiterer archäologischer Zeugnisse wie Statuen und Münzprägungen, die eine Verschmelzung der verschiedenen Alexander- und Herkules-Angleichungen belegen.
5. Zusammenfassung und Auswertung: Abschließende Betrachtung, die zeigt, dass sowohl machtpolitische Kalküle als auch persönliche Ambitionen die Imitatio Alexanders durch Antonius vorantrieben.
Schlüsselwörter
Marcus Antonius, Alexander der Große, Alexander-Imitatio, Herkules, Dionysos, Triumvirat, Kleopatra, Numismatik, antike Propaganda, hellenistische Tradition, Rom, östliche Provinzen, politische Legitimation, Herrscherbild, Gottkönigtum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Methoden, mit denen der römische Triumvir Marcus Antonius sich öffentlich als Nachfolger Alexanders des Großen inszenierte.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die antike Herrscherideologie, die Instrumentalisierung von Mythologie zu Propagandazwecken und die politische Geschichte der späten römischen Republik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Motive für das Verhalten des Antonius zu entschlüsseln: Handelte er rein zweckpolitisch oder aus einer aufrichtigen persönlichen Identifikation heraus?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus historischer Quellenanalyse (unter Einbeziehung von Autoren wie Plutarch und Cassius Dio) und der Auswertung archäologischer sowie numismatischer Funde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Identifizierung mit Herkules und Dionysos sowie archäologische Belege wie Statuen und Münzprägungen als Beweise seiner politischen Inszenierung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Alexander-Imitatio, Triumvirat, politische Propaganda, Gottkönigtum und hellenistisches Herrscherbild charakterisiert.
Wie wichtig war die Verbindung zu Kleopatra für die Inszenierung des Antonius?
Die Verbindung zu Kleopatra und die ptolemäische Tradition spielten eine essenzielle Rolle, da sie dem Antonius halfen, sich in die Rolle des orientalischen Herrschers in der Nachfolge Alexanders einzufügen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Motive des Antonius?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass politische Motive zwar vordergründig waren, persönliche Bewunderung und der Wunsch nach Prestige jedoch als parallele Motive nicht ausgeschlossen werden können.
- Arbeit zitieren
- Nejla Demirkaya (Autor:in), 2012, Die Alexander-Imitatio des Marcus Antonius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214361