'Toastmasters International'. Ein Phänomen der 'bürgerlichen Gesellschaft'


Forschungsarbeit, 2012

42 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die soziologische Theorie der 'bürgerlichen Gesellschaft'
2.1. Wirtschaftsbürgertum
2.2. Bildungsbürgertum
2.3. Vereinsbürgertum

3. Phänomen: 'Toastmasters International'

4. Erprobung
4.1. Wirtschaftsbürgertum und 'Toastmasters International'
4.2. Bildungsbürgertum und 'Toastmasters International'
4.3. Vereinsbürgertum und 'Toastmasters International'

5. Fazit

6. Bibliographie

7. Internetquellen

Anhang 1 - Kommunikations- und Führungsprogramm

Anhang 2 - Beschreibung der Ämter innerhalb einer Sitzung

Anhang 3 - Beschreibung der Vorstandsämter

Anhang 4 - Beispiel eines Clubabends

Anhang 5 - Fallstudie 'Adlershof Toastmasters'

Anhang 6 - Service Chart

1. Einleitung

„Beherrsche die Sache, dann folgen auch die Worte − rem tene, verba sequentur“ (Cato der Ältere, 234 - 149 vor Christus).

Rhetorik ist die Redekunst oder die Kunst der Beredsamkeit. Bereits in der griechischen Antike galt sie als Disziplin und spielte vor allem mit Entstehung der Demokratie in Griechenland eine große Rolle. Zum Einen geht es darum, Menschen durch die Kunst des Redens zu überzeugen und zum Anderen um die Wissenschaft des Redens (Vickers, 2008).

Bereits bevor Aristoteles die Theorie der Überzeugung herausarbeitete, lehrten die Sophisten die Kunst des Redens. Dabei legten sie nicht nur Wert auf die Rhetorik an sich, sondern befassten sich gleichzeitig mit der Grammatik, Logik, Ethik und Literaturkritik. Sie sind die ersten Lehrenden, die für ihre Lehre der Rhetorik Geld nahmen (Hegel, 1971). Im Mittelalter gehörte die Rhetorik zu dem Triviums1 neben der Logik und Grammatik. In der Zeit der Aufklärung wurde die Rhetorik aufgrund des Vorwurfs der Ablenkung von rationalen Erkenntnissen zunehmend verdrängt. Seitdem wird unter Rhetorik die Technik des Redens verstanden (Vickers, 2008).

Rhetorik war und ist ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Deshalb gründeten sich eine Vielzahl an Vereinen, Clubs, um die Kunst des Redens zu üben.

Die Soziologie stellt sich immer wieder die Frage, in was für einer Gesellschaft leben wir? Die neuere soziologische Theorie der 'bürgerlichen Gesellschaft' wurde im 18./ 19. Jahrhundert noch als eine Art Insel gesehen, da sie sich zum Beispiel von den Bauern abgrenzte. Das Wort Bürger leitet sich von dem mittelalterlichen Wort burgensis ab und bedeutet Bewohner, der vor den Mauern der Burg lebt, der Kaufmannssiedlung burgus (Freyer, 1959, 452). Demnach zählten zur damaligen Zeit zur 'bürgerlichen Gesellschaft' Bürger, die am Rand der Burg lebten.

Im heutige Verständnis von 'bürgerlicher Gesellschaft' ist jeder Mensch ein Bürger und die politische Idee lässt sich auf fast alle Gesellschaftsschichten übertragen (Grummt/ Hausdorf, 2009). Somit schlägt Fischer (2004) die 'bürgerliche Gesellschaft' als Leitkategorie der Gegenwartsgesellschaft vor, da der Begriff der Moderne an sich nicht mehr ausreicht.

Was haben Rhetorik Clubs mit der 'bürgerlichen Gesellschaft' zu tun?

Die Erkenntnis, dass Rhetorik und besonders Rhetorik Clubs ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sind, wirft die These auf, dass die Vielzahl an Rhetorik Clubs auf den zentralen Prinzipien der 'bürgerlichen Gesellschaft' beruhen.

'Toastmasters International' ist eine solche Organisation zur Förderung der Kunst des öffentlichen Redens, der effektiven Kommunikation und kompetenten Führung. In der vorliegenden Hausarbeit wird die Organisation 'Toastmasters International' exemplarisch für die Rhetorik Clubs als Phänomen der neueren soziologischen Theorie der 'bürgerlichen Gesellschaft' dargestellt.

Beginnend wird die Theorie der 'bürgerlichen Gesellschaft' näher betrachtet, mit besonderen Augenmerk auf den Trägergruppen und deren Strukturmerkmalen. Folgend wird die Organisation 'Toastmasters International' vorgestellt, als ein Beispiel von Rhetorik Clubs. Danach erfolgt die Erprobung und Beweisführung der 'Toastmasters International' als Phänomen der 'bürgerlichen Gesellschaft'. Dafür wurde eine Fallstudie exemplarisch bei den Adlershof Toastmasters durchgeführt, die in diesem Part Einfluss findet.

2. Die soziologische Theorie der 'bürgerlichen Gesellschaft'

Historisch gesehen entwickelte sich die 'bürgerliche Gesellschaft' aus der okzidentalen Stadt heraus. Bereits in der okzidentalen Stadt (Ort des Handels und Gewerbes) erkennt Weber Elemente der Trägergruppen der 'bürgerlichen Gesellschaft' und deren Strukturmerkmale.

Er beschreibt in seiner Schrift „Wirtschaft und Gesellschaft“ die rechtlichen, politischen, religiösen und ökonomischen Elemente dieses Stadttypus, sowie die Entwicklung von der Heteronomie zur Autonomie und Autokephalie2 (Weber, 1999).

Die Entwicklung des Rechts enthält demokratische Grundstrukturen und muss selbst organisiert werden. Diese Selbstorganisation als politische Idee oder Entwurf ist revolutionär. Des Weiteren ist „die 'bürgerliche Gesellschaft' […] ohne das Recht weder vorstellbar noch praktisch erfahrbar“(Wienfort, 2000, 272) und „Niemand kann in einer bürgerlichen Gesellschaft sich den in ihr bestehenden Gesetzen entziehen“ (Locke, 1985, 161).

Die Religion ist zu verstehen als kulturelles Kapital, welches eine Art von Gemeinde bildet. Die Ökonomie bietet die Möglichkeit der Entfaltung, aufgrund von Handel und Gewerbe (Privateigentum), aber auch Einschränkungen, aufgrund der Steuern (Stadteigentum) (Weber, 1999).

Die Elemente konnten sich nur in der okzidentalen Stadt durchsetzen, aufgrund der Stadt, als ein Ort der 'Freiheit'. Weber ging es dabei in erster Linie, um die Erweiterung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, den Werten der französischen Revolution (Balibar/ Wallerstein, 1990).

Aus den oben benannten Elementen entstanden die drei gleichberechtigten und unabhängig voneinander wirkenden Trägergruppen, Wirtschafts-, Bildungs- und Vereinsbürgertum, die im Folgenden dargestellt werden.

2.1. Wirtschaftsbürgertum

Die Bourgeoise beziehungsweise das Wirtschaftsbürgertum bezeichnet ursprünglich den Einwohner einer bourg. Die Bewohner damals galten als 'frei', „[...] Frei von den Verpflichtungen, die das soziale Bindemittel und den wirtschaftlichen Zusammenhang des Feudalsystems bildeten“ (Balibar/ Wallerstein, 1990, 167). Der Bourgeois war kein Bauer, Leibeigener und gehörte auch nicht dem Adel an. Vielmehr bildete die Bourgeoise die 'Mittelschicht' (Balibar/ Wallerstein, 1990). Ein Bourgeois galt als gut betucht, da er „[…] bestimmte Konsumtionsmöglichkeiten (ein Lebensstil) und Investitionsmöglichkeiten (Kapital) […]“ (Balibar/ Wallerstein, 1990, 168) besaß.

Die Hauptressource des Wirtschaftsbürgertums ist das Geld beziehungsweise das Kapital. Simmel spricht dem Geld eine grundlegende kulturphilosophische Bedeutung zu, welche dem Individuum das Freisein von den unmittelbaren Beziehungen mit den Dingen ermöglicht (Kim, 2002).

Nach Simmel ermöglicht das Geld eine Tauschbeziehung „unter absoluter Reserve alles Persönlichen und Spezifischen“ (Kim, 2002, 118).

Der zentrale Lebenswert an dem sich der moderne Wirtschaftsmensch orientiert ist für Sombart (1988) der Erwerb und das Geschäft. Der Bourgeois strebt nach hohem Erwerb und das Geschäft wird dabei als Kapitalsteigerung angesehen. Die Aufgabe der Bourgeoise ist das Erobern, Organisieren, Verhandeln, Spekulieren und Kalkulieren, um unter Einsatz geringst möglicher Kosten den größtmöglichen Erwerb/ Erfolg zu haben .

Der Bourgeois kann mit einem bestimmten Kapital am Markt teilnehmen, investieren, Profit machen und somit Autonomie erlangen (Grummt/ Hausdorf, 2009). Der Erfolg am Markt ist das wichtigste Kriterium für den Erhalt der Bourgeoise (Balibar/ Wallerstein, 1990). Den Erfolg kann der Bourgeois durch seine individuellen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften wie Cleverness, Härte und Fleiß erreichen, dies fördert den Erhalt am Markt (Balibar/ Wallerstein, 1990). Eine Garantie für den Verbleib am Markt gibt es nicht, deshalb sind die individuellen Fähigkeiten von großer Bedeutung. Sie bieten die Möglichkeit einer gewissen Freiheit, gerade in Hinblick auf die eigene Bedürfnisbefriedigung.

Eine weitere Möglichkeit am Markt teilzunehmen und somit ein Bourgeois zu werden, ist das Talent und die Strebsamkeit, denn eine bestimmte Abstammung schließt niemanden automatisch in die Bourgeoise ein (Balibar/ Wallerstein, 1990). Festzustellen ist, dass es keine Gleichheit, aufgrund des Marktes gibt und somit kann nicht jeder am Markt teilnehmen, was die Exklusion bestimmter Bürger zur Folge hat.

Die Voraussetzung um am Markt teilnehmen zu können ist die „[...] Herausbildung eines […] unabhängigen Wirtschaftssystems und anderseits die rechtsstaatliche Garantie des Eigentums“ (Grummt/ Hausdorf, 2009, 168). Auch Hettling (2000) sieht das Recht auf Eigentum als bürgerlichen Grundwert an, jedoch sollte trotz der individuellen Gewinnstrebung das Gemeinwohl beachtet werden. Doch muss berücksichtigt werden, dass der Hauptzweck der 'bürgerlichen Gesellschaft' die Erhaltung des Eigentums ist (Locke, 1985). Dies bedeutet jedoch gleichzeitig „[...] sein Eigentum, das heißt sein Leben, seine Freiheit und sein Vermögen, gegen die Übergriffe und Anschläge anderer Menschen zu schützen [...]“ (Locke, 1985, 154). Dies verdeutlicht, dass sich die Bourgeoise ständig in einem Konkurrenzkampf mit den Anderen befindet, um den maximalen Profit zu erreichen. Des Weiteren ist das Risiko des Scheiterns und der Exklusion groß. Der Bourgeois ist gezwungen Wünsche und Bedürfnisse eines jeden Kunden und die Erfordernisse des Marktes zu berücksichtigen (Grummt/ Hausdorf, 2009).

Die Quintessenz ist, dass die Bourgeoise sich stetig in der Situation riskanter Investitionen befindet, weshalb das Leistungsprinzip eine zentrale Rolle in der 'bürgerlichen Gesellschaft', speziell dem Wirtschaftsbürgertum, einnimmt.

2.2. Bildungsbürgertum

Bildungsbürgertum ist ein heuristisches Konstrukt der Soziologie und Geisteswissenschaften, welches heterogene Personen, vor allem die Verschiedenheit von Einkommen und Beruf und gesellschaftlichen Funktionen erschließen soll (Bollenbeck, 1994). Eine Begriffsbestimmung ist kaum möglich, „[...] daß [Bildungs-] Bürgertum, dieses soziale Gebilde mit den unbestimmten Grenzen [...]“ (Engelhardt, 1986, 13).

Im Spätmittelalter, mit Gründung der Universitäten, bildeten Theologen, Juristen und Mediziner den sogenannten 'Gelehrtenstand', diese grenzten sich stark von den Bürgern ab (Lundgreen, 2000). Doch mit Herausbildung der Charakteristika des Bildungsbürgertums im 18. Jahrhundert, bildete sich langsam die bürgerliche Leistungsgesellschaft. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Bildungsbürgertum als „wirklicher Stand“ angesehen, mit eigenen Sitten und Konventionen, sowie einer eigenen Lebenseinschätzung und Lebensführung (Engelhardt, 1986).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird das Bildungsbürgertum zu einer Struktur von vielen und die ständische Vergesellschaftung löst sich auf (Lepsius, 1992).

Zum heutigen Bildungsbürgertum gehören vor allem Freiberufler (Autoren, Journalisten, et cetera) und Studenten.

Das sogenannte Bildungs- und Leistungswissen entwickelte sich im Bildungsbürgertum (Bollenbeck, 1994). Scheler unterteilt dieses in drei Arten von Wissen, welche im Endeffekt das Bildungswissen hervorbringen (Lepsius, 1992):

(1) Das Herrschafts- und Funktionswissen beinhaltet Wissen der Natur- und Sozialwelt (zum Beispiel Bedingungsanleitungen für Maschinen, et cetera).
(2) Das Heils- und Erlösungswissen bezieht sich auf das Erfassen und Durchdringen der Natur, Welt oder bestimmter Sachen. Dieses Wissen ist Religiöses Wissen, welches die 'Heilige Schrift' nutzt um aktuelle Ereignisse zu erklären und zu lösen. Damit wird der Mensch in einen „neuen“ Zustand versetzt.
(3) Das Bildungswissen hat den Anspruch, dass sich Personen die Welt und sich selbst erschließen. Somit ist das bildungsbürgerliche Prinzip die selbstbildende Welt- und Selbsterschließung. Der Selbstbildungsanspruch ist das entscheidende Strukturmerkmal dieser Trägergruppe.

Das heutige Bildungsideal hat den Anspruch auf reflexive Autonomie und die Selbstverwirklichung eines jeden Einzelnen. Deshalb ist Bildung auch als ein Bereich der Freiheit konzipiert. Doch trotz der Freiheit erhöht das Bildungsideal den Leistungsdruck, es entsteht ein Zwang zur Leistung (Bollenbeck, 1994).

Somit ist festzuhalten, dass Bildung den Selbstbildungs- und Selbstentfaltungsanspruch hat und versucht die Welt zu durchdringen. Dies lässt sich auch auf die Gesellschaft übertragen. Aufgrund der Bildung besteht die Möglichkeit die Gesellschaft zu hinterfragen, zu überprüfen und dementsprechend zu verändern.

Demnach bringt die 'bürgerliche Gesellschaft' das Bildungsbürgertum als ein kritisches und hinterfragendes Bürgertum hervor.

2.3. Vereinsbürgertum

Das Vereinsbürgertum oder auch Assoziative Bürgertum bildete sich im Vergleich zu den vorangegangen Bürgertum erst spät heraus. Doch es ist wichtig das Vereinsbürgertum als eigenständige Kategorie zu betrachten, da diese bereits den Anspruch von Autonomie und Autokephalie in sich trug, genau wie die okzidentale Stadt (Geburtsort der 'bürgerlichen Gesellschaft' (Grummt/ Hausdorf, 2009).

Ihren Ursprung haben Vereine ab Mitte des 18. Jahrhunderts, als Vereinigungen von Intellektuellen (zum Beispiel Lesezirkel) außerhalb des Staates und der Kirche. Das gesellige Jahrhundert (18.Jahrhundert) versuchte räumliche, staatliche, soziale und konfessionelle Grenzen zu überschreiten. Vorläufer von Vereinen lassen sich in den Zünften, Akademien und protestantischen Sekten des Mittelalters finden (Hoffmann, 2003). Hoffmann (2003) unterscheidet die Entstehung von geselligen Vereinen in vier Phasen:

(1) Die erste Phase ist die Entstehungsphase in der Zeit der europäischen Aufklärung bis zum Ende der französischen Revolution. Das Selbstverständnis von geselligen Vereinen resultiert aus den Werten der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
(2) Die zweite Phase geht von 1820er Jahre bis hin zur Revolution 1848/1849 und wird
als das „goldene Zeitalter“ der bürgerlichen Vereine angesehen.
(3) Folgend die dritte Phase (1860er/ 1870er), diese Phase ist gekennzeichnet durch die Liberalisierung, Nationalisierung und soziale Demokratisierung des Vereinswesens.
(4) Die Aufschwungphase (spätes 19.Jahrhundert bis zum Vorabend des ersten Weltkrieges) ist geprägt von der Verbreitung, Dichte und Differenzierung der Vereine. Generell verstärkt sich in Krisenmomenten die Dichte an Vereinen, jedoch gibt es trotz der Krisen der Zeit keinen weiteren Höhepunkt.

Gesellige Vereine lassen sich nicht auf soziale Gruppen reduzieren, denn eine sogenannte „Vereinigungswut“ gab es sowohl im Adel als auch in den Mittelklassen (Hoffmann, 2003). Aufgrund der vielfältigen Formen von Exklusion innerhalb der Vereine und der bestehenden Forderung nach Inklusion bildeten sich viele neue Vereinigungen.

Das allgemeine Ziel von Vereinen ist es: Soziale Fragen und Probleme „zu lösen“, die Weiter- und Fortbildung, gesellige Entfaltung und vor allem dienen Vereine als Schutzraum vor staatlichen Kontrollen. Gerade zu Beginn der geselligen Vereine waren soziale und politische Probleme von Belang. Im heutigen Sinne würde dies als bürgerliches Engagement angesehen werden. Damit nehmen die Bürger Einfluss auf ihr Leben und wirken gleichzeitig auf das Gemeinwohl. „Nur durch die gegenseitige Wirkung der Menschen aufeinander, erneuern sich die Gefühle und die Gedanken, weitet sich das Herz und entfaltet sich der Geist der Menschen“ (Alexis de Tocqueville zit. n. Hoffmann, 2003, 10).

Das heißt also in einem Verein findet sich eine soziale Gruppe spontan und vor allem freiwillig zusammen, um selbstbestimmte und -gesetzte Ziele zu verfolgen (Grummt/ Hausdorf, 2009). Diese Ziele sind durch den Einzelnen nicht durchführbar und um diese erreichen zu können, muss jedes Mitglied seine persönlichen Begabungen für diese Ziele einsetzen (Grummt/ Hausdorf, 2009). Um die gleichberechtigte Beteiligung aller Mitglieder zu sichern, ist es erforderlich das objektive (soziale, konfessionelle, et cetera) und persönliche Zuschreibungen ausgeschlossen werden, damit ein Austausch auf Augenhöhe stattfinden kann (Habermas, 1995). Der Ein- und Austritt unterliegt dem Freiwilligkeitsprinzip und den jeweiligen Statuten des Vereins. Dabei kann der Ein- und Austritt an gewissen Aufnahmekriterien gekoppelt sein, welche Mechanismen der Inklusion und Exklusion initiieren.

Der bürgerliche Anspruch auf Selbstbestimmung wird erfüllt, indem jeder Verein eigene Regeln und Statuten, sowie Kontrollmechanismen bestimmt und verschiedene Ämter (wie zum Beispiel Vorstand) festlegt. Dabei schaffen sie sich gleichzeitig eine eigene Identität, auch aufgrund der selbstgewählten Statuten, Rituale und Symbole (Grummt/ Hausdorf, 2009; Hoffmann, 2003). Aufgrund der Symbole wird eine Gleichheit innerhalb der Vereine geschaffen und gleichzeitig Exklusivität nach außen.

Vereine können als „Schule“ der Demokratie angesehen werden und bilden die Basis für Demokratie. Das Vereinigungsrecht ist trotz politischer Gefahren (zum Beispiel Nationalsozialismus), die entstehen können, eines der wichtigsten Rechte der Demokratie (Hoffmann, 2003).

Des Weiteren entsteht durch Vereine ein großes Netzwerk, teilweise sogar International und es kommt zu einem (weltweiten) Austausch.

[...]


1 Triviums: Die drei sprachlichen Fächer der sieben freien Künste (im Mittelalter entstehender Kanon von sieben Studienfächern).

2 Autokephalie: (griech. „autos“ = selbst; „kephale“ = Haupt) selbstbestimmt; unabhängig (Duden, 2007)

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
'Toastmasters International'. Ein Phänomen der 'bürgerlichen Gesellschaft'
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Die soziologische Theorie der „bürgerlichen Gesellschaft“
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
42
Katalognummer
V214377
ISBN (eBook)
9783656426721
ISBN (Buch)
9783656438762
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
toastmasters, international, phänomen, gesellschaft
Arbeit zitieren
Julia Möser (Autor), 2012, 'Toastmasters International'. Ein Phänomen der 'bürgerlichen Gesellschaft', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214377

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: 'Toastmasters International'. Ein Phänomen der 'bürgerlichen Gesellschaft'



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden