Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)

Der Stellenwert des Senders RIAS im geteilten Deutschland


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
1.1 Gründung und Entwicklung des RIAS - Aus DIAS wird RIAS
1.2 Eine freie Stimme der freien Welt
1.3 Das zweite Hörfunkprogramm: RIAS 2

2. Programmentwicklung des RIAS
2.1 Phasen der Programmentwicklung und die Programmübersicht
2.2 Politische Programme des RIAS
2.3 Programme des Kulturellen Worts im RIAS
2.3 Einführung der Magazine im RIAS
2.4 RIAS und die Musik

3. RIAS Interaktion mit dem Umfeld
3.1 Die RIAS-Hörer und die Reaktion in der DDR
3.2 „Das Klingelnde Sonntagsrätsel“
3.3 Veranstaltungen für die RIAS-Hörerschaft

4. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anlagen

Einleitung

„Hier ist RIAS Berlin, eine freie Stimme der freien Welt!“ Mit diesen Worten begrüßte der Radiosender RIAS seine Hörerschaft. Unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkriegs begann die amerikanische Besatzungsmacht im Jahre 1946 im Westen Berlins einen Radiosender aufzubauen. Der Rundfunk im amerikanischen Sektor –kurz RIAS– wurde innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Informations- und Unterhaltungssender. Die Programme des RIAS waren speziell für die Bedürfnisse der DDR-Bürger entwickelt worden. Die Hörfunkprogramme waren in Ostdeutschland bis zum Ende der DDR eine der wenigen und wichtigen Informationsquellen der westlichen Welt.

Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, welche präzise Rolle der RIAS in dem Leben der DDR-Bevölkerung gespielt hat. Unter anderem wird kurz dargestellt, welche konkreten Versuche der RIAS unternommen hat, um die Hörer der Sowjetzone zu erreichen, und welche Maßnahmen das DDR-Regime gegen den „verhassten“ RIAS vollzog. Der Fokus dieser Arbeit liegt in der Programmentwicklung, seinen sozialen Interaktionen mit dem Publikum, sowie die Reaktion der ostdeutschen auf den RIAS und insbesonders auf das Format „Das klingelnde Sonntagsrätsel“.

Zur Quellenlage zum Stellenwert des RIAS im geteilten Deutschland hat vor allem Herbert Kundler mit seinem Buch „RIAS Berlin-Eine Radiostation in einer geteilten Stadt einiges beigetragen. Aber auch „Funken für die Freiheit - Die U.S.-amerikanische Informationspolitik gegenüber der DDR von 1953 bis 1963“ von Schanett Riller und „RIAS Berlin und Berliner Rundfunk 1945-1949 - Die Entwicklung ihrer Profile in Programm, Personal und Organisation vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges“ von Petra Galle dienen als Grundlage für die Arbeit.

Im Gegensatz zu der meisten Literatur über die Entstehung und die frühen Jahre des RIAS sowie die ausreichende Forschung der Entwicklungsgeschichte und der Merkmale des Senders RIAS, ist der Forschungsstand zum Thema die Rolle des RIAS in der Gesellschaft äußerst bescheiden. Es existieren bereits Arbeiten über die Informationspolitik und die Politik der DDR und auch die Rundfunkentwicklung in der Nachkriegszeit ist sehr ausführlich erforscht worden, doch nicht erwähnt worden welchen Stellenwert der Radiosender überhaupt für die DDR hatte. Eine präzise Erläuterung über die Geschichte des RIAS hat unter anderem auch Herbert Kundler verfasst. In dieser Arbeit wird zwar kurz über die Politik der USIA erwähnt, aber nicht weiter drauf eingegangen. Da Schanett Riller eine detaillierte Forschungen bereits in ihrem Werk „Funken für die Freiheit-Die U.S.-amerikanische Informationspolitik gegenüber der DDR von 1953 bis 1963“ angestellt hat.

1. Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)

Das Jahr 1945 bildete für nahezu alle Lebensbereiche der in Deutschland lebenden Menschen einen Neuanfang. Die militärische Niederlage und der politische Zusammenbruch des NS-Regimes waren so erschöpfend, dass man von der Stunde Null spricht[1]. Vor allem gilt dies für die gesellschaftlichen Massenkommunikationsmedien, denn die NS-Herrschaft gründete ihre Macht besonders auf eine durchgreifende Instrumentalisierung der Massenmedien. Das Ende dieses Regimes und das Eingreifen der alliierten Besatzer führten in Deutschland, ganz besonders in Berlin, zu einem immensen Einschnitt. Nur dadurch lässt sich die Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland verstehen.

1.1 Gründung und Entwicklung des RIAS - Aus DIAS wird RIAS

In Berlin wurde die gemeinsame Kontrolle der Besatzungsmächte über die Alliierte Kommandantur ausgeübt. Die Zusammenarbeit im Sommer 1945 verlief auf vielen Gebieten weitestgehend reibungslos. Jedoch waren die Beziehungen im Bereich der Rundfunkangelegenheiten deutlich abgekühlt. Das Scheitern einer gemeinsamen Radiostation in der Viersektorenstadt sorgte für Missstimmungen, so dass eine Einigung der vier Siegermächte über ein gemeinsames Rundfunkkonzept in der Folgezeit ausgeschlossen blieb. Die sowjetischen Truppen hatten den Reichssender Berlin in der Masurenallee bei Kriegsende besetzt und in Betrieb genommen.[2] Dort strahlten sie seit dem 13.Mai 1945 ein eigenes Programm für die sowjetische Besatzungszone und für ganz Berlin aus.[3] Deshalb ordnete die US-Militärregierung bereits am 21. November 1945 für ihren Sektor die Wiederherstellung des Drahtfunk-Systems an.[4] Am 7. Februar 1946 startete der Drahtfunk im amerikanischen Sektor (DIAS) mit einem abendlichen, siebenstündigen Programm. Die Empfangsmöglichkeiten waren allerdings stark eingeschränkt, da die meisten Draht- und Telefonleitungen während des Krieges zerstört worden waren.[5] Deshalb konnte das Programm erste halbe Jahr nur über Telefonnetz im amerikanischen Sektor der Stadt empfangen werden.[6]

Die Weigerung auf eine gemeinsame Rundfunkstation der sowjetischen Militäradministration bestand weiterhin. Als Reaktion darauf nahm die amerikanische Militärregierung im September 1946 einen Mittelwellensender in Berlin-Britz in Betrieb, mit dem der Empfang für ganz Berlin ermöglicht wurde.[7] Der DIAS wurde zum RIAS, Rundfunk im amerikanischen Sektor, umbenannt und bezog nach Beginn der Berliner Blockade 1948 das Funkhaus in der Kufsteiner Straße in Schöneberg, das bis zur Auflösung 1993 Stammsitz bleiben sollte.

1.2 Eine freie Stimme der freien Welt

Einer der wichtigsten Aspekte des RIAS war die politische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus. Der Ost-West-Konflikt verschärfte sich und die propagandistischen Angriffe der Sowjetunion nahmen zu. Auf diese Angriffe antwortete der amerikanische Militärgouverneur General Lucius D. mit der „Operation Black Talk“ d.h. der RIAS erhielt erst damit die Erlaubnis, Vorgänge in der sowjetischen Besatzungszone zu kritisieren.[8] Das Programm setzte sich mit dem Stalinismus und sowjetischer Politik auseinander und strahlte eine antikommunistische Satire aus.[9] Während der Blockade avancierte der RIAS zum Lieblingssender der Berliner.[10] Aufgrund der Berliner Blockade kam es zu Stromabschaltungen. Batteriebetriebene Rundfunkempfangsgeräte gab es kaum, so ließ der RIAS seine Sprecher und Reporter die Nachrichten von Lautsprecherwagen vor den zusammenströmenden Menschen deklamieren, „deren Nachrichtenhunger angesichts ihrer bedrohlichen Situation und konfrontiert mit immer neuen Engpässen und Schwierigkeiten kaum zu überbieten war.“[11] Für die Berliner wurde RIAS zu einem Symbol des westlichen Engagements der Stadt: Eine freie Stimme der freien Welt. Durch den besonderen Status Berlins, wurde der Sender bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland nicht in deutsche Hände übergeben. Der RIAS war zum einen während der Blockade Berlins zum Symbol der Amerikaner am Vier-Mächte-Status der Stadt geworden. Eine Übergabe des Senders wäre somit ein Rückzug aus der Verantwortung für Berlin gewesen. Zum anderen erkannte man das Potential des RIAS als Kommunikationsmittel, d.h. die westlichen Nachrichten wurden den Deutschen aus dem Ostteil und der sowjetischen Besatzungszone überliefert.[12] Im Jahr 1949 setzten sich in Washington die Befürworter einer herausfordernden Propagandapolitik gegen die Sowjetunion durch. Für den RIAS resultierte daraus, dass noch im selben Jahr die ersten Sendungen eingeführt wurden, die sich an die Ostdeutschen Hörer richteten. In den folgenden Jahren wurden sie zum wesentlich Programmbestandteil.[13] Das Programm des RIAS war vielfältig. Wie alle deutschen Radiostationen in der Nachkriegszeit bot der Sender einen Ersatz für Theater, Literatur und Konzerte. Außerdem wurden Lesungen und Vortragsreihen, genauso wie Theaterübungen oder der Schul- und Universitätsfunk gesendet. Dadurch trug der RIAS erheblich zum Kulturleben der Stadt bei.[14]

[...]


[1] Vgl. Kundler, 1994, S.16

[2] Vgl. von Thadden, Dietrich, RIAS Berlin – Die Geschichte einer außergewöhnlichen Radiostation http://www.riasberlin.de/rias-hist/riad-hist-thadden.html, 26.08.2012, 16:28 Uhr

[3] Vgl. von Thadden, Dietrich, RIAS Berlin – Die Geschichte einer außergewöhnlichen Radiostation http://www.riasberlin.de/rias-hist/riad-hist-thadden.html, 26.08.2012, 16:30 Uhr

[4] Vgl. Schreiben des US-Headquarters Berlin District an den Magistrat von Berlin vom 21.11.1945 in: Kundler, 1994, S.38

[5] Vgl. Derenburg, 1986, S.5-12

[6] Vgl. Riller, 2004, S.90

[7] Vgl. Galle, 2003, S.68-72

[8] Vgl. Riller, 2004, S.91

[9] Ebd.

[10] Im August 1948 gaben 80 Prozent der Westberliner RIAS als ihren Lieblingssender an; vgl. Riller, 2004, S.91

[11] Vgl. Kundler, 1994, S.100

[12] Vgl. Riller, 2004, S.92

[13] Vgl. Riller, 2004, S.92

[14] Vgl. Kundler, 1994, S.114 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
Untertitel
Der Stellenwert des Senders RIAS im geteilten Deutschland
Hochschule
die medienakademie AG
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V214462
ISBN (eBook)
9783656427759
ISBN (Buch)
9783656438885
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radio;, Rundfunk
Arbeit zitieren
Derya Türkmen (Autor), 2012, Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214462

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